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Chempark Proof

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100 Jahre Werk am Rhein

100 Jahre Werk am Rhein ngz SAMSTAG, 30. DEZEMBER 2017 NGZ-SV06 G6 Nachhaltigkeit ist der Kerngedanke hinter den Innovationen von Covestro: Mit seinen CO 2 -basierten Vorprodukten für Schaumstoffe setzt das Unternehmen neue Maßstäbe. In kleinem Maßstab klappt der Prozess: Für die Herstellung von Bio-Anilin prüft Dr. Swantje Behnken das Verfahren, damit es auch in größeren Anlagen funktioniert. FOTOS: COVESTRO DEUTSCHLAND AG Die Traumfabrik läuft auf Hochtouren In seinem Werk in Dormagen produziert Covestro Rohstoffe für Alltags-Produkte, von der Matratze bis zum Personalausweis. VON CHRISTIAN HENSEN Ein Alltag ohne Covestro ist nahezu undenkbar: Hightech-Werkstoffe von Covestro sind wichtige Bestandteile von Produkten der Automobil- und Bauindustrie, der Elektro-/Elektronikbranche sowie der Holz-, Möbel-, Sport- und Freizeitindustrie. Im größten Segment, den so genannten Polyurethanen, entwickelt und produziert der Global Player Polyole und Isocyanate als Bestandteile von harten und weichen Schaumstoffen, die sich unter anderem in Matratzen und Autositzen oder als Dämmstoff für Kühlgeräte und Gebäude finden lassen. Covestro ist ein Start-up-Unternehmen im XL-Format – mit über 80 Jahren Geschichte: Seit 2015 ist der Konzern, der früher zu Bayer gehörte, eigenständig. Covestro ist eines der weltweit größten Polymer-Unternehmen und fertigt mit rund 15.600 Mitarbeitern an 30 Standorten weltweit. Allein im Chempark Dormagen arbeiten aktuell rund 1500 Menschen für das Unternehmen. Es ist noch gar nicht lange her, da gelang den Experten von Covestro ein besonderes und in der Branche viel beachtetes Kunststück: Sie haben es geschafft, Kohlendioxid (CO 2 ) in ein Vorprodukt für Schaumstoffe einzubauen und damit einen Teil des knappen Erdöls zu ersetzen, aus dem dieses üblicherweise komplett besteht. 2016 ging die erste Produktionsanlage am Standort Dormagen in Betrieb. Verwendung finden soll das neue Material namens cardyon zunächst in Matratzen. Dormagen ist so etwas wie das Werk der Träume. Im wahrsten Sinne, denn in einer 2014 fertiggestellten Großanlage wird das Isocyanat TDI hergestellt – eine Chemikalie, die zur Produktion der hochwertigen Schaumstoffe dient. Die Anlage hat eine so hohe Kapazität, dass pro Tag 200.000 Matratzen aus dem Produkt hergestellt werden könnten. „Wir arbeiten kontinuierlich Kohlendioxid als Erdöl- Ersatz: Mit dem neuen Material namens cardyon ist Covestro ein Kunststück gelungen daran, umweltverträgliche Alternativen zu entwickeln, die durch starke Produkteigenschaften und eine gute Öko-Bilanz überzeugen“, sagt Covestro-Produktionsleiter Dr. Uwe Arndt. Dabei stellt Covestro in Dormagen nicht nur Komponenten für Schaumstoffe her. Im Bereich „Specialty Films“ zum Beispiel fertigen die Mitarbeiter hauchdünne Folien. Diese werden unter anderem für Personalausweise oder Führerscheine verwendet. Daneben fertigt Covestro in Dormagen zudem Rohstoffe für hochwertige Lacke, die auch an Flugzeugen, Autos oder Brücken extremen Belastungen standhalten. Diese Vielfalt macht Dormagen zu einem der bedeutendsten Standorte der Firma. Die kontinuierlichen Investitionen seien ein deutliches Signal, dass Covestro an die Zukunft des Standorts glaube, betont NRW-Standortleiter Klaus Jaeger beim Runden Tisch im Chempunkt. Gerade erst hat Covestro durch einen Weltrekord in Dormagen von sich reden gemacht: 694 Mitarbeiter formten dort den größten von Menschen geformten Gabelstapler. Anlass war die Einweihung eines neu gestalteten Hochregal-Lagers. Graffiti- Künstler Martin Heuwold hatte mit seinem Team das weithin sichtbare Gebäude mit einem bunten Bauklotz-Motiv versehen. „In Dormagen haben wir einen großen Anteil an der Gesamtproduktion und damit auch am Erfolg von Covestro“, so Jaeger. „Mit dem mutigen und bunten Kunstwerk und dem Weltrekord stärken wir die Verbundenheit mit dem Unternehmen – bei unseren Mitarbeitern wie auch bei unseren Nachbarn.“ Die Neugestaltung ist typisch für Covestro: Das Unternehmen präsentiert sich in einem nicht gerade farbenfrohen Industrieumfeld bunt und auffällig und kommuniziert so seine Werte nach außen: nämlich neugierig, mutig und vielfältig zu sein – stets mit dem Anspruch, die Welt lebenswerter zu machen. Der firmeninterne Wettbewerb ist bei Covestro auf großes Interesse gestoßen. Rund 600 Projekte haben die Mitarbeiter des Werkstoffherstellers weltweit eingereicht, die besten sechs bereiten sich jetzt auf die finale Ausscheidung im kommenden Jahr vor. FOTO: COVESTRO DEUTSCHLAND Covestro setzt auf Kreativität der Mitarbeiter VON ARND WESTERDORF Beim Werkstoffhersteller Covestro werden Zusammenarbeit und Förderung der Mitarbeiter groß geschrieben. Das zeigt sich am Namen und an den Aktivitäten des Leverkusener Unternehmens. Jüngster Clou: besonders kreativen Mitarbeitern winkt eine Start-up-Hilfe in Höhe von einer Million Euro. Das Jahr 2015 markierte in mehrfacher Hinsicht einen Neuanfang für Covestro: Das Unternehmen wurde nach Jahrzehnten unter dem Bayer-Dach unabhängig, ging an die Börse – und legte seinen alten Namen Bayer MaterialScience ab. Die neue Firmenbezeichnung leitet sich von den englischen Wörtern „collaboration“, „invest“ und „strong“ ab, die für Zusammenarbeit, Investitionen und Stärke stehen. Mit einem Umsatz von zuletzt 11,9 Milliarden Euro zählt der Kunststoffspezialist zu den weltweit größten Polymer- Unternehmen. Covestro produziert am Stammsitz in Leverkusen und an weiteren 29 Standorten weltweit – unter anderem auch in Dormagen und Krefeld-Uerdingen. Die innovativen Produktlösungen finden sich in vielen Dingen des täglichen Lebens wieder – etwa in den Bereichen Freizeit, Sport, Gesundheit und Kosmetik. Diese Ausgangsprodukte werden zudem stark nachgefragt von Industriekunden in den Sektoren Fahrzeuge, Möbel, Chemie und Holzverarbeitung sowie von der Bauwirtschaft und der Branche für Elektro- und Elektronikerzeugnisse. Dabei sind neben den Produkten auch die Ideen und das Engagement der Mitarbeiter wertvoll. „Innovation geht für uns über klassische Forschung und Entwicklung hinaus – es ist das Anliegen jedes einzelnen Mitarbeiters. Wer seine innovativen Geschäftsideen effektiv umsetzen kann, wird auch künftig Ideen schneller vorantreiben“, betont Dr. Markus Steilemann, der im Covestro-Vorstand für Innovation, Marketing und Vertrieb Der Werkstoffhersteller lobt einen hohen Betrag für die beste Idee und ein Team aus, das dann ein Start-up gründet zuständig ist. Deshalb möchte das Unternehmen ausdrücklich das unternehmerische Denken seiner Mitarbeiter fördern. Covestro lobt nun einen Betrag von einer Millionen Euro für die beste Idee und ein Team aus, das sein Konzept dann in einem internen Start-up umsetzt. Mitarbeiter jedes Bereichs haben die Möglichkeit, ihre Geschäfts- und Projektideen offiziell einzureichen. Gesucht werden dabei Konzepte, die zu den Produkten und Unternehmenszielen passen und neue Geschäftspotenziale eröffnen. Auch Mitarbeiter, die keine Idee einreichen, sind am Prozess der Ideenfindung beteiligt: Auf einer eigens eingerichteten Plattform können sie die Ideen ihrer Kollegen kommentieren, die Konzepte per Mausklick bewerten und sich einem Start-up- Team anschließen, dessen Ansatz sie überzeugt. Anschließend kommen sechs Konzepte ins Finale des Wettbewerbs. Das beste wird Anfang 2018 vom Vorstand ausgezeichnet; das Team kann sich dann bis zu einem Jahr freistellen lassen, um seine Idee umzusetzen. „Mit der Start-up Challenge schärfen wir das innovative und nachhaltige Profil unseres Unternehmens weiter. Gleichzeitig bieten wir außergewöhnliche Rahmenbedingungen und verschieben die Grenzen der sonst üblichen Ideenwettbewerbe: Die beste Geschäftsidee soll schnellstmöglich unter realen Bedingungen wachsen können“, so Covestro-Vorstand Steilemann. Dabei kommt dem Unternehmen zupass, dass die Mitarbeiter in Produktion und Technik einen guten, praxisnahen Blick auf die Produktion und die damit verbundenen technischen Verfahren und operativen Abläufe haben. Um dieses Wissen wurde bei Informationsveranstaltungen zum Wettbewerb an den NRW-Standorten fleißig geworben. Nun geht die Challenge im kommenden Jahr in die entscheidende Auswahlrunde. Kleine Zeitreise durch die Chempark-Geschichte Aus dem Bayer-Werk ist in 100 Jahren einer der modernsten Chemieparks Deutschlands entstanden. Die Neuansiedlung am Niederrhein begann 1913: Die Farbenfabriken vormals Friedrich Bayer & Co. kaufen ein 233 Hektar großes Gelände zwischen Worringen und Dormagen. 1916: Der Grundstein für das Dormagener Werk wird gelegt. 1917: Am 25. August läuft die Produktion von Schwefel- und Pikrinsäure an. Als der Krieg ausbricht, werden die Werke zu „kriegs- und lebenswichtigen Betrieben“ erklärt. 1940: Die Mitarbeiterinnen in der „Voraussucherei“ des Kupferkunstseidebetriebs haben ein geschultes Auge 1949: Nach Kriegsende liefert das Werk in Dormagen die ersten Tonnen Perlon-Monofile für Angelschnüre und Borsten aus. Eine große Erweiterung der Produkt- und Kommunikationspalettefolgt 1981: Der CAE-Betrieb nimmt die Produktion von organischen Chemikalien auf. 1985: Bayer Dental startet in Dormagen. Der Standort Dormagen gilt als Bayer- Flaggschiff. 1987: Am 11. Juni öffnet das infoCenter seine Pforten. Ein bewegtes Jahrzehnt für den Standort beginnt 2002: Der flexible Vielzweck-Betrieb (VZ) von Bayer CropScience läuft an. 2003: Der neue Toluylendiamin-Betrieb (TDA) nimmt die Produktion für den internationalen Markt auf. 2005: Bayer gliedert das Basis-Chemikalien-Geschäft aus, Lanxess wird gegründet. 2013 öffnet das Nachbarschaftsbüro Chempunkt des Chemparks. (Fotos: Bayer AG Corporate History & Archives / Currenta)

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