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Grevenbroich - Genial

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E4 Grevenbroich – genial ! ngz DONNERSTAG, 27. APRIL 2017 Shampoos und Cremes aus Braunkohle GREVENBROICH (wilp) Braunkohle ist eigentlich zu schade, um nur verbrannt zu werden. Dieser Satz ist das Credo der Firma Humintech, die sich 2013 keine zwei Kilometer vom Kohlebunker des Tagebaus Garzweiler niedergelassen hat. Der ursprünglich in Düsseldorf beheimatete Betrieb stellt Huminsäurenund Huminstoff-basierte Produkte aus Braunkohle her, die unter anderem als Bodenverbesserer eingesetzt werden. Die Firma exportiert in 60 Länder der Erde, von Korea bis Costa Rica. Kunden aus Saudi Arabien schätzen etwa Produkte wie „Perlhumus“, „Powhumus“ und „Liqhumus“, die karge Sandböden in fruchtbares Ackerland verwandeln. Ein interessantes Feld für das größtenteils auf Export ausgerichtete Unternehmen ist die regionale Vermarktung. Die Bodenverbesserer aus Grevenbroich könnten bei der Rekultivierung ehemaliger Tagebaue eingesetzt werden – etwa auf problematischen Flächen mit erhöhtem pH-Wert. Die Braunkohle könnte damit ihr schlechtes Image als Kohlendioxid-Verursacher etwas abbauen: Weil die Bodenfruchtbarkeit erhalten bleibt, wird CO 2 durch das Wachstum der Pflanzen gebunden. Es gibt aber noch weitere Einsatzgebiete, die Humintech bis zur Marktreife erforschen will. Dazu zählt etwa der Einsatz von oxidierter Braunkohle in Tierfutter oder als Ersatz für Antibiotika. Huminsäuren aus Grevenbroich finden sich schon heute in Kosmetikprodukten wie Cremes oder Shampoos. Der 25-jährige Grevenbroicher Andreas Booke wird mit seinem Start-up-Unternehmen Erzeuger und Versorger mit Sonnenenergie. VON GUNDHILD TILLMANNS GREVENBROICH/ AACHEN Mit einer genialen Erfindung nutzt der 25- jährige Andreas Booke im Wortsinne die Sonnenseiten des Lebens aus. Er hat gemeinsam mit einem Studienkollegen der RWTH Aachen das Start-up-Unternehmen gridX gegründet und startet jetzt so richtig durch. Noch bis zum Monatsende mit Fördermitteln als Preisträger im Businessplanwettbewerb 2015 ausgestattet, stellen sich Booke und seine Mitstreiter jetzt auf eigene Füße. Denn sie beginnen nun mit der Auslieferung ihrer genialen Erfindung an Privatkunden und Großhändler, zunächst deutschlandweit: Und ab 2018 wollen die hellen Köpfe des ganz jungen Firmenteams auch den europäischen Markt mit ihrer kleinen, aber umso genialeren, aluschwarzfarbenen Box „entern“. Das kleine „Ding“, das Booke und sein Geschäftspartner David Balensiefen mittlerweile mit zwölf Vollzeitmitarbeitern im Alter zwischen 22 und 34 Jahren in Aachen und einer Niederlassung in München vertreiben, soll tatsächlich die konventionelle Energieerzeugung und damit vor allem Atomkraftwerke durch eine Vernetzung möglichst Bund fördert geniale Idee Mit dieser spektakulären Firmenwerbung auf dem Atommeiler in Tihange (Belgien) hat Andreas Booke mit seinem Team für Furore gesorgt. aller privaten und öffentlichen Solaranlagen in der Bundesrepublik und europaweit ersetzen können. Die Vision des Grevenbroichers ist es, möglichst alle 1,5 Millionen Solaranlagen, die es in Deutschland geben soll, miteinander zu vernetzen. Und das soll die Box leisten, die Booke erfunden hat. Zwei Dinge kann die Box, die sich einfach mit einem Kabel an den heimischen Internet-Rooter anschließen lässt: Sie „Mitte 2018 wollen wir den Durchbruch erreichen“ Andreas Booke Jungunternehmer vernetzt Batteriespeicher und Solaranlagen miteinander und bildet eine Speicher- und Versorgergemeinschaft zunächst deutschlandweit. Die Datenzentrale in Aachen zeichnet den Solarstromeingang ebenso auf, wie den Verbrauch. Die Box gibt aber auch Auskunft über den Verbrauch der haushaltstypischen Stromfresser, wie Spülmaschine oder Wäschetrockner, erläutert Booke, der bis zum Jahresende seinen Personalstamm auf 18 Mitarbeiter erhöhen will. Starthilfe gibt dem jungen Unternehmen derzeit noch ein mittelständischer Betrieb aus der Region. „Wir wollen aber Mitte 2018 den Break Even erreicht haben“, prognostiziert Booke, der die Chancen von gridX und generell von Sonnenergie vor allem auch in Regionen sieht, die vor dem Strukturwandel stehen, so wie seine Heimat Grevenbroich. Er verfolge mit großer Spannung, wie sich der geplante Ausstieg aus dem Kohletagebau vollziehe, sagt der 25-Jährige. Denn sein Start-up- Unternehmen will zeitig „den Fuß in die Türe bekommen“, für die Zeit FOTOS (2): GRIDX nach der Kohle. Deshalb strebt gridX nun auch die Zertifizierung als ökologischer Energieversorger an. „Wir machen der NEW bald Konkurrenz“, sagt Booke mit einem Augenzwinkern. Die Konkurrenz auf dem Markt sei zwar groß: „Wir haben aber den Vorteil, dass wir den Ökostrom, nicht nur liefern, sondern ihn auch erzeugen“, betont Booke. Ab 1. August soll es dann so weit sein, dass gridX auch als Energieversorger an den Start gehen kann. Bis dahin sollen möglichst viele der bereits in Deutschland existierenden Solaranlagen über die kleinen Boxen mit dem Datenzentrum in Aachen vernetzt sein.

ngz DONNERSTAG, 27. APRIL 2017 Grevenbroich – genial ! E5 Hightech-Laser aus Kapellen für die ganze Welt Die Firma Sirah entwickelt Spezial-Farbstofflaser für die Forschung. Die Experten erklären, warum es keine Laserschwerter geben kann. VON CHRISTIAN KANDZORRA KAPELLEN Christa Gerigk-Jauernik schaut gerne Star Wars. Die Filme begeistern sie so wie viele Millionen Menschen auf der ganzen Welt auch – und bei den Kampfszenen, bei denen die Filmfiguren zu bedrohlich wirkenden Laserschwertern greifen, fiebert sie ebenfalls mit. „Das mit den Laserschwertern kann in der Realität aber nicht funktionieren“, sagt die Buchhaltungsleiterin, die im Unternehmen Sirah Lasertechnik ihres Mannes Paulus Jauernik arbeitet. Warum es keine Laserschwerter geben kann? „Ganz einfach: Das Licht der Schwerter im Film ist vergleichbar mit dem Licht, das aus einem Laserpointer kommt. Es handelt sich um gebündeltes, paralleles und energiereiches Licht, das keine definierte Länge hat. Es müsste also theoretisch unendlich weit leuchten“, erklärt sie. Die Strahlen der Schwerter könnten also nicht einfach so aufhören, sie müssten theoretisch umgekehrt werden. „Außerdem ist Licht durchgängig. Die Schwerter könnten also im echten Leben gar nicht wie im Film aufeinanderprallen.“ Die Sache mit den Laserschwertern ist leicht erklärt – im Unternehmensalltag wird’s allerdings deutlich komplizierter. „Wir entwickeln, bauen und verkaufen durchstimmbare Farbstofflaser“, sagt Christa Gerigk-Jauernik. Diese Laser wür- Der gute Qui-Gon Jinn kämpft mit dem Laserschwert gegen den bösen Darth Maul. Was in Star Wars spektakulär aussieht, ist technisch nicht möglich. FOTO: DPA den auch als „Titan-Saphir-Laser“ bezeichnet und könnten Licht in verschiedenen Farben herstellen. „Das Besondere an diesen Lasern ist, dass sie extrem reine Farben herstellen können“, erklärt Gerigk-Jauernik, was hinter den komplizierten Namen steckt. Die Technik kommt unter anderem in der Automobilindustrie und in der Raumfahrt zum Einsatz; vor allem aber greifen große Forschungsinstitute auf der ganzen Welt auf die Lasertechnik „made in Grevenbroich“ zurück. Im weitesten Sinne könne man die Hightech-Produkte auch als Messinstrumente bezeichnen, sagt Christa Gerigk- Jauernik. Beispiel Autoindustrie: Dort sollen die Sirah-Laser etwa bei der Messung von Abgaswerten eingesetzt werden können. Die Buchhaltungsleiterin schildert vereinfacht: „Beim Verbrennungsprozess im Motor reagieren die Moleküle auf bestimmte Farben. Mit unserer Technik lässt sich die Mischung der Moleküle berührungslos feststellen.“ So seien die Laser etwa in der Lage, den tatsächlichen Schadstoffausstoß bei Pkw festzustellen. Die Laser werden im Kapellener Gewerbegebiet nach einem Baukastenprinzip zusammengeschraubt und in zehn Labors genau auf die Anforderungen der Kunden angepasst. In den Geräten, die alle groß und schwer sind, kommt jede Menge Hightech zum Einsatz. „Wir fertigen hier in Kapellen etwa 100 Laser Tüfteln an Hightech-Lasern (v.l.): Clemens Wünsche, Paulus Jauernik, Christa Gerigk-Jauernik und Adrian Wloka von der Firma Sirah Lasertechnik. FOTO: A. TINTER pro Jahr“, sagt Firmenchef Paulus Jauernik. Die „mittlere Ausstattungsvariante“ koste so viel wie ein größerer Mercedes. Der Physiker schätzt, dass nur etwa 15 Prozent der Sirah-Laser an deutsche Kunden gehen. „Unsere Laser stehen in vielen verschiedenen Ländern. Die Länder, in denen unsere Laser noch nicht vertreten sind, befinden sich meist in der Entwicklung.“ Das Herzstück der Laser – die Optik mit verschiedenen Linsen – wird in den Labors eingebaut. Rund 30 Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Ablauf in dem Unternehmen, das Paulus Jauernik vor 19 Jahren gegründet hat. Inzwischen hat die Firma auch eine Dependance in Polen. Was den Standort Grevenbroich für Sirah Lasertechnik so attraktiv macht? „Vor allem die Verkehrsanbindungen. Wir bekommen häufig Besuch von Kunden und Studenten, die mit der Bahn anreisen. Außerdem gibt es im neuen Gewerbegebiet viele Möglichkeiten, noch größer zu werden“, sagt Christa Gerigk-Jauernik. 2012 war die Firma von Kaarst nach Kapellen gezogen und hat sich deutlich vergrößert. Ein eigens angelegtes Teilelager bietet nun genug Platz für die Unterbringung tausender Komponenten, die in den Lasern verbaut werden. Dazu zählen auch im Vorfeld gefertigte Feintechnologien, die als Bausatz nach Grevenbroich geliefert und in den komplexen Geräten endmontiert werden.

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