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Handwerk & Wohnen -18.10.2017-

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12 HANDWERK & WOHNEN

12 HANDWERK & WOHNEN Holzböden schmeicheln auch den Ohren Parkett ist ideal für Räume, in denen musiziert wird. Es ist ein gewohnter Anblick: Im Theater, in der Oper, in der Schulaula oder auch im Uni-Hörsaal sind fast immer Holzböden verlegt. Abgesehen von der Optik liegt dies im optimalen Raumklang begründet. „Dank der Fähigkeit, Schallwellen zu absorbieren, vermag Holz den Nachhall deutlich zu reduzieren. So klingt zum Beispiel die Musik in der Kölner Philharmonie viel transparenter, als dies bei einem Bodenbelag aus anderen Materialien der Fall wäre“, erklärt der Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Parkettindustrie, Michael Schmid. Auch Privatpersonen können von diesem Umstand in ihren eigenen vier Wänden profitieren, indem sie ihre Stereo-Anlage oder das Home-Entertainment-System in einem Raum mit Parkett- Fußboden installieren. Die dort erzeugten Schallwellen werden so auf natürlichem Wege zum lebendigen Klangerlebnis. Auf die einzigartigen Klangeigenschaften des Naturmaterials setzen seit Jahrhunderten auch die Hersteller von hölzernen Musikinstrumenten – mit Ausnahme von einigen Blasinstrumenten und Orgeln. „Diese Hersteller- Holzböden fördern die Raumakustik maßgeblich. Foto: vdp/Haro wissen, dass Musiker größten Wert auf die Reinheit der Klänge legen. Die erzeugten Töne sollen nicht nachhallen und möglichst unverzerrt den Zuhörer erreichen“, erläutert Schmid. Viel Erfahrung im Umgang mit der Kombination von Parkett und Musik hat der Schweizer Innenarchitekt Andrea Renzo Lardelli im Lauf seines Berufslebens gemacht. „Dank der Fähigkeit, Schallwellen zu absorbieren, vermag Holz den Nachhall deutlich zu reduzieren“ Michael Schmid Für ihn steht fest: „Holzböden sind einfach ideal für die Wiedergabe klassischer Musik geeignet. Die Klänge werden optimal im Raum verteilt – und das mit einem ganz kurzen Nachhall.“ Der Innenarchitekt gibt zu bedenken, dass mitschwingende Materialien oder Konstruktionen im Umfeld der Musikerzeugung auf jeden Fall vermieden werden sollten, da diese den Klang verfälschen. Cellisten oder Bassisten hingegen setzen auf der Bühne gerade auf das Mitschwingen des Holzbodens, da sie so auf noch direkterem Weg mit ihrer Musik in Verbindung treten können. vdp

HANDWERK & WOHNEN 13 So hilft die Polizei beim Einbruchschutz Sie kommen in das behütete Zuhause. Nehmen den Schmuck mit. Wühlen in allen Schränken. Einrecher stehlen nicht nur, sie verletzen auch die Privatsphäre. Doch wie schützt man sich? Die Poizei bietet persönliche Beratungen an. Ein Hausbesuch. VON SIMONE ANDREA MAYER Ralph Müller rüttelt kräftig mit beiden Händen an der schweren, verglasten Haustür. Sie bleibt zu. Kritisch inspiziert der Polizeihauptkommissar das Türschloss. Für den Experten ein erster Schwachpunkt. Denn Einbrecher ziehen die Haustür dem Fenster als Einstiegsmöglichkeit in ein Haus oft vor. Der Grund ist simpel: Die meisten Menschen lassen ihre Haustür beim Verlassen nur ins Schloss fallen. Solche Nachlässigkeiten erleichtern Einbrechern den Job ungemein. Dabei sind Diebe nicht unbedingt auf der Jagd nach dem großen Schatz, weiß Müller aus Erfahrung. „Einbrecher suchen sich Haushalte aus, in die sie schnell und einfach reinkommen.“ Der Kriminalhauptkommissar ist seit Jahren Berater für Einbruchschutz. Rund 200 Haushalte besucht Müller im Jahr – ein Service, den die Polizeibehörden kostenfrei im ganzen Bundesgebiet anbieten. Zu seinen Besuchen kommt Müller unauffällig – ohne Polizeiauto und ohne Uniform. Jeder Besuch folgt dem gleichen Muster: Der Kriminalkommissar geht das gesamte Haus und den Garten ab und legt danach schonungslos seinen Finger in jede Wunde. Das Haus, das der Polizist heute besucht, liegt nahe einer Autobahn – das heißt, es hat eine gute Anbindung, was Einbrecher Studien zufolge schätzen. Schnell hin, noch schneller wieder weg. Die Doppelhaushälfte stammt von 1985. Gut gepflegt von den Besitzern. Müller fällt sofort die Terrassentür ins Auge – seinen Worten nach ein „super Oldtimer“. Das Hartholz sei nicht kaputt zu bekommen, die Tür schließt noch immer einwandfrei. „Doch wie auch bei einem Auto aus den 80ern ist heute nicht mehr alles auf dem Stand der aktuellen Sicherheitstechnik“, urteilt der Fachmann. Als „super Oldtimer“ bezeichnet Hauptkommissar Ralph Müller (r.) die Fenstertür aus dem Jahr 1985. Doch sie ist nicht mehr auf dem Stand der Sicherheitstechnik. Foto: Maurer Für die Tür heißt das: „99,5 Prozent der Einbrecher wissen, dass es hier eine Rollenverzapfung und keine Pilzkopfverzapfung gibt“, erklärt Müller detailreich. Immerhin: Die Besitzer haben bereits ein sogenanntes Doppelflügelschloss auf den Rahmen gesetzt. „Das hält eine Tonne Last aus – gut“, so das Fazit des Experten. Doch der Kriminalhauptkommissar ist nicht nur für den Gebäudeschutz hier. Er will auch deutlich machen, warum die Maßnahmen sinnvoll sind. Fragen wie „Was sollen die denn bei mir holen?“ hört er immer wieder. Und ältere Beratungskunden sagen gerne: „Was wollen Diebe denn bei einer alten Frau wie mir?“ Aber gestohlen wird überall – laut Studien vornehmlich Schmuck und Bargeld. Gespräche zu Fragen wie diesen folgt in der Regel ein „Gärungsprozess“, wie Müller es nennt. Anfangs hinterfragen seine Kunden seine Hinweise. Und dann hinterfragen sie, warum sie überhaupt Hunderte von Euro investieren sollten, wenn nur ein bisschen Bargeld geklaut werde. Zum einen, weil die Schaden an der aufgebrochenen Tür und an dem ausgehebel- ten Fenster ins Geld gehen. Laut einer Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beträgt der Schaden im Durchschnitt 3250 Euro pro Fall. Zum anderen hat jeder Einbruch eine psychologische Ebene: Einbrecher verletzen die Intimsphäre. Das Gefühl, ein behütetes Zuhause zu haben, kann verloren gehen. „Fühlte man sich vor dem Einbruch in den eigenen vier Wänden noch sicher, ist dies nach dem Einbruch oft nicht mehr der Fall“, sagt Carola Wacker-Meister vom Opferschutzverband Weisser Ring. „15 bis 20 Prozent aller Einbruchsopfer müssen mit langfristigen psychosomatischen Belastungen kämpfen.“ Müller spricht daher oft vom „Sicherheitsgefühl“ in seiner Beratung. Dieses Gefühl kann jeder selber stärken – durch Maßnahmen am eigenen Haus. So wie die Besitzer dieses Hauses. Schon vor Müllers Besuch tauschte das Ehepaar einen kaputten Türgriff im Kellereingang bewusst gegen einen sichereren Beschlag mit Zieh- und Bohrschutz aus. Das Türblatt ist aus Stahl und entsprechend schwer zu halten, nicht zu durchbrechen. Doch was auf den ersten Blick stabil und sicher erscheint, fällt bei Müller durch. Er rüttelt fest an der Tür und sagt: „Das hält nur an den zwei kleinen Klötzchen.“ Denn das Schloss der Brandschutztür ist eine sogenannte Vampirschließung. Hier wird die Falle, die bei geschlossener Tür ins Gegenstück ragt, nur von zwei Sicherheitszapfen umfasst. Müllers Rat: „Ein John-Wayne-Riegel wie in den alten Western“, der innen quer über das ganze Türblatt gelegt werden kann. Die Tür lässt sich dann von außen nicht mehr öffnen. „Klar, wenn Sie mit Bierkästen vom Einkaufen kommen, müssen sie die halt erst abstellen, über die Haustür reingehen und die Tür von innen öffnen“, erläutert Müller den Hausbesitzern. „Aber das wäre mir die Sicherheit wert.“

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