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Handwerk und Wohnen -ET 16.08.2017 VIE-

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Handwerk und Wohnen -ET 16.08.2017

RHEINISCHE POST MITTWOCH, 16. AUGUST 2017 Grenzland-Kurier C5 VIE-L5 Handgemachtes hält deutlich länger Wenn der Spinn- und Handarbeitstreff in der Küche der Grefrather Dorenburg zusammenkommt, klappern die Nadeln VON BIANCA TREFFER KREIS VIERSEN Lautlos geht die am Tisch festgeschraubte Schirmhaspel auf. Mit einem einzigen Handgriff stülpt Brigitte Caspers den Garnstrang um die Arme der Haspel, nimmt den Garnanfang und beginnt, ein Knäuel aufzuwickeln. „Früher brauchte man jemanden zum Wolle halten, das übernimmt jetzt die Haspel“, erläutert sie. Wie es anders geht, ist bei Iris Gillessen- Brandt zu sehen. Sie wickelt auch, allerdings hilft ihr in diesem Fall Carsten Giesen. Zwischen seinen ausgestreckten Handgelenken spannt sich der Garnstrang. Während der immer mehr abnimmt, wächst das Knäuel in den Händen von Gillessen-Brandt. Ein Stückchen weiter surrt das Spinnrad. Gleichmäßig treibt der Fuß von Silke Heks die Mechanik an. Aus Wollfasern entsteht ein Faden, der sich um die Spindel wickelt. Auf dem Tisch, zwischen einem Teller voller Plätzchen, Teeund Kaffeekannen sowie Bechern An jedem zweiten Sonntag im Monat ist in der Küche des Freilichtmuseums Handarbeit angesagt. Wer möchte, kann mitmachen. RP-FOTO: WOLFGANG KAISER und Körben mit Wolle als auch Vlies, hat indes Sonja Utzenrath ihre Arbeitsutensilien ausgebreitet, die sich in diesem Fall deutlich von der Wolle abheben. Es handelt sich um Lederstücke. Aus einem Leinentuch rollt sie außerdem eine Ahle, ein Ledermesser und zwei Zangen aus, ihr Werkzeug. „Das werden wendegenähte Lederschuhe aus dem 13. Jahrhundert“, sagt sie. In der Küche der Dorenburg ist das Handwerk eingezogen. Inmitten der Schränke mit dem alten Porzellan, dem mächtigen Kamin mit seinem Feuerhaken und dem alten Holztisch wird gestrickt, genäht, gewebt, gehäkelt, gesponnen, sogar die alte Technik des Nadelbindens ist zu sehen. „Uns fehlt bloß das Sticken. Bislang hatten wir noch niemanden, der diese Technik mitgebracht hat“, bemerkt Heks lächelnd. An jedem zweiten Sonntag im Monat ist die Küche der Treffpunkt für den Spinn- und Handarbeitstreff. Rund um den Holztisch finden sich Frauen und Männer ein, die alle dem Hobby Spinnen und Handarbeiten nachgehen. Ein jeder bringt seine Utensilien mit und arbeitet an seinem Objekt. Der Treff existiert seit Januar dieses Jahres. Die Idee dazu kam von Caspers, die regelmäßig bei Veranstaltungen im Haus Rasseln mit ihrem Spinnrad anzutreffen ist. „Ich kenne einen solchen Handarbeitstreff aus Brüggen und habe mir gedacht, warum siedeln wir so etwas nicht im Freilichtmuseum an“, berichtet Caspers. Mit ihrer Idee rannte sie im Museum offene Türen ein. INFO An jedem zweiten Sonntag im Monat Der Spinn- und Handarbeitstreff findet an jedem zweiten Sonntag im Monat in der Küche der Dorenburg im Niederrheinischen Freilichtmuseum statt. Von 11 bis 16 Uhr kann jeder Interessierte mit seiner Handarbeit dazu kommen. Es ist nur der normale Museumseintritt zu zahlen. Schnell war klar, dass die geschichtsträchtige Küche der Dorenburg der richtige Ort für die Zusammenkünfte ist. „Es ist einfach schön, hier zusammen zu sitzen, zu erzählen und sich auszutauschen“, sagt Birgit Höffmann, die sich nicht nur der Bändchen-Weberei verschrieben hat, sondern auch die Technik des Nadelbindens beherrscht. Das ist etwas, das die Besucher, die immer wieder neugierig hereinschauen, staunen lässt. Die Stricktätigkeit, bei der mit über dem Daumen liegenden Schlaufen und in diesem Fall einer Knochennadel gearbeitet wird, fasziniert. Neugierige Blicke fallen auch auf die Wickelmaschine, die Silvia Schnell gerade an den Tisch neben ihrem Spinnrad geschraubt hat. Kurbeln und das Knäuel entsteht, direkt von der Spindel abgerollt. Giesen hat derweil zur Nähnadel gegriffen. Unter seinen Händen entsteht ein Kopfputz des 13. Jahrhunderts, bestehend aus Rise, Kopfband und Schleiertuch. „Es ist so, dass Handgenähtes länger hält, als wenn es maschinell hergestellt wird“, berichtet Utzenrath und erklärt den Besuchern direkt, warum das so ist. Bei Gillessen-Brandt kommt indes der Webkamm zum Einsatz. „Mit dieser Art des Webens kommt fast ein jeder täglich in Berührung“, sagt sie. Fragende Blicke sind zu sehen. Dann löst Gillessen- Brandt das Rätsel. Autogurte werden nach dem gleichen Prinzip gewebt, das seit über 2000 Jahren existent ist. Handwerk & Wohnen BEDARFSAUSWEIS VERSUS VERBRAUCHSAUSWEIS Energieausweise sorgen für Transparenz Den fünfseitigen Energieausweis gibt es in zwei unterschiedlichen Arten. INFO Gesetzliche Pflicht Gültigkeit Energieausweise, die nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2007 oder 2009 erstellt wurden, sind im Regelfall zehn Jahre gültig und sollten danach aktualisiert werden. Dies ist wichtig, denn wer seiner gesetzlichen Pflicht nicht nachkommt, dem kann ein Bußgeld von bis zu 15.000 Euro drohen. Um Abmahnungen zu vermeiden, sollten sich Hauseigentümer daher um einen gültigen Energieausweis kümmern. Mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Energieausweis lässt sich die Energieeffizienz von Immobilien besser vergleichen. FOTO: TECHEM ENERGY SERVICES (djd) Er soll über die Energieeffizienz von Gebäuden Auskunft geben und ist seit 2007 gesetzliche Pflicht für die Neuvermietung und den Verkauf von Gebäuden: der Energieausweis. Die wichtigsten Kenndaten dieses Dokuments müssen bereits in der Immobilienanzeige genannt werden. Außerdem muss er bei einer Besichtigung vom Eigentümer vorgelegt und bei Abschluss eines Miet- oder Kaufvertrags im Original oder in Kopie übergeben werden. Den fünfseitigen Energieausweis gibt es in zwei unterschiedlichen Arten: Als bedarfsorientierte Variante enthält er Daten über den Ener- giebedarf eines Gebäudes. Dabei spielen Gebäudeeigenschaften wie die Geometrie, Charakteristika der Heizungsanlage oder wärmetechnische Details der Gebäudehülle unter Annahme von standardisierten Rahmenbedingungen (Klimadaten, Nutzerverhalten, Raumtemperatur) eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu diesem Bedarfsausweis basiert der Verbrauchsausweis auf dem klimabereinigten Energieverbrauch der Hausbewohner für die Warmwasser- und Wärmeerzeugung durch Erdgas, Heizöl, Fernwärme, Strom oder andere verwendete Energieträger in den zurückliegenden drei Jahren. Als Grundlage dienen die entsprechenden Heizkostenabrechnungen. Aus dem verbrauchsorientierten Ausweis lässt sich daher der klimabereinigte Energieverbrauch eines Gebäudes von mindestens drei zurückliegenden Jahren erkennen, während der bedarfsorientierte Energieausweis die Immobilie nach der energetischen Qualität der Gebäudehülle und der Anlagentechnik beurteilt. Gemäß der Energieeinsparverordnung (EnEV) sind die Anzahl der Wohnungen, das Baualter und der Sanierungszustand eines Gebäudes dafür entscheidend, ob ein Verbrauchsausweis ausreicht oder doch ein Bedarfsausweis erstellt werden muss. Für Neubauten ist ein Bedarfsausweis nötig. Dies gilt auch für Bestandsgebäude, die weniger als fünf Wohnungen haben, deren Bauantrag vor dem Stichtag 1. November 1977 gestellt wurde und die seitdem nicht umfassend energetisch saniert worden sind. Die Kosten für diesen Bedarfsausweis sind in der Regel deutlich höher als für den Verbrauchsausweis, der in allen anderen Fällen möglich ist. Energieausweise haben eine Gültigkeit von zehn Jahren. Es lohnt sich jedoch, den Ausweis schon vor Ende der Laufzeit erneuern zu lassen, denn neue Gesetzesvorhaben wie das Gebäudeenergiegesetz (GEG) könnten in Zukunft die Auflagen für die Ausstellung des Dokuments nochmals deutlich erhöhen. Vor-Ort-Begehungen oder Beurteilungen mit Hilfe detaillierter Gebäudefotos könnten zur Pflicht werden. Im Vorteil bei Kosten und Aufwand sind daher Immobilieneigentümer, die rechtzeitig handeln.

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