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775 Jahre Kleve

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Als Prinz Moritz die

Als Prinz Moritz die Stadt umbaute Nach dem 30 jährigen Krieg wurde Johann-Moritz von Nassau-Siegen zum Statthalter Kleves ernannt und machte aus der mittelalterlichen Herzogstadt eine barocke Residenz für die Brandenburger. Foto: Markus van Offern VON MATTHIAS GRASS riose, von ihm selbst gestaltete Grabstätte kündet bis heute von seinem Lieblingsplatz bei Freudenberg. Bestattet ist er allerdings in seiner Heimat. Moritz’ Vater war ein Bruder von Wilhelm von Oranien. Damit lagen die Verbindungen in die Niederlande, in deren militärischen Dienst sich Moritz begab, auf der Hand. Sein erster großer Auftrag führte den 32- Jährigen 1636 nach Brasilien, als Generalgouverneur der Westindischen Compagnie, die regen Handel trieb. Auch mit Sklaven. Als Generalgouverneur sollte er die 1639 gegründete niederländische Kolonie festigen und vor allem gegen die Portugiesen verteidigen. 1640 vernichteten die Niederländer vor Itamara beinahe die gesamte portugiesisch-spanische Flotte. Doch Moritz von Nassau überwarf sich mit der westindischen Compagnie und kehrte nach Europa zurück. Im Gepäck Kunst und umfangreiche naturhistorische und ethnologische Aufzeichnungen. Die erschienen 1648 als „Historia naturalis Brasiliae“. Die überarbeitete, reich illustrierte zweite Auflage der „Historia Naturalis Brasiliae“ von 1658 gehört zur Johann Moritz von Nassau-Siegen formulierte voll Stolz seinen Wahlspruch: Sammlung des Museums Kurhaus Kleve, konnte mithilfe des Freundeskreises und des Klevischen Vereins angekauft werden, sagt Valentina Vlasic vom Kurhaus. Mehr als 500 Holzschnitte zeigen Flora und Fauna Südamerikas. Zurück in Europa wurde Moritz wieder Soldat, bevor er aufgrund seines diplomatischen Geschicks und nicht zuletzt wegen seiner Freundschaft zum Großen Kurfürsten Statt- „Soweit der Erdkreis reicht“ Mit 16 wurde er Soldat, am Ende seines Lebens hatte er große Teile der damaligen Welt kennengelernt und formulierte voll Stolz seinen Wahlspruch: „Soweit der Erdkreis reicht“. Er hatte Städte und Landschaften geprägt. Vor allem Kleve trägt, als Residenzstadt der Brandenburger von ihm radikal neu gestaltet, bis heute seine Handschrift. Prinz Johann Moritz von Nassau-Siegen modernisierte die mittelalterliche Herzogstadt, baute die Schwanenburg als barocke Anlage um und bezog Kleve und seine hügelige und waldreiche Umgebung in ein System von Alleen, Schneisen, künstlichen „Bergen“ und Kanälen und natürlichen Sichtachsen ein. Hier, in seinen Arkadien, starb der 1604 in Dillenburg geborene 13. Nachfahr Johanns des Mittleren am 20. Dezember 1679 in Bergendal. Die kuhalter der Brandenburger wurde und Kleve ausbauen konnte. Moritz holte sich für Kleve die führenden niederländischen Gartenarchitekten. Er brachte den neuen Klassizismus nach Brandenburg, den die Niederländer Huygens und van Campen von Palladio in Italien kennengelernt hatten, so Silke Herz in „Onder den Oranje Boom“. Die Gartenkunst war seine Leidenschaft, er verband Nutz- und Lustgärten wie selbverständlich, indem er Obstbäume zur Allee machte, wie heute die Birnenalleen in den Klever Galleien so prächtig zeigen. Das Gebiet rund um Kleve gilt als einer der Höhepunkte seiner Landeskultivierung. Die Zeit von Joann Moritz von Nassau- Siegen sollte die vorerst letzte Blüte der Stadt sein - bis ab dem 18. Jahrhundert die neu entdeckten Heilquellen Kleve zu einem beliebten und reichen Badund Kurort machten.

So weit die Blicke schweifen Kleve ist eingebettet in eine weite Parklandschaft mit dem barocken Denkmal Amphitheater. Der Eiserne Mann als Mars blickt der Göttin der Wissenschaften zu Füßen des Ceres-Templs in die Augen. Foto: Markus van Offern VON MATTHIAS GRASS Für die Klever Parks holte der damalige Statthalter Brandenburgs in Kleve, Prinz Moritz von Nassau-Siegen, die damaligen europäischen Spitzenarchitekten für Gartenkunst an den Niederrhein: Jacob van Campen, Pieter Post und dessen Sohn Maurits. Er fertigte aber auch eigene Entwürfe. Es entstanden ab 1653 die heute als „alter“ und neuer Tierpark“ geführten Anlagen. Vor allem der Bereich neuer Tiergarten mit dem natürlichen Amphitheater gilt als herausragendes Beispiel europäischer Barockarchitektur. Zumal dieser Park einer der ganz wenigen ist, die nicht an eine Residenz oder ein Schloss gebunden sind. Das Amphitheater zeigt die Weitsicht, mit der die Posts und van Campen arbeiteten: Man blickt nicht in einen Klostergarten, der an der Mauer endet, sondern in eine Landschaft, die bis an den Horizont weist, die gegebene Sichtachsen, Landschafts- einschnitte oder Besonderheiten wie eigens für die Anlage gemacht in den Entwurf einschließt: Park, so weit die Blicke schweifen. Das macht den Reiz vor allem des Amphitheaters aus, blickt man vom Kupfernen Knopf hinüber auf Hochelten, den Kanal und prächtige Inseln zu Füßen, darin Minerva und Mars. Die eine aus weißem Marmor (das Original steht im Museum Kurhaus, es ist ein Geschenk der Bürger Amsterdams an Moritz von Nassau), der Mars ein Werk des Bildhauers Stephan Balkenhol, das mit Hilfe von Landesstiftungen und dem Freundeskreis 2004 zum 400. Geburtstag von Nassau- Siegen errichtet wurde. In den 1970er retteten die Gartenarchitekten Gustav und Rose Wörner die unter anderem von Weyhe erweiterte Anlage. Die Inseln wurden wieder herausgearbeitet, Haus Stirum abgerissen und ein Parkpflegewerk erstellt, das jetzt richtig fortgeschrieben wird. Damit der Park weiter lebendig erhalten bleibe.

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