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Bauen und Wohnen -ET 19.07.2017 BM/SM-

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8 BAUEN & WOHNEN Softes

8 BAUEN & WOHNEN Softes auf den Boden Teppiche sind neue Stars beim Einrichten. Lange waren sie nicht unbedingt ein Hingucker. Das hat sich geändert. eholfen haben dabei international ekannte Möbel-Designer. VON UTA ABENDROTH Sogenannte „Must haves“ werden in jeder Saison ausgerufen. Das sind die Dinge, die Trendsetter haben wollen, um in zu sein. Das gilt für Mode, aber auch für das Wohnen. Auf die Liste dieser Trendartikel hatten Teppiche es nie geschafft – bis jetzt. So wurden bislang Bodenbeläge einem größeren Publikum alljährlich nur auf der Domotex, der Weltleitmesse für Bodenbeläge in Hannover, präsentiert. Aber nun schaffen sie es sogar nach Mailand oder Köln – und damit auf die wichtigen Möbelmessen der Welt. Teppichlabel, aber auch klassische Möbelfirmen präsentieren dort nun auch Kreationen für den Boden. Dass der Teppich derzeit eine Trendwende erlebt, hat Teppiche werden zum Hingucker, seit Designer wie Jürgen Dahlmann und sein Label Rug Star sich des lange aus dem Fokus geratenen Bodenbelags annehmen. Foto: Michael Tewes/Rug Star viel mit der Boden-Grundausstattung von Häusern zu tun. Dort liegen inzwischen vor allem Dielenböden oder Parkett, Laminat oder Steinzeug. Und seit Jahren sind offene Räume angesagt, in denen man lebt und arbeitet. Doch auch auf glatten Böden wünscht sich der Bewohner eine gewisse Privatheit – und Komfort. Ein Teppich bietet optische und akustische Qualitäten, mit denen er das Ambiente angenehmer machen kann. Und jeder Raum braucht gewisse Areale, die sich voneinander abgrenzen. EinTeppich im offenen Wohnraum kann diese Bereiche bilden. „Ein Teppich strukturiert einen Raum. Er wirkt wie eine Insel im Raum, auf der sich Sofa, Tisch und Lampe zu einem wohnlichen Bereich fügen“, erklärt Teppichdesigner Stefan Diez. Dazu kommen noch die taktilen Aspekte: Seitdem wir ständig in der digitalen Welt unterwegs sind, losgelöst von unserem ursprünglichen Tastsinn, lösen haptische und handwerkliche Qualitäten wieder ein Aha-Erlebnis aus. Eine Wegbereiterin für den Boom ist Nani Marquina. Die Spanierin machte sich einen Namen mit handgefertig- ten Teppichen. Neben ihren Entwürfen lanciert sie Dessins von bekannten Möbel-Designern wie Jaime Hayon, Javier Mariscal oder Martì Guixé. Marquina sagt, dass sich das Image eines Teppichs durch die Verknüpfung mit großen Namen auflädt. „Einen Teppich kann man, wenn er mit einem bekannten Designer in Verbindung gebracht wird, besser verkaufen“, erklärt sie. „Schließlich bekommt man dafür größere Aufmerksamkeit. Und Türen, die sonst geschlossen bleiben, öffnen sich plötzlich.“ Das Label Danskina setzt etwa auf die Fähigkeiten der bekannten Bouroullec-Brüder. Ihren Entwurf Semis ziert ein harmonisches Miteinander von Punkten. Handgeknüpfte Teppiche von Hossein Rezvani stehen für modernes Design aus dem Iran. Foto: Rezvani Durch Variationen in Dichte Oberfläche entstehen Rhythmen. Bei Hella Jongerius Cross Collection für Danskina ist die Oberfläche perforiert – eine für Kreative. Eine Kombination von Wolle und Viskose wurde dafür extra ausgetüftelt, genauso wie für die Rückseite ein Anti-Rutsch-Spray. „Was wir machen, ist schon fast eine kleine Ingenieursleistung“, so Jongerius. „Für uns selbst ist es fast nicht zu glauben, wie oft wir einen Entwurf bearbeiten müssen, bevor er wirklich ein fertiges Produkt ist.“ Vor allem bei ging es historisch stets auch darum, Geschichten zu erzählen. Tiere und Pflanzen finden sich ebenso auf den edlen Stücken wie historische Ornamente. Die Modelle von Hossein Rezvani hingegen stehen für modernes Design aus dem Iran. Entworfen werden sie am Computer in Hamburg, dann übermittelt an persische Teppichzeichner. Sie skalieren die wie Pixel aufgebauten Bilder auf die jeweils gewünschte Teppichgröße, bevor mehr als 400.000 Knoten pro Quadratmeter geknüpft und Tiefe der geknoteten besondere Herausforderung handgeknüpften Teppichen werden.

BAUEN & WOHNEN 9 Plötzlich cool – rosa Möbel erobern den Designermarkt Rosa wirkt sanft, mädchenhaft und fröhlich. Kein Wunder also, dass in bewegten Zeiten eine so unschuldige Farbe im Design wieder den Ton angibt. Und das vom Sofa bis zur Wand. VON UTA ABENDROTH Eigentlich waren vor allem kleine Mädchen Fans von Rosa, als Pantone die Nuance „13-1520 Rose Quartz“ zur Farbe des Jahres 2016 kürte. Das Unternehmen hat ein Farbsystem für die Grafik- und Druckindustrie entwickelt und lässt jedes Jahr Scouts nach Trends suchen – die gerne von Firmen für ihre Produkte aufgegriffen werden. Es dauerte dann etwas, bis die rosafarbene Welle von der Mode bis ins Wohnzimmer geschwappt ist. Aber auf der Möbelmesse Salone del Mobile in Mailand gab nun die Nuance selbst bei ernstzunehmenden Designermöbeln den Ton an. Aus gutem Grund: Die Farbe spiegelt den Zeitgeist wieder. „Rose Quartz ist ein enthusiastischer, aber dennoch sanfter Farbton, der Freundlichkeit und Gelassenheit vermittelt“, sagt Leatrice Eiseman, Direktorin des Pantone Color Institute. „Der Konsument strebt nach Erfüllung und Wohlbefinden in seinem alltäglichen Leben. Deshalb stehen immer mehr einladende Farben im Vordergrund, die psychologisch gesehen die Sehnsucht nach Ruhe und Sicherheit erfüllen.“ Gerade Rosa ist eine Farbe, die mehr und mehr hinterfragt wird – und das im positiven Sinne. Das traditionelle Empfinden verschwimmt. Es gibt eine Tendenz zu Unisex- Kleidung und Geschlechtergleichheit. Und die Farbe gilt verstärkt als persönliche Ausdrucksform. Die Folge: Rosa darf eben nicht mehr nur von Mädchen oder Frauen getragen werden. Männer trauen sich mehr und mehr an die Nuance heran. So wie Jaime Hayon. Aber der spanische Designer hat sich noch nie um Klischees geschert. Und so hat er jüngst das verspielte Hotel „Barceló Torre“ in Madrid eingerichtet. Darin steht unter anderem sein Stuhl Catch, den er für das dänische Label &tradition entwarf. Mit seinen angedeuteten Armlehnen signalisiert das Sesselchen dem Nutzer, dass es ihn mit offenen Armen aufnehmen wird. Das bequeme Sitzmöbel mit den fließenden Linien wirkt in Rosa besonders leicht. Damit passt der Stuhl in jedes Boudoir, bildet aber auch einen Kontrast in einem coolen Ambiente mit Schwarz, Grau oder Weiß. „Ich vereine viele Widersprüche, ich mag das Verspielte dabei“, erklärt Hayon. „Durch den rosafarbenen Bezug wirkt Catch, ein schlichter Stuhl, gleich viel weniger seriös. Er fügt dem Ambiente, in dem er steht, einen gleichermaßen leichten wie eleganten Touch hinzu.“ Ein anderes Beispiel ist Konstantin Grcics Entwurf 503 Soft Props für Cassina. Es handelt sich um gepolsterte Sitzmodule, die sich mittels eines Rohrs in zahlreichen Varianten verbinden lassen. Das Rohr ist zwar ein dominantes Element, aber dank des rosa Stoffes wirkt das Sofa wenig technisch. Ebenfalls neu: der Silvana Armchair des Designstudio Ciarmoli Queda. Dabei handelt es sich um ein rundes Sesselchen in Rosé, das für den Hang nach Entschleunigung sowie den vermeintlich guten alten Zeiten steht. Selbst Klassiker erscheinen in der Trendfarbe in neuem Licht: 1941 schuf Finn Juhl das Poet Sofa. Den kleinen Zweisitzer gibt es nun in einer rosa Nuance, die dem Möbel frischen Schwung verleiht. Der Rosa-Rausch geht noch weiter – und durch viele Länder. Das niederländische Design-Duo Scholten & Baijings kreierte eine rosa Serie niedriger Sofas und Sessel namens Ottoman für den Hersteller Moroso. Und das Traditionsunternehmen Vitra zeigt in seinem Flagshipstore und Museum, dem Vitrahaus in Weil am Rhein, sogar einen Wohntraum komplett in Rosa – mit Möbeln aus vielen Jahr- Der Einrichter Vitra zeigt in seinem Museum in Weil am Rhein einen Wohntraum (nahezu) komplett in Rosa. Foto: Lorenz Cugini/Vitra zehnten, zusammengestellt von der Designerin India Mahdavi. Das Design der nordischen Länder galt in den vergangenen Jahren als richtungsweisend – auch hier hat Rosa den puren Beige-Holz- Look abgelöst. Zwar waren Entwürfe wie die Tischleuchte Cap des Design-Duos kaschkasch, der Pouf Circus von Simon Legald oder der Kosmetikspiegel Flip von Javier Moreno für das Label Normann Copenhagen im Original nicht in Rosa vorgesehen – aber in dieser Farbe wirken sie überraschend lebendig, dynamisch und irgendwie cool. „Rosa ist flamboyant, schick und schmeichelhaft für das Auge. So ist Rosa in Innenräumen immer beliebter ge- Designer Jaime Hayon hat das Hotel Torre Barceló in Madrid eingerichtet, unter anderem mit einer rosa Version seines Stuhls Catch für das dänische Label &tradition. Foto: Klunderbie/&tradition worden“, erklärt Normann- Copenhagen-Gründer Paul Madsen. „Da die Farbe in Schattierungen von Beige mit nur einem Hauch von Rosa daherkommt, oder als ein Hy- brid aus Pfirsich und Koralle sowie als lebendiges Barbie- Rosa, gibt es keinen Grund, die Töne nicht zu nutzen und sogar alle zusammen zu bringen“, sagt der Designexperte.

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