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Die „Grillflämmkes“

Die „Grillflämmkes“ aus Korschenbroich, amtierender Deutscher Grill- Amateurmeister. Foto: Grillflämmkes Die Grillmeister vom Niederrhein gehen als Team bis an die Grenzen Sie grillen leidenschaftlich und „trainieren“ wöchentlich: „Grillflämmkes“ nennen sich sechs Amateurgriller aus Korschenbroich, die in ihrer Klasse amtierende Deutsche Meister sind. Ihr Wissen geben sie gerne an Einsteiger weiter. Anfangs wurden sie in ihrem Freundeskreis eher belächelt. Doch inzwischen schätzen viele ihre Tipps rund ums Grillen: Die „Grillflämmkes“, wie sie sich nennen, haben sich etabliert und mit ihrer erfolgreichen Teilnahme an einigen Meisterschaften längst unter Beweis gestellt, dass sie es draufhaben, wenn’s ums Grillen geht. „Tatsächlich ist keiner von uns gelernter Koch“, erzählt Martin Theißen (28). Er ist einer der sechs Hobbygriller, die sich vor drei Jahren in Korschenbroich im Rhein- Kreis Neuss zu einem Team zusammengeschlossen haben und seitdem mindestens einmal wöchentlich „trainieren“, wie sie sagen. Denn: Das Grillen auf den Meisterschaften ist harte Arbeit. Schließlich muss sich das Team gegen andere behaupten und unter Zeitdruck bestimmte Gerichte mit teils vorgegebenen Zutaten zaubern, die am Ende verschiedene Geschmäcker überzeugen sollen. Die sechs Korschenbroicher feilen in ihrer Freizeit an den Grillgerichten – das ganze Jahr über, auch bei Schnee und Eis im Winter. Bei den sechs Amateuren Luca Altmann, Marcel Schwatze, Christian Müller, Martin Theißen, Yannick Weber und Patrik Föhles – alle haben Berufe, bei denen sie überwiegend im Büro sitzen – weckt das gemeinsame Grillen im Garten pure Freude. Sie investieren viel Leidenschaft, Zeit und Geld in ihr Hobby, für das sie auch mal an ihre Grenzen gehen: Zum Beispiel bei der Deutschen Grillmeisterschaft. Erst im vergangenen Jahr haben es die sechs Männer bei dem Wettkampf ganz nach oben geschafft und in der Amateurklasse den ersten Platz belegt. Auf das Ergebnis sind sie mächtig stolz. Auch wenn sie im August wieder an der gleichen Meisterschaft im hessischen Fulda teilnehmen und im Vorfeld alle Gerichte sechs bis sieben Mal in verschiedenen Varianten zum Geschmackstest grillen werden: Unter Druck setzen lassen sie sich nicht. „Für uns zählt der Zusammenhalt. Das ist auch das, was das Grillen bei uns ausmacht“, erzählt Christian Müller (29). Dabei müssen die Grillfreunde immer wieder mit Klischees aufräumen. Dass sie sich etwa immer wieder treffen, um stumpf ein paar Stücke Fleisch auf den Rost zu legen und dabei ein Bier zu trinken, stimmt so nicht. Die Gruppe zeigt sich überraschend vielfältig: So kreieren die Mitglieder immer wieder neue Beilagen, die sich gut grillen lassen. Außerdem schrecken sie nicht vor gegrillten Desserts zurück, die genau wie die Beilagen nicht aus Fleisch bestehen müssen. Ein Beispiel: Schokoladentörtchen mit flüssigem Kern – getreu dem Motto des Teams „Was man backen kann, kann man noch besser grillen“. Die sechs Korschenbroicher haben schon so ziemlich alles gegrillt, was sich in ihren Augen grillen lässt. Dazu zählen Dinge wie Weihnachtsroastbeef, eine südamerikanische Variante eines Tafelspitz-Ge- 30

ichts mit Fettdeckel, Rouladen sowie diverse Kartoffelvariationen und Gemüse. Und dann sind es natürlich auch die amerikanischen Klassiker, die sie zubereiten: Pulled Pork, Beef Brisket (Rinderbrust) oder Rippchen. „Wer so etwas grillen möchte, braucht nicht unbedingt einen Smoker oder einen teuren Markengrill. Im Prinzip reicht ein Kugelgrill, in dem die Hitze gut gespeichert wird“, sagt Martin Theißen, der genau wie seine Kollegen die Ansicht vertritt „Teuer muss nicht gleich gut sein“. Die „Grillflämmkes“ Christian Müller (l.) und Martin Theißen legen „Moink Balls“ auf den Grill. Die „Grillflämmkes“, die auch bei Facebook und Instagram aktiv sind, haben noch mehr Tipps für Einsteiger parat: So empfehlen sie Briketts statt Grillkohle, weil Briketts länger glühen. Um etwas zu räuchern, greifen auch die Profis des Öfteren auf Räucherholz zurück, das sich ohne Probleme in die Glut streichen lässt und dafür sorgt, dass das Fleisch eine angenehme, rauchige Note bekommt. „Ein Muss für jeden Anfänger ist jedoch auf jeden Fall ein Stichthermometer, um die Kerntemperaturen des Grillguts zu messen. Im Internet kursieren zahlreiche Tabellen, mit deren Hilfe jeder einfach ablesen kann, welche Temperatur für welches Fleisch die beste ist. Damit gelingt jedes Steak“, betont Christian Müller. Oft sei beim Grillen aber auch Geduld gefragt – insbesondere dann, wenn ein Stück Fleisch schonend gegart werden soll. Die Grillfreunde unterscheiden da zweierlei Grillmethoden: Das Grillen direkt über der Glut, der direkten Grillzone, und das Grillen in der indirekten Zone, also dem Bereich im Grill, unter dem sich nicht die komplette Glut befindet. Vieles grillen die Männer im indirekten Bereich. Die Wirkung: Das Fleisch wird gleichmäßig gegart, bleibt zart, kann nicht so leicht verbrennen und der gesamte Grillvorgang lässt sich deutlich besser beherrschen, weil das Wenden praktisch überflüssig wird – vorausgesetzt ein Kugelgrill ist im Spiel. „Mit den offenen Standard-Dreibein-Grills aus dem Baumarkt funktioniert Foto: Christian Kandzorra so etwas nicht“, erklärt Martin Theißen. Diese seien ungeeignet, weil dort die Hitze ausschließlich extrem von unten auf das Grillgut treffe. Ein weiterer Tipp der amtierenden Deutschen Grillmeister: Fleisch vom Metzger kaufen und Marinaden selbst machen. „Dadurch kann das Fleisch ebenfalls deutlich an Geschmack gewinnen“, sagen die Korschenbroicher unisono. Viele scheuen die Zubereitung von Marinaden fürs Fleisch, dabei gibt es recht einfache Rezepte, die im Grunde genommen aus mehreren pulvrigen Zutaten wie Paprikapulver bestehen und etwa mit Öl rasch zu Marinaden verrührt werden können. Die „Grillflämmkes“ setzen seit ihrer Gründung auf selbst gemachte Marinaden für ihr Grillfleisch. „Je nach Fleischsorte verfeinern wir die Mischungen, zum Beispiel nach griechischer Art“, erzählt Martin Theißen. Den Geschmäckern sind dabei keine Grenzen gesetzt – es gibt hunderte verschiedene Gewürze, die sich theoretisch zu Marinaden vermischen lassen, „von asiatisch bis amerikanisch.“ CHRISTIAN KANDZORRA 31

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