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Gerresheimer Veedelszoch

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Gerresheimer

NO-K44 EXTRA VEEDELSZOCH Gerresheimer Jecken sind startbereit RHEINISCHE POST SAMSTAG, 18. FEBRUAR 2017 D8 Bunte Kostüme, mitreißende Musik, beste Unterhaltung: Der Veedelszug in Gerresheim wird auch diesmal wieder einer der Höhepunkte des Karnevals. VON MONIKA GÖTZ Er ist einer der längsten und bestimmt der beliebteste Veedelszoch. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen der Fans, die sich am Karnevalssonntag auf den Weg nach Gerresheim machen, um das Punkt 11.11 Uhr beginnende bunte Treiben mitzuerleben. „Knapp 40 Gruppen mit rund zehn Kapellen machen unseren Zug sehenswert“, verspricht Irmgard Deutmarg im Namen des Veranstalters, des 2001 gegründeten „Fördervereins Saubande“. Zu den Musikgruppen gehört natürlich der Spielmannszug der KG Gerresheimer Bürgerwehr. Aber auch der Musikzug aus dem bayrischen Hirschau ist zum wiederholten Male dabei. Erstmalig aber spielt auch das Fanfaren- und Showorchester aus Gotha auf: „Den Kontakt hat eine Gruppe aus Knittkuhl hergestellt“, erzählt Irmgard Deutmarg. Dass die Musiker aus Thüringen und anderen deutschen Bundesländern anreisen, hat häufig auch einen ganz praktischen Grund: „Die einen oder anderen musikalischen Stimmungsmacher marschieren auch beim Rosenmontagszug in Düsseldorf mit und können sich bei uns schon mal einspielen“, sagt Irmgard Deutmarg. Gut zehn Kapellen werden beim Veedelszoch dafür sorgen, dass die Jecken im Zug ebenso wie das närrische Publikum am Straßenrand musikalisch stets bestens versorgt sind. FOTO: ANDREAS ENDERMANN Trotzdem sind die Kapellen der kostenaufwendigste Faktor: „Außer der Gage werden die Musiker auch von uns verköstigt.“ Aber die zum Schunkeln einladenden und weit zu hörenden Klänge sind unerlässlich. Sie feuern nicht nur das Publikum an, sie halten auch die Stimmung bei den Gruppen hoch. Die kommen wie immer knallig bunt in fantasievollen Kostümen ohne Motto-Vorgabe daher und sind extrem treu. Manche Gruppen sind schon zum 20. Mal dabei – darunter die Gerresheimer Jonges, Gerresheimer Mädchen, Gerresheimer Bürgerwehr, Gerresheimer Spielmannszug, Frau- en und Gerresheimer Männerchor, die Familie Krüll oder die Trapperfamilie Gottschalk, die Gruppen Gasper und Traut, die Hubbelrather und – das ist ein absolutes Muss – der Wagen des „Stammtisch Saubande“. Aber immer wieder kommen auch neue Teilnehmer dazu, wie beispielsweise die Bürgerhilfe, die „Geister vom Geisterberg“ oder die Gartenvereine Flingern und Königsbusch. Nur die Jugendlichen bis 17 Jahren dürfen kostenlos teilnehmen. Das hat die „Saubande“ auch in diesem Jahr wieder ermöglicht. „Es sind nur wenige feste Beträge aufzubringen, aber es summiert sich so einiges“, erklärt Mit- Organisatorin Irmgard Deutmarg die Finanzierung. Das Wurfmaterial – Schokolade, Bonbons, Kaugummi, Lutscher, Popcorn, Waffeln, Gummibärchen, Lakritzschnecken und vieles mehr – muss großzügig bevorratet werden: „Niemand möchte die Zuschauer am Zug-weg enttäuschen.“ Dessen Marschroute sieht aktuell wie folgt aus: Die Aufstellung aller Beteiligten erfolgt an der Quadenhofstraße. Von dort geht’s weiter über die Morper- und Heyestraße zum Kölner und Neußer Tor, zur Benderstraße, Van-Gahlen- Straße, Unter den Eichen, Schönaustraße und wieder zurück zum Kölner Tor. Am Alter Markt erfolgt die Auflösung des Veedelszochs. Das Festlegen des Zugweges und das Abgehen zum Erkennen von Behinderungen gehört ebenso zu den gewaltigen organisatorischen Aufgaben des Förderkreises Gerresheimer Veedelszoch wie die Zugaufstellung, das Drucken und Verteilen von Plakaten und das Bauen des Stammtischwagens. „Denn ohne ihn geht es nicht“, sagen Irmgard und Wilfried Deutmarg, die mit ganzem Herzen bei der Sache sind. Die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen erschweren die Vorbereitungen beträchtlich. „Im Vorfeld gab es einen regen Austausch und Diskussionen um die Durchführbarkeit des Zuges unter diesen geforderten Sicherungsmaßnahmen. Denn das Ganze ist auch ein Kostenfaktor“, ist von den Organisatoren zu hören. Zum Glück kann die „Saubande“ seit langem auf die Hilfe ansässiger Unternehmen zurückgreifen. So wird der Zugweg durch Fahrzeuge der Spedition Kleine GmbH & Co und der Firma Schierle Stahlrohre GmbH & Co. KG gesichert. Nach Vorlage des Sicherheitskonzepts hat die Genehmigungsbehörde inzwischen grünes Licht gegeben. „Auch im 42. Jahr können wir sagen: Unser Zoch zieht – mit Sicherheit“, so Irmgard Deutmarg. Hörschutz in Rot und Weiß (mgö) Die Gerresheimer sind grundsätzlich feierfreudig. Das ist einer der Gründe, warum sie sich gern in das Geschehen rund um „ihren Veedelszoch“ einbringen. Mit gutem Beispiel voran geht in diesem Jahr Nina Wippermann Hörsysteme. Obwohl die Geschäftsführerin und Hörgeräteakustikmeisterin gemeinsam mit ihrem Team in der Regel damit beschäftigt ist, zum besseren Hören zu verhelfen, sorgt sie jetzt dafür, dass die rund 16 Aktiven der Kinder- und Jugendgarde der Tanzgruppe der KG Gerresheimer Bürgerwehr weniger hören. „Es geht um Hörschutz“, erklärt Nina Wippermann die Präventionsmaßnahme. Sie weiß, dass schon bei Kindern durch Lärm bedingte Schwerhörigkeit zunimmt und da ihr die Gesundheit des Nachwuchses besonders am Herzen liegt, haben die tanzenden Brauchtumsfreunde jetzt einen Hörschutz angepasst bekommen: „Bei jedem Mädchen wurde ein Abdruck genommen und so ist das Ganze – natürlich in den Bürgerwehr-Farben Rot-Weiß – individuell angepasst.“ Nina Wippermann, die die Geräte gestiftet hat, ist Stiftsdame der Gesellschaft Bürgerwehr und schon lange dort aktiv. Dazu sagt Frank Haak, zweiter Vorsitzender der KG Gerresheimer „Auch im 42. Jahr können wir sagen: Unser Zoch zieht – mit Sicherheit.“ Irmgard Deutmarg Mitorganisatorin Rot-Weiß ist auch der Hörschutz, mit dem Nina Wippermann (Mitte) die Kinder- und Jugendgarde ausgestattet hat. FOTO: G.SALZBURG Bürgerwehr: „Dass Lärm krank machen kann, ist ja hinlänglich bekannt. Unsere Kinderund Jugendgarde begleitet nicht nur den Elferrat auf viele Veranstaltungen, sondern hat auch eine Menge eigene Termine. Dort überall sind unsere ‚Pänz‘ einem erhöhten Lärmpegel ausgesetzt. Deshalb finden wir die Aktion ‚Hörschutz für unsere Pänz‘ in den Vereinsfarben einfach großartig.“ Die Tanzkünste des Brauchtums-Nachwuchses sind beim diesjährigen Veedelszoch zu bewundern. Aber der Start der „Saubande“ als Teilnehmer an einem Zoch ist schon lange her: 1977 zog sie zum ersten Mal mit eigenem Trecker und Anhänger durch Gerresheim. Diesen Erfolg hätten sich Irmgard und Wilfried Deutmarg weder vorstellen noch erträumen können. Sie waren es, die sich lediglich regelmäßig mit Freunden treffen wollten. „Wir installierten einen Stammtisch und nannten ihn ‚Saubande‘“, erzählen sie. Später wurde daraus der „Stammtisch des Förderkreises Saubande“. Ohne diese Aktivitäten gäbe es keinen Veedelszoch. Inzwischen haben die Deutmargs die gesamte Familie mobilisiert. Schließlich sind die Eheleute längst im Rentenalter und wissen, wie viel Einsatz bei der Vorbereitung zu jedem Zoch nötig ist: „Kapellen,sie sind der teuerste Faktor, müssen organisiert, die Anmeldungen der einzelnen Gruppen notiert und geordnet und auch das Wurfmaterial beschafft werden. Für uns heißt es Aschermittwoch: ,Nach dem Veedelszoch ist vor dem Veedelszoch.“

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