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775 Jahre Kleve

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Unternehmer mit

Unternehmer mit Weitsicht Schuhe für Kinderfüße – mit dieser Idee machte Gustav Hoffmann die Marke elefanten berühmt. VON MARC CATTELAENS Es war ein Geistesblitz, der die Welt veränderte. „Warum“, so fragte sich Gustav Hoffmann gegen Ende des 19. Jahrhunderts, „müssen Kinder entweder barfuß oder in umgeschusterten Erwachsenen-Schuhen herumlaufen?“ Denn Schuhe für Kinderfüße, dazu noch unterschiedliche für den rechten und den linken, gab es bis dato nicht. Das wollte der Sohn eines Lederhändlers ändern. 1896 gründete er 24-jährig mit seinem Schwager Fritz Pannier in Kleve eine Fabrik, in der Kinderschuhe produziert wurden, revolutionierte damit einen ganzen Industriezweig und legte den Grundstein für eine der erfolgreichsten Firmengeschichten des Niederrheins. Schon als kleiner Junge war es für Gustav klar, dass er einmal in der Branche arbeiten würde, die damals Kleve prägte: das Schusterhandwerk. Aber, so erkannte der Heranwachsende, wenn man es damit zu mehr als einem Hungerlohn bringen wollte, bräuchte es eine gute Idee, die sich zu einem lukrativen Geschäftsmodell entwickeln ließe. Bei der Arbeit im Geschäft der Eltern lernte Hoffmann Fritz Pannier kennen. Gemeinsam fassten die beiden den Plan, eine eigene Fabrik für Kinderschuhe zu Unter dem Markennamen elefanten wurden die in Kleve produzierten Kinderschuhe in aller Welt bekannt. Hoffmanns Unternehmen beschäftigte zwischenzeitlich 4000 Mitarbeiter. Fotos (3): Archiv eröffnen. 1896 setzten die beiden Jungunternehmer ihn in die Tat um. Nach einer zwölfjährigen Anlaufphase hatte sich die Schuhfabrik auf dem Markt etabliert. Die anatomisch geformten Schuhe fanden in aller Welt reißenden Absatz. Doch unter ungeklärten Umständen beschlossen die beiden Geschäftspartner einen Neuanfang – dieses Mal jeder für sich. Die Beschäftigten der gemeinsamen Fabrik wurden aufgeteilt. Pannier und Hoffmann übernahmen jeweils 300 von ihnen. Richtig erfolgreich wurde nach dem Neuanfang nur Gustav Hoffmann – mit seinem Unternehmen, das er am 15. Juli 1908 an der Materborner Allee 47, der heutigen Hoffmannallee, eröffnete. Damit begründete er eine fast 100-jährige Firmentradition: Erst im Jahr 2004 wurde elefanten in Kleve vom englischen Schuhhersteller Clarks geschlossen. Schon im ersten Jahr ihrer Eigenständigkeit erzielte die Gustav Hoffmann GmbH einen Umsatz von fast einer Million D-Mark. Besonders guten Absatz fand „Dr. Koch’s Normalstiefel“, der sich im Geschäftsjahr 1912/13 mehr als 60 000 Mal verkaufte. Am 11. Januar 1928 ließ Gustav Hoffmann die Marke elefanten als Warenzeichen eintragen. Sie ist noch heute in aller Welt für qualitativ hochwertige Kinderschuhe bekannt. Hoffmann verheimlichte seinen geschäftlichen Erfolg nicht, im Gegenteil, er stellte ihn zur Schau. Er erwarb zahlreiche Immobilien. Dazu gehörten das Hotel Maywald, in dem er so gerne tanzte und feierte, und das Ausflugslokal Bresserberg. Der Fabrikant selbst wohnte in der Villa Hoffmann. Doch bei aller Liebe zum Luxus hatte Hoffmann stets ein Herz für seine Angestellten. Er ließ Werkswohnungen bauen, richtete eine Werksküche ein, ließ seine Angestellten in ihren Pausen von einem automatischen Klavier unterhalten. 1933 musste Hoffmann die Mehrheit an seinem Unternehmen, das zu seinen Hochzeiten 4000 Mitarbeiter beschäftigte, an einen Gläubiger verkaufen. Doch das hielt den Lebemann nicht davon ab, ausgiebig zu feiern. Bei einer Karnevalssause 1935 im Hotel Maywald brach Gustav Hoffmann mitten im Tanz zusammen und starb an einem Herzinfarkt. Klever Unternehmer und Lebemann: Gustav Hoffmann. Die von ihm produzierten Kinderschuhe sind weltbekannt.

Wie eine Mall ist das Elefanten Oberstadt Centrum – kurz: eoc – aufgebaut. ringsherum die Geschäfte, in der Mitte eine große Freifläche fürs Parken. Foto: Markus van Offern EOC: Einkaufstor zur Stadt Kleve Wo früher die elefanten-Fabrik die berühmten Kinderschuhe produzierte, lädt heute das Fachmarktzentrum eoc zum ausgiebigen Shoppen ein. Wer will, kann im Schuhmuseum auf dem Gelände die Geschichte der Klever Schüsterkes ergründen. VON MARC CATTELAENS Dort, wo einst die renommierte elefanten-Schuhfabrik Kinderschuhe produzierte, erstreckt sich seit heute das Elefanten Oberstadt Centrum, kurz eoc genannt. 2003 hauchte die Zevens Grundbesitz GmbH dem 60.000 Quadratmeter umfassenden Gelände neues Leben ein. Heute hat sich das eoc längst als Fachmarkzentrum für die Oberstadt etabliert. Ankermieter wie Edeka Schroff, Aldi, Intersport Dammers oder Mc Donald’s fühlen sich dort ebenso wohl wie das Lokal Coffeehouse, diverse Bekleidungsgeschäfte und der Küchenlieferant Meda. Doch die alten Tage von elefanten Schuhe sind noch längst nicht vergessen. Der 60 Meter hohe Schornstein auf dem eoc-Gelände erinnert an die untergegangene Klever Schuhindustrie. Und auch das alte „Hochlager“ von elefanten steht noch. 1917 wurde der fünfgeschossige Hochbau errichtet. Der geplante, repräsentative Kopfbau wurde nicht verwirklicht, so dass das „Hochlager“ nach vorne hin eigentlich nie richtig abgeschlossen wurde. 1962 zogen Zuschneide- Der Schornstein am eoc erinnert an die Klever Schuhindustrie. Foto: Stade rei und Stepperei aus, der Hochbau beherbergte seit dieser Zeit Schuhlager, Retourenabteilung und Versand, hieß seit dieser Zeit „Hochlager“. Heute sind dort unter anderem das „Coffeehouse“, „Meda Küchen“ und „Zevens Grundbesitz“ beheimatet. Und natürlich das Klever Schuh Museum. Schon 1848 wird in der Geschichte der Stadt Kleve von den Schustern berichtet. Um an diese reiche Geschichte der Schuster in Kleve zu erinnern, haben 13 Bürger der Stadt am 15. Oktober 2008 den Verein „Kleefse Schüsterkes“ gegründet, der inzwischen mehr als 60 Mitglieder und viele Freunde hat. Im Museum in der Siegertstraße 3 wird mit zahlreichen Exponaten die Entwicklung der Klever Schuhindustrie dokumentiert und repräsentiert. Auf historischem Boden finden sich im Museum die Darstellung des Schuster-Handwerks, die Geschichte der ehemaligen Schuhfabriken in Kleve, die Ausstellung einer bemerkenswerten Schuh- Sammlung, alte Dokumente und alte Vorrichtungen, Maschinen und Werkzeuge zur Schuh-Herstellung sowie liebenswerte Erinnerungen.

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