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Campus + Co -16.04.2018-

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Campus + Co

www.ksta.de/campus ∙ www.rundschau-online.de/campus ∙ www.rp-online.de/campus April 2018 ✧ D-K33 campus + co WAS DIETER NUHR STUDENTEN RÄT INTERVIEW „Die Unizeit als Grundlage für alles“ EINE AUSZEIT VOM SURFEN TIPPS FÜR ERASMUS S. 12 Dieter Nuhr wäre fast Kunstlehrer geworden – im Gespräch mit „campus + co“ erzählt er, warum es nicht dazu kam. Dieter Nuhr (57) hat an der Universität- Gesamthochschule Essen Bildende Kunst und Geschichte auf Lehramt studiert. Heute ist er einem breiten Publikum als Kabarettist, Autor und Moderator bekannt und für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet worden. Über seinen Werdegang und die Lehren aus der Uni- Zeit sprach Katharina Hamacher mit ihm. Herr Nuhr, waren Sie als Student eher in der Bibliothek oder auf Partys zu finden? NUHR Ich wusste nicht, dass das eine das andere ausschließt. In der Tat wurde viel gefeiert, gut so. Aber da Google noch nicht erfunden war, war man auch viel in der Bibliothek. Die meiste Zeit habe ich wahrscheinlich im Atelier verbracht. Ich habe Kunst studiert, Malerei, und wahrscheinlich mehr Lebensjahre durch Terpentin verloren als durch Alkohol. Damals wurde ja auch noch überall gequalmt. Heute hoffe ich, dass sich der Mix damals gegenseitig neutralisiert hat. Das wäre schön ... Sie haben auf Lehramt studiert und das Erste Staatsexamen abgeschlossen. Warum haben Sie diese Richtung dann aber nicht weiterverfolgt? NUHR Die letzten Studienjahre waren wir schon nebenbei auf Tournee, eine großartige Zeit! Wenn das Smartphone beim Lernen stört Es ist zum ständigen Begleiter geworden und niemals ausgeschaltet: Das Smartphone gehört zu den größten Störfaktoren im Alltag von Studenten. VON SARAH SCHNEIDEREIT Mal eben schnell die Neuigkeiten bei Facebook checken, bei Instagram durch Fotos scrollen oder im Whatsapp-Gruppenchat schreiben – das Smartphone bietet unzählige Ablenkungsmöglichkeiten. Kein Wunder also, dass es auch für Studenten ein unverzichtbarer Begleiter ist und gerne in langweiligen Vorlesungen hervorgeholt wird. In der Klausurphase bietet das Gerät ebenfalls willkommene Abwechslung. Doch was tun, wenn der Handy-Konsum überhandnimmt? Laut einer Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernest & Young aus dem Jahr 2017 verbringen junge Erwachsene im Alter von 21 bis 30 Jahren im Schnitt etwa sieben Stunden pro Tag online. Das Surfen mit Hilfe des Smartphones nimmt den Ergebnissen nach in dieser Altersklasse drei Stunden am Tag in Anspruch. 81 Prozent nutzen am liebsten Chats und Messenger-Dienste über das Handy. Den Aus-Schalter verwenden die wenigsten noch, stattdessen ist das Smartphone ein Da dachte ich, das machst du auch nach dem Examen noch ein paar Jahre weiter. Dabei ist es dann geblieben. Es ist erheblich erfreulicher, vor Freiwilligen aufzutreten. Ich bin sehr dankbar, dass alles so gekommen ist. Das war ja ungeplant. Es ist einfach passiert. Das ist eine unterschätzte Tatsache. Heute glauben alle, sie würden ihr Leben planend organisieren. In Wirklichkeit ist es so: Die wirklich wichtigen Dinge passieren einfach. Dann muss man umplanen. Chancen ergreifen zu können, ist wichtiger als jede ausgefeilte Planung. Was hat sie ursprünglich am Lehrberuf gereizt? NUHR Die Idee war eher meiner Ideenlosigkeit entsprungen als einer vermeintlichen Neigung zum Pädagogischen. Wir waren als grün-alternativ Sozialisierte der 1970er dem Karrieregedanken abgeneigt. Viele meiner Kommilitonen hatten genau wie ich keine Ahnung vom echten Leben und deshalb den Entschluss gefasst, auf der Schule zu bleiben, da kannte man sich aus. Viele von denen sind immer noch Lehrer und sehen die Welt ausschließlich durch die Scheiben des Lehrerzimmers. Ein bisschen mehr Vermischung von Welt und Schule wäre wünschenswert. Heute sind sie als Kabarettist, Autor und Moderator erfolgreich. Haben Ihnen die Inhalte Ihres Studiums bei Ihrer Karriere geholfen? NUHR Ich habe fast alles, was ich heute zum Arbeiten brauche, an der Hochschule gelernt: Logik, Recherche, Quellenanalyse, eigenständiges Denken. Im besten Fall nimmt ständiger Begleiter. Eine Studie der Uni Bonn aus dem Jahr 2014 mit 50 teilnehmenden Studenten ergab, dass sie im Schnitt 80 Mal täglich ihr Telefon aktivierten – tagsüber durchschnittlich alle zwölf Minuten. Bei einigen Probanden fielen die Zahlen doppelt so hoch aus. Das Problem ist, dass vielen Nutzern gar nicht bewusst ist, wie häufig sie am Tag ihr Smartphone entsperren, obwohl keine neue Nachricht eingegangen ist. Apps, die das Nutzerverhalten kontrollieren, sollen Abhilfe schaffen und einen bewussteren Smartphone- Konsum fördern. Das Stichwort heißt Digital Detox, also quasi eine Entgiftungskur in Sachen Technik. Einige dieser Digital-Detox-Apps werden im Folgenden vorgestellt: Forest Die englischsprachige App Forest soll dabei helfen, konzentrierter zu sein und das Smartphone beiseite zu legen. In der App werden virtuelle Bäume gepflanzt, während das Gerät für eine vorher eingestellte Zeit nicht genutzt wird. Greift man früher wieder zum Smartphone, stirbt der Baum ab und hinterlässt einen trostlosen Baumstumpf. Wer noch mehr Motivation braucht: Im sogenannten „Forest Ranking“ wird angezeigt, wer am erfolgreichsten aufs Smartphone verzichtet. So kann man sich auch mit Kommilitonen oder Freunden vergleichen, die ebenfalls Forest nutzen. Mit Malerei fing es an, heute fotografiert Dieter Nuhr und macht daraus großformatige Werke. FOTO: JUTTA HASSHOFF-NUHR man an einer Hochschule nicht nur Informationen auf, sondern lernt die Kunst der Informationsaufnahme und -abwägung. In Zeiten von Fake-News keine unwichtige Aufgabe ... Menthal Die App „Menthal“ ist Teil einer Studie der Universität Bonn, die das Thema Smartphone-Nutzung wissenschaftlich erforschen möchte. Die Anwendung zeichnet deshalb genauestens auf, wann und wie lange das Smartphone wofür genutzt wird. So sind Rückschlüsse auf das individuelle Nutzerverhalten möglich. Die Auswertung erfolgt laut der Uni Bonn auf der Grundlage strenger Datenschutz-Regeln, so dass Nutzer nicht fürchten müssen, dass beispielsweise Fotos zwischengespeichert werden. Offtime Mit der kostenlosen App „Offtime“ kann der Smartphone- Benutzer sich selbst in die Schranken verweisen. So lässt sich einstellen, dass für einen festgelegten Zeitraum keine Nachrichten mehr eingehen können oder dass Facebook nicht mehr geöffnet werden kann. Wer die Pause frühzeitig beenden will, muss erst eine Minute warten, dann fragt die App noch einmal nach, ob man sich sicher ist. Quality Time – die digitale Diät Die kostenlose App „Quality Time“ bietet eine tiefgehende Analyse der Telefonnutzung, in dem sie die Gesamtnutzungszeit und die Nutzung einzelner Anwendungen aufzeigt. Mit der Hilfe von Alarmen oder selbst gesetzten Einschränkungen kann der Handy-Konsum eingedämmt werden. DIETER NUHR Auf Tour Nuhr ist seit mehr als 30 Jahren auf den Kabarettbühnen zu Hause. Mit seinem neuen Programm „Nuhr hier, nur heute“ tourt der vielfach ausgezeichnete Kabarettist, Autor und Moderator aktuell durch Deutschland. Mehr Infos – auch zu seinen Ausstellungen als Fotokünstler – gibt es unter www.nuhr.de Das war und ist für mich ein genauso wichtiger Teil meiner Arbeit wie Texten und Auftreten. Ich habe an der Hochschule für mich wesentliche ästhetische Grundsätze und kompositorisches Denken gelernt, auch kritisches Hinterfragen der eigenen Arbeit, eine Fähigkeit, die meines Erachtens seltener wird. Gestaltungsprinzipien gibt es für Bilderserien wie auch für Bühnenprogramme. Mir erscheint die Unizeit heute als Grundlage für alles. Das Studium hat sich über die Jahre sehr verändert. Was würden Sie aus Ihrer Erfahrung heraus Studierenden heute raten, die in eine ähnliche Richtung streben? Welche Schwerpunkte könnten ihnen dabei heute helfen? NUHR Da bin ich nun wirklich nicht der Fachmann. Ich glaube allerdings, dass die heute übliche straighte Karriereplanung nicht immer in die richtige Richtung führt. Sich mal treiben zu lassen und auch in Kauf zu nehmen, Entscheidungen zu revidieren, also nicht auf gerader Linie, sondern in Kurven zum Ziel zu kommen, erscheint mir persönlich besser. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Wenn ich mir damals klare Ziele gesetzt hätte, wäre ich mit Sicherheit heute ganz woanders. Und aus heutiger Sicht wäre das sehr schade. INTERVIEW MIT DEM KABARETTISTEN DIETER NUHR S. 6 In Kurven zum Ziel Ab heute an den Hochschulen (debo) Das Magazin „campus + co“ von Rheinischer Post, Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau wird heute an vielen NRW-Hochschulen verteilt. Im aktuellen Heft lesen Studenten nicht nur, wieso Dieter Nuhr dann doch nicht Kunstlehrer geworden ist, sondern auch, wie man eine gute Bewerbung schreibt – und wie ein Bochumer Start-up daraus sogar eine Geschäftsidee entwickelt hat. Verschiedene Studenten berichten außerdem von ihrem Erasmus-Jahr im Ausland – und machen ihren Kommilitonen Mut, es ihnen nachzumachen. Wie immer gibt es außerdem jede Menge Tipps rund um den Unialltag. planen Sie fotografieren und stellen Ihre Kunst in Galerien und Museen aus. Inwiefern finden sich in Ihren Arbeiten Einflüsse aus ihrem Studium wieder? NUHR Ich habe ja Malerei studiert und seitdem immer wei- entwickeln ter Bilder gemacht. Heute sind die Bilder großformatige Fotografien aus aller Welt, von Mali bis Bhutan, von Chile bis zum Jemen, Nordkorea oder Japan. kreieren Düsseldorf Nähe trifft Freiheit Wie die digitale Entgiftung beim Lernen hilft S. 10 Stellenangebote der Landeshauptstadt Düsseldorf Wir suchen Ingenieur/-innen, Meister/-innen sowie Techniker/-innen in diversen Fachrichtungen! Wir bieten die Möglichkeit an großen Bauvorhaben mitzuwirken, das Stadtbild zu prägen, einen Arbeitsplatz mit sicherer Bezahlung, einen unbefristeten Arbeitsvertrag und eine ausgewogene Work Life Balance. www.duesseldorf.de/stellen 10_Anzeige_technische Berufe_Ingenieur.indd 1 04.04.2018 10:51:15

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