Aufrufe
vor 2 Wochen

Generation 50plus

  • Text
  • Manna
  • Martina
  • Erbers
  • Troost
  • Gesundheit
  • Hunde
  • Lothar
  • Regenrinne
  • Wellness
  • Laub

12 Familie & Freizeit

12 Familie & Freizeit Sankt Martin aus Leidenschaft Lothar Erbers reitet regelmäßig als heiliger Martin mit Schwert und Mantel Laternenumzügen voran – bis zu 2500 Kinder folgen ihm dann durch die Straßen Mönchengladbachs. Foto: Jörg Knappe Von Angela Rietdorf Ganz am Anfang steht ein Steckenpferd und ein Helm aus Goldpapier: Mitte der 1950er Jahre zieht der kleine Lothar so ausstaffiert dem Laternenumzug des Kindergartens St. Elisabeth-Untereicken voran. Den Umhang hat der Großvater ihm genäht, den Helm hat der Vater gebastelt. Ein Foto von sich mit Steckenpferd und Papierhelm hat Lothar Erbers immer noch. Und auch dem St. Martin ist er treu geblieben. Aber heute reitet er auf einem echten Pferd und trägt ein beeindruckendes Kostüm mit Helm, Schwert und rotem Mantel. Dass er immer noch – oder besser gesagt – wieder den St. Martin spielt, liegt an seinem Hobby. Lothar Erbers reitet seit seiner Jugend. Und reiten zu können ist nun mal eine grundlegende Voraussetzung dafür, den römischen Offizier und christlichen Heiligen verkörpern zu können. „Ich bin noch mit Pferdegespannen groß geworden“, erinnert sich Erbers, der in Gladbach geboren und aufgewachsen ist. Bierwagen, Eiswagen und auch der Gemüsewagen der Großmutter wurden noch von Pferden gezogen. Und auch die berittene Polizei kam häufig am Elternhaus von Lothar Erbers vorbei. „Immer wenn ich Pferdegetrappel hörte, hing ich am Fenster“, erinnert sich der ehemalige Chef der Gladbacher Volksbank. Deswegen wollte er auch nicht Fußball spielen wie seine Freunde, sondern reiten lernen. Beim Gladbach-Rheydter Reiterverein, der einen großen Reitstall an der Webschulstraße besaß. Kam dann der November, mussten die Schulpferde zu den Schulen gebracht werden, um die Martinsumzüge anzuführen. „Da ist man manchmal eine Stunde im Schritt durch die Stadt geritten, um das Pferd abzuliefern“, erzählt Erbers. Einmal – mit 17 Jahren – hat er da auch den St. Martin gespielt, aber dann war erst mal Schluss. Erst vor rund 15 Jahren stieg Erbers, inzwischen gestandener Banker und Familienvater, wieder als Heiliger aufs Pferd. Eher durch Zufall. „Wir hatten als Volksbank ein Martinskostüm für den Umzug in Hamern gesponsert“, sagt Erbers. „Das Kostüm sollte vom Pfarrer gesegnet werden, aber derjenige, der den Martin spielte, war so alt, dass er nicht mehr gut auf- und absteigen konnte.“ Kurz entschlossen übernimmt Erbers und ist seitdem St. Martin. Nicht nur in Hamern, wo ihm rund 700 Menschen beim Umzug durch die Honschaft folgen, sondern auch bei der Borussia. Hier ziehen bis zu 2500 Kinder mit Laternen hinter dem Mann im roten Mantel her, folgen ihm ins Stadion und marschieren dann an ihm vorbei. Dazu braucht es einen versierten Reiter und ein Pferd, das die Nerven behält, denn das Martinslied wird immerhin von sechs bis sieben Musikkapellen gespielt. Schließlich kommt der große Augenblick – die Mantelteilung. „Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Mantel zu teilen“, sagt Erbers. Es gibt Kostüme, da ist der zweite Teil des Mantels mit Klettband oder mit Druckknöpfen befestigt, die sich dann im richtigen Augenblick lösen müssen. Bei Lothar Erbers` Kostüm ist das Problem anders gelöst worden: Es gibt ein zweites Mantelteil, das unter dem eigentlichen Mantel getragen wird. Im richtigen Moment wird es dann hervorgezogen und an den armen Bettler weitergereicht.

Familie & Freizeit 13 Lothar Erbers liebt die Rolle und das damit verbundene Brauchtum. Im Hause Erbers werden die Fenster im November mit den selbstgebastelten Fackeln geschmückt, die noch von den inzwischen erwachsenen Söhnen stammen und für die richtige Stimmung sorgen. „Und wenn ich auf dem Pferd sitze und in die leuchtenden Kinderaugen blicke, dann ist das ein wunderbarer Moment.“ Das Pferd ist übrigens wirklich unverzichtbarer Bestandteil der Rolle. Einmal sei er zum Vorlesen der Martinsgeschichte in eine Kita gekommen, erzählt Erbers. Im Kostüm, aber natürlich ohne Pferd. „Du bist nicht Sankt Martin“, riefen die Kinder. „Du hast kein Pferd.“ Erbers war ziemlich in der Bredouille. „Aus der Nummer bin ich nur rausgekommen, weil die Kita in einem Altbau mit steilen Treppen untergebracht war“, lacht der St. Martin aus Leidenschaft. „Dass ein Pferd nicht diese Treppen hinaufgehen kann, haben die Kinder akzeptiert.“ Und dann gebannt der Geschichte vom römischen Offizier gelauscht, der seinen Mantel mit dem frierenden Bettler teilt. Info Lothar Erbers - geboren 1949 in Mönchengladbach- Neuwerk - verheiratet, vier Söhne, zwei Enkel - bis 2014 Vorstandsvorsitzender der Volksbank Mönchengladbach - seit drei Jahren im Ruhestand Heiliger Mann auf heiligem Rasen: Wenn Lothar Erbers als St. Martin ins Stadion reitet, ziehen bis zu 2500 Kinder mit Laternen hinter ihm her. Foto: Andreas Baum

Sonderveröffentlichungen