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Classic Prestige Automobile

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CLASSIC UND PRESTIGE

CLASSIC UND PRESTIGE AUTOMOBILE Laufsteg für automobile Schönheiten Vor zehn Jahren wurde aus der früheren Lokomotiv-Werkstatt der Bundesbahn in Düsseldorf-Wersten die Classic Remise: ein Kompetenzzentrum für Oldtimer. Romeo, Mercedes, BMW, Citroen, DKW, VW. Sagenhafte Wagen wie VW-Käfer, BMW-Isetta oder der Transporter des deutschen Wirtschaftswunders, der VW-Bulli – als Camping- Bus oder Nutzfahrzeug. Insgesamt rund 300 Fahrzeuge. Fast alle tragen ein kleines Schild, auf dem steht: „Bitte nicht berühren!“ Oldtimer-Liebhaber finden in der Classic Remise aber nicht nur Fahrzeuge, sondern alles, was für den Kauf oder die Zeit danach nötig ist. Mehr als 30 Firmen haben ihre Büros oder Werkstätten in dem früheren Ringlokschuppen – es gibt Techniker, Versicherungen, der TÜV ist vor Ort, Accessoires werden angeboten, Kleidung, aber auch Gutachter sind vertreten, Autosattler und Restauratoren. Es lassen sich zudem gläserne Garagen mieten, in denen die vierrädrigen Schätze trocken und sicher untergestellt und für jeden sichtbar sind. Das Angebot umfasst nicht nur Autos, sondern auch Motorräder. Die Remise ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet. ho/webe Bernhard Kerkloh, Movendi „Ich hatte einen Kunden, der James-Bond-Fan war und gern einen Aston Martin DB5 haben wollte. Das Modell ist das wohl bekannteste Bond-Auto und wurde Mitte der 1960er Jahre durch die Filme Goldfinger und Feuerball populär. Nur 1021 Wagen dieser Marke gibt es. Tatsächlich kannte ich einen Geschäftspartner, der zwei DB5 besaß und überlegte, einen von beiden zu verkaufen. Als ich das dem Interessenten erzählte, war er sofort Feuer und Flamme. Er wollte den Kauf schnell und ungesehen mit einer Anzahlung festigen. Viel Geld hatte er nicht dabei – nur ein paar Euro. Aber sein Wort und ein Euro reichten mir als Anzahlung. Bis zum Verkauf dauerte es jedoch noch eine Weile, weil plötzlich der Verkäufer zögerte und erst nach drei Monaten dem Handel zusagte. Ich holte den Aston Martin DB5 aus dem Münsterland nach Düsseldorf. Der Käufer kam und freute sich mit glänzenden Augen über sein silbernes James-Bond-Auto.“ Wolfgang Löffelsender, Löffelsender Als im Jahr 2006 aus der früheren Lokomotiv-Werkstatt der Bundesbahn in Düsseldorf-Wersten die Classic Remise wurde, war die Oldtimer-Szene in freudiger Erwartung. Mit Fantasie war es leicht vorstellbar, wie das alte Gemäuer des Lokschuppens an der Harffstraße zu den Veteranen der Straße passen würde. Heute, zehn Jahre später, hat sich der damalige Eindruck bestätigt: Das einmalige Gebäude ist für Kenner zur 1-A- Adresse geworden, wenn es um Oldtimer geht. Kunden aus aller Welt kommen nach Düsseldorf, um die hochwertigen Fahrzeuge zu bestaunen oder zu kaufen. Center Manager Mika Hahn (39) spricht von einer Mischung aus Wall Street und Modenschau. Die riesige runde Halle ist sowohl Markthalle wie Laufsteg für diese Schönheiten auf vier Rädern, und sie ist Präsentationsfläche für zeitlose Legenden der Straße. Die gängigen Marken sind jedenfalls alle vertreten: Porsche der unterschiedlichen Baujahre und Motorisierungen, die britischen Autolegenden Austin Healey, MG, Rolls Royce, Morgan. Zudem Ferrari, Lamborghini und Alfa INFOS Die Classic Remise ist von Montag bis Samstag von 8 bis 20 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Gastronomie ist bis 23 Uhr geöffnet, an Sonnund Feiertagen bis 20 Uhr. Führungen kann man per E-Mail buchen: duesseldorf@remise.de Adresse: Harffstraße 110a, 40591 Düsseldorf, Parkplätze direkt am Haus www.remise.de „Ich hatte einen Interessenten für den britischen Sportwagen MGC, Baujahr 1969. Wie üblich vor einem Verkauf waren an dem Wagen noch einige Kleinigkeiten zu erledigen, wie zum Beispiel den Lack polieren und das Leder aufarbeiten. Bei der Überprüfung der Technik stellte ich fest, dass die Batterie fast entladen war und beauftragte meinen Praktikanten, ein Ladegerät anzuschließen. Er ging fleißig ans Werk, beachtete aber nicht, dass bei britischen Autos die Pole anders gelagert sind als bei deutschen Batterien. Der Praktikant schloss daher die Pole falsch an. Nach einer halben Stunde fing das Ladegerät an zu überhitzen, die Kabel fingen Feuer – es qualmte und stank ordentlich. Mit dem Feuerlöscher konnte ich die Flammen löschen. Der Praktikant bekam einen ordentlichen Schreck. Ich aber blieb gelassen und machte mich ans Werk, den Lack und die Technik wieder aufzuarbeiten. Zum Schluss war alles wieder wie neu. Der Kunde hat von dem Brand nichts mitgekriegt, und der Praktikant hat etwas Wichtiges gelernt.“

Jörg Bratke von Bergen, Bratke Exclusive Cars, Motorsport GmbH & Co. KG „Einer meiner Kunden war Horst Lichter, der Fernsehkoch. Er schaute sich gerade die Wagen an, als ihn ein anderer Besucher ansprach, der ihn durch die Fernsehshows kannte. Der Mann fragte, ob er ein Foto von Horst Lichter machen könnte – am liebsten, wie er in einem Porsche sitzt. Horst Lichter ist ja immer guter Stimmung und macht meist solche Geschichten mit. Er setzte sich, ohne groß zu überlegen, in einen Porsche Speedster, und der Fan fotografierte fleißig. Horst lächelte dabei gut gelaunt. Ihm gefiel es in dem Porsche so gut, dass er mich nach Details fragte. Der Wagen war Baujahr 1959 und kostete 50.000 Euro. Horst ist ein Mann der schnellen Entschlüsse. Er entschied sich spontan, den Porsche zu kaufen. Nach einer halben Stunde war der Kauf abgeschlossen. Das war für uns alle eine schöne Sache. Der Fan freute sich über viele gute Fotos mit Horst Lichter. Horst war zufrieden mit seinem Porsche, und ich war froh über den guten Verkauf.“ „Ein Fan-Bike für die Fortuna“ Die Händler der ersten Stunde erzählen die schönsten Geschichten aus zehn Jahren Classic Remise. PROTOKOLL: HOLGER LODAHL Klaus-P. Sturm, AM&C American Motorcycles „Vor zwei Jahren hatte ich die Idee, ein Fortuna Düsseldorf Bundesliga Fan-Bike 2013 zu gestalten. Der Fußballverein war begeistert. Wir programmierten eine Internetseite, auf der wir die Fortuna-Fans aufriefen, sich mit ihren Ideen am Design zu beteiligen. Der Erfolg war enorm. Mehr als 40.000 Klicks hatte die Seite. Die Fans hatten sechs Wochen Zeit, für die Harley Davidson über Farben, Design für den Tank, die Felgen und die Reifen abzustimmen. Schließlich lackierten wir die Radnaben in Rot, die Speichen und die Kotflügel in Schwarz, auf dem Tank prangerte das berühmte Fortuna-95-Vereinslogo. Der ehemalige Fortuna-Profi Thomas Allofs führte das Fan-Bike hier in der Classic Remise und im Fortuna-Stadion vor. Die Fan-Harley versteigerten wir letztendlich für eine anständige Summe. Einem Fan war das einzigartige Fortuna Düsseldorf-Bundesliga-Fan-Bike genau 15.390 Euro wert. Die gesamte Summe spendeten wir an Projekte der Fortuna Jugend – eine tolle Sache.“ In Düsseldorf wurde das Rheinland mobil VON HANS ONKELBACH Düsseldorf hat die Menschen schon vor Jahrzehnten mehr bewegt, als es den meisten heute bewusst ist. Hier und in unmittelbarer Nachbarschaft wurde mindestens so viel für die Mobilität der Deutschen getan wie bei Stuttgart, München oder Wolfsburg. Allerdings ist das im Bewusstsein der Menschen nicht so tief verankert wie bei den anderen genannten Metropolen. Dass sich dies gerade ändert, ist auch ein Verdienst der Classic Remise in Wersten. Dort nämlich wird an die großen Zeiten erinnert, als in Düsseldorf ein DKW-Werk Pkw baute, und vor allem gibt es eine kleine Ausstellung unter dem Arbeitstitel „Mobilität im Rheinland“. Heute längst vergessene Namen sind da zu sehen – zum Beispiel Produkte einer Motorfirma namens „Snob“ aus Oberkassel. Zudem Vorläufer der Vespa, von Motoren getriebene Fahrräder, eine Art Roller, der – dem heutigen Segway ähnlich – über den Lenker nicht nur gesteuert, sondern auch beschleunigt oder gebremst wird. Erstaunt wird der Besucher feststellen, dass das Rheinland nach der Wende vom 19. um 20. zum Jahrhundert Keimzelle für die Motorisierung des Landes war. Mannesmann hat damals Motoren gebaut, kleinere Unternehmen versuchten sich beim Motorradbau – und brachten selbst Rennmaschinen auf den Markt: Vehikel, die für uns heute nur noch kurios sind, aber damals eine frühe Faszination für Benzin und Hubraum verursachten. Die Sammlung hat Center Manager Mika Hahn (39) zusammengetragen. Sie steht im oberen Stockwerk der Classic Remise – vergleichbar einer delikaten Vorspeise, bevor sich der Besucher an den Genuss des Hauptganges macht und sich Hunderte Oldtimer der gängigen Fabrikate und unterschiedlichen Alters ansieht. Womöglich, weil er einen kaufen will, oder nur anschauen. Oder sich schlicht informieren. Denn die Classic Remise ist Place to be für alle, die genau dies wollen. Jens Stöver, Inhaber Morgan „Ein Kunde aus Moskau hat einen sehr wohlhabenden Freund, der ebenfalls an einem Morgan interessiert war. Bevor er bestellen würde, wollte er zunächst ein Auto leihen. Grundsätzlich kein Problem, da ich Fahrzeugmieten für Interessierte und Morgan-Liebhaber anbiete. Was normalerweise für einen Tag oder ein Wochenende gedacht ist, sollte in seinem Fall einen Monat dauern. Und zwar an seinem Sommersitz in Antibes an der Cote d`Azur. So organisierte ich einen Transport, habe den Übergabezustand bei Verladung samt Kilometerstand festgehalten und hoffte, dass alles gut geht. Der Monat war um, das Auto wurde wieder in Düsseldorf angeliefert, gecheckt und zu meiner Verwunderung stellte ich fest – der Kilometerstand war der gleiche wie vor Anlieferung. Ich fragte verwundert bei der Assistentin nach, ob alles okay gewesen sei. Sie sagte: Ja, ja. Alles super. Nur zum Fahren waren die Straßen zu voll, und es war ihm zu heiß. Ich sollte aber eine Neuwagenbestellung vorbereiten und eine Preisliste mitsenden. Diese kam drei Tage später mit vielen Kreuzchen und einer unterzeichneten Bestellung zurück. Sein Wunschauto wurde diesen Januar ausgeliefert. Wieder durch eine Spedition. Ob der Morgan schon gefahren wurde, weiß ich nicht.“ FOTOS: CHRISTOPH GÖTERT

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