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775 Jahre Kleve

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Margarine – made in

Margarine – made in Kleve Simon van den Bergh eröffnete am 20. August 1888 in der Schwanenstadt ein Werk, das sich im Laufe der Zeit zur größten Margarine-Produktionsstätte Europas entwickeln sollte. VON MARC CATTELAENS Aus Sicht der Kellener und später der Klever war es eine glückliche Fügung, dass Otto von Bismarck nicht viel für Margarine aus den Niederlanden übrig hatte. Der Reichskanzler war der Ansicht, dass ihre Einfuhr der heimischen Wirtschaft schadete, und beschloss, einen Schutzzoll von 200 Mark pro Tonne Margarine zu erheben. Das wiederum war einem gewissen Simon van den Bergh ein Dorn im Auge. Kurzerhand verlagerte der Unternehmer seine Margarineproduktion aus dem niederländischen Oss ins benachbarte Kleve, genauer gesagt in die damals eigenständige Gemeinde Kellen. Das Werk, das im Volksmund meist nur „de Botter“ genannt wurde, entwickelte sich in den nächsten Jahrzehnten zur größten Margarine-Produktionsstätte des europäischen Kontinents und bot Generationen von Klevern einen ebenso sicheren wie lukrativen Arbeitsplatz. Die dort produzierten Marken wie Sana, Sanella, Blauband, Clever Stolz, Vitello und Rama wurden weithin bekannt. Schon in den ersten beiden Jahren der jungen Fabrik erhöhte sich die Zahl der Angestellten von 14 auf 40. Als van den Bergh 1898 in Kleve sein zehnjähriges Bestehen feierte, beschäftigte die Fabrik rund 500 Arbeiter und 70 Mitarbeiter in der Verwaltung. Zu dieser Zeit umfasste das Werksgelände bereits beeindruckende 14.000 Quadratmeter. Der Standort Kellen erwies sich als überaus glückliche Wahl. Den Rohstoff Milch gab es dank einer großen Anzahl an bäuerlichen Betrieben in der Region zur Genüge. Und die direkte Schienenanbindung sicherte van den Bergh mit den Industriezentren von Rhein und Ruhr ein Fotos: Unilever exzellentes Absatzgebiet. Dass die Standortwahl nicht auf Kleve, sondern eben auf Kellen fiel, lag darin begründet, dass die Politik van den Bergh damals einen Strich durch die Rechnung machte. Die Stadtväter hatten seinen Antrag auf die Gründung einer Fabrik abgelehnt, weil sie sich Sorgen um den Ruf Kleves als Kurstadt machten. Ein solches Werk könnte die Erholung suchenden Gäste abschrecken, so die Befürchtung. So kam es, dass bis zur Eingemeindung die sprudelnden Gewerbesteuern 80 Jahre lang nach Kellen flossen – und die Klever lange Zeit neidvoll in die Nachbargemeinde blickten. Simon van den Berg starb am 9. April 1907. Einer seiner führenden Mitarbeiter, Johann Manger, übernahm nach van den Berghs Tod die Werksleitung. Er führte das Erbe van den Berghs würdig weiter und bescherte der Fabrik einen großen Aufschwung. So stieg die Tagesproduktion von 200 auf rund 1500 Zentner am Tag. Manger gründete auf dem Werksgelände zwei eigene Betriebe: die „Kistenfabrik“, die die benötigten Produktionsmaterialien herstellte, und die „Sana-Gesellschaft mbH“, eine eigenständige Margarine-Fabrik für koschere Produkte. 1910 ging die Leitung der Fabrik wieder an die Familie van den Bergh über. 1929 schlossen sich die Firma van den Bergh und das Konkurrenzunternehmen Jurgens aus Goch zur „Margarine-Union“ zusammen. Dann kam die Fusion mit dem englischen Seifenhersteller Lever unter dem Namen „Unilever“. Noch heute produziert Unilever auf einem kleinen Teil des ehemaligen Firmengeländes „Rama-Cremefine“ und hält so die lange Tradition von „de Botter“ aufrecht.

Einige Gebäudekomplexe der alten Margarine Union stehen noch. Drumherum sollen Wohnungen und ein Dienstleistungs- und Gastrozentrum entstehen. Foto: Gottfried Evers Union: Vom Werksgelände zum Wohnquartier Dort, wo früher Produkte wie Sana, Sanella, Blauband, Clever Stolz, Vitello und Rama hergestellt wurden, werden Wohnungen errichtet. In den alten Fabrikhallen soll ein Dienstleistungs- und Gastrozentrum entstehen. VON MARC CATTELAENS Die alte Verwaltung der Margarine werke ist bereits abgerissen, große Teile des Werksgeländes sind schon geräumt. An der Stelle der Union-Werke entsteht ein Wohnquartier für Jung und Alt. Ein Altenheim wird gebaut, daneben entstehen, entlang der van-den-Bergh-Straße, drei Mehrfamilienhäuser. Hinter der ehemaligen Verwaltung, vor den denkmalgeschützten Backstein-Werkhallen, ist ein Wohngruppenhaus geplant. Das Altenheim und das Wohngruppenhaus werden drei Etagen hoch, die drei Mehrfamilienhäuser drei Etagen und ein Staffelgeschoss. Geplant hat das Stadtviertel, das hier neu entsteht, der Gocher Architekt Dr. Klaus Völling für die Klever Zevens Grundbesitz. Die drei Mehrfamilienhäuser entlang der van-den- Bergh-Straße haben jeweils 8 Wohneinheiten, in dem Wohnriegel, der in vier Häuser mit vier Eingängen aufgeteilt ist, entstehen 90 Wohnungen. Ein mehrgeschossiges Parkhaus mit 250 Plätzen soll große Teile des neuen Quartiers gegen die So sieht der Plan für das Union-Gelände aus. Geräusche durch das Unilever-Werk im hinteren Bereich des Geländes abschotten. Parallel dazu geht auf dem Gelände eines der derzeit größten Projekte in Kleve über die Bühne: In den denkmalgeschützten Produktionshallen der alten Margarine Union soll ein Dienstleistungs- und Gastronomiezentrum entstehen. Stefan Hinsen aus Mülheim ist Eigentümer der alten Margarine Union. Mit der Projektentwicklung AHP aus Mülheim will er den Bau an der van-den-Bergh- Straße einer neuen Nutzung zuführen. Das Architekturbüro Hülsmann & Thieme soll das Gebäude umbauen – und muss dabei darauf achten, dass die denkmalgeschützte Fassade erhalten bleibt. Ein Makler sucht nach Pächtern, die das riesige Gebäude mit Leben füllen sollen. Interessenten gibt es bereits. Ein Unternehmer möchte in der ehemaligen Fabrikationshalle einen Restaurant-Komplex errichten. In den übrigen Räumen des Erdgeschosses sollen sich weitere Restaurants und Kneipen ansiedeln. Zudem ist Platz für Werkstätten. Archiv Auch eine Tanzschule und ein Fitnessstudio sollen einziehen.

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