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Handwerk und Wohnen - Geldern 20.09.2017

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HANDWERK & WOHNEN 23

HANDWERK & WOHNEN 23 Kuscheliges für daheim Es sind die kleinen Dinge, die im Herbst und zum Winterbeginn im Haus für mehr Gemütlichkeit sorgen: mehr Kissen fürs Sofa, Kerzen statt Elektrolicht, ein paar Dekorationen. Zu einer gefühlten Wärme und Gemütlichkeit verhelfen warme Farben – und natürlich Kerzenschein. Foto: Ikea VON SIMONE ANDREA MAYER Schon seit einigen Jahren geistern ein paar neumodische Begriffe durch die Einrichtungsbranche: Cocooning und Homing. Cocooing steht für den Wunsch, sich zu Hause zurückzuziehen und sich einzumummeln. Oder wie es Einrichtungsexpertin Katharina Semling erklärt: Wie die Raupe des Seidenspinners einen Kokon um sich weben, damit die Außenwelt draußen bleibt.“ Dieser Kokon bestehe beim Menschen eben nicht aus Seidenfäden. „Sondern aus einer Tür, die man zu- macht, einem Sofa, in das man sich kuschelt, einer Tasse Tee, Ruhe und Zeit für die Dinge, die einem Kraft und Ausgeglichenheit geben.“ Und Homing ist das Gemütlich-Machen dieses Rückzugsortes. Das Haus und die Wohnung werden quasi zum Wellness-Ort und Naherholungsgebiet. Die Frage ist nur: Wie setzt man das um? Es bedeutet kaum Aufwand. Denn im Grunde wird Cocooning praktiziert mit den einfachsten Dingen, die man entweder sowieso im Wohnraum hat oder in den Herbsttagen und zum Winterbeginn hervorkramt: „Viele Kissen, ein großes gemütliches Sofa, Kuscheldecken, Wärmflasche, schöne Musik, Kerzenlicht, Fotoalben, Bücher, Comic-Hefte, Tee, sanfte, eher dunkle Farben“, zählt Semling auf. Und was ist mit denen, die kein Kuschelsofa haben? Keine Sorge: Sie können ihre Möbel immerhin gemütlicher machen: „Kuschelige Kissen und Mümmeldecke auf das Sofa – in Felloptik, aus Filz oder grob gestrickt“, sagt Einrichtungsexpertin Gabriela Kaiser. Sie rät, bei solchen Wohnaccessoires zu warmen Farben zu greifen – also typischen Herbstfarben wie Braun, Terrakotta, dunklem Rot und Honiggelb. „Auch das erhöht den Kuschelfaktor.“ Semling empfiehlt ebenfalls „Erdfarben“, sie beruhigten und entspannten. „In der kalten Jahreszeit sind es Farben der Erde wie Braun, Grau, Schwarz und Farben des Feuers wie Kaminrot, Burgund und Weinrot, die man als passend empfindet.“ Und so mancher Tipp liegt quasi auf der Hand: „Kerzen beim Abendessen auf dem Esstisch brennen lassen statt einer Leuchte“, sagt Kaiser. Geismann schließt sich dem an: „Man sollte gerade zur Winterzeit auf viele Lichtquel- len achten. Eine einzige Lampe unter der Decke bringt keine angenehme Atmosphäre.“ Ihr Rat: „Wand-, Steh- und Tischleuchten, möglichst mit LED-Technik, dazu ein paar Kerzen – und schon ist eine angenehme Atmosphäre im Zimmer.“ Semling empfiehlt noch, Vasen voller Zweige mit roten Beeren als Dekoration im Wohnraum aufzustellen. Allerdings sollte man es wie mit den Farben auch mit der saisontypischen Dekoration nicht übertreiben: „Eigentlich will man ja in den eigenen vier Wänden gar nicht an den Herbst und Winter erinnert werden“, findet Geismann.

24 HANDWERK & WOHNEN Vom Flaschenkorken bis zum Hocker: Möbel aus Kork Kork ist seit einiger Zeit als aterial für Wohnprodukte sehr gefragt. Jasper Morrison hat für das Möbelunternehmen Vitra die Hockerserie namens Cork Family entworfen. – Das Möbelunternehmen New Works hat Pendelleuchten aus Materialien wie Marmor, Stahl, Kork und Holz herausgebracht. Fotos: Florian Böhm/ Monique Consentino VON PETER STEINHAUER Kork kennt man als Verschluss für Weinflaschen, ebenso als Fußbodenbelag oder Dämmstoff. Seit einigen Jahren erfreut sich das Material auch bei Wohnprodukten wieder großer Beliebtheit. Sogar der Möbelgigant Ikea bedient den Trend gleich mit einer kompletten Kollektion von Produkten aus Kork. Für deren Design hat das schwedische Unternehmen mit Ilse Crawford eine der derzeit international erfolgreichsten Innenarchitektinnen engagiert. Zu der von der Britin entworfenen Produktfamilie gehören Sitzmöbel, ein Tisch, eine Leuchte, Untersetzer sowie verschiedene Glasgefäße mit Korkverschluss. Crawford begründet ihre ungewöhnliche Materialwahl mit den vielfältigen Eigenschaften des Werkstoffes: „Kork ist wasserabweisend, leicht und sehr robust“, sagt sie. „Was noch wichtiger ist: Es fühlt sich gut an. Wir wollten Ein weiteres Beispiel für die dabei entstehende kreative Vielfalt ist das portugiesische Unternehmen Sofalca. Unter dem Label Black Cork veröffentlicht der Korkproduzent in Zusammenarbeit mit jungen portugiesischen Designern ein komplettes Programm mit Wohnaccessoires, Sitzmöbeln und Tischen. Die Designer verwenden ausschließlich einen dunklen Kork. Sofalca hat ein Verfahren entwickelt, bei dem der Kork mit Hilfe von Dampf und nur mit dem eigenen Harz als Bindemittel verbacken werden kann. Auf diese Weise erhält das Material eine schokoladenhafte Farbe. Ein originelles Produkt aus der Serie ist der Rohla Coffee Table. Dem Designer Gonçalo Campos gelingt damit eine Referenz zur Weinflasche: Die Holzbeine des Tisches haben an einem Ende eine Stahlspirale wie bei einem Korkenzieher. Damit werden sie einfach in die Tischplatte gedreht – und theoretisch kann man zwischendurch ein Bein wieeine Kollektion schaffen, deren Stücke man gerne anfasst.“ In der haptischen Qualität des Werkstoffes sieht die Designerin einen Gegenpart zur immer immaterieller werdenden modernen Welt. „Je digitaler unser Leben wird, desto mehr sehnen wir uns nach dem Greifbaren“, sagt Crawford. Kork gehört in die Gruppe von hochwertigen Naturmaterialien, die derzeit beim Wohnen gefragter sind denn je. Es gab in den vergangenen Jahren eine Renaissance des Marmors, ebenso sind Buntmetalle wie Kupfer, Messing, Bronze, Hölzer oder wollene Textilien sehr in Mode. Wie bei allen Naturstoffen ist auch die Gewinnung von Kork aufwendig. „Erst bei der dritten Schälung, wenn der Baum ungefähr 40 Jahre alt ist, kann zum ersten Mal das wertvollste Produkt, der Naturkorken, aus der Rinde ausgestanzt werden“, erklärt Ulrike Schaeidt, Mitglied im Deutschen Kork-Verband. Mit dem Material Kork entscheiden sich die Hersteller von Wohnprodukten aber für einen nachhaltigen Werkstoff. Korkwälder sind wichtige Ökosysteme, die die biologische Vielfalt sichern, Wasserkreisläufe regulieren und Kohlenstoffdioxid binden. Bei der Ernte der Rinde geht auch nichts verloren, sondern alles wird verwertet. „Je digitaler unser Leben wird, desto mehr sehnen wir uns nach dem Greifbaren“ Ilse Crawford Innenarchitektin Aus dem wertvollsten Teil werden die Korken ausgestanzt. Die Abfälle – rund zwei Drittel des Volumens – zermahlen die Produzenten zu Granulat. Dieses wird mit einem Bindemittel versetzt und unter Hitze zu Blöcken gepresst. Auch alte Korken können so zermahlen werden, denn Kork ist zu 100 Prozent recycelbar. Die Korkblöcke sind das Rohmaterial für die Wohndesigner. der rausdrehen und damit Jasper Morrison setzt bei seiner Hockerserie namens Cork Family für Vitra noch Aspekt des Materials in Szene: wird im Design die Form überbewertet“, findet der britische Gestalter. „Wenn ich ein Produkt entworfen habe, dem man nicht ansieht, dass dabei ein Designer am Werk war, habe ich eine gute Arbeit Das Credo von Morrison sei „supernormal“. Er setzt Design in Szene ohne Eitelkeiten und Extravaganzen – und mit dem Kork findet er das passende Material für seine Philosophie. Im Gegensatz zu Marmor, Holz oder Messing wirkt Kork nicht edel, sondern unauffällig, fast schon antiluxuriös. Und Morrissons Design setzt keinen schnell vergänglichen wirkt so lange gereift wie Korkeiche. Und letztlich trifft eine Rotweinflasche öffnen. eine weiteren besonderen seine Schlichtheit. „Heute gemacht.“ Reiz, sondern Entschleunigung auch den Nerv unserer Zeit.

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