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Fintechs -ET 11.08.2017-

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Fintechs FINANZDIENSTLEISTUNGEN IN DER DIGITALEN WELT VERMÖGENSVERWALTUNG Digitaler Banking-Baukasten Manche etablierten Finanzdienstleister fürchten die digitale Revolution. Andere setzen sich an die Spitze der Entwicklung. Dazu zählt ebase, die mit ihem Robo-Advisor fintego sowohl private als auch institutionelle unden anspricht – mit ganz unterschiedlicher Zielsetzung. VON MATTHIAS VON ARNIM Auf Branchentreffen in der Finanzwelt ist neben den Dauer- Aufregern Niedrigzinsen und Regulierung der Aufstieg der Fintechs wohl das Gesprächsthema Nummer eins. Die einen sehen zum Beispiel digitale Vermögensverwaltungen, sogenannte Robo-Advisors, als Konkurrenz, andere sehen die Chancen, die sich auftun. Zur zweiten Kategorie zählt zweifellos die comdirect-Tochter ebase. Das aktuelle Vorzeigeprojekt der Bank ist der Robo-Advisor fintego. Das Angebot der digitalen Vermögensverwal- tung richtet sich wie andere vergleichbare Services im Netz an die Zielgruppe der Anleger, die sich zwar ein durchdachtes Vermögensmanagement für ihr Geld wünschen, die aber den Schritt zum persönlichen Vermögensverwalter noch fintego ist nicht nur ein Robo- Advisor, sondern im besten Sinne auch ein Showcase nicht wagen oder schlicht und einfach noch nicht ausreichend vermögend dafür sind. Das fintego-Prinzip ist einfach und auch für Anlage-Neulinge gut zu verstehen: Der interessierte Kunde wird durch ein Menü geleitet, das ihm, je nach Kenntnissen und Erfahrungen sowie Anlagezielen, einen Anlagestil vorschlägt. Bis zu fünf verschiedene Anlagestile stehen grundsätzlich zur Verfügung: von defensiv und konservativ über ausgewogen bis zu Wachstum oder Chance. Letzterer bedeutet, dass das Kapital zu 90 Prozent in Aktien und zu zehn Prozent in Rohstoffe investiert wird. Anleihen spielen in diesem sehr offensiv ausgerichteten Depot keine Rolle. Die jeweilige Anlagestrategie kann als Einmalanlage oder Sparplan ausgeführt werden. Zudem besteht die Möglichkeit, über einen Auszahlplan eine gemanagte Kapitalentnahme zu gestalten. Die konkrete Umsetzung erfolgt mittels passender ETFs, die der Strategie entsprechend eingesetzt werden. Abgerechnet wird halbjährlich. Je nach Anlagebetrag fallen jährlich zwischen 0,45 und Robo-Advisor sind digitale Vermögensverwalter. Im Fokus steht, Kunden die Geldanlage so einfach wie möglich zu machen. Oftmals läuft die Vermögensverwaltung über passive Instrumente, sogenannte ETFs. FOTO: THINKSTOCK/KASTO80 0,95 Prozent des Anlagevolumens an Gebühren an. Für Depotführung, Transaktionen und alle weiteren Dienstleistungen fallen keine weiteren Kosten an. Es handelt sich hier um ein sogenanntes Flat-Fee-Modell. Das ist nebenbei auch für den Anbieter praktisch, der damit die ab Januar 2018 geltenden Kostentransparenz-Kriterien unter der neuen Regulierungsrichtlinie Mifid II auf einfache Weise erfüllt. Das fintego-Konzept unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht wesentlich von der zahlreichen Web-Konkurrenz. Das liegt zum einen an den Mifid-Vorschriften und dem Wertpapierhandelsgesetz WPGH. Der Gesetzgeber schreibt nämlich einen sogenannten Angemessenheitsund Geeignetheitstest vor, der die finanziellen Verhältnisse, die Anlageziele des Kunden und seinen Sachverstand klären soll und danach entscheidet, welche Anlagestrategie und welche Wertpapiere über- „Wir wollen einen fairen und transparenten Wettbewerb ei Versicherungsprodukten“ Das frisch gestartete Insurtech-Unternehmen gonetto bietet Kunden Versicherungspolicen ohne Provisionen an. afür wird pro Police eine monatliche Gebühr von ein Euro fällig. VON PATRICK PETERS Ein großer Kostenblock für den Kunden bei Versicherungen sind die Provisionen. Diese werden auf die Netto-Versicherungsbeiträge aufgeschlagen, um damit die Leistung des Vermittlers und seine Tätigkeiten während der Laufzeit des Versicherungsvertrages zu honorieren. Dagegen ist auch grundsätzlich nichts einzuwenden – denn wer arbeitet, soll auch dafür bezahlt werden. „Die Praxis zeigt aber, dass viele Versicherungskunden mit ihrem Vermittler nach dem Vertragsabschluss keinerlei Kontakt haben und dennoch Jahr für Jahr die Provision mitbezahlen. Das kostet den Kunden in der Regel 20 bis 25 Prozent Aufschlag auf die Netto- Police, obwohl er nichts davon hat“, sagt Dieter Lendle, Gründer und Geschäftsführer von gonetto, dem nach eigenen Angaben ersten deutschen Online-Vergleichsportal für Versicherungen ohne Provisionen. gonetto ist seit Mitte Juli operativ tätig und bietet Kunden Versicherungspolicen an, bei denen ihnen die Provisionen ausgeschüttet werden. „Wir wollen auf diese Weise die Versicherungsleistung von der Beratungsleistung trennen und transparent machen, wie hoch die Gebühren eigentlich tatsächlich sind. Eine Familie mit den üblichen Versicherungen kann im Jahr durchschnittlich mehr als 270 Euro sparen, wenn sie, wie bei gonetto, keine Provisionen zahlen müssen“, sagt Lendle. Bei gonetto zahle der Kunde einen Euro Gebühr pro Police und Monat, sowohl bei bestehenden Versicherungen (die er mit einigen Klicks online übertragen kann) als auch bei einem direkten Abschluss über das Insurtech-Unternehmen. „Wir bieten aktuell Tarife von rund 130 Gesellschaften an und bauen das Portfolio immer weiter aus. Unser Ziel ist es, die Anzahl der Netto-Tarife deutlich in den nächsten Monaten auszubauen.“ Gestartet ist gonetto mit einer Auswahl an Sachversicherungen. gonetto setzt ausschließlich auf Online-Services. FOTO: GONETTO Der gesamte Prozess läuft ausschließlich über die Website www.gonetto.de. Dort können Kunden ihren Versicherungsbedarf ermitteln, Tarife vergleichen und Netto-Verträge abschließen. „Damit wollen wir einen fairen und transparenten Wettbewerb bei Versicherungsprodukten möglich machen und aufzeigen, was Versicherungen wirklich kosten. Dann kann der Kunde sich entscheiden, wie er vorgehen will“, sagt Dieter Lendle. Er und seine Kollegen Michael Mebesius und Steffen Otte wollten das gewachsene Vertrauensverhältnis zwischen Versicherten und ihren Stammberatern gar nicht angreifen – wer dauerhaft eng berate und dem Kunden zur Seite stehe, sei sein Geld wert. „Wir wollen für die Fälle, in denen das Verhältnis zwischen Provision und Beratung nicht stimmt, eine Alternative schaffen.“ Die eingesparten Provisionen dienen der dauerhaften Prämienreduktion. Zahlt also der Kunde weniger Prämie an den Versicherer, kann er sich beispielsweise eine zusätzliche Honorarberatung leisten. gonetto unterstützt auch bei der Schadenabwicklung oder bei Fragen zum Produkt. „Wir steuern die Kommunikation zwischen dem Versicherten und der Gesellschaft, um die Fragestellung schnell zu klären. Aber das passiert auch über digitale Kommunikationswege“, sagt Gründer und Geschäftsführer Lendle. haupt infrage kommen. Die strukturelle Ähnlichkeit der verschiedenen Robo-Advisor ist also kein Zufall. Der Unterschied von fintego zur Konkurrenz liegt deshalb eher im Maschinenraum verborgen. Hinter fintego steckt die European Bank for Financial Services, kurz ebase. Deren Zielgruppe sind eigentlich Geschäftskunden aus dem Finanzdienstleistungssektor, wie etwa Versicherungen, Vermögensverwalter, kleinere Banken oder Servicegesellschaften, unter deren Dach Finanzvermittler mit der höchsten 34F-Zulassung organisiert sind. Diesen professionellen Kunden bietet ebase verschiedene Lösungen aus seinem va- riablen Finanzdienstleistungs- Baukasten an. Dazu zählen Kontoführungs-, Festgeld- und Wertpapierdepot-Lösungen, aber auch Wertpapierdepots oder eine Online-Vermögensverwaltung. „fintego ist also auch als White-Label-Produkt verfügbar“, erklärt Rudolf Geyer, Geschäftsführer von ebase. Das Wüstenrot ETF Managed Depot ist ein Beispiel dafür. „Eine unserer Stärken ist es, dass ebase für fintego zugleich depotführende Bank als auch Finanzportfolioverwalter ist“, so Geyer. Dass das Backoffice aus einem Guss ist, sorgt auch mit dafür, dass das Produkt vergleichsweise günstig angeboten werden kann. „Eine weitere Stärke ist es, dass wir je nach Wunsch unserer Kooperationspartner den gesamten Online-Dialog in den Auftritt unserer Partner integrieren können. Und wir lassen uns immer wieder etwas Neues einfallen. Das zeigen wir auch mit fintego“, so Geyer. fintego ist also nicht nur ein Robo-Advisor, sondern im besten Sinne auch ein Showcase, der es institutionellen Partnern ermöglicht, die Leistungsfähigkeit der Online-Vermögensverwaltung von ebase live erleben und wenn gewünscht in das eigene Angebot mit aufnehmen zu können. Im einen oder anderen Fall vielleicht sogar als Endkunde und Anleger. Investitionen in Fintechs haben sich verdoppelt VON PATRICK PETERS Für viele Menschen klingen Fintechs noch immer nach einer eher vernachlässigbaren Spielerei ohne echtes Marktpotenzial. Aber die Zahlen sprechen für die technologiebasierten Unternehmen, wie jetzt die internationale Beratungsgesellschaft KPMG zeigt. In Fintechs ist im zweiten Quartal dieses Jahres weltweit mehr als doppelt so viel Geld geflossen wie noch in den ersten drei Monaten 2017, heißt es im aktuellen „Pulse of Fintech“ von KPMG, für den die weltweiten Investitionen in diesem Start-up-Segment regelmäßig analysiert werden. Insgesamt wurden in Form von Venture Capital und Private Equity oder im Rahmen von Fusionen und Übernahmen umgerechnet rund 8,4 Milliarden Dollar in Start-ups der Finanzdienstleistungsbranche investiert. Europa liegt dabei im Trend: hier stiegen die Investitionen vom ersten zum zweiten Quartal von 880 Millionen auf über zwei Milliarden Dollar. Vor allem in den USA und in Europa zeichnet sich laut KPMG inzwischen ein neuer Trend ab. Fokussierten sich Fintechs bisher meist auf Kundenanwendungen, widmen sie sich inzwischen immer mehr der Frage, wie sich Middleund Backoffice-Prozesse bei Finanzdienstleistern effizienter gestalten lassen. „Der Trend hin zu B2B-Anwendungen dürfte sich künftig noch verstärken, weil Banken gemerkt haben, dass sie ihre Kosten drastisch reduzieren müssen“, sagt KPMG-Partner Sven Korschinowski.

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