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775 Jahre Kleve

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775

775 Jahre Kleve: wie alles mit den Herzögen begann Keinen Geringeren als Gralsritter Lohengrin sehen die Klever Grafen und Herzöge als ihren Vorfahren an. Der Schwan ziert bis heute die Spitze der Burg. 1242 machte Dietrich VI. die Siedlung zu Füßen dieser Burg zur Stadt mit freien Bürgern. VON MATTHIAS GRASS Am Markustag 1242 verlieh Graf Dietrich VI. von Kleve der Siedlung zu den Füßen seiner mächtigen Burg die Stadtrechte. Mit der feierlich verkündeten Urkunde bekamen an jenem 25. April vor 775 Jahren die Klever Bürger erstmals eigenes Recht, eine eigene kommunale Autonomie. Die Urkunde, in der die Stadtrechte gelistet waren, ist irgendwann während dieser Zeit abhanden gekommen. Aber schon zur 750-Jahr-Feier vor 25 Jahren versammelte der damalige Klever Stadtarchivar Dr. Flinck nicht weniger als 50 Abschriften, die im Laufe der Jahrhunderte angefertigt wurden. Und auch sein Nachfolger Bert Thissen kann sich zur 775-Jahr-Feier nur auf Kopien berufen. Wie die des klevische Registrators Johann Turck, die dieser um 1600 fein säuberlich in geschwungener Schrift aufs pergamentfarbene Papier übertrug. Das erste Klever Stadtrecht in deutscher Sprache gab’s erst rund 120 Jahre später, 1368. Es war bereits das dritte und von Graf Adolf von Kleve erlassen. 17 Artikel geben dem Rat der Stadt unter anderem das Recht, Statuten zu erlassen und es gibt ein städtisches Weinmonopol, der Bierverkauf wurde beschränkt. Im ersten Stadtrecht ging es vor allem um Erb- und Zollrechte, um freien Handel und Steuerbefreiungen. Auch schreibt der Graf vor, dass niemand als Mitbürger aufgenommen werden darf, „der nicht zuvor acht Tage lang geprüft worden ist“. Doch während in den etwa zur gleichen Zeit ernannten klevischen Städten wie in Kalkar stolze Rathäuser entstanden, blieb Kleve vor allem Sitz der Herzöge, in deren Mittelpunkt die alles überragende Burg steht. Eigentlich hat die Stadt erst jetzt im Jahr der 775-Jahr- Feier ein eigenes Rathaus. Und auch das präsentiert sich nur als funktionaler Zweckbau. In den Jahrhunderten nach dem Stadtrechtsprivileg führten die Klever Herzöge die Stadt zu ersten Höhepunkten, ihre Söhne und Töchter wurden an wichtige Fürstenund Königshäuser verheiratet und die Klever hatten politisch auch das eine oder andere Wort mitzureden, bekamen vom Papst gar eine Bulle zur vergleichsweise freien Ausübung des Glaubens. Eine Blütezeit, die nur kurz dauerte und vor allem schluss der Herzogtümer Kleve, Jülich und Berg hervorging. Denn die neu vereinigten Herzogtümer lagen ausgangs tender Interessen der Großmächte, die das Schicksal Europas in jener Epoche bestimmten. Kleve-Jülich-Berg war das „Land im Mittelpunkt der Mächte“, gelangte innerhalb kürzester Zeit zu internationalem Ansehen: Schon im 15. Jahrhundert verbündete sich das mächtige Burgund mit Kleve, später versuchten Frankreich und England mit Klever Hilfe die Macht der Habsburger zu brechen. aus dem Zusammen- des Mittelalters im Schnittpunkt widerstrei- Das zeigt sich vor allem in der Heirat der Herzogtochter Anna von Cleve (1515 - 1557) mit dem engli- schen König Heinrich VIII. Doch der trennte sich bald von der aus sei- ner Sicht „flämischen Mähre“ – Anna von Hans Holbein für den König gemalt, der Utrechter Paulus van Liender zeichnete die Burg 1752. Repros: Julia Lörcks

Die Herzöge vor Kleves Skyline: Adolf I. (1398-1448), Johann I. (1448-1481), Johann II. (1481-1521), Johann III. (1511-1539), Wilhelm V. (1539-1592), Johann Wilhelm 1592-1609) Repro: Julia Lörcks Anna erfüllte nicht wirklich das Schönheitsideal des Königs. Dennoch soll Heinrich noch lange ihren Rat gesucht haben. Hans Holbein malte Anna, Lukas Cranach ihre gut aussehende Schwester Sibylle 1512–1554), die den Kurfürst von Sachsen heiratete. Doch die Blüte dauerte nur wenig mehr als 100 Jahre. Als Wilhelm der Reiche sich in einen Konflikt mit Kaiser und Kirche treiben ließ (so Museumsdirektor a.D. Guido de Werd), endete das Ganze mit einer Niederlage. Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Land in den Religionskrieg gezogen und verwüstet. Wilhelms als Thronfolger auserkorener Sohn starb 1575 auf einer Romreise, der letzte Herzog, Johann Wilhelm galt als geistig verwirrt. Ein letztes Aufflammen war die „Düsseldorfer Hochzeit“ (wo inzwischen der Hof war) zwischen dem wirren Johann Wilhelm und Jakobe von Baden. Nach dem Tod Wilhelms des Reichen 1592 versuchte Jakobe, das Regiment anstelle des Ehemanns zu übernehmen, der wegen seiner Tobsuchtsanfälle von ihr weggeschlossen wurde. Doch die Prinzessin scheiterte: sie wurde am Morgen des 3. September 1597 tot in ihrer Kammer gefunden, wohl erdrosselt. Ihre Schwägerin Sibylle von Jülich-Kleve- Berg (1557 in Kleve geboren, 1628 gestorben) soll dabei ihre Hand im Spiel gehabt haben. Es war das Ende des Herzogtums, das sich einst auf den Gralsritter Lohengrin berief, dessen Schwan noch von der Burg vom Gral kündet.

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