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Generation 50plus

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10 Lebensart Zwei

10 Lebensart Zwei Männer aus Eisen Sie sind ziemlich beste Freunde: Frank Reintjes (51) und Robert Jansen (55). Beide lieben es, Sport zu treiben. Jetzt wollen sie es noch einmal wissen. Am 6. August treten die Mönchengladbacher beim Ultratriathlon „Ostseeman“ in Glücksburg an. Von Silvana Brangenberg Für Außenstehende mag es verrückt klingen, was Frank Reintjes und Robert Jansen vorhaben. Denn der Ostseeman ist ein Triathlon, der jedes Jahr im Sommer über die sogenannte Langdistanz ausgeführt wird: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Fahrradfahren und 42,195 Kilometer Laufen. Oder anders ausgedrückt: eine anspruchsvolle Radstrecke über sechs Runden sowie eine abwechslungsreiche Laufstrecke über diverse Untergründe wie Waldboden, Sand und Asphalt. Der Ostseeman ist der einzige deutsche Triathlon über diese Distanz, bei dem im offenen Meer geschwommen wird. Nach dem hessischen „Ironman Germany“ und der fränkischen „Challenge Roth“ ist er der drittgrößte Langdistanz-Triathlon in Deutschland. Bekanntester und ältester Langdistanz-Triathlon ist der Ironman von Hawaii. Doch warum tut man sich diese Strapazen mit Anfang beziehungsweise Mitte 50 noch an? „Weil es Spaß macht, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten“, betont Frank Reintjes. Und Robert Jansen ergänzt: „Noch einmal zusammen etwas Großes machen. Vielleicht ist es ja für uns der letzte Wettbewerb dieser Art.“ Frank Reintjes (links) und Robert Jansen sind Männer aus Eisen. Anfang August gehen sie wieder beim Ultratriathlon „Ostseeman“ an den Start. Für beide ist es nicht der erste Ultratriathlon. Beim Ironman Germany haben die Freunde schon mitgemacht, in Roth, in Glücksburg und etliche kürzere Triathlons gehen ebenfalls auf ihr Konto. Für den 55 Jahre alten Robert Jansen ist der Ostseeman sogar ein Jubi- läum: „Dann werde ich meinen 50. Marathon laufen.“ Im Winter vergangenen Jahres haben die Mönchengladbacher angefangen Fotos: Silvana Brangenberg (1), privat (3)

Lebensart 11 © Fotolia/kstudija zu trainieren. Grundlagentraining, wie sie es nennen. Oder auch „im gemütlichen Bereich trainieren“. Fünfmal pro Woche heißt das genau. Ohne auf die Ernährung zu achten oder auf die Puls-Uhr zu schauen. Überhaupt gehen Reintjes und Jansen die Sache nicht verbissen an. „Erstens müssen wir uns nichts mehr beweisen. Zweitens machen wir schon unser Leben lang Sport und drittens verfügen wir über ausreichend Wettbewerbserfahrung. Unseren ersten gemeinsamen Lauf haben wir 1997 bestritten“, sagt Robert Jansen, der als Fachtrainer für Rehabilitationssport in seinem eigenen Vital-Studio arbeitet. Über eine entsprechende Grundfitness verfügen demnach beide Männer. Trotz aller Gelassenheit wollen die Freunde den Ostseeman in zwölf Stunden schaffen. 1,5 Stunden schwimmen, sechs Stunden Rad fahren und vier bis viereinhalb Stunden Laufen ist ihr Wunsch. „Alles, was drunter ist, ist ein Bonus“, sagt Reintjes. Die Hauptsache ist, dass sie mit einem Lachen ins Ziel kommen und das am besten noch zusammen. „Auf dieses Glücksgefühl, diese Endorphin-Welle freue ich mich schon. Da habe ich noch Monate später etwas von“, schwärmt der 51 Jahre alte Familienvater. Mittlerweile geht das Training in die heiße Phase. Das bedeutet 18 bis 21 Stunden Trainingszeit pro Woche. Geschwommen, gelaufen und Rad gefahren wird nun nicht mehr separat, sondern gekoppelt. „Das heißt zum Beispiel drei Stunden Rad fahren und eine Stunde laufen. Oder erst schwimmen und im Anschluss laufen“, erklärt Gastronom Frank Reintjes, der im Hardter Wald ein Restaurant führt. Koppeltraining sei wichtig, um den Kreislauf zu trainieren. Vor allem den Schritt, nach 3,8 Kilometern aus dem Wasser zu steigen und aufs Fahrrad zu wechseln, unterschätzen viele. „Da kann es schon mal zu einem Herzkasper kommen, wenn das nicht vernünftig trainiert wird.“ Damit spricht Reintjes die Temperaturunterschiede von Wasser zu Land an. So hatte die Ostsee 2009, als der Mönchengladbacher zum ersten Mal am Ostseeman teilnahm, nur 16 Grad. Trotz Neopren-Anzug war es extrem kalt im Wasser. Es sei nicht ohne gewesen nach etwa einer Stunde und zehn Minuten durchgefroren aufs Rad zu steigen. Trotzdem steht der Spaß nach wie vor im Vordergrund betont Jansen: „Ich fahre nicht nach Olympia. Ich will trainieren und fertig.“ Die Ehefrauen nehmen den Trainingseifer ihrer Männer übrigens gelassen hin. Zum einen kennen sie das schon von anderen Wettbewerbsvorbereitungen, und zum anderen wird es vorher immer mit ihnen abgesprochen, dass das Training für sechs Monate vorgeht. Beim Ostseeman im August werden die Frauen auch mit Freunden und Familie am Straßenrand stehen und ihre Männer anfeuern. „Darauf freue ich mich wahnsinnig“, sagt Frank Reintjes. Die beiden Freunde haben Glücksburg für ihren vielleicht letzten Ultramarathon nicht umsonst ausgewählt. Sie schätzen die gute Betreuung vor Ort, das Ambiente, die familiäre Atmosphäre und die vielen Menschen an den Straßen, die Hühnersuppe, Gummibärchen oder Kuchen an die Sportler verteilen. „Der Ostseeman ist schon ein ganz besonderes Erlebnis und wir freuen uns, dass wir das mit über 50 Jahren ohne nennenswerte Wehwehchen noch machen können“, betont Robert Jansen.

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