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Handwerk und Wohnen Kempen

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Handwerk und Wohnen

KK-K20 Handwerk & Wohnen DIE BODENBELAG-BRANCHE ZEIGTE SICH AUF DER MESSE DOMOTEX EXPERIMENTIERFREUDIG RHEINISCHE POST MITTWOCH, 15. FEBRUAR 2017 C6 Trends: Nachhaltig, natürlich – und ungewöhnliche Materialmischungen Kakaobohnenschalen im Linoleum, Teppichstreifen im Parkett: Bei Bodenbelägen ist nun vieles möglich. VON TOM NEBE Ungewöhnliche Materialmischungen und viel Natürlichkeit: Der Markt für Bodenbeläge ist in Bewegung, auch wenn neue Trends rar sind, wie Experten auf der internationalen Bodenbelagmesse Domotex in Hannover nun erklärten. Fortschritte kommen in kleinen Schritten. „Die Branche entwickelt sich nicht sprunghaft“, sagt etwa Produktdesigner Stefan Diez, der Vorsitzender der Jury für den Domotex-Innovationspreis ist. Welche Entwicklungen auffallen: Nachhaltigkeit der Böden In ihrer Wohnung wollen Menschen keine Schadstoffe. Nachhaltigkeit ist und bleibt damit ein wichtiges Kaufkriterium. Künstlich hergestellte Stoffe sollen, wenn möglich, durch Natur- oder naturähnliche Produkte ersetzt werden. Als Isoliermaterial kommt etwa Zellulose zum Einsatz, Trittschalldämmung gibt es auch aus Kork gefertigt, nennt Diez als Beispiele. Viele Menschen wollen außerdem nicht unnötig Ressourcen verbrauchen. Beim Verlegen neuer Bodenbeläge soll deshalb möglichst wenig Abfall anfallen. Zwei-Komponenten-Klebstoffe lassen sich zum Beispiel durch Ein-Komponenten-Kleber ersetzen. Vorteil: Sie kann man nach und nach verbrauchen, während Kleberreste aus zwei Komponenten nach dem Anmischen entsorgt werden müssen, erklärt Diez. Kombination von Materialien Manche Hersteller sind durchaus experimentierfreudig, wenn es um die Kombination von Materialien geht. So gibt es Linoleumboden mit geschroteten Kakaobohnenschalen sowie eine Parkettkollektion mit Messingstegen. Nicht nur Parkett, auch Teppichplanken lassen sich im Fischgrätmuster verlegen, wie Hersteller Forbo Flooring zeigt. Materialmischung ist auch eines der Themen, mit dem sich sechs Designer im Auftrag der Domotex beschäftigen. Sie sollen Ideen für die Zukunft der Bodengestaltung erarbeiten. Zu ihnen gehört die Berlinerin Hanne Willmann. Einer ihrer Entwürfe ist ein Parkettboden mit eingefrästen Linien im gleichmäßigen Abstand von 1,5 Zentimetern, in die sich variabel Teppichstreifen hineinlegen lassen. Ob diese Zukunftsvision wirklich auf den Markt kommt, ist aber noch offen. Natürlichkeit im Design Eine Strömung der vergangenen Jahre, die sich fortsetzt. Astlöcher und andere vermeintliche Macken in Hölzern bleiben sichtbar und werden nicht entfernt. „Das Holz soll erkennbar sein“, sagt Willmann. Sie schätzt, dass auf Hochglanz Ganz lange Tradition: Fußböden aus Echtholz Was sich früher nur der Adel leisten konnte, hat sich heutzutage überall etabliert: Parkett ist ein natürlicher Bodenbelag mit toller Optik und hoher Lebensdauer. (rps) Besonders die Tatsache, dass Parkett der einzige Bodenbelag ist, der mehrfach renoviert werden kann, macht ihn zu einem begehrten Designobjekt. „Bereits seit vielen Jahrhunderten wird seine Langlebigkeit hoch geschätzt“, erklärt der Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Parkettindustrie, Michael Schmid. Diese lange Tradition wird durch die oftmals umgangssprachliche Verwendung des Begriffs „Parkett“ in Zusammenhang mit Orten oder Ereignissen mit historischem oder kulturellem Hintergrund dokumentiert: Neben seinem Status als luxuriöser und repräsentativer Bodenbelag sorgt er seit jeher für eine hervorragende Akustik in Konzertsälen, ist ein beliebter Untergrund für Theater- und Ballettvorstellungen sowie ein solides Fundament für den Wertpapierhandel an den Börsen weltweit. Angefangen hat alles um das 13. Jahrhundert herum in Europa. Zunächst wurden rohe Bohlen und später gehobelte Dielen aus Weichhölzern wie Tanne, Fichte oder Kiefer aneinandergereiht. Als der heute bekannte dekorative Bodenbelag breitete sich Parkett ab dem 16. Jahrhundert aus. Dank der Industrialisierung im 19. Jahrhundert trat er dann seinen Siegeszug in die Wohnhäuser und öffentlichen Gebäude des Bürgertums an. polierte Böden mehr und mehr verschwinden. „Die Politur braucht es nicht mehr.“ Auch in der Teppichgestaltung ist Natürlichkeit wichtig. Manche Designs erinnern an organische Strukturen, zum Beispiel Baumrinde, heißt es im Trendbericht der Domotex. Natürliche Farbtöne wie grau, braun oder grün sind beliebt. Diese halten sich im Wohnraum zurück, während Akzente eher mit Möbeln oder bunten Wänden gesetzt werden. Nicht zuletzt aufgrund technologischer Neuerungen boten sich bei seiner Verarbeitung ganz neue Möglichkeiten. Auch dünne Stahlnägel und verbesserte Klebstoffe sorgten für seine erheblich steigende Verbreitung – das Verlegen der Dielen wurde dadurch wesentlich erleichtert. Doch so sehr sich die Beschaffung des Holzes und dessen Verarbeitung zu hochwertigem Parkett gewandelt haben – eines ist geblieben: „Was vor vielen Jahrhunderten bereits eine edle Anmut ausgestrahlt hat, findet auch heute noch seine Liebhaber“, betont Parkettexperte Schmid. So haben viele Parketthersteller heute auch wieder Böden im Angebot, die optisch antik wirken und so den historischen Zeitgeist in neuem Gewand in die eigenen vier Wände bringen. Fischgräten bei Teppichen Teppichfliesen und -planken gewinnen laut dem Messe- Trendbericht weiter an Beachtung. Diese gibt es in runden, konkaven, drei-, vier- oder mehreckigen Formen. Sie bieten beim Verlegen viele Möglichkeiten. Manche Muster sind auffällig, zum Beispiel vereinzelte blaue zwischen vielen grauen Fliesen – oder auch im Fischgrätmuster verlegte Planken. Andere Muster dagegen sind kaum von Bahnenware zu unterscheiden. Erst beim zweiten Blick zeigt sich dann ihre Fliesenstruktur. Lose statt fest Beim losen Verlegen („Loose Lay“) werden Böden ohne jeden Kleber auf den Untergrund gelegt. Wenn sie doch fixiert werden müssen, kommen statt Klebstoff vermehrt alternative Haftvermittler zum Einsatz, beobachtet Richard Kille, Geschäftsführer des Instituts für Fußboden und Raumausstattung (IFR) in Köln. „Die könnte man auch als Rutschbremse bezeichnen“, sagt Kille. Auch die bei vielen Böden verbreitete schwimmende Verlegung bleibt relevant. So verlegte Böden lassen sich ohne Probleme beim Auszug oder FOTO: FORBO FLOORING einer Sanierung entfernen. Das sei ihr Vorteil im Vergleich zu Belägen, die kraftschlüssig mit dem Untergrund verbunden und nur mit viel Aufwand abzulösen sind, erklärt Kille. Sie hinterlassen nicht selten Schäden am Verlegeuntergrund. Böden selbst kreieren Ein schönes Foto aus der Natur oder ein Bild, das das eigene Kind gemalt hat – individuelle Motive lassen sich digital auf Bodenbeläge drucken. „Man kann damit auch den Zuschnitt des Bodens machen und zum Beispiel verrückte, unregelmäßige Schnittkanten hinbekommen“, sagt Diez. Die Frage sei nur, wie man die Möglichkeiten sinnvoll einsetzen kann. „In der Regel ist der Endkunde damit überfordert.“ Das sei dann eher eine Aufgabe für Architekten und Designer.

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