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500 Jahre Reformation -31.10.2017-

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500 Jahre Reformation

1517 – 2017 500 JAHRE REFORMATION © JMP-BILDAGENTUR, J.M. PIETSCH, SPRÖDA, MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DES J.-F.-DANNEIL-MUSEUMS SALZWEDEL Propaganda ist das Mindeste, was man über dieses Bild sagen kann. Cranach d. J. fertigte es 1582 als Mitteltafel für einen Altaraufsatz in der Mönchskirche Salzwedel. Zu sehen ist der zwiegespaltene „Weinberg des Herrn“. Rechts arbeiten gottgefällige Reformatoren, allen voran Luther, während links der Papst, Bischöfe und Mönche Reben verbrennen, den Brunnen mit Steinen und sich selbst mit Wein zuschütten. In diesem Jahr hat die Kirche ein Ereignis gefeiert, das es so nie gegeben hat: Martin Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517. Historisch ist der Thesenanschlag nicht zu belegen. Erst mit der Zeit ist diese Legende entstanden. Doch der Reformator ist nicht nur für die evangelische Kirche mehr als ein „Heiliger“, an dem sich das nationale Selbstbewusstsein aufrichtet. Luther ist mehr als eine historische Figur, die als Playmobil-Version zum Verkaufsschlager wurde. Der Thesenanschlag ist zum Kristallisationspunkt der evangelischen Kirche geworden, zum Ereignis, mit dem alles begann. Dass der deutsche Blick auf Luther seine Schwächen hat, zeigt der Gastbeitrag des Historikers Volker Reinhardt in dieser Beilage. Er ordnet das Wirken des Reformators in eine Zeit des Umbruchs in der Kirche ein. Die evangelische Kirche formierte sich erst, als Luther ab 1520 mit den Dogmen der Papstkirche brach. Im Konzil von Trient musste eben diese Kirche dann bestimmen, was eigentlich „katholisch“ ist. So ist die Geschichte der evangelischen und katholischen Kirche immer eine Geschichte der Wechselseitigkeiten. Die evangelische Kirche hat viel Wert darauf gelegt, das Reformationsjubiläum nicht als evangelisches Heldenfest zu inszenieren, sondern gemeinsam mit der katholischen Kirche ein Christusfest zu feiern. Dass diese Annäherung auch über 2017 hinaus wirken soll, zeigt das Doppelinterview mit Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, und Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck. Herzstück der Ausgabe ist aber die grafische Darstellung der Welt der Reformation. Die Redaktion hat den Versuch unternommen, Luther und die anderen Reformatoren im Spiegel ihrer Zeit zu zeigen. Die Zeit um 1500 war geprägt von der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Die Kirche war die eigentliche Bezugsgröße: Sie steuerte das Leben des Einzelnen von der Geburt über Taufe und Eheschließung bis zum Tod. Sie vertrat auch einen weltlichen Machtanspruch. Die Menschen in der Gesellschaft um 1500 waren so fromm wie nie. Sie zitterten vor dem Fegefeuer, hatten Angst vor dem Teufel und erwarteten den Weltuntergang. Deswegen investierten sie in ihr Seelenheil, kauften Ablassbriefe und pilgerten zu Wallfahrtsorten. Die Reformation wäre als gesellschaftliche Umwälzung niemals denkbar gewesen ohne den Wandel in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, der durch die Renaissance und den Humanismus in Europa Einzug hielt. Zuletzt bietet dieses Panorama noch Tipps für alle, die den Luther-Hype verpasst haben oder am Ende der Reformationsdekade noch einsteigen möchten. Auf der Rückseite finden Sie daher Empfehlungen für Bücher, Filme und CDs – und auch Ausflug-Tipps über den 31. Oktober 2017 hinaus. INHALT Die Welt der Reformation im Panorama Doppelinterview mit Präses Rekowski und Bischof Overbeck Gastbeitrag von Volker Reinhardt Tipps rund um das Jubiläum

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