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Garten erleben

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Die Farbexplosion im

Die Farbexplosion im Frühjahr Die Kamelie mit ihren weißen, rosa oder tiefroten Blüten gehört zu den ersten Attraktionen des Jahres. VON DOROTHÉE WAECHTER Einst dachte man, Tee könne aus der Kamelie gewonnen werden. Doch die aus Asien importierte Pflanze sieht dem Teestrauch nur sehr ähnlich. Doch die Kamelie blieb nicht ohne Verwendung in Europa: Ihre hübschen Blüten zieren heute viele Gärten. Die großen weißen, rosafarbenen oder roten Blüten sind in den ersten Monaten des Jahres eine Attraktion im Garten: Kamelien sind als immergrüne Ziersträucher im Garten sehr beliebt. Ursprünglich waren es aber nicht die großblumigen Schönheiten der Kamelien, die im Mittelpunkt des Interesses standen, sondern die kleinblütige Art Camellia sinensis. Sie sollte in Europa als Teepflanze genutzt werden – doch was da aus Asien importiert wurde, war im europäischen Klima für den Teeanbau ungeeignet. Also bekam die Kamelie als Zierpflanze eine Chance. „Schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind die ursprünglich aus Ostasien stammenden Kamelien nach Deutschland gelangt“, sagt Helga Urban, Fachbuchautorin aus Frankfurt. „Dabei sind diese Pflanzen ausnahmsweise nicht über England aus Asien zu uns gekommen“, ergänzt Hartmut Eisen, Vorsitzender der Deutschen Kamelien-Gesellschaft in Aachen. „Die Portugiesen waren damals eine der führenden Seefahrernationen, die die Kamelien aus China eingeführt haben.“ „In der Natur kommen Kamelien in Höhen über 1000 Meter vor“, erklärt Urban. Die Höhe ist gut für die Pflanzen: Denn der Schnee ist ein Schutz vor Kälte, später sorgt die Schmelze für eine hohe Luftfeuchtigkeit. Der Untergrund, auf dem Kamelien wachsen, ist felsig, wobei die Wurzeln in den Felsspalten Frühjahrsschönheiten: Die großen Blüten der Kamelie blühen in leuchtenden Farben. Foto: dpa Halt finden. „Für eine gute Winterhärte spielt der Standort im Garten eine bedeutende Rolle“, erläutert Eisen. Er rät, die Pflanzen vor Ostwind zu schützen und auf Morgensonne zu verzichten. Außerdem brauchen die Kamelien im Winter, solange der Boden gefroren ist, einen Schutz vor kräftiger Sonneneinstrahlung. Anderenfalls verdunste über die in der Sonne stehenden Blätter viel Wasser, das aus dem gefrorenen Boden nicht nachgeliefert werden kann. Die Pflanzen vertrocknen. „Ein guter Winterschutz besteht aus einer lockeren Laubschicht auf den Wurzeln, so dass das Durchfrieren des Wurzelballens verhindert wird“, rät Eisen. Die Büsche werden zudem mit luftdurchlässigem, schattierendem Material wie Vlies oder Betttüchern umhüllt. „Ideal ist ein Platz, der durch Hecken oder den lichten Schatten von großen Bäumen geschützt ist, weil so extreme Bedingungen vermieden werden können“, sagt Helga Urban. Zudem empfiehlt sie, nicht nur Laub unter den Büschen auszubreiten, sondern auch Tannennadeln unterzuarbeiten, um den pH-Wert zu senken. Denn der ideale Boden für Kamelien sei locker, humos und habe einen leicht sauren ph-Wert, sagt Urban. Staunässe vertragen Kamelien nicht. „Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Kamelien es mögen, wenn die oberen Wurzeln sichtbar sind.“ Daher rät sie, die Kamelie nicht zu tief zu pflanzen, sondern drei bis fünf Zentimeter höher in die Erde zu setzen, als sie zuvor im Topf gestanden haben. „Kamelien brauchen keinen Dünger, wenn sie ausgepflanzt sind“, erläutert Urban. Wer dennoch die Pflanzen mit Nährstoffen versorgen möchte, sollte sich auf die erste Jahreshälfte beschränken. Neben den richtigen Standortbedingungen spielt die Sortenwahl eine Rolle, wenn es um die Frage der Winterhärte geht. Unter den Züchtungen, die in Deutschland erhältlich sind, habe Camellia japonica die größte Bedeutung. „Eine Gruppe die sich als besonders winterhart erwiesen hat, sind die sogenannten Higo-Kamelien“, sagt Urban. Typisch für die Higos ist eine ungefüllte Blüte mit einem Büschel gelber Staubgefäße. Außerdem duften die Blüten zart. Urban rät zu älteren Sorten, die sich bereits in strengen Wintern bewährt haben, wie „Adolphe Audusson“, „Hagoromo“ und „Nobilissima“. www.kamelien-online.de

Kickstart in die Gartensaison Es geht los! Bald können die ersten Samen für Gemüse, Kräuter und Blumen gesät werden. VON MELANIE ÖHLENBACH Wenn die ersten Sonnenstrahlen den kalten Boden erwärmen, geht es los: Die ersten Samen dürfen in die Erde. Allerdings noch im Topf auf der Fensterbank. Neues Saatgut ist dafür nicht immer notwendig. „Die meisten Samen sind in der Regel mehrere Jahre keimfähig, wenn sie trocken und luftdicht in einem Schraubglas gelagert werden und keinen extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt sind“, sagt Cornelia Lehmann vom Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg. Seine besten Erfahrungen hat Hartmut Clemen mit Tomaten gemacht: „Die Samen keimen auch noch nach fünf Jahren“, sagt der Landesfachberater der Gartenfreunde Bremen. Vier bis fünf Jahre hält Saatgut von Gurke, Mangold, Kürbis, Zucchini, Ret- tich, Radieschen, Roter Beete, Spinat und diversen Kohlarten. Pastinaken aber sollte man jedes Jahr frisch kaufen. Nach der Keimung kommen die Pflänzchen wie diese Tomate erst mal in ein eigenes Gefäß. Man spricht vom Vereinzeln. Foto: dpa Schwarzwurzeln, Erbsen, Bohnen, Porree, Dill, Schnittlauch und Petersilie gelten für ein bis zwei Jahre lang als brauchbar. Für den Handel schreibt die Saatgutverordnung eine Keimfähigkeitsquote vor. Aber auch im Hobbybereich lohnt es sich, eine Keimprobe zu machen – insbesondere bei Salaten und Hackfrüchten wie Möhren, Roter Beete, Schwarzwurzeln und Pastinaken, die direkt im Garten ausgesät werden. „Bevor man erkennt, dass man nachsäen oder sogar neues Saatgut kaufen muss, können Tage ins Land gehen. Diese Zeit kann man oft nicht wieder einholen“, erklärt Erika Brunken, Leiterin der Niedersächsischen Gartenakademie. Für eine Keimprobe legt man eine flache Schale, einen Teller oder einen Plastikbehälter mit Küchenkrepp, Papiertaschentuch oder Kaffeefilter aus, feuchtet die Lagen gut an und legt zehn Samen darauf aus. „Die Samen sollten sich nicht berühren, damit sie sich nicht gegenseitig beeinflussen und genügend Platz haben, um Keimlinge zu bilden“, erläutert Lehmann. Dann die Schale mit Frischhaltefolie überspannen, damit die Feuchtigkeit nicht verdampft. Sie kommt an ei- nen hellen, warmen Ort. Als ideal gilt eine Raumtemperatur von 21 bis 23 Grad – ausgenommen für Pflück- und Kopfsalate. Hier sollte die Temperatur nicht über 16 Grad liegen. Bei einem Standort direkt über der Heizung ist regelmäßiges Nachfeuchten nötig. „Das Papier sollte nicht austrocknen, sondern immer gleichmäßig feucht sein“, sagt Lehmann. Zwei Wochen dauert eine Keimprobe, bei Dill und Petersilie sind es drei bis vier Wochen. „Je schneller ein Samen keimt und sich die Keimpflanze entwickelt, umso vitaler ist das Saatgut und später auch die einzelne Pflanze“, meint Lehmann. Geht am Ende weniger als die Hälfte des Saatgutes auf, ist es ratsam, neues zu kaufen und das alte als Vogelfutter zu verwenden. „Wenn das Saatgut aber für den Gartenliebhaber einen besonderen Wert besitzt, er es geschenkt bekommen hat oder es sich um eine alte Sorte handelt, kann man es natürlich noch aussäen“, sagt Brunken. „Gesundheitliche Bedenken gibt es nicht.“ In der Regel können Frühgemüse und Sommerblumen zwar ab Ende Februar im Haus angezogen werden. Doch nicht immer tut man ihnen damit einen Gefallen. „Anfang bis Mitte April ist für die Anzucht im Haus früh genug“, sagt Clemen.

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