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Blickpunkt Tönisvorst · Willich C3 RHEINISCHE POST MITTWOCH, 17. MAI 2017 Platzt jetzt der Vauth-Prozess ? Die Verteidiger haben gestern eine Besetzungsrüge gegen die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Krefeld erhoben. VON HERIBERT BRINKMANN Der Angeklagte Lothar Vauth, ehemaliger Krefelder Rechtsanwalt und Tönisvorster Kommunalpolitiker, hier mit seinem Anwalt Daniel Wölky (rechts) aus Köln, steht zusammen mit seiner Frau Jessica vor dem Landgericht. ARCHIVFOTO: THOMAS LAMMERTZ TÖNISVORST / KREFELD Am sechsten Verhandlungstag hat Daniel Wölky, Verteidiger von Lothar Vauth, endlich seine Besetzungsrüge platzieren können – weiter ist der Prozess wegen Betrug und Untreue in 931 Fällen damit noch nicht gekommen, er könnte sogar platzen und neu aufgerollt werden. Jetzt muss die 2. Große Strafkammer über die Rüge entscheiden. Verwerfen die drei Richter der Kammer die Rüge, geht der Prozess seinen normalen Lauf weiter, geben sie der Rüge statt, muss der Prozess vor einer anderen Kammer neu aufgerollt werden. Mit seiner Besetzungsrüge hat Anwalt Daniel Wölky schweres Geschütz in Stellung gebracht. Denn die Rüge zielt auf zwei unterschiedliche Sachverhalte ab: Erstens hätte der Vorsitzende Richter am Landgericht Herbert Luczak den Prozess führen sollen und nicht wie jetzt seine Vertreterin, Vorsitzende Richterin Ellen Roidl-Hock. Zweitens hätte der Prozess gegen das Ehepaar Vauth nicht vor einer allgemeinen Großen Strafkammer, sondern vor einer Wirtschaftsstrafkammer verhandelt werden müssen, weil dazu besondere Kenntnisse des Wirtschaftslebens, etwa über Buchhaltung, die Finanzierung einer Sozietät, notwendig seien. Die Staatsanwältin zeigte sich überrascht und ein wenig enttäuscht. Herausgekommen seien nur zwei Begründungen. Dazu wäre das tagelange Verlesen der Anklageschrift nicht nötig gewesen. Die Staatsanwaltschaft wird bei der nächsten Sitzung eine Stellungnahme vorlegen. Richterin Roidl-Hock schloss daraufhin die Sitzung, weiter geht’s im Krefelder Landgericht am 26. Mai. Die Verteidigung hält an Herbert Luczak als dem Vorsitzenden Richter der 2. Großen Strafkammer fest. Er hatte den Haftbefehl gegen Lothar Vauth im November ausgestellt und Vauth am 10. November festnehmen lassen. Seitdem befindet sich Lothar Vauth in Untersuchungshaft, wegen seines gesundheitlichen Zustandes allerdings im Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg. Luczak habe die Eröffnung des Hauptverfahrens im Dezember verfügt und in Schreiben im Januar und Februar die Termine für die Hauptverhandlung festgelegt. Im Raum stehen 50 Termine bis zum Jahresende. Nun habe aber Luczak im Januar sein 65. Lebensjahr vollendet und werde am 31. Juli in den Ruhestand wechseln. Am 15. Februar kam die Ladung zur Hauptverhandlung, die – neue – Besetzung sei erst am 9. März mitgeteilt worden. Wegen mehrerer anstehender Prozesse habe Luczek am 7. März dem Präsidium des Landgerichts eine Überlastung angezeigt. Das Präsidium, dem sieben Richter des Landgerichts angehören (die Richter Fleischer, Büchler, Kley, Kümpel, Luczak, Kühn und Streyl), habe die Überlastung festgestellt und für Luczak seiner Vertreterin Roidl- Hock den Vorsitz dieses Verfahrens übertragen. Zum Prozessauftakt habe sich Luczak in Urlaub befunden, wurde den Anwälten nachträglich mitgeteilt. Die aktuelle Besetzung sei nicht die vorschriftsmäßige Besetzung. Jeder Angeklagte habe die Garantie des gesetzlichen Richters, dies sei in diesem Fall nicht mehr gegeben. Das sei ein Verfassungsgebot. Die Überlastung durch andere Verfahren sah Anwalt Wölky Das Auswechseln des Vorsitzenden Richters Luczak nennt Anwalt Daniel Wölky „willkürlich“ als nicht so erheblich an, dass ein Richterwechsel gerechtfertigt sei. Die vorsätzliche Herbeiführung der Überlastung als Grund für die Umbesetzung habe zu einer unzulässigen gezielten Einzelfallzuweisung geführt: das sei die Installierung eines Sondergerichts. Zudem sei das Verfahren wegen Betrug und Untreue in einer Sozietät rechtswidrig der zweiten und nicht der vierten Strafkammer (Wirtschaftssachen) zugewiesen worden. Handwerk & Wohnen DIE SCHÖNHEIT DES MAKELS Einrichten im Shabby-Chic Die Möbel sehen abgenutzt und gebraucht aus, können sogar ein bisschen kaputt sein – Shabby-Chic. Eine Einrichtung in diesem Stil kann dem Zuhause Gemütlichkeit geben. VON MELANIE ÖHLENBACH Abgestoßene Kanten, gerissener Lack, verblasste Farben: Wenn ein Möbelstück nicht mehr ganz so frisch aussah, landete es früher in der Regel auf dem Sperrmüll. Heute gibt es viele, die gezielt nach solchen Tischen, Kommoden, Schränken, Vasen, Bilderrahmen und anderen Möbelstücken und Wohnaccessoires suchen, um damit ihr Zuhause einzurichten. Shabby-Chic (zu deutsch: schäbiger Schick) heißt dieser Trend, der seit knapp zehn Jahren in Deutschland populär ist. Anders als in den 1980er und 1990er Jahren steht beim Shabby-Chic nicht die optische Makellosigkeit eines Möbelstücks im Mittelpunkt. Im Gegenteil: „Shabby-Chic zelebriert das Unperfekte“, sagt die Trendforscherin Gabriela Kaiser. „Dinge mit Macken, Kratzern, angestoßenen Ecken oder abgeschrubbten, ungleichmäßigen Oberflächen haben keinen Makel: Sie haben Charakter.“ Dass sich im Shabby-Chic das ästhetische Empfinden so radikal umkehrt, erklärt Kaiser mit einer zunehmenden Sehnsucht nach der sprichwörtlich guten alten Zeit: Das Streben nach Perfektion habe die Wohnwelt damals so futuristisch und aalglatt wirken lassen, dass sie ungemütlich, ja fast schon unmenschlich gewirkt habe, sagt die Trendforscherin. Der „schäbige Look“ setzt hingegen auf das Gefühl von Behaglichkeit. Natürlich und rustikal wirkende Stoffe und Materialien wie Leinen, Baumwolle, Felle und Wolle tragen dazu ebenso bei wie Holz, Zink, grobes Porzellan oder Glas. „Der Stil hat sich in Anlehnung an den englischen Landhausstil entwickelt“, erläutert Einrichtungsberaterin Katharina Semling. „Statt teure viktorianische Möbel zu kaufen, haben sich die Leute Schätzchen vom Flohmarkt zugelegt. Oft wurden auch alte Fundstücke weiß gestrichen und alte Stühle aufgearbeitet.“ Entsprechend greift der Shabby-Look Elemente des Viktorianischen Stils, Neobarock oder Rokoko auf. Der Shabby-Stil steht nicht für schäbig: Gemeint sind damit Möbel, deren Gebrauchsspuren man nicht verdeckt, sondern bewusst zeigt – als Zeichen, dass das Stück eine Geschichte hat. FOTO: JO KIRCHHERR Doch nicht immer ist das, was alt aussieht, auch alt. Und nicht alles, was schäbig aussieht, auch Shabby-Chic. Wie zum Beispiel abgeranzte Möbel aus den 1980er Jahren. „Die sind nicht kultig, sondern nur hässlich“, findet Ursula Geismann, Trendanalystin beim Verband der Deutschen Möbelindustrie. Auch für Ware, die industriell auf alt und schäbig getrimmt wird, hat sie nicht viel übrig: Bei dieser werde eine Historie nur vorgetäuscht. „Ich finde es komisch, etwas Neues zu kaufen, das auf alt gemacht ist“, sagt Geismann. Auch hätten diese Dinge im Gegensatz zu echten Antiquitäten nichts mit Recycling und der Schonung von Ressourcen zu tun. „Das Ganze steht im krassen Gegensatz zur Intention des Shabby-Look: der Sehnsucht nach Authentizität, echten Materialien und einer eigenen Geschichte“, resümiert die Trendanalystin. Wer sich stilsicher im Shabby-Stil einrichten will, sollte daher keine Möbel und Accessoires vom Fließband kaufen. Neben persönlichen Erbstücken lassen sich auf dem Dachboden und bei Haushaltsauflösungen, in Antiquitätengeschäften und auf dem Flohmarkt so manche Schätze heben, die nicht nur nach Geschichte aussehen, sondern in der Regel auch eine haben. Ob Küchenbuffets, Kommoden und Schränke aus Weichholz, gepolsterte Ohrensessel und Chaiselongues, Badewannen mit Löwenfüßen und hängende Spülkästen mit Kette oder Sammeltassen, Einmachgläsern und Kristallvasen: Erlaubt ist, was gefällt. „Shabby- Look passt in jeden Raum“, sagt Trendanalystin Geismann. Die Farbe ist dabei das verbindende Element im Shabby-Chic. Weiß, Beige und Creme gelten als Grundfarben. Akzente setzen mattes Grau und blasse Pastelltöne wie Mint oder Rosé.

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