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22 Service Zeit-Reise

22 Service Zeit-Reise der besonderen Art Ein Besuch des Schloss Rheydt lohnt sich um diese Jahreszeit besonders: Für Romantiker, Spaziergänger und Hobby-Fotografen ist die Renaissance-Anlage ein beliebter Anziehungspunkt, Geschichtsinteressierte lieben das Museum mit seinen wechselnden Ausstellungen. Zurzeit zeigen sie den Besuchern, wie man in vergangenen Jahrhunderten reiste und Gärten anlegte. Von Garnet Manecke Wenn man über die Brücke geht, an den Trauerweiden links und rechts vorbei, durch den Torbogen in den Vorhof des Schlosses, ist es leicht, sich vorzustellen, wie früher die Kutschen hier über das Kopfsteinpflaster ratterten. Mitte des 16. Jahrhunderts, als das Schloss umfangreich umgebaut wurde, war die Kutsche das komfortabelste Reisegefährt. Wer sich eine Kutschfahrt nicht leisten konnte, nutzte für die Langstrecke Pferd oder Esel oder musste schlicht zu Fuß gehen. Strecken, für die man heute mit dem Auto eine knappe halbe Stunde einplant, waren damals Reisen von ein bis zwei Tagen – wenn man gut durchkam. Die Kutsche in der Ausstellung „Aufbruch in die Ferne“ gibt eine erste Ahnung davon. Ganz aus Holz, vorne auf dem Sitz Platz für zwei, vielleicht drei Personen. Dann aber wird es schon eng. Hinten auf der Ladefläche könnte neben dem Gepäck noch eine Person kauern. Keine Spur von Komfort. Das bequeme Reisen zum reinen Vergnügen ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts, die erst nach dem Krieg mit dem Wirtschaftswunder für weite Teile der Bevölkerung erschwinglich war. Davor waren vor allem Geschäfte oder das Pilgern ein Grund für die Menschen, sich auf den Weg zu machen. Die Ausstellung führt durch die Geschichte des Reisens und die Motive der Menschen: Missionsarbeit in China, Schloss Rheydt ist ein kulturhistorisches Juwel. Sehenswerte Ausstellungen sorgen immer wieder für zusätzliche Attraktivität. die Hochzeitsreise, der diplomatische Dienst oder der Ausflug nach Wuppertal. Was heute banal klingt, war früher ein aufregendes Erlebnis. Der Wanderstock und die Mütze mit den vielen Erinnerungsstickern der Reiseziele erzählen davon. Aber auch Schrankkoffer, der Reisesekretär, die Reisetoilette oder der Schlagbaum, der die innerdeutschen Grenzen veranschaulicht, zeigen, wie mühsam das Reisen früher war. Urlaub war bis in die 1950er Jahre ein Privileg des wohlhabenden Bürgertums und des Adels. Genauso wie Gärten, die keinerlei praktische Funktion hatten, sondern ihre Besitzer nur erfreuen sollten. In der Ausstellung „Künst liche Natur“ wird die Entwicklung vom Nutzgarten im Mittelalter zum Gesamtkunstwerk im Barock beschrieben. Das Schloss ist der richtige Ort dafür: Eine Federzeichnung von 1594 zeigt die aquarellierte Ansicht der Schlossanlage. Sie ist eine Leihgabe des Duisburger Landesarchivs. Ende des 16. Jahrhunderts lagen Herrenhaus und Vorburg auf einzelnen Inseln, von Wassergräben und einer Parkanlage umgeben. Den Lustgarten gibt es heute nicht mehr und auch der Park hat sich stark verändert. Dennoch ist die Atmosphäre der Historie in der Schlossanlage erhalten geblieben. Die Pfauen, die majestätisch zwischen Vorburg und Herrenhaus stolzieren, erhalten dem Ensemble ihren herrschaftlichen Glanz. Sie sind wie ein Gruß der Schlossherren aus der Vergangenheit in die Gegenwart. Die Turnierwiese und der Arkadenhof sind Schauplatz vieler Veranstaltungen in historischer Kulisse. Sowohl das große Ritterfest im August mit Markt und Turnieren als auch die Sommermusik finden hier statt. Ausstellungen Aufbruch in die Ferne Mit Gladbacher Reisenden durch die Jahrhunderte, bis 30. Juli 2017 Künstliche Natur Vom Nutzgarten im Mittelalter zum Gesamtkunstwerk im Barock, bis 23. Juli 2017 Öffnungszeiten di-fr 11-17 Uhr, sa + so 11-18 Uhr Museum Schloss Rheydt Schlossstraße 508, 41238 Mönchengladbach, www.schlossrheydt.de Fotos: Garnet Manecke © Fotolia

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