Aufrufe
vor 6 Monaten

Japan im Rheinland

  • Text
  • Japanische
  • Japan
  • Japanischen
  • Unternehmen
  • Japaner
  • Deutschland
  • Tokio
  • Frauen
  • Japans
  • Japanischer

W I R T S C H A F T

W I R T S C H A F T Fotos: AP, Getty Images Anzeige Makiko Sato ist festangestellte Juniorprofessorin an einer Universität in Ost-Japan. Als sie 2016 schwanger wurde, wollte sie es während der ersten Monate nicht öffentlich machen. Im Kollegenkreis freute man sich nicht für Sato, im Gegenteil. „Es gab keine expliziten Schikanen, aber man sah den Unmut in ihren Gesichtern“, schreibt die Frau, die ihren wirklichen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Und damit nicht genug: „Oft bekam ich E-Mails von Kollegen und gar dem Dekan, die meine Schwangerschaft und den Mutterschaftsurlaub als ‚meiwaku‘ bezeichneten.“ Japaner fürchten kaum ein anderes Wort so sehr; es bedeutet Unannehmlichkeiten, Belästigung, Last. Kyudo – Die Kunst des Bogenschießens www.kyudo-neandertal.de Jede vierte arbeitstätige Japanerin macht ähnliche Erfahrungen, wenn sie schwanger wird. Über 60 Prozent scheiden aus dem Arbeitsleben aus, einige bewusst, andere wegen Diskriminierung, wieder andere, weil sie keinen Betreuungsplatz für ihr Kind finden. Steigen sie später überhaupt wieder ins Berufsleben ein, dann meist nur auf schlecht bezahlten Teilzeitstellen, die aber Flexibilität bieten, etwa an der Supermarktkasse oder in Lieferdiensten. Dabei haben viele einen Universitätsabschluss. Premierminister Shinzo Abe spricht seit 2013 davon, eine Gesellschaft zu schaffen, in der „Frauen glänzen können“. Bis 2020 wolle er mindestens 30 Prozent der Führungspositionen in Japans Unternehmen mit Frauen besetzen – ein Ziel, das sich seine liberaldemokratische Partei bereits 2003 gesetzt hatte. Immerhin schaffte es Abe, indem er die Frauenförderung zu einem der Kernziele seiner Regierung machte, das Thema ins Zentrum der gesellschaftlichen Debatte zu bringen. Trotzdem bleibt Japan von der 30-Prozent-Marke weit entfernt, und die Regierung räumt dies auch ein. 2016 machten Frauen gerade 3,4 Prozent der Führungskräfte in börsennotierten japanischen Unternehmen aus – ein Rekordwert laut einer Regierungsumfrage und 0,6 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Im gleichen Maße stieg der Anteil der Chefinnen im Staatsdienst auf 4,1 Prozent, ebenfalls ein Rekord. Auf alle Unternehmen bezogen lag der Anteil von Frauen in Positionen wie Abteilungsleiterin oder höher bei 8,3 Prozent, Trend steigend. Aber trotz neuer Gesetze, Förderprogramme und finanzieller Anreize für Firmen bleibt die Lücke zwischen den Geschlechtern groß. Dabei sind Männer wie Frauen vergleichbar gut ausgebildet. Die Hauptgründe für die Unterschiede brachte Akie Abe, die Frau des Premierministers, kürzlich in einem Interview auf den Punkt: „Das Denken der Männer hat sich nicht geändert“, sagte die 54-Jährige. „Japanische Männer haben die Tendenz, niedliche Frauen gegenüber fähigen und hart arbeitenden Frauen zu bevorzugen. Deshalb versuchen Frauen, als der Typ zu erscheinen, den Männer mögen. Selbst sehr talentierte Frauen geben sich süß.“ Die Erwerbsquote japanischer Frauen hat sich zwar stark erhöht, aber nur sehr wenige gelangen trotz guter Ausbildung in Führungspositionen. Wenn Japan Frauen ähnlich stark wie die Männer ins Arbeitsleben integrieren würde, könnte es ein um 13 Prozent höheres Bruttosozialprodukt erwirtschaften. Zu diesem Ergebnis kam ein Team von Goldman Sachs unter Leitung der Analystin Kathy Matsui. Diese hatte bereits 1999 den Begriff „womenomics“ geprägt, ein Kunstwort aus den englischen Wörtern für Frauen und Wirtschaft. Immerhin ist die Erwerbsquote der Japanerinnen seither von 57 Prozent auf 66 Prozent (2014) gestiegen. Kritiker führen dies aber weniger auf eine innovative Frauenpolitik als vielmehr auf den wachsenden Arbeitskräftemangel in der überalterten und schrumpfenden Industrie nation zurück.

Japan diebraucht Japanerinnen W I R T S C H A F T In Japan werden Frauen auf dem Arbeitsmarkt weiter diskriminiert. Das Land verschenkt dadurch wertvolles Potenzial. Das soll sich jetzt ändern. Anzeige PORTRÄT FRANKUS I Wirtschaftsprüfer • Steuerberater • Rechtsanwälte I Spezialisiert auf japanische Unternehmen 1979 wagte Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Dr. Hans Frankus gemeinsam mit seiner Kollegin Gertrud Kleppi (vBP, StB) den Schritt in die Selbstständigkeit. Die professionelle Erfahrung haben beide bei Arthur Andersen gesammelt und waren damit bestens gerüstet, um internationale bzw. japanische Unternehmen zu betreuen. 1984 stieß Katsuya Fukamachi, japanischer Wirtschaftsprüfer, dazu und komplettierte das Beratungsangebot um die sehr wichtige sprachliche und kulturelle Komponente. 2017 gibt es 7 Partner und 62 Mitarbeiter bei Frankus in Laufnähe zum Japan-Center in Düsseldorf. Aktuell ist Toyo Nishimura zuständiger Partner im Japanbereich. Wie ist Ihr beruflicher Werdegang? TN: Ich bin in Kobe/Japan geboren und in Frankfurt am Main aufgewachsen. Nach dem Studium hatte ich bei KPMG AG als Prüfungsassistent den Berufseinstieg und durfte alle Stufen bis zum Partner durchlaufen. Dabei habe ich viel gelernt. In 2000 habe ich als erster Japaner das deutsche Wirtschaftsprüferexamen bestanden und bin nach Düsseldorf in das Zentrum des Japan-Business in Deutschland gewechselt. Während meiner Zeit bei KPMG habe ich auch im Rahmen einer zweijährigen Entsendung nach Tokio Toyo Nishimura, WP, Partner die Arbeitswelt des Wirtschaftsprüfers in Japan kennengelernt. 2012 habe ich die Nachfolge von Herrn Fukamachi angetreten. Was hatte Sie an Frankus gereizt? TN: Zu dieser Zeit wurden von Frankus rund 60 japanische Unternehmen von unterschied–licher Größe und geschäftlicher Ausrichtung betreut. Durch die Gespräche mit den Partnern und Mitarbeitern konnte ich erkennen, dass hier hoch professionell und routiniert mit der japanischen Mandantschaft gearbeitet wird. Wie entwickelt sich das Japan- Beratungsgeschäft für Frankus? TN: Aktuell haben wir fast 150 japanische Mandanten. Bei den japanischen Firmen im IHK-Bezirk Düsseldorf hat Frankus einen Marktanteil von 25 Prozent. In 2016 sind 25 neue japanische Mandanten zu uns gestoßen. Die meisten Neuzugänge sind Unternehmen, die in Deutschland erstmalig ein Repräsentanzbüro eröffnen oder eine GmbH gründen. Es werden deshalb viele, viele Fragen gestellt, auf die wir aber in den meisten Fällen schon aus der Erfahrung ohne lange Recherchen die Antwort geben können. Wie erfährt ein japanisches Unternehmen von Frankus? TN: Durch Mundpropaganda. Man sagt, dass ein Gerücht sich in der japanischen Community von Düsseldorf in drei Sekunden verbreitet. Glücklicherweise wird nur Positives über uns berichtet. Wenn jemand in Google auf Japanisch „Steuerberater, Deutschland, Start-up“ oder Ähnliches eingibt, taucht unser Link www.yappango.com/support/frankus/ recht weit oben auf. Welche Dienstleistungen bieten Sie den japanischen Mandanten an? TN: Wir verstehen uns als One- Stop-Shop und begleiten die Mandanten von der GmbH-Gründung, dem Antrag für den Aufenthaltstitel sowie den Registrierungen beim Gewerbeamt, dem Finanzamt und anderen Behörden. Natürlich sind wir als Vollsortimenter mit den drei Berufsgruppen in der Lage, fast alle Wünsche der Mandanten zu erfüllen. Verrechnungspreisdokumentationen, M&A-Beratung, Jahresabschlusserstellung nach Japan GAAP, J-SOX-Prozess-Beratung und –prüfung sind einige fachliche Themenkomplexe, bei denen wir uns auf die speziellen Bedürfnisse der japanischen Mandantschaft ausgerichtet haben. Was ist denn besonders an Frankus? TN: Ganz klar die Menschen, die bei Frankus arbeiten. Fünf Japaner, die alle auch fachlich tätig sind und entweder direkt Mandanten betreuen oder unsere KollegInnen bei der Kommunikation in Japanisch unterstützen. Ich bin stolz auf meine KollegInnen, die sehr engagiert und professionell im Team zusammenarbeiten. Als Wirtschaftsprüfer kann ich gemeinsam mit meinem Partnerkollegen Dr. Martin Poggemann, der als Rechtsanwalt und Steuerberater acht Jahre in der Steuerund Rechtsabteilung der KPMG AG als Prokurist tätig war, eine wirklich ganzheitliche Beratung anbieten. Ich höre auch sehr oft von den Mandanten das Lob: „Die Leute bei Frankus sind so nett und hilfsbereit. Wir fühlen uns gut aufgehoben“. Jedes Mal bringen uns die Gäste aus Japan Leckereien mit, was natürlich auch die Motivation fördert. Was erstaunt die japanischen Mandanten besonders? TN: Das man in Deutschland bis zu 30 Tage bezahlten Urlaub hat und die Mitarbeiter diese tatsächlich nehmen. Im Meeting bei Frankus an Weiberfastnacht die Krawatte zu verlieren, ist ebenfalls ein „Aha“-Erlebnis. Welche Aktivitäten entfaltet Frankus in der Japan Business Community? TN: Die japanische IHK veranstaltet für die Mitglieder Seminare. Wir halten in diesem Rahmen jedes Jahr einen Vortrag. Dieses Jahr lautet unser Vortragstitel „Umsatzsteuer: Fehler bei Reihengeschäften, die teuer zu stehen kommen. Ein Seminar für Vertriebsmitarbeiter“. Ihr Ausblick für Frankus? TN: Die Unsicherheit wegen Brexit und der Standort Düsseldorf mit der sehr attraktiven Infrastruktur für japanische Unternehmen führt bei uns zu Neugeschäft. Die japanische Business-Community in Düsseldorf wird auch in Zukunft weiter wachsen. Wenn also unsere Mandanten weiterhin so fleißig die Werbetrommel für Frankus rühren, können wir auch noch mehr interessante Stellen vom Azubi bis Partner/in besetzen und damit unseren Beitrag zur Wirtschaft in Düsseldorf leisten. www.frankus.com nihongo@frankus.com

Sonderveröffentlichungen