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Handwerk und Wohnen

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NE-26

NE-26 Handwerk & Wohnen NACH EINEM UMZUG IST ES ERST MAL WICHTIG, EIN GEFÜHL FÜR DIE NEUEN RÄUME ZU BEKOMMEN ngz MITTWOCH, 21. JUNI 2017 D4 INTERVIEW Wie eine neue Wohnung zu einem gemütlichen Nest wird Alles ist neu und schön, und doch fühlt es sich nicht passend an: Nach einem Umzug fehlt oft noch lange das Gefühl von Nestwärme im neuen Haus. Wohnexpertin und Fachbuchautorin Tina Schneider-Rading rät, erst mal alle Wände weiß zu lassen – bis sich das Gefühl einstellt. Wie wird aus dem Chaos und dem neuen Ambiente ein Zuhause? SCHNEIDER-RADING Natürlich möchte man nach dem Umzugsstress endlich ankommen und sich in seinem komplett eingerichteten neuen Zuhause sofort aufs Sofa fallen lassen. Nur: So einfach ist es leider nicht. Wenn die Möbel stehen und die Alltagsgegenstände schon verräumt sind, würde ich die Deko erst mal weglassen. Man muss zuerst ein Gefühl für die neuen Räume bekommen. Ich stelle also einfach nur die großen Möbel wie Bett, Tisch und Schrank auf – und dann warte ich ab? SCHNEIDER-RADING Genau, das Wichtigste zuerst. Erst mal in Ruhe gucken, wo die großen Möbel stehen sollen. Daran kann man auch noch etwas verändern. Und danach ganz langsam den Raum auf sich wirken lassen und sich fragen: Welches meiner Accessoires möchte ich an welcher Stelle stehen haben? Woran erinnere ich mich als Erstes, wenn ich sage „Mir fehlt jetzt etwas“? Dann kommen einem diejeni- gen Stücke in den Sinn, die gerade wirklich wichtig sind. Mit denen kann ich dann dekorieren – alles andere bleibt erst mal in der Kiste. Wie viel Zeit sollte ich mir dafür geben? SCHNEIDER-RADING Kommt darauf an, wie viel Zeit man in der Wohnung verbringt. Aber ich würde sagen ein bis vier Wochen. Wie gehe ich dann vor? SCHNEIDER-RADING Oft landen Dinge erst mal provisorisch irgendwo – und bleiben auch stehen, obwohl sie dort eigentlich total unpraktisch sind. Das kann okay sein. Aber man sollte sich nicht durch seine Dekorationen beherrschen lassen, sondern lieber schauen: Wo ist das Licht am besten? Wo sitze ich am liebsten? Wenn das Sofa an der großen Wand praktisch ist, muss das ja nicht heißen, dass da der Ausblick am schönsten ist. Dann ist es vielleicht gut, einen Sessel dazuzustellen, den man schnell auch irgendwo anders hinrücken kann. Abwarten und erst mal schauen kann aber auch oft heißen: Die letzten vollen Kartons werden jahrelang nicht ausgepackt. Wie verhindere ich das? SCHNEIDER-RADING Ich rate jedem, vor dem Umzug radikal auszusortieren. Das gilt übrigens auch für Bücher – jedes Buch hat seine Zeit. Man sollte sich nur mit zwei Arten von Dingen umgeben: Erstens mit denen, die man wirklich braucht. Das muss nicht täglich sein, aber regelmäßig. Und zweitens mit Dingen, an denen das Herz hängt. Wie sinnvoll ist vor demUmzug das Streichen der Wände in bunten Farben, wenn man noch nicht das Gefühl für den Raum hat? SCHNEIDER-RADING Das hat praktische Gründe. Aber man sollte sich absolut sicher sein, welcher Farbton in welchen Raum passt. Die Farbe wird sich im Laufe des Tages mit Tina Schneider-Rading ist Wohnexpertin. dem Sonnenstand verändern. Insofern sollte man zu verschiedenen Zeitpunkten am Tag in der neuen Wohnung gewesen sein, um zu sehen, wie das Licht wechselt. Eine Wand, die ich morgens um 10 Uhr streiche und die dann wunderbar hellgrau strahlt, wird nachmittags um 16 Uhr vielleicht eher fad und trist aussehen. Insofern rate ich, erst mal alles weiß zu lassen. Wer im Vorfeld schon planen möchte, kann das mit Moodboards tun. Also Ausrisse aus Zeitschriften oder Postkarten sammeln, die einem gefallen, und zu einer großen Collage FOTO: CAROLIN KÜST Selbst wenn die vielen Umzugskartons mal weggeräumt sind, stellt sich bei vielen noch nicht direkt das Zuhausegefühl in der neuen Wohnung ein. FOTO: CHRISTIN KLOSE zusammenstellen. Dazu pinnt man Farbmuster, aber auch haptische Elemente wie Stoffoder Teppichmuster. So erkennt man, wo es hingehen soll mit dem Raum. Ein paar Wochen nach dem Umzug fehlt mir noch immer das Gefühl einer Nestwärme. Was kann ich nun tun? SCHNEIDER-RADING Es klingt widersprüchlich, aber Nestwärme entsteht auch, wenn man aktiv wird, die Wohnung verlässt und das neue Umfeld kennenlernt. Zu Hause könnte man mal bewusst auf Sinnliches in der neuen Wohnung achten. Die Geräusche und der Blick aus dem Fenster sind neu und ungewohnt. Man sollte sich bewusst machen, was es alles Positives gibt im neuen Umfeld. Schließlich sollte man sich Leute in die Wohnung holen: Neue Freunde, Nachbarn und Kollegen einladen. Ein ganz tolles Zitat von zwei Interior- Designern, das auch in meinem neuen Buch vorkommen wird, lautet: „Der wichtigste Wohlfühlfaktor in einer Wohnung: Menschen, die einem guttun.“ Wie es in einer Wohnung aussieht, ist eigentlich vollkommen egal. Wenn man aber einen Ort mit glücklichen Erlebnissen verbindet, wird daraus ganz schnell ein Zuhause. SIMONE A. MAYER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

NE-27 Handwerk & Wohnen DIE FENSTERSCHEIBE IST HÄUFIG DIE SCHWACHSTELLE IM HAUS Durchwurfhemmendes Fensterglas erschwert Einbrechern den Einstieg ngz MITTWOCH, 21. JUNI 2017 D5 Einbrecher suchen sich meist die schwächste Stelle am Haus aus, um ins Gebäude einzusteigen – zum Beispiel die Fensterscheibe. VON SIMONE A. MAYER Um sich vor Einbrechern zu schützen, sichern viele Hausbesitzer die Beschläge und Rahmen ihrer Fenster inzwischen besser ab. So wird die Scheibe zur schwächsten Stelle – und zur möglichen Eintrittspforte für Kriminelle. Helfen kann hier ein Umstieg auf Sicherheitsglas. In vielen Fenstern hängen derzeit gut dämmende Isolierglasscheiben. Das sind zwei oder drei Glasscheiben, die über einen Abstandshalter luftdicht verbunden sind. Zwischen ihnen befindet sich zur Wärmeisolation das Gas Argon, bei älteren Scheiben ist es getrocknete Luft, erläutert Peter Birkholz, Ratgeberautor für die Stiftung Warentest. Solche Isolierglasscheiben beschlagen und vereisen im Winter nicht. Und man braucht nur zwei Seiten der Fenster zu putzen – bei Doppelfenstern im Altbau sind es dagegen vier. Der Nachteil von Isoliergläsern besteht aber darin, dass diese Scheiben nicht ewig halten: Nach 20 bis 30 Jahren lässt ihre Dichtheit nach. Das können Hausbesitzer erkennen, wenn die Scheiben beginnen, im Zwischenraum zu beschlagen. „Sie werden blind“, sagt Peter Birkholz. „Auch winzige Beschädigungen wie ein kaum sichtbarer Sprung machen sie dann unbrauchbar, denn ihre Die Scheiben sind meist die schwächste Stelle eines Fensters – und eine mögliche Eintrittspforte für Kriminelle. FOTO: DANIEL MAURER Isolierwirkung ist damit dahin.“ Birkholz rät Hausbesitzern, bei einem ohnehin fälligen Austausch abzuwägen, ob eine durchwurfhemmende Verglasung – also eine Art Sicherheitsglas – sinnvoll ist. „Liegt die Wohnung im Erdgeschoss, hat sie von außen leicht erreichbare Fenster, eine zugängliche Balkon- oder Terrassentür, über die Einbrecher leicht eindringen können, so ist der relativ geringe finanzielle Aufwand für eine einbruchhemmende Verglasung durchaus zu rechtfertigen“, findet der Experte. Birkholz rät dazu, im Handel bewusst nach durchwurfhemmender Verglasung zu fragen: „Glasereibetriebe beraten in dieser Hinsicht erfahrungsgemäß erst bei gezielter Anfrage und ersetzen beschädigte Scheiben üblicherweise in der ursprünglichen Standardqualität.“ Doch was genau bedeutet durchwurfhemmend? Das Glas setzt sich aus zwei Scheiben und einer Spezialfolie dazwischen zusammen. Wird eine Scheibe zerstört, haften die Splitter auf der Folie. „Man braucht nicht gleich an Panzerglas zu denken, hinter dem ein Bankkassierer arbeitet“, sagt Birkholz. Schon die niedrigste Klasse einer Durchwurfhemmung sei aber wirksam, um zu verhindern, dass die Scheibe mit Hilfe eines Steins oder Hammers zertrümmert werden kann, so dass sie in sich zusammenfällt und dem Eindringling Tür und Tor öffnet. Man darf aber auch nicht zu viel erwarten: „Natürlich splittert auch eine einbruchhemmende Verglasung bei einem Hammerschlag“, erklärt der Autor. „Doch eine zähe Folie schützt davor, dass sich der Einbrecher eine ausreichend große Einstiegsöffnung verschafft.“ Die Splitter müssten erst in mühsamer und gefährlicher Arbeit entfernt werden, um diese Folie zerschneiden zu können. Das raube Zeit und berge ein Verletzungsrisiko für den Einbrecher. „Natürlich ist eine durchwurfhemmende Glasscheibe kein alleiniges Mittel, einen Einbruch zu verhindern. Dazu gehören auch solide Verriegelungen an der Schließ- und Bandseite des Fensters sowie der Tür“, betont Experte Peter Birkholz. So findet man die richtige Matratze Eine Matratze gehört ganz selbstverständlich zum Leben. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Schlafunterlage auch wirklich zu einem passt. VON JULIA NAUE Käufer sollten einen ganzen Vor- oder Nachmittag einplanen, um verschiedene Matratzen ausgiebig zu testen. FOTO: BRUNO INTERIOR Eine Matratze sollte auf die Körpergröße, das Gewicht, die Statur und die Schlafgewohnheiten ihres Besitzers abgestimmt sein. „Im Normalfall schläft jeder nachts in völlig unterschiedlichen Positionen“, erklärt Reinhard Schneiderhan, Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga und Orthopäde in München. Er rät vor dem Kauf zu einer Beratung im Fachhandel. Demnach sollten Käufer einen ganzen Vor- oder Nachmittag einplanen, um verschiedene Matratzen ausgiebig zu testen. Beim Testen sollten sie darauf achten, dass die Wirbelsäule in der Schlafposition gerade liegt und nicht durchhängt. „Es gibt nicht die eine Matratze für alle“, meint der Experte. Deshalb sei auch zum Beispiel eine Matratze für Eheleute nicht sinnvoll. „Jeder braucht seine eigene, individuell passende Matratze.“ Die Matratze ist so wichtig, weil die Bandscheiben sich nachts idealerweise entspannen sollten. „Sie werden über den Tag erheblich beansprucht und in ihrer Elastizität gefordert.“ Neben der Matratze sei aber auch ein vernünftiger Lattenrost und ein gutes Kopfkissen wichtig. Mancher kauft jedoch eine Matratze und merkt, dass sie dann doch nicht passt. Dann möchte man sie eventuell umtauschen oder zurückgeben. „Grundsätzlich gibt es für Matratzen keine Regelung, die abweicht von den Bestimmungen für andere Produkte“, erklärt Christian Aldenhoff von der Verbraucherzentrale NRW. Wer eine Matratze im Internet bestellt hat, kann 14 Tage lang ab Lieferung das Widerrufsrecht in Anspruch nehmen. Dabei sollte sie in einem vernünftigen Zustand zurückgegeben werden. „Bei einer Matratze muss man schon mal testliegen“, sagt der Experte. Wer aber etwa den Frühstückskaffee im Bett ausschüttet, hat eventuell ein Problem. In der Regel müssen Verbraucher die Rücksendekosten selbst tragen, wenn der Verkäufer diese nicht freiwillig übernimmt. „Allerdings gibt es die Versandkosten zurück, die der Händler für die Zustellung berechnet hat.“ Häufig gebe es allerdings Kulanzregelungen – dann können Verbraucher die Matratze noch länger testen. Auch dann sollten sie aber darauf achten, in welchem Zustand sie die Matratze zurückgeben müssen und wer dann die Kosten trägt.

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