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925 Jahre Hünxe -ET 17.08.2017-

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8 925 JAHRE HÜNXE Der Flugplatz ist nicht nur beliebtes Ausflugsziel, auch Schnupperflüge werden angeboten. Fotos: Schwarze Heide Von Hünxe hinaus in die weite Welt Mit einer Landebahn von 1500 Metern und 50.000 Flügen im Jahr zählt der Flugplatz Schwarze Heide zu den größten seiner Art in Deutschland. Er ist für Privatund Geschäftsreisende attraktiv und beschert Hünxe so einen wertvollen Standortvorteil. DUS steht für Düsseldorf. CGN bedeutet Köln/ Bonn. Und wer nach Frankfurt fliegen will, guckt nach FRA – drei Buchstaben geben weltweit verbindlich vereinbart Orientierungshilfe bei der schnellen Suche nach dem passenden Airport. Auch Hünxe hat einen Flughafen – mit dem „3-letter oder IATA -code“ ZCV oder alternativ mit dem „IACO - code“ EDLD. Richtigerweise muss man dort allerdings vom „Verkehrslandeplatz Schwarze Heide“ sprechen, und der verortet sich selbst realistisch gar nicht unter den großen Destinationen, ist aber selbstbewusst genug, um zu sagen: „Wir sind hier ein relativ Großer unter den Kleinen“, so Geschäftsführer André Hümpel: „In Deutschland werden Flugplätze in sieben Kategorien eingeteilt. Da sind zunächst die internationalen Airports, dann kommen die nationalen. In der dritten liegt schon „Schwarze Heide‘“ – und lässt damit nach dem letzten Ausbau, als einer der größten Verkehrslandeplätze in Deutschland, ganze vier Kategorien glatt hinter sich. Zwischen Bottrop und dem Kreis Wesel gelegen, versteht sich der Flugplatz als schneller Zugang in das Ruhrgebiet und in die Region Niederrhein. Nicht im Linienverkehr, sondern passgenau zum individuellen Bedarf in der Geschäftswelt und für Privatreisende. Nach allen geltenden Rechtsvorschriften und Sicherheitsvorgaben. Heute werden den Kunden Starts und Landungen mit Luftfahrzeugen bis zu sieben Tonnen angeboten. Der Verkehrslandeplatz verfügt über eine 1500 Meter lange Bahn, auf der jedes Jahr ca. 50.000 Flugbewegungen stattfinden. Rund 100 Arbeitsplätze bietet der Platz mit den dort angesiedelten Unternehmen. In unmittelbarer Nachbarschaft entwickelt sich ein Gewerbegebiet, das langfristig weitere Arbeitsplätze sichern soll. Auf dem Gelände des Flugplatzes finden regelmäßig auch verschiedene Events statt, wie zuletzt „Race@Airport“ All das ist nicht unbedingt in einer Gemeinde von der Größe Hünxes zu erwarten und hat einen historischen Hintergrund: 1940 als Fliegerhorst gebaut, waren auf der Anlage bis 1945 verschiedene Einheiten der Luftwaffe stationiert. Privatfliegerei wurde erst in den 1950er Jahren möglich: Der Luftsportverein Dinslaken und der Fliegerclub Gladbeck stiegen ab 1958 mit – teilweise selbst gebauten – Segelflugzeugen auf. Um die Betriebskosten auf mehr Schultern zu verteilen, wurde der Flugplatz bald danach auch für Motorflugzeuge geöffnet. Der 6. Januar 1960 war schließlich Gründungsdatum der „Flugplatzgesellschaft Schwarze Heide e.V. und im Jahr 1978 wurde das Unternehmen „Flugplatzgesellschaft Schwarze Heide mbH“ gegründet. Die Stadt Bottrop, der Kreis Wesel, die Stadt Dinslaken, die Gemeinde Hünxe und die Stadt Voerde sind heute deren Gesellschafter. Das Engagement der öffentlichen Hand kommt nicht von ungefähr, denn der Verkehrslandeplatz Standortfaktor mit Wirkung in die Region hinein – auch als Anbieter einer breiten Produktpalette und von Dienstleistungen rund um den Flugbetrieb bis hin zu ausgeklügelten Unterstellhallen Gleichgültig, ob es um Motormaschinen, Hubschrauber geht – Kunden können hier die eigene oder gecharterte So können sich Besucher individuell an den Ort ihrer Wahl bringen lassen oder nur einen Rundflug genießen. Unabhängig zum Piloten ausgebildet werden. Der Flugplatz ist Standort Segelflug und der Extra-Flugproduktions- Wichtig sind auch die Vereine. Bei einem Schnupperflug kann jeder die Faszination des dentlich finden auch öffentliche Events statt, wie zuletzt Rainer Kaußen hat für die Wirtschaft Bedeutung – als für Flugzeuge. Ultralight oder Maschine fliegen oder sich fliegen lassen. vom Luftfahrzeug können sie vom Fußgänger mehrerer Flugschulen, des Landesleistungszentrums für und Vertriebs GmbH. Fliegens erleben. Verschie- das „Race@Airport“. www.schwarze-heide.com

925 JAHRE HÜNXE 9 Gefährliches Erbe aus dem Krieg 2,7 Millionen Tonnen an Bomben, Granaten und Luftminen wurden im Zweiten Weltkrieg abgeworfen. Der Munitionszerlegebetrieb (MZB) macht die Blindgänger unschädlich. 1000 Mal im Jahr rückt er aus. Endstation Hünxe: In einer landesweit einzigartigen Anlage werden dort jede Menge hochbrisante Fundstücke unschädlich gemacht. Es ist Immer wieder gibt es Zufallsfunde auf Äckern, bei der Ernte oder in Wäldern. Wenn möglich, werden sie vor Ort entschärft Die Thermische Entsorgungsanlage des MZB am Feuerwachturm 50 in Hünxe von außen und innen: Hier werden sämtliche in NRW gefundene Kampfmittel vernichtet. Fotos: Brückert, Bezirksregierung Düsseldorf das gefährliche Erbe der Weltkriege, das der Mannschaft im Munitionszerlegebetrieb MZB) Hünxe viel Arbeit macht: Mehr als 1000 Mal im Jahr werden die Bomben- und Sprengstoffexperten angefordert. Zweier-Teams, Sprengmeister und Räumarbeiter, sind rund um die Uhr in Bereitschaft. Denn die Beseitigung der Kampfmittel kann man nicht auf die lange Bank schieben – und niemand kann vorhersagen, wann und wo wieder einmal eine Brandbombe, eine Sprengbombe, wann Granaten, Luftminen oder auch „nur“ Gewehrmunition oder Munitionsteile gefunden werden. Sicher ist aber: Auch heute noch liegen viel zu viel davon manchmal viele Meter tief in der Erde. Im Zweiten Weltkrieg wurden etwa 2,7 Millionen Tonnen Geschafft: Die Experten des Kampfmittelräumdienstes entschärften Anfang August drei Fliegerbomben bei Orken in Grevenbroich. Foto: Stadt Grevenbroich abgeworfen, davon etwa die Hälfte auf deutsches Reichsgebiet und davon nochmals knapp die Hälfte auf Nordrhein-Westfalen, sagt Stefanie Klockhaus von der Bezirksregierung Düsseldorf. Das Regierungspräsidium ist für den MZB zuständig. Die meisten Kampfmittel werden durch gezielte Suchmaßnahmen geborgen. Beispielsweise nach Luftbildauswertungen bei geplanten Baumaßnahmen. Allerdings gibt es auch zahlreiche Zufallsfunde. Etwa auf Äckern bei der Ernte oder in Wäldern. Wann immer das sicher möglich ist, werden die gefundenen Kampfmittel vor Ort entschärft. Danach kommt der MZB Hünxe ins Spiel. Dorthin werden alle in Nordrhein- Westfalen gefundenen und entschärften Kampfmittel transportiert und thermisch vernichtet – also verbrannt. Früher wurden sie soweit zerlegt, dass sie dann überwiegend offen abgebrannt werden konnten. Bei Granaten wurden beispielsweise die Zünder abgesägt, danach konnten die Granaten mit der Sprengstofffüllung offen abgebrannt werden, da der Sprengstoff ohne Zünder nicht detoniert. Die Zünder wurden in einem Panzerofen verbrannt, in dem sie detonieren konnten, ohne dass die Umgebung gefährdet wurde. Nach einer auch noch weiter laufenden Modernisierung des MZB werden die Kampfmittel in Hünxe nun nicht mehr offen, sondern in kleinen Portionen in geschlossenen Systemen verbrannt. Alle entstehenden Rauchgase werden gereinigt, so dass keine Schadstoffe entweichen können. 34 Millionen Euro wurden in die komplette Anlage inves- tiert, auch in die Arbeitssicherheit für die elf in Hünxe eingesetzten Mitarbeiter. Beim Kampfmittelbeseitigungsdienst Rheinland sind weitere 24 Mitarbeiter im operativen Bereich tätig und sechs für die Luftbildauswertung. Die Investitionen in den MZB waren auch Ausgaben für die Zukunft: Manche Fachleute meinen, dass bisher rund ein Drittel der insgesamt noch zu vermutenden Kampfmittel gefunden, entschärft und vernichtet wurden. Das kann allerdings niemand sicher sagen und zeigt, dass den Experten in Hünxe auch künftig die Arbeit gewiss nicht ausgehen wird. Rainer Kaußen

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