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Hilfe im Trauerfall

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Hilfe im Trauerfall DIE GENERATION 60 PLUS NUTZT DAS INTERNET IMMER MEHR Auch den digitalen Nachlass regeln Was passiert nach dem Todesfall im Bereich des Internets mit Nutzerkonten von sozialen Netzwerken, Online-Guthaben und Mitgliedschaften? Bestatter bieten Möglichkeiten der digitalen Nachlassverwaltung an. Der digitale Nachlass ist gesetzlich nicht geregelt, und viele Erben sind damit überfordert. Hilfe bietet da in vielen Fällen mittlerweile auch der beauftragte Bestatter an. FOTO: RAINER STURM/PIXELIO.DE (rps) Das durchschnittliche Sterbealter ist in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland fast unverändert geblieben: Bei Männern sind es 75,6 und bei Frauen 82,2 Jahre. Im gleichen Zeitraum ergab sich aber eine rasante Steigerung der Internetaktivität in der Altersgruppe 60 plus, die bei fast 400 Prozent liegt. Waren es 2005 noch etwa 3,5 Millionen Internetnutzer, waren es 2016 bereits zwölf Millionen aus dieser Altersschicht. Somit hat sich die manchmal noch vorherrschende Meinung, Internetnutzung sei vor allem etwas für jüngere Leute, längst überholt. Die Zahlen der sogenannten „Silver Surfer“, also der Internetnutzer ab 65 Jahren, variieren in verschiedenen Schätzungen zwischen mindestens 20 Prozent bis maximal 85 Prozent. Insbesondere ältere Menschen nutzen zunehmend auch den Online-Versandhandel, um beschwerliche Einkaufstouren entbehrlich zu machen. Diese Entwicklung ist für den Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) seit längerem Anlass, die Frage des digitalen Nachlasses im Auge zu behalten. Immer mehr Bestatter bieten daher auch für den Bereich des digitalen Nachlasses Möglichkeiten einer seriösen und unkomplizierten Abmeldung von Nutzerkonten, Mitgliedschaften und Guthaben bei Handelsplattformen, Dating- und Partnerportalen, Spieleplattformen, Wettanbietern oder Vereinsmitgliedschaften an. Auch andere elementare Abmeldungen, etwa von der Rentenversicherung, der Deaktivierung von Facebook-Konten, der Krankenversicherung oder von GEZ-Gebühren werden so über ein einfaches Portal möglich. Verbraucherschützer sind sich einig: Rechtzeitig und korrekt durchgeführte Abmeldungen und Vertragskündigungen verhindern für Angehörige unnötige Kosten. Auch können weiterlaufende Kosten durch Verträge ermittelt und verhindert oder ermittelte Guthaben für die Angehörigen gesichert werden. Seit mehreren Jahren beobachtet der BDB und das mit ihm verbundene Kuratorium Deutsche Bestattungskultur sehr genau die Entwicklungen im Bereich der digitalen Nachlassverwaltung. „Inzwischen ist längst der Zeitpunkt gekommen, zumindest bei einem sehr großen Teil der Bestattungsaufträge den Angehörigen gegenüber die Frage des digitalen Nachlasses zu stellen und passgenau Lösungen anzubieten“, sagt Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur. Die im Todesfall bekannten Abmeldungen und Formalitäten können inzwischen längst komfortabel auf digitalem Wege erledigt werden. Nach Übertragung und Angabe der Daten des Verstorbenen nebst eingescannter Sterbeurkunde können einem unbegrenzten Empfängerkreis gegenüber vielfältige Abmeldungen angestoßen und generiert werden. Profile in sozialen Netzwerken gehören zu den häufigsten Hinterlassenschaften Verstorbener, die für Angehörige von besonders hoher emotionaler Bedeutung sind. Hier ermöglicht die Abmeldung, den Weg zur Löschung oder Umsetzung eines Profils in den sogenannten „Gedenkstatus“ anzustoßen, was für Angehörige von großer Bedeutung ist. Die Vertragsermittlungen und Auskünfte müssen grundsätzlich datenschutzkonform vorgenommen werden. Dabei legen die deutschen Bestatter insbesondere darauf Wert, dass die übermittelten Kundendaten ausschließlich zu Abmeldezwecken genutzt werden und kein Adresshandel vorgenommen wird, der zu aller Trauer die Angehörigen gar noch mit Werbepost belästigt. Das für diese Zwecke entworfene elektronische Abmeldeportal bietet den Angehörigen des Verstorbenen einen weiteren Vorteil: Mit einem eindeutigen und individuellen Zugangscode können sich diese auch selbst in das Formalitäten-Portal einwählen und selbstständig Abmeldungen durchführen, ferner auch sehen, welche Abmeldungen bereits durch den Bestatter angestoßen, vollzogen und vom Vertragspartner bestätigt wurden. Im späteren Zeitverlauf, oftmals nach der Trauerfeier, fallen Angehörigen nicht selten noch Mitgliedschaften ein, die sie dort komfortabel und bequem abmelden können. Das Kuratorium Deutsche Bestattungskultur und der Bundesverband Deutscher Bestatter rät Menschen ab Mitte 50 zum Abschluss von Bestattungsvorsorgeverträgen, die für den Todesfall grundlegende Entscheidungen über Bestattungsart und persönliche Präferenzen klären sowie zur Entlastung der Angehörigen das Geld für die Bestattung zweckgebunden hinterlegen. „Auch dabei sollte die Frage der Internetaktivität bedacht werden, denn es gibt bereits zu Lebzeiten die Möglichkeit, die vielfältigen Nutzerkonten und Mitgliedschaften zu hinterlegen, um im Fall der Fälle den eigenen Angehörigen viele spätere mühsame Schritte bereits abzunehmen“, erläutert Oliver Wirthmann vom Kuratorium. Nach Todesfall: Erben können Erbschein beantragen (tmn) Erben brauchen in der Regel einen Erbschein, um über das Vermögen des Verstorbenen verfügen zu können. „Er legitimiert die Erben zum Beispiel vor der Bank“, erklärt Rechtsanwältin Stephanie Herzog vom Deutschen Anwaltverein (DAV). „Jeder, der meint Erbe zu sein, kann den Erbschein einfordern.“ Hierzu zählen übrigens auch Gläubiger. „Der Antrag kann beim Nachlassgericht des letzten Wohnsitzes des Erblassers schriftlich oder am besten mithilfe eines Notars eingereicht werden“, sagt Herzog. Vor dem Nachlassgericht sind laut Gesetz die Sterbeurkunde, das Familienbuch wie die Abstammungs-, Geburts- und gegebenenfalls die Heiratsurkunde sowie der eigene Personalausweis vorzulegen, um die Verbindung zum Toten nachzuweisen. Wenn es ein oder mehrere Testamente gibt, sind diese ebenfalls abzugeben, falls Auch die Abstammungs- oder Geburtsurkunde müssen potenzielle Erben dem Nachlassgericht vorlegen. FOTO: THINKSTOCK dies durch die Eröffnung noch nicht geschehen sei. Die Kosten für einen Erbschein hängen von der Höhe des Nachlasses ab. Hier handele es sich aber nicht um einen prozentualen Wert vom Erbe, sondern um eine degressive Staffelung aus dem Gesetz über Kosten der freiwilligen Gerichtsbarkeit für Gerichte und Notare (GNotKG). Trauerflor am Auto: Was ist erlaubt? (tmn) Als Zeichen des Mitgefühls oder Ausdruck der eigenen Trauer binden einige Autofahrer einen Trauerflor an ihren Wagen. Das Schleifchen an Antenne, Türgriff oder Außenspiegel sei rechtlich nicht zu beanstanden, wenn es die Sicht des Autofahrers nicht behindert und weder Beleuchtung noch Kennzeichen verdeckt, teilt der Tüv Rheinland mit. Allerdings seien manche Teile nicht auf die dauerhafte zusätzliche Belastung ausgelegt. Schaden nehmen könnten je nach Ausführung des Flors unter Umständen sowohl die Antenne, der Antennenfuß sowie das Bauteil, an dem die Antenne befestigt ist. An einer weit hinten sitzenden Dachantenne sollten etwa Bänder nicht so lang sein, dass sie sich im Gestänge des Scheibenwischers verfangen können. Massive Schäden am Wischergestänge und dem Wischermotor können ansonsten die Folge sein, warnt der Tüv Rheinland.

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