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Japan im Rheinland

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M U S I K Pianist Tomoki

M U S I K Pianist Tomoki Kitamura (links) und Philipp Potz, künstlerischer Leiter bei Kawai, in der Krefelder Musikschule. Foto: Mark Mocnik K A W A Ilässt Krefeld gut klingen 67.000 Klaviere und Flügel verkauft das Unternehmen Kawai jährlich. Jedes Instrument, das für den europäischen Markt bestimmt ist, macht in Krefeld Zwischenstation. Zudem holt Kawai auch junge Top-Pianisten an den Niederrhein. VON PETRA DIEDERICHS Für junge Manager im japanischen Hamamatsu ist Krefeld eine wichtige Station auf der Karriereleiter: Wer bei Kawai in gehobene Positionen aufsteigen möchte, muss sich am Niederrhein bewähren. Das vor 90 Jahren gegründete Instrumenten- www.kaochemicals.de Kao Chemicals ist ein international führendes Unternehmen, das sich mit der Herstellung von Tensiden beschäftigt. Als eine Tochtergesellschaft der Kao Corporation, Japan, entwickeln und produzieren wir hochwertige Produkte, die in vielen Bereichen des Lebens und der Industrie Anwendung finden. bau-Unternehmen hat seine Europa-Zentrale seit 1989 in Krefeld. 35 der knapp 4000 Mitarbeiter sind hier beschäftigt, darunter sieben Japaner. Bei der Wahl des Standorts spielte auch die Nähe zu Düsseldorf eine Rolle: „Es ist uns wichtig, dass die Mitarbeiter auch soziale Bindungen haben, gerade wenn sie aus der Ferne für einige Jahre hierher kommen“, sagt Alexander Voigt, Chef der Europa-Zentrale. „Vor allem für junge Familien sind der japanische Kindergarten und die japanische Schule wichtige Kriterien.“ In Krefeld schlägt das europäische Herz des Instrumentenbauers: 60.000 Klaviere werden pro Jahr verkauft, 6000 bis 7000 Konzertflügel und annähernd 100.000 elektronische Klaviere, Tendenz steigend. E-Pianos sind praktisch: klein wie ein Computertisch, im Gegensatz zu einem Flügel, der gerne 2,30 Meter misst und an die 400 Kilo wiegt. Und bei elektronischen Klavieren lässt sich die Lautstärke regulieren. Das sichert den Frieden mit den Nachbarn, wenn der Schüler noch nicht meisterlich spielt. Die Instrumente werden in Japan und Indonesien gefertigt. Was für Deutschland, die Schweiz, Österreich, Benelux und den osteuropäischen Markt bestimmt ist, wird erst einmal nach Krefeld geliefert. Akustische Instrumente brauchen mehr Aufmerksamkeit. Jedes wird ausgepackt, kontrolliert und in eine Stimmkabine gebracht. Sechs Fachleute stimmen die Instrumente, die anschließend sicher verpackt vor großen Ladetoren geparkt werden. Hier warten sie auf die Lastwagen, die sie zu ihrem Bestimmungsort bringen. Unter einer der Schutzhüllen steckt der Flügel des Klaviervirtuosen und Komponisten Mikhail Pletnev, Gründer und Chefdirigent des Russischen Nationalorchesters. Von Krefeld aus folgt das Piano dem Maestro für etwa 30 Konzerte im Jahr auf die großen Bühnen. Denn Kawai steht seit vielen Jahren auch für hochkarätige Musikveranstaltungen. In einer eigenen Konzertreihe bringt das Unternehmen vielversprechenden, meist wettbewerbsgekrönten internationalen Klaviernachwuchs aufs Podium – nicht nur, aber oft aus Asien. Philipp Potz, künstlerischer Leiter in der Europa-Zentrale, hält es für wichtig, jungen Profis eine Bühne zu bieten. „Das war auch der Anlass für unsere Meisterkurse in Krefeld“, sagt er. In jedem Frühjahr bewerben sich Musikstudenten aus der ganzen Welt um eines dieser Wochen-Stipendien. Mit einem renommierten Konzertpianisten arbeiten sie in der städtischen Musikschule intensiv an Interpretation und Ausdruck. Konzerte des Dozenten und der Meisterschüler gehören zu Pflichtterminen für viele Klassikfreunde. Auch das mit steigender Tendenz. „Es gibt heute so viele Klavierspieler wie nie zuvor“, berichtet Voigt.

Die Zukunft der Brille ist japanisch Am Uniklinikum Essen wird eine revolutionäre Sehhilfe getestet. VON MATTHIAS BEERMANN Sie sieht noch etwas klobig aus, wirkt wie eine Kreuzung aus dem guten alten Kassengestell und einer trendigen Ski-Brille. Doch schon bald könnte das eigenartige Gerät den Markt der Sehhilfen revolutionieren. Wenn es nach den Ingenieuren des japanischen Halbleiter-Unternehmens QD Laser aus Kawasaki geht, dann werden Sehschwächen verschiedenster Art schon in einigen Jahren nicht mehr mit Linsen, sondern mittels digitaler Laserprojektion korrigiert. „Mit dieser Brille werden Menschen mit schlechtem Sehvermögen wieder Bücher, Zeitungen oder Fahrpläne lesen können“, prophezeit der Chef von QD Laser, Mitsuru Sugawara. So funktioniert die neue Sehhilfe: Eine in die Brille eingebaute Miniaturkamera erfasst die Umgebung. Das Bild wird über einen Spiegel mit schwachen Laserstrahlen direkt auf die Netzhaut des Trägers projiziert, und zwar präzise angepasst an dessen jeweilige Sehfähigkeit. So lässt sich theoretisch jede Fehlsichtigkeit, die mit Hornhaut oder Augenlinse zu tun hat, überlisten. Ob das gemeinsam mit der Universität Tokio entwickelte Hightech-Gerät auch in der Praxis hält, was der Hersteller sich von ihm verspricht, das wird demnächst an der Uniklinik Essen getestet. Voraussichtlich Ende des Jahres, so sagt der Mediziner Michael Oeverhaus, könne man mit den klinischen Tests beginnen. Rund 30 Patienten, vorwiegend mit Hornhauterkrankungen, werden daran teilnehmen. Die Ergebnisse der auf sechs bis neun Monate angelegten Studie, so hofft QD Laser, werden schließlich eine Zulassung als medizinisches Gerät in Europa ermöglichen. Aus medizinischer Sicht könnte die Projektionsbrille zunächst Patienten zugutekommen, denen man mit den Mitteln der klassischen Hornhautchirurgie nicht helfen könne, erläutert Oeverhaus. Sollte sich die Technik bewähren und weiterentwickelt werden, könnte die Brille aber auch von Menschen mit starker Sehschwäche verwendet werden. „Das würde den Lebenskomfort dieser Patienten ungeheuer verbessern“, sagt Oeverhaus. Noch tüfteln die Ingenieure bei QD Laser, das 2006 als Ableger des japanischen Fujitsu-Konzerns gegründet wurde, an der weiteren Miniaturisierung der Brille. Der angepeilte Verkaufspreis der Brille bei Markteinführung soll unter 9000 Euro liegen. Vermarktet werden soll die „LEW Laser Eyewear“ für ganz Europa von Essen aus. Ende 2015 gründete das Unternehmen dafür dort eigens eine Tochtergesellschaft. Foto: Uni-Klinik Essen H I G H T E C H

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