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Generation 50plus

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18 Familie & Freizeit

18 Familie & Freizeit Modernes Business mit romantischer Tradition © I-Stock/Fotolia Wenn Sven Tusch über die Rheydter Kirmes geht, muss er alle paar Meter stehenbleiben. Jeder kennt ihn, jeder grüßt ihn. Und jeder spürt: Das Schaustellerleben ist seine Passion. Von Christian Lingen Seine Imbissbude ist ein echter Treffpunkt. Ein Ort, an dem schon Ideen für die Stadt geschmiedet wurden und so mancher laue Sommerabend seinen Beginn nahm. Wohl fast jedem Mönchengladbacher ist der Imbissbetrieb von Sven Tusch ein Begriff. Das liegt auch am Namen Römgens, der in großen Lettern über der Bude prangt. Römgens, so hieß der Vorbesitzer, der den Betrieb zu einer Marke machte. Sven Tusch hat die Firma 2008 übernommen. Den Namen führt er fort, denn er hat längst einen gewissen Kultstatus erlangt. Kult, das ist inzwischen auch Sven Tusch selbst. „Meine Eltern lebten ihren Beruf. Ich bin auf der Kirmes aufgewachsen. Das war für mich wie ein großer Spielplatz“, erinnert er sich gerne zurück. Damals, als Sven Tusch als Kind zwischen Karussells und Süßwarenstand umhertollte, war das Schaustellerleben noch romantisch. Heute ist es ein hartes Geschäft, bei dem am Ende die Kasse stimmen muss. „Meine Eltern hatten einen Imbiss und Autoscooter. Wir waren am In der Kindheit war die Kirmes für ihn ein großer Spielplatz. Heute betreibt Sven Tusch das Schaustellergewerbe mit professioneller Leidenschaft. ganzen linken Niederrhein unterwegs“, erzählt Sven Tusch. Diese Zeit hat ihn geprägt. Anders als viele andere Schaustellerfamilien lebten die Tuschs nicht im Wohnwagen, sondern hatten einen festen Wohnsitz in Viersen. Von zu hause aus wurden die Volksfeste beschickt. Das macht Sven Tusch heute nicht anders. Er hat seinen Firmensitz in Neuwerk und leitet von dort seinen Betrieb. Dass er seinen Eltern einmal nachfolgen würde, das stand für ihn aber nicht fest. „Nach der Schule wollte ich einen technischen Beruf erlernen, aber irgendwie bin ich dann doch bei der Kirmes hängengeblieben“, erzählt Sven Tusch. 1989 kaufte er sein erstes Kinderkarussell. Doch das reichte ihm nicht. „Ich wollte immer wieder etwas Neues“, sagt er und so wechselten die Fahrgeschäfte immer wieder einmal. Als er bei einer Schaustellermesse in Nürnberg seine heutige Frau kennenlernte, weitete er sein Geschäft aus. 2007 kam dann der Einschnitt. Damals besaß er drei Karussells und verkaufte sie. Ein Jahr später übernahm er den Imbissbetrieb Römgens. „Mönchengladbach ist mein Lebensmittelpunkt geworden. Wir sind auf Schützenfesten und Kirmesveranstaltungen hier in der Stadt, in Neuss und in Korschenbroich. Hinzu kommen die Weihnachtsmärkte in Gladbach und Düsseldorf“, erzählt Sven Tusch. Seinen Betrieb führt er hoch professionell. Foto: Jörg Knappe

Familie & Freizeit 19 „Früher ging es vielen Schaustellern um Tradition. Heute muss der Betrieb wirtschaftlich sein“, sagt er kaufmännisch. Die Romantik früherer Tage ist auch durch immer höhere Auflagen verschwunden. Den Betrieb nur in den Sommermonaten zu führen, kann sich Sven Tusch nicht erlauben. Deshalb sind Weihnachtsmärkte sein zweites Standbein geworden. Mit seinem Weihnachtsmarkt auf dem Sonnenhausplatz, den er für das Gladbacher Citymanagement organisiert, sorgte er im vergangenen Jahr für Furore. Tusch ließ schön gestaltete Buden im Stile alter Fassaden bauen und kreierte so einen ganz neuen Weihnachtsmarkt. In Düsseldorf hat er längst seinen Stammplatz neben dem großen Riesenrad auf dem Burgplatz. „Dort stehen wir 120 Tage im Jahr“, sagt Tusch. Natürlich gehören die Klassiker einer jeden Kirmes, Pommes, Currywurst und Backfisch, noch immer zur Produktpalette, doch sie sind nur ein kleiner Teil. „Wir sind eigentlich nichts anderes als ein fahrendes Restaurant. Auf Kundenwunsch können wir auch Die Rheydter Kirmes beweist, dass das Schaustellerleben immer noch romantische Attribute besitzt. andere Dinge wie Filets liefern“, sagt Tusch. Durch den ständigen Auf- und Abbau und die damit verbundenen Kontrollen ist der Hygienestandard extrem Foto: Detlef Ilgner hoch. „Wir haben sechs verschiedene Imbissbuden für jede Eventart“, sagt Tusch. Ein Teil der Romantik von einst ist dann aber doch geblieben. „Ich verbringe heute mehr Zeit im Büro als draußen in meinem Imbisswagen. Lieber hätte ich es umgekehrt“, sagt Sven Tusch. Damit meint er aber nicht, dass er gerne Bratwürste wendet. Ihm geht es um die Kunden. „An meinem Imbiss spielt sich das wahre Leben ab. Hier lernt man alle möglichen Menschen kennen. Besonders freut es mich, wenn Leute mit ihren Kindern kommen, die früher, als sie selber Kind waren, bei mir Karussell gefahren sind. Ich sehe Generationen aufwachsen. Und das ist schön“, schwärmt Sven Tusch mit strahlenden Augen. Dafür steht er Woche für Woche auf einem Volksfest. An seinem Imbisswagen werden wohl noch viele laue Sommerabende ihren Beginn nehmen. Und am liebsten hat es Sven Tusch, wenn er dann mittendrin ist und mit seinen Kunden einen Plausch an der Theke halten kann.

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