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Generation 50plus

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10 Lebensart Von

10 Lebensart Von Southern Rock bis Gladbacher Platt Foto: Jörg Knappe Manfred Meurer, genannt Manna, ist Musiker mit Leib und Seele. Er hat sich als Gitarrist, aber auch als Tontechniker überregional einen Namen gemacht. Und er verfügt über eine Sammlung von mehr als 50 Gitarren. Sie machen seit fast 50 Jahren Musik. Wissen Sie noch, wie alles anfing? Manna Meurer: Die Gitarre als Instrument hat mich immer fasziniert. Ich habe schon als Kind mit dem Federballschläger so getan, als würde ich Gitarre spielen. Dann habe ich mir von unserem Jungscharleiter im Jugendtreff der katholischen Gemeinde in Rheydt die ersten Griffe beibringen lassen. „House of the Rising Sun“ war das erste Lied, das ich komplett spielen konnte. Meine Eltern haben dann irgendwann nachgegeben und mir zu Weihnachten meine erste akustische Gitarre geschenkt. Sie besitzen eine riesige Gitarrensammlung. Ist Ihre allererste noch dabei? Manna Meurer: Nein, leider nicht. Sie ist irgendwann verschüttgegangen. Nachdem ich sie mehrfach verhunzt hatte, Tonabnehmer eingebaut und Ähnliches. Woher kam Ihr Interesse für Musik? Manna Meurer: Ich denke, das kam aus dem Radio. Auch mein älterer Bruder hat eine Rolle gespielt. Er sollte auch oft auf mich aufpassen. Weil er aber zu Konzerten wollte, hat er mich notgedrungen mitgenommen. Wir waren häufiger im „Dammer“, einer damals bekannten Gaststätte mit Saal an der Bachstraße in Rheydt, wo die Lords oder Gus Backus auftraten. Leider gibt es die Gaststätte schon lange nicht mehr, das Gebäude wurde inzwischen abgerissen. Hatten Sie auch Unterricht? Manna Meurer: Ich habe eine Zeitlang bei einem Arbeitskollegen meines Vaters Noten gelernt und Unterricht bekommen. Ich habe sogar fünf Jahre im Mandolinenorchester mitgespielt. Aber ansonsten bin ich eher Autodidakt. Ich habe ein gutes Gehör und kann Lieder leicht nachspielen. Dadurch kann ich mich auch gut auf andere Musiker einstellen, mit denen ich zusammenspiele. Sie haben schon in vielen Bands und mit vielen Musikern gespielt und gearbeitet. Wissen Sie noch, wie Ihre erste Band hieß? Manna Meurer: Ich habe schon mit elf, zwölf Jahren in einer Schülerband gespielt, aber sie hatte keinen Namen. Mit sechzehn habe ich dann zusammen mit anderen eine Band namens Irrlicht gegründet. Wir waren sehr experimentierfreudig, hatten Querflöte, Geige, Keyboard, Schlagzeug, Bass und Gitarre dabei. Aufgetreten sind wir in Jugendheimen. Und weil wir als Schüler viele Leute kannten, waren die Konzerte auch gut besucht. Haben Sie auch damals schon eigene Stücke geschrieben? Manna Meurer: Ja, allerdings immer auf Englisch. Meine Mutter wollte immer gern, dass wir Deutsch singen, aber

Lebensart 11 Foto: kn das kam damals für uns nicht infrage. Heute allerdings wird in beiden Bands, in denen ich spiele, Deutsch gesungen. Wann haben Sie mit der E-Gitarre angefangen? Manna Meurer: Mit 14 habe ich meine erste E-Gitarre bekommen. Und seitdem habe ich immer beides gespielt – akustische Gitarre und E-Gitarre. Ich richte mich einfach nach den Räumen, in denen wir auftreten. In kleinen Räumen nehme ich die akustische Gitarre. Die nächste Band, in der Sie gespielt haben, war sehr erfolgreich. Es gab auch Fernsehauftritte. Manna Meurer: Ja, das war die Wells Fargo Band. Wir haben Southern Rock gespielt, hatten gute Kontakte zum WDR und waren bei der Sendung Rock-Schiff dabei. Wir sind damals auch viel auf Tour gewesen. Hauptberuflich habe ich damals in einer Autovermietung gearbeitet. Hatten Sie da nicht den Traum, die Musik zum Beruf zu machen? Manna Meurer: Ja, schon, aber das habe ich mir schnell wieder abgeschminkt. Wenn man davon leben will, ist es mühsam und die meisten, die das versuchen, spielen in mehreren Bands, um irgendwie über die Runden zu kommen. Selbst bei erfolgreichen Songs bekommen ja nur die die Tantiemen, die Text und Musik geschrieben haben. Manna Meurer besitzt eine eindrucksvolle Gitarrensammlung. Mehr als 50 Instrumente stehen ihm zur Verfügung, um seine Musikideen umzusetzen. Foto: Jörg Knappe Die Live-Bühne ist das zweite Zuhause von Mann Meurer. Seine aktuelle Band Plattsatt begeistert das Publikum mit Mundart-Rock. Was haben Sie dann im Hauptberuf gemacht? Manna Meurer: Ursprünglich habe ich Textillaborant gelernt. Als dann in den Siebzigerjahren das Textilsterben einsetzte, habe ich dieses und jenes gemacht. Ich bin auch mal Lkw gefahren. Schließlich habe ich eine Umschulung zum Kommunikationselektroniker gemacht. Das lag mir, weil ich immer an allem rumgefummelt habe. Sie waren auch als Techniker mit Musikern unterwegs. Manna Meurer: Stimmt, ich war zum Beispiel mit Ina Deter auf Tour in Österreich. Aber ich war auch als Gastmusiker bei vielen Bands dabei. Heute spielen Sie in zwei Bands, die in Gladbach und der Region bekannt sind. Manna Meurer: Ja, bei Plattsatt und Hier geht was. Mit Plattsatt machen wir Mundart-Rock. Wir singen Gladbacher Platt. Im Augenblick liegt das krankheitsbedingt aber ein bisschen auf Eis. Mit der Band Hier geht was sind wir momentan sehr fleißig und haben gerade eine nagelneue CD produziert, die wir am 30. November vorstellen. Sie machen jetzt seit vielen Jahren Musik. Wie lebendig ist die regionale Musikszene? Manna Meurer: Natürlich ist in Köln und Düsseldorf mehr los, aber Bands haben wir in der Region viele. Was fehlt, sind Auftrittsmöglichkeiten, vor allem bezahlte. Und dann muss auch das Konzept stimmen. Wenn die Musik nur den Hintergrund zum Essen liefert, ist das für die Musiker schwierig. Die Kombination von Musik und Krimilesung wie wir das öfter im Lax Legere in Gladbach haben, ist dagegen günstiger. Und immer ausverkauft. In diesem Rahmen werden wir auch die neue CD präsentieren. Zur Person Manfred Meurer, genannt Manna, geboren 1956 in Wickrath, ledig, Kommunikationselektroniker Bands: Irrlicht, Tabula Rasa, Wells Fargo Band, Children of Spring, Streamline, Borderline, Donkeys Hot Sauce, Straight Shooter Rock Ensemble, Hier geht was, Plattsatt Ihre Gitarrensammlung ist eindrucksvoll. Wie viele haben Sie? Manna Meurer: Es sind über 50, sowohl akustische als auch E-Gitarren. Die älteste ist von 1963. Sie kosten zwischen 500 und 4000 Euro. Manche steigen im Preis, weil es aus den Sechziger- und Siebzigerjahren nur wenige Exemplare gibt. Manche habe ich umgebaut, sie mit anderen oder mehr Tonabnehmern versehen, dann klingen sie auch ganz anders. Ich nutze sie alle regelmäßig. Die kleinste Gitarre nehme ich immer mit in den Urlaub, sie passt ins Handgepäck. Schreiben Sie auch selbst Songs? Manna Meurer: Ja, so ungefähr zwanzig Lieder stammen von mir. Manchmal habe ich nur rumgeklimpert, das hat sich gut angehört und daraus ist ein Lied entstanden. Manchmal habe ich sehr lange daran gearbeitet. Das ist sehr, sehr unterschiedlich. Welche Vorbilder haben Sie und Ihren Gitarrenstil geprägt? Manna Meurer: Das waren natürlich die Musiker meiner Jugend – vor allem die Allman Brothers Band und Little Feat. Die hatten gute Gitarristen und ich habe das oft nachgespielt. Aber es kommt natürlich immer darauf an, sich nicht sklavisch am Vorbild zu orientieren, sondern selbst etwas dazuzutun. Und zum Schluss: woher kommt eigentlich der Spitzname Manna? Manna Meurer: Der ist schon sehr alt und stammt noch aus der Schulzeit. Wir waren bei der Schulmesse gewesen und ich hatte die Hostie nicht herunter geschluckt, sondern heimlich wieder herausgeholt und zeigte sie meinen Mitschülern. Da rief einer spontan: „Manna, Himmelsbrot“. Seitdem hatte ich den Namen weg. Das Interview führt: Angela Rietdorf

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