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Wo man sein blaues

Wo man sein blaues Wunder erlebt Fotos (2): Garnet Manecke Rund 6000 Besucher wandeln im Flachsmuseum Wegberg-Beeck jedes Jahr auf den Spuren der Flachsbauern und Weber im 18. und 19. Jahrhundert. Betrieben wird das kleine Heimatmuseum ausschließlich von Ehrenamtlern. Einer von ihnen ist Georg Wimmers. Wie seinen Mitstreitern liegt dem 66-Jährigen am Herzen, die Geschichte lebendig zu halten. In der dafür einst typischen Arbeitskleidung legt Georg Wimmers im Wegberger Flachsmuseum selbst Hand, um den Besuchern das alte Handwerk zu erläutern. Von Garnet Manecke Wissen Sie, woher die Ausdrücke: „ein „blaues Wunder erleben“, den „Himmel auf Erden“ zu erleben oder eine Fahrt „in’s Blaue“ kommen? Sie alle gründen sich auf den Flachsanbau in der Region, aus dem die Weber feine Leinenstoffe machten. „Wenn der Flachs in voller Blüte stand, waren die Felder blau wie der Himmel. Der Himmel galt als Wunder und so war auch die Blüte ein blaues Wunder“, erklärt Georg Wimmers. Seit drei Jahren ist er im Heimatverein Wegberg-Beeck aktiv und führt Besucher durch die Geschichte der Flachsbauern. 133 Mitglieder hat der Verein, davon kümmern sich 60 aktiv um

Lebensart 9 das Museum. „Unser Durchschnittsalter liegt bei 67 Jahren“, berichtet Wimmers. „Mit seinen 92 Jahren ist unser Hauptvorführer der Älteste.“ Schon vor dem Haus wird man in die Geschichte gezogen: Ein Notstall ist vor dem Eingang aufgebaut mit Amboß, Hämmer und Zangen. In so eine Vorrichtung wurden früher die Ackergäule eingespannt, damit der Schmied die Hufeisen anbringen konnte. Dreht man sich zur Eingangstür, fällt auf, dass ein Teil des Fachwerkinneren hinter einer Glaswand sichtbar ist. Geschichte erleben, anfassen und selbst ausprobieren ist das Erfolgsrezept des Flachsmuseums. Die Grundschulen der Region kommen regelmäßig mit ihren Drittklässlern. „Mit denen säen wir vor den Sommerferien Leinsamen aus“, erzählt Wimmers. „Nach den Ferien ernten wir dann gemeinsam mit ihnen den Flachs.“ Die strohigen Halme werden von den Kindern selbst zu Fäden verarbeitet. Dazu erzählt Wimmers lebendig einige Geschichten aus alten Zeiten als die Weberei noch Familiensache war. Info Flachsmuseum Wegberg-Beeck, Holtumer Straße 19a, 41844 Wegberg Telefon: 02434/927 614 E-Mail: buchung@heimatverein-beeck.de Internet: www.heimatverein-beeck.de Geöffnet: sonntags von 14 bis 17 Uhr, Eintritt frei Das praktische Ausprobieren ist auch ein Teil der Führungen für Erwachsene. „Senioren erinnern sich oft an ihre eigene Kindheit, weil viele noch einige Arbeiten kennen oder sich an die blühenden Felder erinnern“, erzählt er. Auch in der Waschküche des Museums, in der Bottiche, Zinkwannen und die ersten „Waschmaschinen“, große Fässer mit einer Kurbel, in denen die Wäsche von Hand bewegt wurde, stecken viele Erinnerungen an alte Zeiten. Das Mitmachen dient nicht nur Unterhaltungszwecken für die Besucher. „So erleben sie, wie viel Arbeit darin steckt, aus Flachs gutes Leinen zu machen“, sagt Wimmers. Auf dem Weg durch das Museum sehen sie die Spinnräder und Spindeln, an denen früher die Frauen saßen, die Webstühle, die in jedem Haus standen, und die Haspeln, an denen die Großväter früher die Garnfäden auf eine genormte Länge abmaßen. „Wenn durch genug Umdrehungen die richtige Länge erreicht war, knackte das Zählwerk der Haspe“, erzählt Wimmers. „Deshalb wurden die alten Männer an der Haspel auch als alte Knacker bezeichnet“. Gab es kein Zählwerk, musste im Kopf mitgezählt werden. Das führte schon mal zu Fehlern, wenn man durcheinander kam und sich „verhaspelte“. Mit ihrem Engagement hat der Heimatverein, der neben dem Flachsmuseum auch das Trachtenmuseum und ein Depot unterhält, das Flachsmuseum weit über die Grenzen der Region bekannt gemacht. So hat auch die Hochschule Niederrhein hat das kleine Museum im vergangenen Jahr entdeckt. Textil-Studenten kommen hierhin, um über die Geschichte zu forschen.

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