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Hildener Jazztage

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10 HILDENER JAZZTAGE Das

10 HILDENER JAZZTAGE Das Schlagzeug- Chamäleon Der französische Stardrummer Manu Katché wird oft als Chamäleon bezeichnet, weil er sich an alle musikalischen Stile perfekt anpassen kann. Was ihn von anderen Verwandlungskünstlern unterscheidet? Er bleibt dabei unverkennbar er selbst. VON BARBARA STEINGIESSER Diesen Franzosen hat vermutlich jeder schon einmal gehört und wenn nicht live im Konzert, dann doch zumindest auf CD oder vielleicht unbewusst im Radio: Manu Katché. – Einen Jazz-Schlagzeuger? Also jemanden von den Leuten, die in einem Genre, das aktuell nur zwei Prozent des Gesamtumsatzes der Musikindustrie ausmacht, ganz im Hintergrund agieren? – Allerdings. Denn wer kennt nicht den durchschlagenden Beat von Peter Gabriels Mega-Hit Sledgehammer“ oder die Rhythmuswechsel von Reggae zu Swing zu Rock in Stings „Englishman In New York“? Seit Peter Gabriel ihn vor mehr als 30 Jahren entdeckte und in seine Band aufnahm, häuften sich bei Manu Katché die Anfragen, was er selbst sich damit erklärt, dass „andere Musiker offenbar schätzen, wie ich begleite, welchen Sound ich einbringe und vielleicht auch, dass mein Schlagzeugspiel eine starke melodische Komponente hat“. Manu Katché trommelte nicht nur für Pop- und Rockstars wie die bereits erwähnten Peter Gabriel und Sting oder für Joni Mitchell, Tori Amos, die Dire Straits, die- Simple Minds und die Eurythmics. Vielmehr sorgte er für den richtigen Groove auch bei Jazzmusikern wie Jan Garba- rek, Herbie Hancock und Al Di Meola oder bei Grenzgängern zwischen den Stilen wie Nigel Kennedy. Um Engagements braucht der Drummer der Stars sich jedenfalls keine Sorgen zu machen, im Gegenteil. Er kann es sich sogar leisten, einem Mick Jagger einen Korb zu geben. So tatsächlich geschehen, als ihm das Material eines Jagger-Albums, auf dem Konzert Manu Katché Trio Besetzung: Manu Katché (Schlagzeug), Jim Grandcamp (Gitarre), Jérôme Regard (Bass) Termin: International Jazznight, Samstag, 17. Juni, ca. 21.15 Uhr Ort: Stadthalle, Fritz- Gressard-Platz 1 er spielen sollte, nicht hundertprozentig zusagte. Manu Katché erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den französischen Filmpreis „César“ für den Soundtrack zu dem Film „Little Indian – Der Großstadtindianer“ sowie dreimal die Trophäe der „Victoires de la Musique“, den französischen Grammy. Er war vier Jahre lang Juror von „Nouvelle Star“, der französischen Variante der Castingshow, die bei uns „Deutschland sucht den Superstar“ heißt, und moderierte von 2007 bis 2011 seine eigene Musiksendung „One Shot Not“, die auf „Arte“ ausgestrahlt wurde. Das machte ihn in Frankreich auch zum Fernsehstar; er ist dort so bekannt wie hierzulande Till Brönner. Katché, der 1958 in der Nähe von Paris geboren wurde, als Sohn einer französischen Mutter und eines Vaters von der Elfenbeinküste, hatte als Kind und Jugendlicher zwölf Jahre lang klassischen Klavierunterricht. Schon damals eignete er sich das Handwerkszeug an, das er heute braucht, um Stücke für seine eigene Band zu schreiben. Das Komponieren beginnt bei ihm nämlich in der Regel nicht mit einem Groove am Schlagzeug, sondern mit einer Melodie am Piano. „Ich glaube“, sagt er, „dass der Grund für meine Präferenz, auf gute Melodien zu setzen und auch mein Schlagzeugspiel möglichst melodisch anzulegen, in meiner Wahrnehmung von Musik zu finden ist. Ich habe mich zum Beispiel nie an Drummern orientiert, sondern immer an Gesangsnummern beziehungsweise an Themen, die von einzelnen Instrumentenstimmen vorgegeben wurden. Natürlich ist

HILDENER JAZZTAGE 11 Manu Katché ist ein unglaublich vielseitiger Drummer. Sting bezeichnete ihn als „Rock spielenden Jazzschlagzeuger“, Jazzer Jan Garbarek hingegen meinte, Katché sei ein „Jazz spielender Rockschlagzeuger“ ... Fotos (2): Barbara Steingießer der Rhythmus einer Komposition von elementarer Bedeutung, aber ich glaube, dass wir als Hörer von Musik die Melodie noch unmittelbarer wahrnehmen als den Groove.“ Manu Katché wird von Rockstars wie Sting als Rock spielender Jazzschlagzeuger, von Jazzmusikern wie Jan Garbarek aber als Jazz spielender Rockschlagzeuger betrachtet. Doch wo verortet sich der Drummer, Komponist und Bandleader stilistisch selbst? Seine Musik bezeichnet er als „Amalgam aus afrikanischen Rhythmuskonzepten und klassischem Schlagzeugspiel, illuminiert von der im Moment sich vollziehenden Interaktion des Jazz“. Er greife, so Katché, „das grenzenlose Selbstverständnis der 70er-Jahre-Rockmusik auf und platziere es im improvisationsfreudigen Kontext des Jazz.“ Um das genauer zu erklären, sagt der Schlagzeuger: „Harmonisch und atmosphärisch hat meine Musik natürlich nichts mit Pop oder Rock zu tun. Da komme ich aus dem Jazz. Allerdings sind meine Stücke wie Pop-Songs aufgebaut. Das ist die Form, die mir aus meinen 20 Jahren als Studio- und Session-Musiker am besten vertraut ist. Ich schreibe instrumentale Pop- Songs, die wir dann wie Jazz behandeln.“ Dabei jedoch, erklärt Katché, orientierten sich er und seine Sidemen viel stärker an den Themen als andere Jazzmusiker. Es gehe ihnen nicht darum, sich als Solisten in den Vordergrund zu spielen. „Ich glaube“, sagt er, „dass Musik unbedingt Auskunft über die Persönlichkeiten gibt, die sie komponiert, eingespielt und produziert haben. Kraft und Spannungen sind bei mir keine Resultate

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