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Beruf & Karriere -24.02.2018-

Beruf & Karriere

BERUF&KARRIERE EXTRA BERUFSWELT PÄDAGOGIK & ERZIEHUNG SAMSTAG, 24. FEBRUAR 2018 rHEINISCHE POST Förderung für die Kleinsten Gut aus- und fortgebildete Fachkräfte sind wichtig für die pädagogische Arbeit in den Kindertageseinrichtungen. Mit regelmäßigen Fortbildungen sind sie fit für den Berufsalltag. VON BRIGITTE BONDER Ob Weiterbildungen zur Sprach- und Schreibförderung, zur Inklusion, Partizipation, Eingewöhnung und Bindung, zur religiösen Erziehung oder zu Bewegung und Entspannung – Erzieherinnen können in ihrem Berufsleben diverse Schwerpunkte bilden. FOTO: OLIVER BERG/DPA Ausbau und Förderung der frühkindlichen Bildung sind mit höheren Anforderungen an das Personal verbunden und in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Um sich diesen Herausforderungen entsprechend stellen zu können, müssen sich die Fachkräfte kontinuierlich weiter qualifizieren“, betont Henning Severin, stellvertretender Pressesprecher des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW. „Im Bereich der frühkindlichen Bildung gibt es seit vielen Jahren sehr vielfältige Möglichkeiten an Fort- und Weiterbildungen. Hierfür sind vor Ort die Kita- Träger im Rahmen ihrer Gesamtverantwortung für die Einrichtungen verantwortlich.“ Jeder Träger entscheidet dabei eigenverantwortlich, welche Schwerpunkte er für Fort- und Weiterbildungen seines Personals setzt. Ein großes Angebot an Weiterbildungen für Kita-Fachkräfte gibt es bei der Kaiserswerther Diakonie. „Staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher, die eine Leitungsfunktion anstreben, können an der Fliedner Fachhochschule Düsseldorf den Bachelor-Studiengang ,Bildung und Erziehung in der Kindheit mit Schwerpunkt Leitung’ berufsbegleitend absolvieren“, erklärt Melanie Bodeck von der Kaiserswerther Diakonie. Zugangsvoraussetzungen sind die Hochschulreife und eine abgeschlossene Fachschulausbildung als staatlich anerkannter Erzieher. Nach Abschluss des viersemestrigen Studiums können Absolventen Leitungstätigkeiten oder pädagogische und beratende Tätigkeiten in Kindertageseinrichtungen und Familienzentren übernehmen. Auch die Aufnahme einer Lehrtätigkeit in der Fort- und Weiterbildung von Erwachsenen oder die Qualifizierung von Tageseltern ist möglich. Die Kaiserswerther Diakonie bietet vielfältige Fort- und Weiterbildungen im Gesundheitsund Sozialwesen. Für Fachkräfte in Kitas besonders interessant sind die Weiterbildungen im Systemischen Beraten, Therapieren, Coachen und Führen. „Dabei handelt es sich um eine in der Praxis bewährte und inzwischen sehr verbreitete Therapie- und Beratungsform“, erklärt Melanie Bodeck. „Die systemische Sicht betrachtet nicht nur individuelle Persönlichkeitsmerkmale, Eigenschaften oder Handlungen eines Einzelnen oder einer Gruppe, sondern richtet auch den Blick auf den Kontext und das Lebensumfeld der Personen.“ Davon profitieren bereits die Kleinsten. Zweimal jährlich bieten die Kaiserswerther Seminare die Weiterbildung „Systemische Beratung” sowie den darauf aufbauenden Kurs „Systemische Kinder- und Jugendlichentherapie” an. Nach Abschluss der zweijährigen Weiterbildung mit Abschluss als Systemischer Berater oder Systemischer Therapeut kennen Absolventen Konzepte zur kindlichen Entwicklung und haben Kompetenzen entwickelt, um die Persönlichkeit des Kindes zu stärken und den Selbstwert erhöhen. Bei Fach- und Führungskräften ist das „Systemische Coaching” sehr gefragt. Der Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln führt speziell für Kita-Fachkräfte Präsenz- und Online-Seminare durch. Im Programm 2018 gibt es zahlreiche Weiterbildungen zur Inklusion, Partizipation, Eingewöhnung und Bindung, zur religiösen Erziehung und alltagsintegrierten Sprachförderung, zu Themen wie der Leitung, der persönlichen Entwicklung und der Gestaltung des pädagogischen Alltags mit den Kindern und der Zusammenarbeit mit den Eltern. Beispiele sind Zertifikatskurse zur Fachkraft für Kinderschutz, für Inklusion, für Kleinkindpädagogik oder für digitale Medien in der Kita. Für Kita-Fachkräfte ist auch die 18-monatige Fortbildung zum Erziehungs- und Entwicklungsberater an der Schule für freie Gesundheitsberufe Impulse in Wuppertal interessant. Absolventen übernehmen die Aufklärung und Beratung von Familien über das Auftreten verschiedenster Probleme und Störungen in Erziehung, Verhalten und Entwicklung des Kindes. Wer sich in neun Monaten zur Fachkraft für Inklusion weiterbildet, unterstützt bei der Entwicklung inklusiver Praxis und ergänzt bei der Arbeit mit Kindern die pädagogischen Mitarbeiter. Kürzere Weiterbildungen beschäftigen sich beispielsweise mit dem Thema „Bewegung und Sport im Kinderalter“. So dauert die Ausbildung zum Bewegungspädagogen für Kinder an der AHAB Akademie in Köln sechs Tage. Absolventen vermitteln nach Abschluss kindgerechte Übungen und fördern die Freude an der Bewegung bei kleinen Kindern. An zwei Präsenztagen können Fachkräfte eine Ausbildung zum Entspannungstrainer für Kinder absolvieren und so eine Zusatzqualifikation für Präventionskurse erhalten. Pädagogische Fachkräfte begleiten häufig Kinder aus verschiedenen Herkunftsländern. Oft ist Englisch die einzige Möglichkeit, mit den Eltern zu kommunizieren. So bereitet das zweitägige Caritas-Seminar „English in the Kita“ Fachkräfte auf die Kommunikation mit Familien vor. Ebenfalls im Programm sind Kurse zur Sprachbildung für Kinder mit Migrationshintergrund. Lehrkräfte arbeiten länger als andere (rps) Nach einer neuen Studie der Georg-August-Universität Göttingen arbeiten Lehrkräfte in Deutschland im Durchschnitt länger als vergleichbare Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Dies gefährde nicht zuletzt die Gesundheit vieler Betroffener. Im Schnitt arbeiten Lehrer an Grundschulen, Gesamtschulen und Gymnasien 48:18 Stunden wöchentlich gegenüber der Vergleichsbasis von 46:38 Stunden, die sich rechnerisch ergibt, wenn man Verwaltungsbeamten auf die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert eine umgehende Entlastung der Lehrkräfte. „Lange Zeit wurde die Ermittlung der Arbeitszeit von Lehrkräften für unbestimmbar gehalten. Die neue Göttinger Studie kommt jetzt zum gegenteiligen Ergebnis: Sie ist sehr wohl bestimmbar. hoch“, sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. Eine Übersicht Pflichtstundenzahlen in allen statt einer Senkung häufig sogar mehr Pflichtstunden angeordnet die 40-Stunden-Woche der Schulwochen umrechnet. Die Und sie ist im Durch- schnitt der drei genannten Schulformen deutlich zu zur Entwicklung der Bundesländern zeige, dass werden. ONLINE-SERVICE Konzern, Start-up oder Amtsstube:Welcher Arbeitsplatz passt zu mir? Arbeitsprobe in echt: So funktioniert das Assessment Center heute Zwischen Büro und Filmdreh: Medienkaufleute müssen flexibel sein www.rp-online.de www.ngz-online.de Beruf&Karriere Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH, Zülpicher Straße 10, 40196 Düsseldorf, Geschäftsführer: Dr. Karl Hans Arnold, Patrick Ludwig, Hans Peter Bork, Johannes Werle, Tom Bender (verantwortl. Anzeigen), Druck: Rheinisch-Bergische Druckerei GmbH, Zülpicher Straße 10, 40196 Düsseldorf, Anzeigen Verkaufsleiter: Sven Retz, RP Media Service, Tel. 0211 505-2490, E-Mail: sven.retz@rheinische-post.de, Redaktion: Rheinland Presse Service GmbH, Monschauer Straße 1, 40549 Düsseldorf, José Macias (verantwortlich), Isabelle De Bortoli, Tel. 0211 528018-27, redaktion@rheinlandpresse.de Pädagogen im Kulturbetrieb Kulturpädagogen arbeiten in Museum, im Theater oder an der Oper. VON BRIGITTE BONDER Sie vermitteln Wissenschaft auf spannende Weise im Museum, proben mit Jugendlichen im Laientheater oder planen neue Ausstellungen. Neben der Organisation und Vermarktung von Kultur zählt auch die Erziehungsarbeit zu den Aufgabenfeldern eines Kulturpädagogen. Dabei spielen kulturelle Methoden eine große Rolle. Im Mittelpunkt stehen immer das künstlerische Schaffen und die kulturelle Bildung. Kulturpädagogen vermitteln Grundlagen, Methoden und Techniken und geben Anleitung zur künstlerischen Reflexion. Die Ausbildung zum Kulturpädagogen berücksichtigt all diese Handlungsfelder, das Studium ist daher ein Querschnitt aus Erziehungswissenschaften, angewandter Pädagogik, Kulturwissenschaften und Kulturmanagement. Spezialisierungen können zum Beispiel zum Kunst-, Literatur-, Medien-, Museums-, Tanz- oder Theaterpädagogen erfolgen. Wer sich für Kulturpädagogik interessiert, studiert beispielsweise an der Hochschule Niederrhein. „Wir vom Fachbereich Sozialwesen haben bei der Entwicklung und Etablierung der Kulturpädagogik zusammen mit der Hochschule Hildesheim Pionierarbeit geleistet“, blickt Professorin Sabine Krönchen zurück. „2002 konnten sich die ersten Studierenden in Mönchengladbach in den Europäischen Bachelorstudiengang ‚Kulturpädagogik‘ einschreiben.“ Der Master mit der Doppelausrichtung ‚Kulturpädagogik und Kulturmanagement‘ wird seit 2009 angeboten. Kulturpädagogik steht in engem Zusammenhang mit der Ausbildung in Sozialarbeit und Sozialpädagogik. „Während es grundlegende Aufgabe der Sozialen Arbeit ist, gesellschaftliche Probleme auf individueller und gesellschaftlicher Ebene zu bearbeiten und Ungleichheiten oder Ungerechtigkeiten entgegenzuwirken, konzentriert sich die Sozialpädagogik wesentlich auf die Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen“, erklärt Sabine Krönchen. „Mit der Erkenntnis und dem Bewusstsein, dass Menschen sich über Bildungsund Selbstbildungsprozesse entwickeln und dabei im Austausch stets die Gesellschaft mitgestalten, schärft sich das spezielle Profil der Kulturpädagogik.“ Ihr kommt insbesondere die Rolle der Begleitung Einzelner und Gruppen zu, um die Bildung und Selbstbildung zu fördern. „In diesem Sinne ist kulturpädagogisches Handeln auf Empowerment ausgerichtet“, betont die Expertin. „Unter Empowerment wird die Stärkung der Einzelnen und Gruppen verstanden, so dass sie kompetent die eigene Entwicklung vorantreiben und an der Entwicklung der Gesellschaft teilnehmen können.“ Ausgebildete Kulturpädagogen sind bildungswissenschaftliche Fachkräfte, die für den Einzelnen und in der Gesellschaft wichtig sind. „Es ist Aufgabe der Kulturpädagogik, Räume für Bildungsprozesse, Austausch, Kooperation und Gestaltung der Lebensumwelt zu schaffen und die Auseinandersetzung der verschiedenen Zielgruppen zu fördern und zu begleiten“, erklärt Sabine Krönchen. Kulturpädagogik- Absolventen können daher in verschiedensten Bereichen tätig werden. Klassische Arbeitsfelder liegen in der außerschulischen Jugendbildung, zum Beispiel in kommunalen Jugendeinrichtungen, Jugendkunstschulen oder in Bürgerzentren. „Vermehrt wird kulturelle Bildung auch in Schulen und Kitas nachgefragt“, weiß die Expertin. Dazu gibt es Jobs in Musikschulen, Volkshochschulen oder Akademien, aber auch an kulturellen Lernorten und Gedenkstätten, bei gemeinnützigen Organisationen wie Vereinen oder Stiftungen und in der Musikwirtschaft, dem Buchund Literaturmarkt oder der Filmwirtschaft. „Kulturpädagogen können auch in der Erwachsenenbildung und in der Seniorenkulturarbeit tätig werden“, gibt Sabine Krönchen weitere Beispiele. Andere Einsatzfelder liegen in der Programmgestaltung in kommunalen Kulturbüros und weiteren kommunalen, landes- und bundesweiten Organisationen als Träger von kulturpolitischen Programmen.

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