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6 Wellness & Gesundheit

6 Wellness & Gesundheit Eine Volkskrankheit – in aller Munde Neben Karies sind es die entzündlichen Erkrankungen des Zahnfleisches, die Patienten und Fachmedizinern immer wieder Kummer bereiten. Von Willem Plum Erste Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt, sind Zahnfleischbluten, empfindliches Zahnfleisch oder auch freiliegende Zahnhälse. Was den Laien dann mit der Furcht vor „Parodontose“ umtreibt, wird vom Zahnarzt eventuell und fachlich korrekt als Gingivitis und Parodontitis diagnostiziert. Etwa drei von vier Erwachsenen leiden im Laufe ihres Lebens an einer Parodontitis, viele ohne es zunächst zu wissen. Zahnärzte sehen also nur sehr selten einen erwachsener Patienten ohne einen parodontalen Befund. Neben Karies ist Parodontitis eine der Hauptursachen für Zahnverlust. Denn eine unbehandelte Parodontitis schädigt im Laufe der Zeit den kompletten Zahnhalteapparat, also Weich- und Knochengewebe, so massiv, dass ein Zahnerhalt kaum noch möglich ist. „Ursache für eine Parodontitis sind Bakterien, die sich zwischen Zahn und Zahnfleisch ansammeln. Mit der Zeit bilden diese bakteriellen Beläge einen harten, höckerigen Belag und es kommt zu Entzündungen“, erläutert Dr. Ralf- Parodontitis schädigt nicht nur das Zahnfleisch, sondern im fortgeschrittenen Stadium auch den Kieferknochen. Fotos: kn Thomas Lange, Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Werden diese Entzündungen nicht behandelt, schreitet der entzündliche Prozess weiter fort und erreicht tiefer gelegene Regionen der Zahnwurzel. Er zerstört die Fasern, die die Zähne mit dem Kieferknochen verbinden. Das Zahnfleisch und der umliegende Knochen ziehen sich zurück, die Zahnhälse liegen frei. Im Verlauf kommt es zu weiterem Knochenabbau. Ohne Fasern und Knochen haben die Zähne keinen Halt mehr, lockern sich und fallen aus. Der beste Schutz vor parodontalen Erkrankungen sind sorgfältige Mundhygiene zu Hause und regelmäßige professionelle Zahnreinigung in der Zahnarztpraxis. „War die professionelle Zahnreinigung früher als reiner Wellness-Schnickschnack verschrien, wissen mittlerweile immer mehr Menschen, dass sie ihre eigenen Zähne durch diese Vorsorgemaßnahme sehr gut schützen“, sagt Zahnärztin Dr. Katja Jung-Morjan. Besonders

© Fotolia/Javier Brosch Wellness & Gesundheit 7 die Parodon titis als „Volkskrankheit Nummer eins“ könne damit frühzeitig erkannt, behandelt und der Prozess des Zahnverlustes gestoppt werden. Da eine Zahnfleischerkrankung bei vielen Patienten unbemerkt, weil schmerzlos verläuft, sollten auch die Empfehlungen zur zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchung auf jeden Fall beachtet werden. Dass die moderne Zahnmedizin prophylaktisch orientiert ist und wirkungsvolle Maßnahmen zur Vorbeugung einer Parodontitis bietet, betont auch Dr. Ralf-Thomas Lange. „Der Erhalt natürlicher Zähne steht heute ganz klar im Mittelpunkt. Im Rahmen einer Parodontitis-Therapie kann im Bedarfsfall auch neues zahnhaltendes Gewebe geschaffen werden, um dem drohenden Verlust der natürlichen Zähne entgegenzuwirken.“ Bei der klassischen Parodontitis-Therapie geht es zunächst darum, die Entzündungsprozesse zu stoppen und das erkrankte Gewebe ausheilen zu lassen. Dabei werden die Zahnfleischtaschen und Wurzeloberflächen möglichst gewebeschonend gereinigt, die Beläge entfernt und die Wurzeln geglättet. Bereits gelockerte Zähne können gegebenenfalls stabilisiert werden. In schwierigen Fällen kann zur Reduzierung der Bakterienbesiedlung in den Zahnfleischtaschen eine Lasertherapie erfolgen. Verlorene Gewebe-Substanz wird bei dieser klassischen Parodontaltherapie allerdings nur bedingt zurück gewonnen. Ist der Substanzverlust groß, kann nach Abschluss der konventionellen Therapie durch chirurgische, knochenaufbauende Eingriffe neues Gewebe zum Teil wieder aufgebaut werden. Die Bildung des neuen Knochengewebes wird mit einer Mischung aus Eigen knochen und Knochenersatzmaterial angeregt. Hierzu werden der Eigen knochen und das Knochenersatzmaterial in die entstandene Knochentasche eingefüllt. Im Laufe der Zeit wird das Material durch den Körper abgebaut und durch körpereigenen Knochen ersetzt. „Die regenerativen Maßnahmen können zu einem echten Wiedergewinn von verloren gegangenen parodontalen Strukturen wie Wurzelzement, Wurzelhaut und Alveolarknochen führen. Regeneration bedeutet dabei, dass die Gewebe wieder in Form und Funktion aufgebaut werden. Die Zahnwurzeln finden sicheren Halt in dem neu gebildeten Gewebe und die Zähne sitzen wieder fest“, erläutert Dr. Ralf-Thomas Lange. Am Ende bringt die Rettung der parodontal geschädigten Zähne natürlich deutliche Vorteile für die Patienten. „Wo früher bei lockeren Zähnen direkt die Zange angesetzt wurde, ist heute der Erhalt oberstes Gebot. So kann nicht zuletzt auch kostspieliger Zahnersatz vermieden werden“, fügt Dr. Katja Jung-Morjan an. Patienten-Information Wie lassen sich Erkrankungen des Zahnfleisches vermeiden? Welche Form der Prophylaxe ist am besten? Was muss man über die Behandlung einer Parodon titis wissen? Antworten zu wichtigen Fragen rund um die Zahngesundheit gibt es auch im Internet: www.parodontologieberater.de

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