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Bauen und Wohnen

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6 BAUEN & WOHNEN Geld

6 BAUEN & WOHNEN Geld sparen beim Hausbau Angehende Eigenheimbesitzer packen auf dem Bau häufig mal selbst an. Sie wollen Geld sparen. och was bringt Eigenleistung eigentlich, und welchen Preis zahlen Bauherren dafür? VON MONIKA HILLEMACHER Kosten drücken ist der Hauptgrund für die sogenannte Muskelhypothek, bei der Bauherren selbst Hand anlegen. Keine schlechte Idee in Anbetracht der hohen finanziellen Belastung, die meist mit dem Traum vom Eigenheim einhergeht: Ein Einfamilienhaus kann durchaus um einen fünfstelligen Betrag günstiger werden. Dahinter stecken jedoch Hunderte Stunden Arbeit auf der Baustelle. Zeit, die für Familie, Hobby und Erholung fehlt. Eine Musterrechnung des Verbands privater Bauherren (VPB) verdeutlicht das Einsparpotenzial am Beispiel eines Reihenhauses mit 140 Quadratmetern Wohnfläche. In München können Eigentümer die angesetzten Baukosten von 254.000 Euro um rund 19.000 Euro reduzieren, wenn sie eigenhändig streichen, gärtnern und tapezieren, anstatt Handwerker zu beauftragen. Im preislich günstigeren Raum Leipzig wurden 216.000 Euro für ein vergleichbares Haus angesetzt. Entsprechend fällt die Einsparung mit knapp 16.000 Euro geringer aus als in München. Am meisten lässt sich mit arbeitsintensiven Tätigkeiten wie Wärmedämmung von Dächern, anstreichen, Böden verlegen und Türen setzen sparen. Die Zahlen sehen auf Streichen, Böden verlegen: Mit Eigenleistung lässt sich beim Bauen viel Geld sparen – allerdings muss man dafür auch kräftig malochen. Foto: Christin Klose den ersten Blick nach viel Geld aus. Raik Säbisch vom VPB in Leipzig macht die Gegenrechnung auf: Bauherren müssten dafür 476 Stunden malochen. Umgelegt auf eine 40-Stundenwoche entspricht dies drei Monaten, die zusätzlich zum normalen Job geleistet werden müssen. Diese Belastung werde oft unterschätzt, sagt Axel Drückler, Leiter Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin. Zudem brauchen Laien für die Arbeit einfach länger als Profis: „Wer etwas 1000 Mal macht, dem geht das schneller von der Hand als jemandem, der das einmal macht.“ Frust verlängert die Dauer der Eigenarbeit. Das geht zu Lasten der erwünschten Ersparnis. Drückler kalkuliert die Ersparnis ausschließlich nach Arbeitsaufwand. Denn Material und Werkzeug müssen Bauherren kaufen, sparen ist nicht drin. Häufig zahlen sie sogar drauf: „Handwerker bekommen im Fachhandel andere Rabatte als Einzelkäufer“, sagt Drückler. Kreditgeber erkennen Eigenleistung als Ersatz für Eigenkapital an. „Bis zu 20.000 Euro oder maximal fünf Prozent der Baukosten akzeptieren die meisten Institute den Ansatz von Eigenleistungen ohne konkreten Nachweis oder detaillierte Prüfung“, erläutert der Leiter des in Bielefeld ansässigen Baufinanzierungsberaters Enderlein, Christoph Santel. An die Anerkennung höherer Summen knüpften die Geldgeber meistens umfangreiche Bedingungen. Das reiche von derjenigen, die dem Bauherrn unter die Arme greifen sollen, bis hin zur offiziellen Bestätigung eines baubegleitenden Architekten oder Bauträgers. Wer sämtliche Informations- und Bonitätserfordernisse der Bank erfüllt, könne im optimalen Einzelfall bis zu 50.000 Euro oder 20 Prozent der Bausumme als Eigenleistung verbuchen. Bauherren, die Mehrarbeit und Bankanforderungen nicht abschrecken, können mit Hilfe von Eigenleistung nicht nur reine Baukosten sparen, sondern darüber hinaus die Kreditkonditionen Die Entlastung kann spürbar sein, wie ein Rechenbeispiel und 10.000 Euro Eigenkapital zeigt: Der Finanzierungsbedarf beträgt 190.000 Euro, die 95 Prozent, der Sollzinssatz ist für 15 Jahre auf 1,9 Prozent festgeschrieben, die Tilgung auf zwei Prozent. Das macht unter dem Strich eine Zinsbelastung von etwa 45.300 Euro Qualifikationsnachweisen verbessern. auf Basis von 200.000 Euro Gesamtkosten Beleihungsgrenze liegt bei aus. Werden zusätzlich zum vorhandenen Eigenkapital 10.000 Euro Eigenleistung eingerechnet, müssen nur noch 180.000 Euro finanziert werden, der Beleihungsauslauf sinkt auf 90 Prozent, der Sollzins auf 1,7 Prozent. Die Zinsbelastung geht insgesamt um 6800 Euro auf rund 38.500 Euro zurück. Jenseits von Arbeit und Finanzen hat Eigenleistung aber einen großen Nachteil: Es gibt keine Gewährleistung bei Schäden.

BAUEN & WOHNEN 7 Tapeten imitieren Kacheln Jahrzehntelang waren Tapeten weiß – sie sollten Möbeln nicht die Schau stehlen. Aber diese Zeiten sind vorbei: Es zählt das Gesamtkonzept für einen Raum. Da dürfen Tapeten auch mal auffallen. VON SIMONE A. MAYER Schuster, bleib bei deinen Leisten – das gute alte Sprichwort zählt in der Einrichtungsbranche nicht mehr. Immer mehr Materialien imitieren einfach das Aussehen der anderen. Dazu gehört seit längerem, dass Fliesen wie Parkett wirken können. Oder neuerdings Tapeten wie Keramikkacheln – letzteres ist für Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeten-Instituts, sogar ein Trendthema. „Man denkt dabei an eine gemütliche Landhausküche um 1900.“ Doch auch im Wohnzimmer sehe eine mit so einem Motiv tapezierte Wand gut aus. Das Thema Fliesenmuster auf der Tapete gehört für Brandt aber noch in eine zweite Neuheitengruppe bei den Wandbelägen: Er nennt sie „Storytelling“, das Geschichtenerzählen. Eigentlich versteckt sich hinter dem Begriff eine Methode des Erzählens, mit der man mit Hilfe einer Metapher oder eines Symbols einen Inhalt transportiert. Das geht auch mit Bildern an der Wand: Die Kacheln vermitteln das Gefühl einer gemütlichen Wohnküche, Stahlträger den Schick einer Industriehalle, und britische Telefonzellen auf der Tapete geben dem Raum englisches Lebensgefühl. „Oder man hat zum Beispiel Zeitungsblätter und denkt, man sitzt in einem französischen Bistro und trinkt Café au Lait“, nennt Brandt ein weiteres Beispiel. Natürlich ist das nicht ganz neu: Sehr bekannt sind ja etwa Tapetenmotive wie die Südseeinsel oder eine Skyline von New York als Wandmotiv. „Es Was nach Keramikkacheln aussieht, ist eine Tapete. – Storytelling nennt sich eine neue Idee der Tapetenindustrie: Mit Motiven wie französischen Zeitungsseiten wird dem Bewohner das Gefühl gegeben, er befinde sich in einem gemütlichen Bistro. Fotos: DTI/Rasch ist aber nun etwas anderes – es ist ein bisschen um die Ecke gedacht“, erklärt Brandt. Statt eine komplette Landschaft abzubilden, werden nur einzelne Motive einer Themenwelt genommen. Symbole eben. Weiterhin setzen viele Tapetendesigner auf Beläge mit Struktur. „Technisch ist das jetzt einfach möglich, daher werden die Strukturen auch immer aufwendiger“, erläutert Brandt. So zieren zum Beispiel Perlen Wandbeläge. Angesagt sind auch Motive in Metallfarben, vor allem warmes Kupfer und Bronze. Dazu gehört auch alles, was sonst irgendwie funkeln und glänzen kann. Das hat für den Tapetenexperten einen besonderen gestalterischen Reiz: „Wo eine Lampe auf die Tapete fällt, leuchtet sie.“ Das verändere nur für diese gewisse Zeit die Wirkung des Raumes. Und wer es weniger prachtvoll mag? Der findet weiterhin viele Blumenmuster und sonstige Motive der Pflanzenwelt bei den Tapeten. Allerdings werden die Dessins kleinteiliger, erklärt der Branchenkenner. Mustertapeten wie diese mit Diskokugeln geben einem Raum eine besondere Wirkung – ein Trend der Tapetenindustrie.

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