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Hildener Jazztage

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6 HILDENER JAZZTAGE

6 HILDENER JAZZTAGE Bartóks Neffe aus Amerika Der in New York geborene Richie Beirach (70) gilt als einer der klassischsten unter den Jazzpianisten. Sein neues internationales Trio aber ist völlig unkonventionell besetzt. Richie Beirach gastiert mit seinem neuen Trio in Hilden. Foto: Laura Carbone VON BARBARA STEINGIESSER Er habe das Gefühl, Béla Bartóks amerikanischer Neffe zu sein, hat Richard Alan Beirach einmal gesagt. „Diese Sprache scheint mir im Blut zu liegen. Ich bin russisch-deutscher Herkunft, meine Großmutter wurde in Kiew, mein Großvater in Hamburg geboren.“ Seine Aufgabe sehe er darin, so Beirach, die Jazz-Improvisation mit klassischer Musik zu verbinden. Dabei jedoch denke er nicht an Mozart und Beethoven, sondern an Bartók, Strawinsky und Debussy. Deren musikalische Sprache, erklärt der Pianist und Komponist, sei mit derjenigen des Jazz verwandt und habe auch andere Jazzpianisten wie Bill Evans beeinflusst. Mit dem legendären Bill Evans, der – wie er selbst – in seiner Kindheit und Jugend eine klassische Klavierausbildung genossen hatte, war Beirach befreundet. Ihm hat er – nach dessen frühem Tod – das Album „Elegy For Bill Evans“ gewidmet. In den USA wird Beirach gern als einer der musikalischen Nachfolger von Evans gesehen, weil es beiden in besonderer Weise gelungen ist, die Improvisation des Jazz mit dem harmonischen Reichtum der europäischen Musiktradition zu verbinden. Richie Beirach hat einige der größten Musiker des Jazz am Klavier begleitet, unter ihnen Stan Getz und Chet Baker, für den er auch einige Stücke komponierte. Seit 1970 hat Beirach 600 Alben veröffentlicht: 350 als Bandleader und 250 als Sideman. Die aktuelle CD „Gaia“ jedoch gehört zu seinen fünf persönlichen Lieblingsplatten, womit wir wieder beim Motto des Festi- Things“. „Ich bin ganz begeistert von meinem neuen Trio“, schwärmt er, „denn es klingt anders als alle anderen Gruppen, mit denen ich je gespielt habe.“ Verantwortlich dafür ist das ungewöhnliche Line- Up: zwei Pianos und ein Schlagzeug. Doch wie kam es zu dieser seltenen Besetzung eines Klaviertrios ohne Kontrabass? Von 2000 bis 2014 war Richie Beirach – als Vorgänger von Michael Wollny – Professor für Jazz-Klavier an der Hochschule „Felix Mendelssohn-Bartholdy“ in Leipzig. Nach seiner Verabschiedung in den Ruhestand wollte er jedoch dort nicht wohnen bleiben. Da kam ihm ein Angebot seiner früheren Meisterschülerin, der russischen Pianistin recht. Litvinova, die in der Nähe von Ludwigshafen im schlug ihrem ehemaligen Professor vor, auch dorthin zu So verschlug es die New Yorker Großstadtpflanze in eine kleine Landgemeinde im pfälzischen Gemüseanbaugebiet. „Ich liebe Heßheim“, sagt er. „Es gibt dort eine Apotheke, eine Sparkasse, einen Bäcker – und das war’s. Mit 30 vals wären, den „Favorite Regina Litvinova, gerade Haus des Schlagzeugers Christian Scheuber lebt, ziehen. Gesagt, getan. Impressum 22. Hildener Jazztage Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH, Zülpicher Straße 10, 40196 Düsseldorf. Geschäftsführer: Dr. Karl Hans Arnold, Patrick Ludwig, Hans Peter Bork, Johannes Werle, Tom Bender (verantwortl. Anzeigen), Stephan Marzen Druck: Rheinisch-Bergische Druckerei GmbH, Zülpicher Str. 10, 40196 Düsseldorf Anzeigen: Kontakt: Nina Strauch, Telefon 02103-959133, nina.strauch@rheinische-post.de Redaktion: Rheinland Presse Service GmbH, Zülpicher Straße 10, 40196 Düsseldorf, José Macias (verantwortlich), Jörg Mehl, Ilka Platzek Texte: Dr. Barbara Steingießer Kontakt: Telefon 0211 528018-0, redaktion@rheinland-presse.de Titelfoto: Dr. Barbara Steingießer

HILDENER JAZZTAGE 7 Jahren hätte mich das wahnsinnig gemacht. Aber in dieser Phase meines Lebens ist es das Richtige. Ich schlafe nachts, stehe morgens auf – wie ein ganz normaler Mensch.“ Wenn in Heßheim auch, wie Beirach sagt, „nichts los“ ist, so hat dieser Wohnort dafür aber einen ganz besonderen Vorteil: „The New Richie Beirach Trio“ formierte sich wie von selbst. Die Bandmitglieder wohnen im selben Haus, geprobt wird im Keller. Und dass auf dem Anwesen nicht auch noch ein Bassist wohnt, ist vielleicht gar nicht so schlecht, denn der käme den „Titanen der linken Hand“ womöglich in die Quere. „Das Wichtigste beim Solo- Spiel“, hat Beirach seinen Studenten beigebracht, „ist die linke Hand. Wenn man mit ihr einen eigenen Rhythmus halten kann und im Anschlag variabel ist, dann kann man mit der rechten spielen, was man will.“ So kommt es, dass er heute die „unfassbar kraftvolle linke Hand“ seiner früheren Schülerin rühmen kann, die auch in der Lage ist, die Arbeit Info dere Dynamik innewohnt, zeigen die Vergleiche, mit denen die Mitglieder dieses Ensemble umschreiben. So sagt Drummer Christian Scheuber: „In diesem Trio mit zwei der besten Pianisten der Welt zu spielen, ist wie auf zwei Arabischen Pferden gleichzeitig zu reiten!“ Für Beirach selbst ist das risikofreudige Spiel wie ein Flug mit einem Propellerflugzeug in einen Hurrikan, bei dem – hat man erst einmal die lebensgefährlichen Turbulenzen überwunden – sich beim Eintritt in des- Eröffnungsveranstaltung – Sonderkonzert The New Richie Beirach Trio: Gaia Besetzung: Richie Beirach (Piano), Regina Litvinova (Keyboards), Christian Scheuber (Schlagzeug) Termin: Dienstag, 13. Juni, 20 Uhr, Kunstraum Gewerbepark-Süd, Hofstraße 64 „The New Richie Beirach Trio“: Richie Beirach, Regina Litvinova und Christian Scheuber. (v.l.) Foto: Privat eines Kontrabassisten am Keyboard quasi „mit links“ zu erledigen. Der Wahlpfälzer gehört zu den bedeutendsten Jazzpianisten unserer Zeit. „Wenn jemand mir früher gesagt hätte“, gesteht Regina Litvinova, „dass ich eines Tages mit Richie Beirach spielen und eine CD mit ihm aufnehmen würde, ich hätte es nicht geglaubt!“ 2011 spielte sie mit ihrer eigenen Band Kompositionen ihres früheren Professors ein und heute geht sie mit ihm auf Tournee. Dass dem Trio eine besonsen Auge alles in eine himmlische Ruhe auflöst. Für den Jazzfan ist das leicht nachvollziehbar. Man braucht sich nur den Anfang der aktuellen CD anzuhören, und schon ist alles da: Im funky Opener „Riddles“ der mächtige Hurrikan mit einem kraftvollen Schlagzeugsolo, das von einer groovenden, dräuenden und wirbelnden Bass-Improvisation noch gesteigert wird. „The Last Rhapsody“ gleicht dann der Ruhe, die folgt, wenn das Unwetter sich verzogen hat und die Wolkendecke das Himmelblau wieder freigibt. Eine ähnliche Erfahrung sollen auch die Zuhörer im Konzert machen. Denn „diese beglückenden Momente“, da ist sich Beirach sicher, „bewirken eine Menge im Leben dieser Menschen, sie gehen verändert nach Hause.“

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