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Frühlingszauber 2017

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8 Frühlingszauber VON HEIKO LOSSIE Die ersten Stangen gibt es bereits, die Hochzeit steht aber noch bevor. Spargel wird in den kommenden Wochen und Monaten wieder in aller Munde sein. Auf Deutschlands Gemüsefeldern bleibt er Spitzenreiter. Die Anbaufläche betrug im vergangenen Jahr 27.000 Hektar und damit fünf Prozent mehr als 2015, wie das Statistische Bundesamt jetzt mitteilte. Demnach entfielen auf Spargel 22 Prozent der deutschen Gemüseanbaufläche. Insgesamt betrug die bundesweite Erntemenge für Spargel 2016 rund 120.000 Tonnen. Da kommen beim Gemüseanbau Speisezwiebeln auf dem zweiten Platz mit knapp 11.300 Hektar Fläche, dicht gefolgt von Möhren und Karotten mit etwa 100 Hektar weniger, nicht mit. Die Deutschen lieben ihren Spargel eben, bevorzugt den aus den eigenen Landen. Darum kommt es bei der Selbstversorgung auf den Rekordwert von 84 Prozent, erklärt Jochen Winkhoff aus der Bundesfachgruppe Gemüsebau, die vom Deutschen Bauernverband, dem Raiffeisenverband und dem Zentralverband Gartenbau getragen wird. Zum Vergleich: Über die ganze Gemüsepalette hinweg sei Deutschland nur zu 38 Prozent Selbstversorger. Auch der Verbrauch pro Kopf steige stetig; zuletzt auf Spargel wird mehr und mehr zum Volksessen Vor der Jahrtausendwende stammte noch jede zweite Spargelstange in Deutschland aus Importen, heute kommt die Produktion hierzulande auf 84 Prozent Selbstversorgergrad. Fläche, Erntemenge und Verbrauch pro Kopf steigen. Das Gemüse verliert seinen lange gehegten Luxusstatus. 1,26 Kilogramm. Dem Statistischem Bundesamt zufolge hat sich die Anbaufläche für deutschen Spargel seit dem Jahr 2000 verdoppelt, die Menge legte sogar noch stärker zu. Zum Vergleich: Während beim Spargel auf eine importierte Stange fünf heimische kommen, stammt bei den Erdbeeren noch jede dritte aus dem Ausland. Und wenn es schon deutscher Spargel ist, dann bitte am liebsten vom heimischen Bauern. Nur ein Viertel geht beim Discounter durch die Scannerkasse. Vielfach holen die Kunden das Edelgemüse im Direktverkauf beim Bauern - etwa im Hofladen - und auf dem Wochenmarkt. Spargel ist also hyper-regional. Für die Ernährungssoziologin Claudia Neu nimmt der Spargel generell eine Sonderrolle ein: „Bei ihm ist der Gedanke ,Das gönne ich mir jetzt´ entscheidend“, sagt die Wissenschaftlerin von der Hochschule Niederrhein. „Bei Erdbeeren ist das ganz ähnlich. Mit dem Spargel verbunden ist ein ausgeprägter Luxusgedanke: Er war schon elitär und exklusiv, als es noch gar keine Supermärkte gab“, sagt Neu. Auch das Symbol als Frühlingsbote um die Feste Ostern und Pfingsten spielten in diese Sonderstellung ebenso hinein wie der Fakt, dass der Anbau aufwendig und zeitbegrenzt ist.

Frühlingszauber 9 Von eisigen Heiligen und Fröschen auf Abwegen Ist auf Bauernregeln Verlass? Der Deutsche Wetterdienst ist skeptisch, aber einige Vorhersagen sind für den Hobbygärtner durchaus nützlich. Der Frosch gilt auch heute noch vielfach als der Wetterexperte für Vorhersagen. Ist er unterwegs, dann kündigt sich Regen an. Heißt es im Volksmund. Säst du im März zu früh, ist’s oft vergeb‘ne Müh’.“ Oder: „Mai kühl und nass, füllt des Bauern Scheun‘ und Fass.“ Sprüche wie diese bestimmten über Jahrhunderte den Alltag der Bauern. Anders als heute mussten sie das Wetter ohne Satelliten und Wetterkarten einschätzen. „Bauernregeln spiegeln meteorologische Wahrscheinlichkeiten wider und transportieren Erfahrungswissen, das teilweise auch heute noch gilt“, sagt Herbert Lohner vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die ersten Regeln sollen bereits in der Antike entstanden sein. Grundlage waren wiederkehrende Naturphänomene. Diese Regelmäßigkeiten haben unsere Vorfahren dann in Reimform an ihre Nachkommen weitergegeben, weil man sich die Regeln so leichter merken kann als einen einfachen Satz. Die wohl bekanntesten Bauernregeln ranken sich um die Gedenktage von Heiligen wie die Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia vom 11. bis 15. Mai. Sprichworte wie „Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi. Und zum Schluss fehlt nie die Kalte Sophie“ spielen auf die Nachtfröste an, die bis Mitte Mai vorkommen können. Für empfindliche Pflanzen können sie Folgen haben: „Die kalte Sophie macht alles hie“, sagt eine Bauernregel. Aus meteorologischer Sicht sind diese Aussagen gar nicht so unwahrscheinlich, etwa was Höhenlagen und Täler angeht. „Dort kann sich zu dieser Jahreszeit oftmals noch Kaltluft sammeln“, erklärt Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst. Auch Phänomene wie Schafskälte oder eine beständige Periode nach dem Siebenschläfertag kann er mit jahreszeitlich typischen Großwetterlagen begründen. Nicht nur die Verbesserungen der Vorhersagen haben dafür gesorgt, dass Bauernregeln ihren wahren Kern eingebüßt haben. Mit der Einführung des gregorianischen Kalenders Ende des 16. Jahrhunderts verschoben sich Gedenktage. Auch der Klimawandel hat Auswirkungen: Die Jahresdurchschnittstemperatur ist gestiegen, was die Häufigkeit bestimmter Großwetterlagen veränderte und die Vegetationsperiode verlängerte. Auf kurzfristige Naturbeobachtungen können sich Hobbygärtner oft verlassen. Bauernregeln wie „Entfernen sich die Bienen nicht weit von der Beute, erwarten Schlechtwetter Land und Leute“ und „Abendrot, schön Wetterbot“ sind durchaus zutreffend. Und auch auf den Wetterfrosch scheint Verlass - wenn er wegen hoher Luftfeuchtigkeit sein angestammtes Revier verlässt. Von dem Spruch „Frösche auf Stegen und Wegen deuten auf baldigen Regen“ sind selbst Wetterexperten überzeugt.

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