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200 Jahre Marienschule Xanten

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✧ MO-K19

✧ MO-K19 200 Jahre Marienschule Xanten ANZEIGE Längst nicht nur der Unterricht stand auf dem Stundenplan, wie die tanzenden Schülerinnen Mitte der 50er Jahre vorführen. Eine Mädchengruppe vor einem Seiteneingang im Jahr 1941. „Der lieben Mutter …“ widmeten die Schülerinnen der Marienschule im Jahr 1932 dieses Foto. Mit zwei Zimmern fing es an Ihren Anfang nahm die Marienschule Xanten 1817 am St. Viktor Dom. Nach einer wechselvollen Geschichte ist sie heute weit über die Stadt hinaus bekannt. In diesem Jahr feiert die Marienschule voller Stolz ihren 200. Geburtstag und dürfte damit eine der ältesten Schulen der Region sein, deren Geschichte ein Stück lokaler, ja auch deutscher Geschichte widerspiegelt, kann man an ihr doch die wechselvollen Entwicklungen nicht nur der Schulpolitik unseres Landes ablesen: Napoleon war gerade besiegt, als in Xanten Demoiselle Maria Aloysia Catharina Theodora Hellen in ihrem Testament vom 21. Dezember 1817 verfügte, „zugunsten der Kirche und der religiösen Erziehung der Xantener Mädchen“ zwei Zimmer im Immunitätsbereich des St. Viktor Doms für eine zukünftige Schule einzurichten; 100 Reichsthaler sollten für die Lehrerbezahlung, Reparaturarbeiten und für eine jährliche Messfeier aufgewendet werden. Aus diesem Testament heraus entwickelte sich in den Folgejahren eine für die Stadt Xanten immer wichtiger werdende Schule, deren Bedeutung und Anziehungskraft weit über die Stadtgrenzen hinaus reichen sollte. Dies lag auch an dem für damalige Verhältnisse fortschrittlichen Lehrplan, der neben „Gründlichem Lesen, Schreiben und Rechnen“ auch „weibliche Handarbeit, Stricken und Nähen“ vorsah. Der Erfolg der Schule war in den Anfangsjahren allerdings den Vertretern der Stadt ein Ärgernis, musste man doch befürchten, dass die öffentliche Schule ins Hintertreffen geriet, da immer mehr Xantener Eltern ihre Töchter zur kirchlichen Schule schickten. Mit der Übernahme der Schule durch die Schwestern vom Heiligen Kreuze im Jahr 1862 erfuhr die Marienschule sogar noch einen weiteren Ausbau und durfte sich fortan „Höhere Töchterschule“ nennen – bis sie 1875 als Folge des Kulturkampfes für zwei Jahre ihren Betrieb einstellen musste. Nach ihrer Neueröffnung im Jahr 1877 wurde die Schule dann weiter als staatlich kontrollierte Privatschule geführt, bevor sie ab 1921 wieder unter die Leitung von Ordensschwestern gestellt wurde, diesmal der Heiligenstädter Schulschwestern. In der Zeit des Nationalsozialismus konnte sich die Schule zunächst einigermaßen über Wasser hal- Längst angekommen im 21. Jahrhundert ist die „MSX“ mit ihren 540 Schülerinnen und 32 Lehrern. ten, nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil sowohl der Bürgermeister als auch der nationalsozialistische Ortsgruppenleiter ihre Töchter an der Schule hatten. Allerdings litt auch die Marienschule in dieser Zeit unter zahlreichen Repressalien staatlicher Willkür und wurde schließlich 1942 – de facto – geschlossen, erhielt aber die Erlaubnis, die noch vorhandenen Klassen zum Abschluss zu führen, so dass der Schulbetrieb – wenn auch ohne Neuaufnahmen – fortgeführt werden konnte. Im Krieg wurde das Schulgebäude, das sich im Bereich der Michaelskapelle befand, wie viele andere Gebäude rund um den Dom völlig zerstört und so zog die Schule nach dem Zweiten Weltkrieg an ihren jetzigen Standort und übernahm das ehemalige Krankenhaus. Im Laufe der Zeit erfuhr das Gebäude zahlreiche An- und Umbauten und beherbergt heute in einem äußerlich altehrwürdigen und innen modernsten Ansprüchen genügenden Gebäude 540 Schülerinnen, die von 32 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet werden. Das, Michaelskapelle mit Höherer Töchterschule im Jahr 1868. was die Marienschule heute ist, ist in fast 200 Jahren gewachsen, und es liegt dem Kollegium daran, all das Gute und Bewährte einer solch langen Schultradition zu bewahren und gleichzeitig Neues behutsam in diesen Kanon einzufügen. „Gründliches Lesen, Schreiben und Rechnen“ auch „weibliche Handarbeit, Stricken und Nähen“ finden zwar immer noch in moderner Form ihren Platz im Unterrichtsangebot. Aber dieses Angebot erfuhr über die Zeit in vielfältiger Weise Ergänzungen mit der Zielsetzung, die Schülerinnen in ihrer ganzen Persönlichkeit zu fördern. Formen der individuellen Förderung im Unterricht und Formen der Differenzierung mit der Wahl eines Schwerpunktfaches wie Französisch, Chemie, Biologie oder Sozialpädagogik sollen heute die Stärken der Schülerinnen berücksichtigen. Digitale Tafeln, der Einsatz von Laptops und das Programmieren von Robotern zeigen überdies, dass die Marienschule sicher im 21. Jahrhundert angekommen ist. Freiwillige Arbeitsgemeinschaften runden das Angebot ab, das einen besonderen Stellenwert auf die Schulorchester- und Theaterarbeit sowie die bildende Kunst und die Textilgestaltung legt. Die Mädchen entsprechend ihrer Talente und Begabungen individuell zu fördern, so dass sie sowohl auf die berufliche Ausbildung als auch auf die Hochschulreife vorbereitet werden, das ist erklärtes Ziel. Für die Marienschule als kirchlicher Schule haben dabei christliche Wertvorstellungen einen besonders hohen Stellenwert und so gehören das Morgengebet und das Feiern von Schulgottesdiensten ebenso zum Schulleben wie die Tage der religiösen Orientierung, die alljährliche Wallfahrt oder das einwöchige Sozialpraktikum in Klasse 8. Hoher Besuch: Am 18. Juli 1952 kam der erste Bundespräsident Theodor Heuss nach Xanten und wurde von den Schülerinnen der Marienschule herzlich empfangen.

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