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100 Jahre Werk am Rhein

100 Jahre Werk am Rhein ngz SAMSTAG, 30. DEZEMBER 2017 NGZ-SV02 G2 Betriebe stehen vor großen Herausforderungen Chempark-Partner blicken dennoch optimistisch in die Zukunft. Industrieakzeptanz wird zum immer wichtigeren Standortfaktor. VON CHRISTIAN HENSEN Die Abwanderung insbesondere junger Menschen lässt ländliche Regionen veröden und führt zu Wohnungsnot in den Städten. Die Folge: Während das Land zunehmend an Infrastruktur einbüßt, explodieren die Immobilienpreise in den Zentren. Übrigens nicht nur in Deutschland. So meldete kürzlich auch Großbritannien einen rasanten Wegzug junger Familien aus den ländlichen Gebieten. Um diesem wohl sei der demografische Wandel eine große Herausforderung. „Wir haben viele Mitarbeiter, die heute 45 bis 47 Jahre alt sind. Die müssen wir rechtzeitig nachbesetzen.“ Dabei müsse man nicht nur die hiesigen, sondern auch die ausländischen Fachkräfte im Blick haben, betont Jaeger. Stefan Rittmann, Geden zu. Chempark-Leiter Lars Friedrich sieht auch die Politik gefordert, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Insbesondere beim Thema Digitalisierung herrsche in vielen Betrieben Nachholbedarf. Dabei könnten gerade sie die Innovationskraft der Unternehmen stärken. Für Friedrich steht fest: „Der Chempark wird in 20 Jahren ganz anders aussehen als heute.“ Ebenso wie die Chemiebranche insgesamt, habe auch der Chempark in seiner hundertjährigen Geschichte eine „Wir haben viele Mitarbeiter, die heute 45 bis 47 Jahre alt sind. Die müssen wir rechtzeitig nachbesetzen“ Trend entgegenzuwirken, müssten auch die Arbeitgeber vor Ort Weichen stellen, so die einhellige Meinung der Round-Table-Teilnehmer im Nachbarschaftsbüro Chempunkt. Dabei biete insbesondere der Verbundstandort des Chemparks mit seinen mehr als 70 Betrieben an drei Standorten ein spannendes Arbeitsumfeld für Bewerber und Arbeitnehmer. Die Lage Dormagens zwischen den Rhein-Metropolen Düsseldorf und Köln biete den Mitarbeitern viele Vorteile, betont Norbert Lui, Standortleiter Dormagen der Bayer AG. Die Immobilienpreise seien deutlich moderater als etwa in Düsseldorf, außerdem sei die Verkehrsanbindung in die Nachbarstädte sehr günstig. Die Wohnqualität in Dormagen sei hoch, unterstreicht Lui. Auch biete der Produktionsverbund eine Perspektivvielfalt für Mitarbeiter, die das enge Nebeneinander der großen Chemiespezialisten Spannende Jobs, Aufstiegschancen und vergleichsweise günstige Preise fürs Wohnen: Vertreter der im Chempark Dormagen ansässigen Firmen betonen die Standortvorteile, denn eines ist klar: Auch der Chempark steht im Wettbewerb um die Fachkräfte. FOTO: ANJA TINTER van Baarle. Auch Klaus Jaeger, Standortleiter NRW der Covestro AG aus Leverkusen, ist optimistisch: „Als wir vor zwei Jahren als XL- Start-up an den Start gingen, galt es, einige Stellen neu zu besetzen. Das ist uns erfolgreich gelungen“, sagt er. Covestro sei als Arbeitgeber attraktiv für Auszubildende. Gleichschätzen. Frederique van Baarle, Marketing und Sales-Leiterin für Hochleistungs-Kunststoffe der Lanxess AG, hat die Erfahrung gemacht, dass immer mehr junge Familien nach Dormagen und die umliegenden Gemeinden ziehen, um dort zu leben und zu arbeiten. „Die Stadt gewinnt zunehmend an Reiz“, so schäftsführer der Arlanxeo Deutschland GmbH ergänzt: „Das Ausbildungsniveau und die entsprechende Qualifizierung der Mitarbeiter ist auch im Ausland hoch.“ Man müsse jedoch entsprechende Anreize setzen. „Außerdem müssen wir erst einmal unseren Namen bekannt machen“, gibt er unumwun- Die gesellschaftliche Akzeptanz sei vorbildlich, müsse aber jeden Tag aufs Neue gepflegt werden enorme Wandlung durchgemacht. Die meisten Freiflächen des Chemparks Dormagen seien besetzt, Neuzugänge müssen in den Produktionsverbund passen. In einem sind sich alle Teilnehmer am runden Tisch einig: Die gesellschaftliche Akzeptanz an den Standorten Dormagen, Leverkusen und Uerdingen sei vorbildlich, müsse aber jeden Tag aufs Neue gepflegt und gestärkt werden. Das beweisen nicht zuletzt die drei „Chempunkte“. In den sogenannten Nachbarschaftsbüros haben die Bürger die Möglichkeit, mit dem Chempark in Kontakt zu kommen, sich zu informieren, auch mal Kritik loszuwerden und Fragen zu stellen. „Die Büros werden sehr rege genutzt und sind ein gutes Bindeglied zwischen unseren Unternehmen und den Menschen vor Ort“, so Friedrich. Das stärke letztlich den Chempark und sei Teil seiner Erfolgsgeschichte. Die Verfahrenstechnologie der Großanlage in Dormagen setzt neue Maßstäbe in der effizienten und ressourcenschonenden TDI-Produktion. FOTO: MICHAEL RENNERTZ Der Chempark in Dormagen • Standort seit: 1917 • Gesamtfläche: 360 ha • Freie Flächen: von 0,5 - 6 ha • Betriebe: ca. 60 • Mitarbeiter im Chemiepark: ca. 10.500 • Autobahnanschlüsse: A57 • Gleisanschluss: ja • Wasserweg: Rhein • Flughäfen: Düsseldorf, Köln/Bonn Drei Chemparks in der Region • Standorte in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen • ca. 11 km² Gesamtfläche • ca. 1.800 Gebäude • ca. 900 Dienstleistungen • ca. 500 Betriebe • ca. 102 km Werksstraßen • ca. 102 km Gleise • ca. 4 km Kaianlagen • ca. 48.000 Mitarbeiter Anzeigen-Sonderveröffentlichung 100 Jahre Werk in Dormagen Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH, Zülpicher Straße 10, 40196 Düsseldorf Geschäftsführer: Dr. Karl Hans Arnold, Patrick Ludwig, Hans Peter Bork, Johannes Werle, Tom Bender (verantwortl. Anzeigen) Druck: Rheinisch-Bergische Druckerei GmbH, Zülpicher Straße 10, 40196 Düsseldorf Anzeigen: Kontakt: Ulf Wagner, 02131 404-222, ulf.wagner@ngz-online.de Redaktion: Rheinland Presse Service GmbH, Zülpicher Straße 10, 40196 Düsseldorf, José Macias, Ludger Baten (verantwortlich), Jörg Mehl, Jürgen Grosche, Christian Hensen. Mitarbeit: Arnd Westerdorf, Marc Cattelaens, Michael Elsing Kontakt: 0211 528018-0, redaktion@rheinland-presse.de „Wir müssen für junge Menschen attraktiver werden“ Chempark-Partner investieren gezielt in Nachwuchsgewinnung und Mitarbeiterförderung. VON CHRISTIAN HENSEN Die Chemiebranche gilt als einer der wichtigsten Wirtschaftsmotoren Deutschlands. Zugleich ist sie mit ihren innovativen Materialien, Vorprodukten und ihrem Know- How Impulsgeber für viele weitere Arbeitsfelder. Gerade Nordrhein- Westfalen kommt mit seinen zwölf Chemieparks eine besondere Rolle zu. Dabei ist nicht zuletzt der Chempark mit seinen Standorten in Leverkusen, Dormagen und Krefeld- Uerdingen einer der größten Chemieparks in Europa. Rund 48.000 Mitarbeiter arbeiten dort in rund 70 Unternehmen. Damit die Branche stark bleibt, buhlen die Unternehmen um kompetente Nachwuchskräfte. Eine besondere Rolle spielen dabei die sogenannten MINT-Qualifikationen in den Fachrichtungen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die chemische Industrie gehört nach Angaben des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) mit rund 550.000 Beschäftigten in 1900 Unternehmen zu den größten Arbeitgebern in Deutschland. Insgesamt befinden sich über 27.000 junge Menschen in der Ausbildung zu einem der vielen naturwissenschaftlichen, technischen und kaufmännischen Berufe in der Chemie. Gut 60 Prozent aller Chemiefirmen bilden Jugendliche allein oder im Verbund mit Partnerbetrieben aus. Die Branche stellt in Deutschland jährlich mehr als 9000 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Dass die Nachwuchssicherung sowie die Mitarbeiterförderung großer Anstrengung bedürfen, darüber sind sich auch die Teilnehmer des Round Tables im Dormagener Nachbarschaftsbüro Chempunkt einig: „Wir befinden uns im Wettbewerb um die besten jungen Mitarbeiter und müssen deshalb die Bewerber von unserer Attraktivität überzeugen“, betont Stefan Rittmann, Geschäftsführer der Arlanxeo Deutschland GmbH. Dabei gehe es nicht nur darum, Chemiekanten zu finden. Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung werde vor allem der Bedarf an IT-Fachleuten steigen. Für die wiederum sei die Chemiebranche meist nicht die erste Wahl, so Rittmann. Das sieht Frederique van Baarle, Marketingund Sales-Leiterin für Hochleistungs-Kunststoffe der Lanxess AG, ähnlich. Deshalb investiere das Köl- „Das Niveau der Ausbildungen und Studiengänge ist ein großes Pfund, worauf wir gut aufbauen können“ ner Spezialchemie-Unternehmen explizit in seine IT-Infrastruktur. „Wir versuchen vor allem, unsere bestehende Mannschaft zu qualifizieren und sie für die digitalen Anforderungen fit zu machen“, so van Baarle. Wie Lars Friedrich vom Chempark-Betreiber Currenta unterstreicht, ist die Qualifikation der Mitarbeiter „treibende Kraft“ für wirtschaftlichen Erfolg. Durch ihr Know-How und ihre Kreativität bringen sie die Unternehmen nach vorne, sagt er. In der Regel mache jeder Mitarbeiter pro Jahr einen innovativen Vorschlag, der häufig auch umgesetzt werden könne. Klaus Jaeger, Standortleiter NRW der Covestro Deutschland AG, berichtet, dass jeder Mitarbeiter aufgerufen sei, selber Ideen zu entwickeln und sich selbst ständig zu verbessern. „Im Rahmen einer Aktion fördern wir aktuell Start-ups innerhalb unseres eigenen Unternehmens und stellen die Mitarbeiter mit der besten Geschäftsidee für die Umsetzung frei.“ Außerdem würden sie Wie können die Betriebe Mitarbeiter für sich gewinnen? Auch darüber diskutierten die Vertreter der im Chempark arbeitenden Firmen. FOTO: ANJA TINTER mit einem eigenen Budget ausgestattet. Dass es besonders wichtig sei, ganzheitlich anzusetzen, macht Norbert Lui, Standortleiter Dormagen der Bayer AG klar: „Wenn wir als Arbeitgeber attraktiv bleiben wollen, müssen wir auch in die Infrastruktur für Familien investieren, zum Beispiel in Kitas.“ So lassen sich Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Zugleich müsse man bereits in den Schulen beginnen, den Nachwuchs für sich zu interessieren. Bayer geht mit gutem Beispiel voran: Der Stiftungsrat der Bayer Science & Education Foundation wählte in der aktuellen Förderrunde 41 Initiativen aus den Einzugsgebieten der deutschen Bayer- Unternehmensstandorte aus. Seit Programmstart 2007 wurden bundesweit bereits 508 Initiativen mit einem Gesamt-Fördervolumen von rund fünf Millionen Euro ins Bayer- Schulförderprogramm aufgenommen. In Dormagen und Umgebung wurden bisher 48 Projekte mit rund 277.000 Euro unterstützt. Mitarbeiter mitnehmen, begeistern und in ihrer Entwicklung individuell begleiten – das gehört auch zur Unternehmenskultur vom Chempark-Betreiber Currenta. „Wir fördern Mitarbeiter mit unterschiedlichsten Qualifikationen und Fähigkeiten und schenken ihnen das Vertrauen für verantwortliche Tätigkeiten“, so Friedrich. Deshalb seien die Entwicklungsmaßnahmen breit gefächert. Angefangen von speziellen Einstiegs- und Nachwuchsförderungsprogrammen über systematische und kontinuierliche Fortbildung bis hin zu einer adäquaten Vergütung und vielfältigen Sozialleistungen. Fachliche Leistungen werden bei Currenta genauso anerkannt und honoriert wie Engagement und Eigeninitiative, so der Chempark-Leiter. Das sei auch eine Chance für den Standort NRW. Und wie steht es um die Qualität der Ausbildung in den Hochschulen? Durchweg positiv, berichten die Round-Table-Teilnehmer im Chempunkt. „Das Niveau der Ausbildungen und Studiengänge ist ein großes Pfund, worauf wir gut aufbauen können“, so Klaus Jaeger von Covestro. „Wir müssen nur schneller sein.“ Wichtig sei, frühzeitig Nachwuchs zu gewinnen und ihn ans Unternehmen heranzuführen. Frederique van Baarle betont die enge Kooperation mit Hochschulen in der Region, etwa der RWTH Aachen. Jedoch könnte die Zahl der Absolventen ruhig steigen, sagt sie und zieht daraus den Schluss: „Wir müssen uns nach außen noch besser darstellen.“

100 Jahre Werk am Rhein ngz SAMSTAG, 30. DEZEMBER 2017 NGZ-SV03 G3 Die Teilnehmer am Roundtable Arlanxeo Deutschland GmbH Stefan Rittmann, Geschäftsführer Bayer AG Dr. Norbert Lui, Standortleiter Dormagen Covestro Deutschland AG Dr. Klaus Jaeger, Standortleiter NRW Lanxess AG Frederique van Baarle, Marketing und Sales-Leiterin für Hochleistungs-Kunststoffe Chempark Lars Friedrich, Leiter Dr. Norbert Lui, Bayer AG FOTOS: ANJA TINTER Lars Friedrich, Chempark Frederique van Baarle, Lanxess AG Stefan Rittmann, Arlanxeo Deutschland Dr. Klaus Jaeger, Covestro Deutschland Moderation Ludger Baten, Neuß- Grevenboicher Zeitung, Jürgen Grosche, Rheinland Presse Service Im Verbund stärker als allein Der Chempark mit seinen drei Standorten und die Betriebe darin arbeiten eng zusammen und erhöhen damit ihre Effizienz. Dazu sind sie auf die externe Verkehrs-Infrastruktur angewiesen – die derzeit allerdings viele Mängel aufweist. VON JÜRGEN GROSCHE Die Arbeit der chemischen Industrie ist hoch komplex. Technische Anlagen stehen miteinander in Verbindung, die Unternehmen im Chempark Dormagen ebenso – und die drei Chempark-Standorte in der Region bilden über alledem noch eine Verbundstruktur. Nicht minder komplex sind die dafür nötigen öffentlichen Verbindungen, also das Straßen- und Schienensystem und der Schiffsverkehr, die öffentliche Infrastruktur. Solche hoch komplexen Systeme müssen in Ordnung gehalten werden und mit den Anforderungen wachsen. Wie es aussieht, wenn das nicht passiert, kennen staugeplagte Autofahrer aus dem Alltag. Für die Industrie ist die öffentliche Infrastruktur ein Standortfaktor höchster Güte, wie die Experten aus dem Chempark Dormagen beim NGZ- Roundtable „100 Jahre Werk am Rhein“ betonen. Derzeit machen Baustellen etwa auf der A 57 oder die marode Rheinüberquerung der A 1 bei Leverkusen große Probleme. „Die A 1 war das verbindende Element zwischen den Standorten Dormagen und Leverkusen“, sagt Chempark-Leiter Lars Friedrich, „heute trennt sie die beiden Werke“. Der Standort habe genug innere Kraft, diese Herausforderung zu bewältigen. „Die Erosion muss aber aufhören“, warnt Friedrich. Während in den Industriepark viel investiert worden sei, sei in die umliegende Infrastruktur „fast gar nichts“ gesteckt worden, beklagt Norbert Lui (Bayer). Die Konsequenz: „Die Verkehrsanbindung ist derzeit problematisch. Das Land muss mehr in den Erhalt investieren.“ Stefan Rittmann (Arlanxeo) weiß gar, dass Dormagen Mitarbeiter verloren gehen, die wegen der Staus rund um die A 1-Brücke nun lieber in Leverkusen arbeiten statt in Dormagen. Die Verkehrsprobleme tangieren auch auf andere Weise die Arbeit im Chempark. Viele Menschen sind hier im Schichtbetrieb tätig, betreuen komplizierte Anlagen. „Sie dürfen nicht gestresst hier ankommen“, sagt Klaus Jaeger (Covestro). Eine andere Verbindung zwischen den Parks war gar zum Politikum geworden. Gegen die geplante CO-Pipeline zum Transport von Kohlenstoffmonoxid regte sich viel Widerstand. „Wir setzen darauf, dass ein solches System in NRW durchsetzbar ist“, hofft Jaeger hingegen, und Friedrich betont: „Im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern sind Fernleitungssysteme die sichersten. Sie gehören dazu aber unter die Erde.“ Während es bei Themen rund um die äußere Infrastruktur Reibungen gibt, läuft das Verbundsystem der „Die Verkehrsanbindung ist derzeit problematisch. Das Land muss mehr in den Erhalt investieren“ Chemparks und der darin tätigen Unternehmen meist einwandfrei. „Diese Infrastruktur muss immer Schritt halten mit der Entwicklung der Kunden“, beschreibt Jaeger eine der Hauptaufgaben für den Chempark. Natürlich gibt es auch mal Engpässe. „Wenn ein Betrieb einen Stillstand erleidet, merken das viele“, erklärt Lui, wenn zum Beispiel Rohstoffe fehlen. Die Verbindungen innerhalb des Parks beschreiben ein Geben und Nehmen. Was für einen Betrieb Nebenprodukte sind, braucht ein anderer als Basis-Rohstoff. Rittmann nennt als Beispiel Salze, die bei Arlanxeo entsprechende Nebenprodukte sind, bei Covestro hingegen in der Chlorproduktion gebraucht werden. Das Verbundsystem macht zudem eine effiziente Nutzung der Ressourcen möglich. „Wir bekommen Rohstoffe von Nachbarfirmen und müssen vieles nicht extra von außen anliefern lassen“, beschreibt Lui einen Vorteil des Systems. „Für Betreiber von Großanlagen ist es zudem interessant, ihre Kapazitäten mehreren Nutzern zur Verfügung zu stellen“, sagt Jaeger und nennt als Beispiele Rückführungsprozesse oder Zuführungen von Stoffen an andere Produktionsstätten. „Auch die Entsorgung ist im Verbund besser zu organisieren.“ Diese „mehrschichtigen Beziehungen zwischen den Betrieben“ führen nach Darstellung von Friedrich dazu, dass alle Unternehmen „sehr erfolgreich in ihren Märkten tätig sind“. Stehen sie denn nicht auch im Wettbewerb untereinander? „Aufgrund der Historie gibt es wenige Wettbewerbsbereiche in der Produktion“, erklärt Rittmann – die meisten Unternehmen haben ihren Ursprung im Bayer-Konzern. „Wir stehen wohl aber im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter.“ Jaeger bestätigt diese Einschätzung und ergänzt, auch bei Dienstleistungen oder in der Logistik gebe es Wettbewerbssituationen. Wer kann denn neu in den Park aufgenommen werden? „Entscheidend ist, dass ein Neuling in unseren Produktionsverbund passt“, erklärt Lars Friedrich. Und die Bestandsunternehmen, denen die Grundstücke gehören, prüfen das genau. „Sie achten darauf, dass neue Partner, die sich auf Erweiterungsflächen ansiedeln wollen, zu ihnen passen.“ Doch die Zahl der Neuzugänge ist ohnehin begrenzt: „Für uns sind Erweiterungsflächen unverzichtbar, denn langfristig haben wir einen wachsenden Bedarf“, sagt Frederique van Baarle (Lanxess). „Aktuell laufen fast alle Betriebe an ihren Kapazitätsgrenzen und sind an Erweiterungsflächen interessiert“, fügt Rittmann hinzu. Unternehmen glauben an den Standort 100 Jahre Werk am Rhein in Dormagen – das reizt zum romantischen Rückblick. Doch dabei belassen es die Unternehmen nicht. Sie blicken zuversichtlich nach vorn. Die Ausblicke sind gut. VON JÜRGEN GROSCHE Ob Unternehmen zuversichtlich in die Zukunft blicken oder einem Standort vertrauen, lässt sich an einfachen Merkmalen erkennen: Investieren sie, bauen sie auf und aus? Genau das passiert gerade im Chempark Dormagen – und nicht nur jetzt. „Wir sind von der Nachhaltigkeit des Standorts überzeugt“, sagt Stefan Rittmann (Arlanxeo). Das Unternehmen strebt entsprechend weitere Investitionen in den Standort an. Lanxess ist neben seinem Kautschuk-Gemeinschaftsunternehmen Arlanxeo mit vier Geschäftsbereichen in Dormagen vertreten, erklärt Frederique van Baarle, „wir investieren hier kontinuierlich in unsere Betriebe“. Bayer will in den nächsten beiden Jahren bis zu 40 Millionen Euro in die Infrastruktur investieren, verrät Norbert Lui. Der Ausbau von gemeinsamen Kälte- oder Entsorgungsanlagen sei als langfristige Investition gedacht. Covestro hat in den vergangenen Jahren stark in Dormagen investiert, so zum Beispiel in die TDI-Anlage mit rund 250 Millionen Euro. „Auch für die Zukunft sind Investitionen in den Standort geplant“, beschreibt Klaus Jaeger Pläne seines Unternehmens. „Wir haben zudem einen großen Anlage-Sockel und investieren jährlich 50 bis 60 Millionen Euro, um den vorhandenen Anlagenpark zu erhalten. Covestro wachse schneller als zum Start der Bayer-Abspaltung gedacht. „Wir erweitern und erneuern kontinuierlich, um die Zukunft der Firma zu sichern.“ „Alle Unternehmen arbeiten derzeit an ihren Kapazitätsgrenzen“, stellt Lars Friedrich fest. Für den Chempark-Betreiber Currenta ist klar, dass die Infrastruktur mit dem Wachstum der Produktionsunternehmen mithalten muss. „Für die Ver- und Entsorgung stellen wir 2018 an allen drei Standorten über 100 Millionen Euro bereit.“ Die meisten Geschäfte tätigen die Unternehmen in ihrem eigenen Umfeld. Neben den Verbindungen untereinander produzieren viele Betriebe in Dormagen für lokale Märkte, Covestro etwa für den europäischen Markt. Lanxess bekommt Zulieferungen aus verschiedenen Regionen und exportiert auch dorthin, „aber wir produzieren ebenso für lokale Märkte“, erklärt Frederique van Baarle. Jaeger beobachtet, dass chinesische Wettbewerber auf die Märkte drängen. „Dem müssen wir uns stellen.“ Bei Pflanzenschutz-Produkten verfolgt Bayer ein Netzwerk-Konzept, wie Lui beschreibt. „Wir in Dormagen stellen Pflanzenschutzmittel für Landwirte in der ganzen Welt her.“ Das Netzwerk besteht dabei aus strategischen Produktionsstandorten für die Wirkstoffe und kundennahen Formulierstandorten. „Unsere Produkte exportieren wir in die Welt“, beschreibt hingegen Rittmann die Produktionsweise von Arlanxeo. Einen hohen Anteil habe Asien. Die Unternehmen im Chempark Dormagen investieren kräftig und machen damit den Standort fit für die Zukunft. FOTO: ANJA TINTER Chempark-Manager Currenta: Spezialist für das große Ganze Dampf? Strom? Kälte? Industrieakzeptanz? Alles Grundbedürfnisse der chemischen Industrie. Und einer sorgt in den drei Niederrheinwerken dafür, dass es läuft: Currenta mit etwa 3200 Mitarbeitern erwirtschaftet als moderner Industriedienstleister einen jährlichen Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro. Durch die Anteilseigner Bayer und Lanxess blickt der „Chempark-Manager“ auf mehr als 100 Jahre Firmengeschichte zurück. (RPS) Mit dem Wechsel vom Bayer- Chemiepark zum Chempark entstand 2008 auch die Marke Currenta. Seitdem werden in den Werken Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen für insgesamt rund 70 Unternehmen aus einer Hand die Rahmenbedingungen für erfolgreiche chemische Produktion geschaffen. Hinzu kommen weitere Services der Tochtergesellschaften Tectrion GmbH und Chemion Logistik GmbH. Currenta sorgt für die erforderliche Energie in den Produktionsbetrieben:, angefangen von Strom und Dampf über Druckluft, Kälte bis hin zu verschiedenen technischen Gasen. Als Spezialist für sichere Entsorgungslösungen steuert der Chempark-Manager alle Prozesse rund um die Abfallentsorgung und -verwertung in eigenen Sonderabfallund Abluft-Verbrennungsanlagen, Deponien und Wertstoffsammelzentren – dazu gehört auch die von der Nordseite des Werks gut sichtbare Rückstandsverbrennungsanlage, kurz RVAD. Damit diese Leistungen auch bei den Chempark-Partnern ankommen, braucht es verschiedenste Infrastruktureinrichtungen: Stromnetze, Rohrnetze und Rohrbrücken ebenso wie Verkehrswege sowie Wasserförderungs- und -aufbereitungsanlagen. So betreibt Currenta in Dormagen eine eigene Kläranlage, und an den Tankerbrücken am Rheinufer schlagen die Spezialisten der Logistik-Tochter Chemion jedes Jahr mehr als zwei Millionen Tonnen Güter um. Alle drei Standorte Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen bringen es zusammen auf 640 Kilometer Kanalnetz, 102 Kilometer Straßennetz und ebenso viele Schienenkilometer sowie vier Kilometer Kaianlagen. Für den sicheren Betrieb im Werk sorgen alleine 600 Mitarbeiter im Bereich „Chempark & Sicherheit“: Werkschützer, Sicherheitsingenieure, Werkfeuerwehrleute, Ärzte und Rettungssanitäter. Die treten aber nicht nur in Aktion, wenn es ernst wird, sondern schon weit davor in der Ereignisvorbeugung. Beim Neubau von Anlagen achten sie auf die konstruktive Sicherheit, auf automatische Schutz- und Überwachungssysteme und führen regelmäßige Übungen durch, damit alle Mitarbeiter in sicherheitsrelevanten Prozessen fit bleiben. Für große und kleine Besucher des Werks sind und bleiben aber die Einsatzfahrzeuge Hightech, damit es läuft: Die Rückstandsverbrennungsanlage in Dormagen ist nur eine der zahlreichen hochspezialisierten Einrichtungen des Chempark-Betreibers Currenta. FOTO: CURRENTA der Feuerwehr das Spannendste – zu besichtigen unter anderem beim Türöffner-Tag der „Sendung mit der Maus“, der jedes Jahr am 3. Oktober stattfindet. Doch die Aufgaben von Currenta enden nicht am Werkszaun: Die Akzeptanz bei Nachbarn, Politik und Behörden ist ein Standortfaktor, um den sich die Industrie jeden Tag aufs Neue bemühen muss. Transparenz zeigen, ansprechbar sein, Dialog auf Augenhöhe führen – das sind nur einige der Funktionen des Nachbarschaftsbüros Chempunkt, das im Sommer 2013 in der Dormagener Innenstadt eröffnete. An fünf Tagen die Woche ist das Team von Büroleiter Jobst Wierich Anlaufstelle für alle Anliegen rund um den Chempark, und in zahlreichen Infoveranstaltungen erhalten die Nachbarn Einblicke in die Prozesse, die Produkte und das Engagement des Dormagener Werks.

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