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6 Lebensart „Sport

6 Lebensart „Sport wird mein Leben immer beeinflussen“ Friedhelm Funkel kann auf 1200 Spiele in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga als Spieler und Trainer zurückblicken und hat mit 63 Jahren immer noch Spaß an seinem Hobby, das er zum Beruf gemacht hat. Was halten Sie von dem Motto „Sport ist Mord“? Funkel: Das ist für mich nicht zutreffend. Wenn du viel Sport treibst und du dabei nicht permanent weit über deine Grenzen gehst, ist Sport gesund und hält dich fit. Ich fühle mich dann einfach wohler. Wann haben Sie im Laufe der Jahre beim Sport gemerkt, dass man älter wird? Funkel: Die Regenerationsphasen werden länger. Man darf sich nicht mehr ganz so hoch belasten, wenn Sport kein Mord sein soll. Man muss kontrolliert Sport treiben sowie auf seinen Puls und auf seine Grenzen achten. Sie sind ein ehrgeiziger Sportler, egal ob früher beim Fußball oder heute beim Tennis. Wie kann man sich rechtzeitig bremsen? Funkel: Du musst lernen, vernünftig zu sein. Du darfst mit 60 nicht glauben, dass du das Pensum eines 30-jährigen absolvieren kannst. Das geht einfach nicht. Diese Einsicht solltest du mit dem Alter normalerweise auch gewonnen haben. Ärgern Sie sich, wenn Sie beim Training mit ihren Spielern nicht immer mithalten können? Funkel: Nein, ich kann ja noch einige Dinge mitmachen. Zum Beispiel wenn wir im Kreis fünf gegen zwei spielen. Wenn man dann mit seinem Partner in der Mitte ist, kann es schon mal sehr anstrengend werden. Wann haben Sie denn gemerkt, dass man im Training dem Alter Tribut zollen muss? Funkel: Das war 2006 im Trainingslager mit Eintracht Frankfurt beim Mountainbike-Fahren. Besonders bergauf hatte ich Probleme. Ich bin dann oben mit dem Rad in die Gondel gestiegen und ins Tal zurückgefahren. Es ist wichtig, dass du das erkennst und nicht zu ehrgeizig bist. Achten Sie mit zunehmenden Alter mehr auf die Ernährung? Funkel: Bewusst nicht. Das ergibt sich schon alleine aus der Entwicklung, die ich als Trainer tagtäglich erlebe. Es werden viel leichtere Sachen gegessen. Vollkornprodukte, helles Fleisch oder Fisch sind fast immer dabei. Früher gab es dicke Steaks mit Kartoffeln und Soße. Statt gesundes Gemüse oder Salat gab es Rotkohl. Da leben die Spieler heute auch viel bewusster als wir früher. Heute esse ich nicht mehr so viel wie früher, aber immer noch das, worauf ich Hunger habe. Sie essen aber gerne süße Sachen. Funkel: (lacht): Das stimmt, aber nicht mehr so viel wie früher. Auf ein Stück Schokolade, ein Eis oder Kuchen verzichte ich aber immer noch nicht so gerne. Vergleichen Sie mal ihre Zeit als Spieler mit der heutigen Zeit der Profis. Funkel: Heute ist der Spieler ein gläserner Mensch. Ich habe gerade einen Bericht über RB Leipzig gelesen: Die Spieler müssen 75 Minuten vor dem Training erscheinen, bekommen einen Tropfen Blut abgenommen und müssen einen Fragebogen ausfüllen, wie sie sich fühlen und was sie gemacht haben. Die Daten werden im Computer gesammelt. So wird festgestellt, wie belastbar der Spieler ist. Das ist der einzige Bundesligist, der das macht. In vielen Profivereinen haben die Spieler ein Messgerät am Körper. So können die Trainer während des Trainings am Spielfeldrand auf dem Laptop die Werte der Spieler ablesen. Heute kann sich kein Spieler mehr beim Waldlauf im Gebüsch verstecken und eine Runde schwänzen. Haben Sie das früher gemacht? Funkel: Nein. Ich bin immer gerne und viel gelaufen. Jetzt sind sie schon seit 1991 mit wenigen kurzen Pausen Bundesliga-Trainer. Wie hat sich dieser Beruf über die Jahre entwickelt? Funkel: Das ist der pure Wahnsinn. Angefangen vom normalen Fußballspiel, wie sich das vom Tempo und der Athletik verändert hat. Taktik, Trainingslehre, -intensität und -inhalte sind nicht mehr mit früher zu vergleichen. Dazu kommt das veränderte Umfeld. Allein das Interesse der verschiedenen Medien hat unglaublich stark zugenommen. Heute ist mein Arbeitstag doppelt so lange wie vor 20 Jahren. Ist dadurch der Druck größer geworden? Funkel: Natürlich, das gilt für alle Verantwortlichen. Du hat heute als Trainer überhaupt keine Zeit mehr, etwas über zwei oder drei Jahre aufzubauen. Wenn du einmal nur eine schlechte Phase hast, interessieren Dinge, die du vor der Saison besprochen hast, plötzlich nicht

Lebensart 7 mehr. Und wenn du dann am Ende doch das Ziel erreicht hast, heißt es hinterher, wir hätten doch mehr erreichen können. Regt Sie das auf? Funkel: Heute nicht mehr, früher schon. Die Schnelllebigkeit in unserem Trainerberuf ist heute atemberaubend. Wenn du so lange Trainer bist wie ich, dann weißt du das. Junge Trainer überrascht das vielleicht in der einen oder anderen Situation. Aber der Job macht Ihnen trotzdem immer noch Spaß. Funkel: Ja, weil das viel mit Erfahrung zu tun hat und ich das nicht mehr an mich heranlasse. Das Gute ist auch, das ich von zu Hause aus arbeiten kann und hier ganz normal mit Familienmitgliedern und Freunden leben kann. Wenn du irgendwo alleine bist, hast du immer das nächste Training oder Spiel im Kopf. Wie lange kann man diesen Beruf ausüben? Funkel: So lange man gesund ist. Man darf nicht nur Fußball im Kopf haben und alles mit nach Hause nehmen oder in sich hineinfressen. Auch ich denke natürlich über Fußball nach, wenn ich zu Hause oder irgendwo anders bin. Aber über die Jahre habe ich es gelernt, immer weniger mit in meine Freizeit zu nehmen. In meinen Anfängen als Trainer habe ich Unterhaltungen mit Freunden gar nicht wahrgenommen und an das nächste Spiel gedacht. Aber durch das Alter und die gewonnene Gelassenheit lässt das nach. Bundesliga-Trainer bleibt für Sie der Traumberuf? Funkel: Auf jeden Fall. Mein Ehrgeiz ist nach wie vor ungebrochen. Auch wenn der Beruf viel intensiver geworden ist. Früher kam Kalli Feldkamp zehn Minuten vor dem Training in die Kabine. Heute sitzen die Trainer zwei Stunden vorher in ihrem Büro. Gehen Sie mit 65 in Rente? Funkel: Ich werde 64 und würde noch gerne eine Saison weitermachen. Und was macht der Rentner Friedhelm Funkel dann? Funkel: Sport wird mein Leben immer beeinflussen. Golf ist nicht mein Ding. Wenn ich kein Tennis mehr spielen oder joggen gehen kann, dann fahre ich Fahrrad oder gehe ins Fitnessstudio. Aber wie schon am Anfang gesagt, immer kontrolliert und dem Alter entsprechend. Uwe Worringer führte das Gespräch. Anzeige

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