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Hilfe im Trauerfall -ET 08.08.2017 MO-

Hilfe im Trauerfall -ET 08.08.2017

Hilfe im Trauerfall DIE TRAUER ZULASSEN Wenn im Alter der Partner stirbt Viele ältere Menschen verbringen nach dem Tod ihres Partners die letzten Jahre alleine – eine schwere Zeit. Sie müssen mit dem Verlust umgehen und ihr eigenes eben neu ordnen. VON ELENA ZELLE Weit mehr als die Hälfte ihres Lebens waren sie zusammen. Kurz vor der Goldenen Hochzeit war das gemeinsame Leben dann vorbei: Merve Stöckles Mann starb. Nicht überraschend. Er hatte Krebs, die Diagnose wurde bereits drei Jahre vor seinem Tod gestellt. „Es war kein Schock, wir konnten uns darauf einstellen“, sagt die 73-Jährige. Trotzdem: „Es gab Augenblicke der Verzweiflung.“ Ihre Stimme zittert. „Ich wollte ohne meinen Mann nicht weitermachen.“ Wie Merve Stöckle geht es vielen Frauen. Denn meist sind es die Männer, die zuerst sterben, erklärt der Psychologe Roland Kachler, der ein Buch zum Thema geschrieben hat. „Der Tod des Partners ist zunächst ein tiefer Einschnitt, eine intensive Trauer- und Schmerzerfahrung.“ Diese zuzulassen, ist der erste Schritt. Mehr als ein Jahr sollten sich Witwer und Witwen für die Trauerphase unbedingt Zeit geben, rät Kachler. Dann hat man Geburtstage, den Todestag und Merve Stöckle hat sich Rituale geschaffen, um den Tod ihres Mannes zu bewältigen. Dazu gehört der blaue Pullover, den sie um ihre Schultern trägt. Den hatte sie einst für ihren Mann gestrickt. FOTO: MAURER Weihnachten ohne den Partner erlebt – Tage, an denen viele den Verlust wieder schmerzlich spüren. Oft versuchen Bekannte, Freunde oder Angehörige den Betroffenen mit dem Satz „Er war ja alt“ zu trösten – ein Trost sei das aber nicht, sagt Christoph Mock, Theologe und Trauerbegleiter beim Malteser Hilfsdienst. Der Verlust schmerzt unabhängig vom Alter. Mock empfiehlt, ein Erinnerungsbuch zu schreiben: Darin notiert oder malt der Trauernde verschiedene gemeinsame Stationen des Lebens und erlebt die schönen Momente, aber auch die gemeinsam gemeisterten Krisen in Gedanken noch einmal. Doch gerade verwitwete Frauen haben oft noch viele Jahre alleine vor sich. Wäre es da nicht besser, möglichst schnell über den Verlust hinwegzukommen? Auf keinen Fall, sagt Kachler. „Den Verstorbenen zu vergessen, ist kein kluger Rat.“ Vielmehr sollten sie versuchen, eine neue Ebene zu finden, um die Beziehung auf eine andere Weise weiterzuführen. Oft werde zum Beispiel das Gespräch mit dem Partner gedanklich weitergeführt: „Das ist ganz normal“, sagt Kachler. „Der Verstorbene braucht einen neuen Platz“, sagt auch Mock. Etwa über Rituale, die man für sich selber finden müsse. Merve Stöckle hat einen geselligen Weg gefunden, ihren verstorbenen Mann weiterhin an ihrem Leben teilhaben zu lassen: Zum eigentlich 77. Geburtstag ihres Mannes lud sie ungefähr 40 Freunde ein und bat die Gäste, von besonderen Erinnerungen zu erzählen. „Es war ein sehr heiterer Abend.“ Außerdem hat sie etwas gefunden, das sie begleitet: Sie hat ihrem Mann während seiner Krankheit einen blauen Pullover gestrickt. „Diesen Pullover trug er das letzte halbe Jahr fast ununterbrochen“, sagt Stöckle. „Wenn ich ihn heute anfasse, kann ich Frieder spüren, kann ihn riechen, ich bin ihm nahe. Der blaue Pullover ist für mich eine Art Symbol unserer Verbundenheit.“

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