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Japan im Rheinland

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K U N S T Spektakuläre

K U N S T Spektakuläre Architektur: die Langen Foundation Tempel der Kostbarkeiten Ein japanischer Architekt verwandelte eine ehemalige Raketenstation in ein Museum, das heute eine der größten Sammlungen japanischer Kunst in Europa beherbergt. Blick in den unterirdischen großen Ausstellungsraum und zwei Exponate der Ausstellung „Japanische Malerei“ (noch bis zum 20. August) Fotos: Bittner (3), M. Reuter VON HELGA BITTNER Japanische Malerei - das ist fast ein zu schlichter Titel für eine Ausstellung, die die Kultur einer Nation über mehrere Jahrhunderte spiegelt und zudem von hohem ästhetischen Genuss ist. In der von Tadao Ando erbauten Langen Foundation auf der Raketenstation in Neuss werden noch bis 20. August Kostbarkeiten gezeigt, die aus einer der größten privaten europäischen Sammlungen mit Kunst aus Japan stammen. Keramiken der vorgeschichtlichen Jmon-Zeit und buddhistische Statuen der Nara- und Heian-Periode gehören auch dazu, aber der Schwerpunkt ist die Malerei. Sie reicht von der höfischen der Han-Schule bis zur Genremalerei des 19. Jahrhunderts, umfasst etwa 350 Exponate, von denen die Ausstellung auch in den großen Räumen nur eine Auswahl zeigen kann. Grundlage der Tuschearbeiten sind oft Geschichten und Legenden – sie können aus dem Konfuzianismus stammen oder aus der Biografie eines längst verstorbenen Prinzen. So wird auf einem sechsteiligen Stellschirm aus dem 17. Jahrhundert die „Geschichte des Prinzen Genji“ erzählt oder „Die Übergabe eines Pferdes“ (18. Jahrhundert) fast satirisch illustriert. Menschen und Tiere wirken auch nach Jahrhunderten noch sehr lebendig, die Blumen möchte man pflücken und durch die Landschaften will man am liebsten wandern - mit feinem Strich, in mal zarten, mal kräftigen Farben sind sie auf Stellschirme und Rollbilder gemalt. Eine große Liebe zur Kunst war die Antriebsfeder für das Sammlerehepaar Viktor und Marianne Langen. Was nicht zu Hause an den Wänden hing, wurde in einem Depot gelagert. Für die japanische Kunst (vom 12. bis 19. Jahrhundert) aber richtete das Ehepaar ein Privatmuseum in Ascona ein. Erst 1998 - acht Jahre nach dem Tod ihres Mannes Viktor – ließ sich Marianne Langen überreden, ihre Sammlung auf eine Ausstellungsreise zu schicken. Auf ihren Reisen kreuz und quer durch die Welt haben Viktor und Marianne Langen auch zahlreiche Zeugnisse alter Kulturen in anderen Ländern gesammelt – von buddhistischen Skulpturen bis zu präkolumbischer Kunst. Auch nach dem Tod ihres Mannes sammelte Marianne Langen weiter und gründete schließlich 2002 im Alter von 91 Jahren eine Stiftung für ein Kunst- und Ausstellungshaus. Sie hatte das Passende gefunden: ein futuristisch anmutendes Gebäude, das aus zwei architektonisch unterschiedlichen, miteinander verbundenen Gebäudetrakten bestand und teilweise sechs Meter tief in die Erde hineingebaut war. Sieben Jahre zuvor hatte es Tadao Ando entworfen. Aus purer Begeisterung für die Umwandlung der ehemaligen Nato-Raketenstation in einen Ort für Kunst und Kultur. Auch Marianne Langen war von dem Ando-Bauplan begeistert und finanzierte ihn mittels der Stiftung. Beton, Glas und Stahl, die typischen Materialien des japanischen Architekten, bestimmen das Bild der Langen Foundation. Grünbewachsene Wälle umgeben das zweiteilige Gebäude, das seit seiner Einweihung 2004, die Marianne Langen nicht mehr erlebte, ein Markenzeichen für die einstige Raketenstation geworden ist.

Das Mekka für Mangafans Die deutsche Cosplay-Szene hat sich rasant entwickelt. Mit der Dokomi hat sie ihre eigene Messe – natürlich in Düsseldorf. Allein in diesem Jahr sind mehr als 40.000 Besucher in die Landeshauptstadt gepilgert. VON TANJA KARRASCH Die Idee hatten Andreas Degen (30) und Benjamin Schulte (30) im Jahr 2008. Sie wollten Fans der japanischen Comic-Kultur, von Manga, Anime und Cosplay, einen offiziellen Treffpunkt bieten. Dass es dafür eine Zielgruppe in Düsseldorf gab, wussten sie: „Damals haben sich samstags immer hunderte Cosplayer am Bahnhof getroffen“, sagt Degen. Cosplay ist ein japanischer Kleidungstrend, bei dem Figuren aus japanischen Zeichentrick-Serien und Comics nachgestellt werden. Bei den Treffen am Bahnhof wurden in Handarbeit gebastelte Kostüme präsentiert und viele Fotos gemacht. Mit 300 bis 400 Besuchern rechneten Degen und Schulte daher schon beim ersten Treffen in einem Düsseldorfer Gymnasium – es kamen stattdessen 1800. 2011 musste die Veranstaltung umziehen, die Kapazität war erschöpft. Der neue Austragungsort: die Messe Düsseldorf. In diesem Jahr kamen mehr als 40.000 Besucher zur Veranstaltung, damit ist die Dokomi die größte Cosplay-Messe Deutschlands. Die Teilnehmer der Dokomi kommen mit langen, pinken Eine Cosplayerin auf der Dokomi. Haaren, stark geschminkt, in aufwendigen Kostümen. Jacqueline aus Wuppertal etwa ist in diesem Jahr als „Lady Joker“ zur Dokomi gegangen. Drei Monate hatte die 26-Jährige, Spitzname Jacki Chan, mit Unterstützung ihrer Oma an dem Kostüm gearbeitet. Das Treffen der Szene ist ein buntes Spektakel: Japanische Popmusik, Kostümwettbewerbe, 500 Fanstände, an denen Privatpersonen unter anderem selbstgezeichnete Mangas verkaufen und 120 kommerzielle Stände erwarten die Besucher. Der Cosplay-Ball ist ein Höhepunkt, die 400 Karten waren innerhalb von zehn Minuten ausverkauft. Auch Düsseldorf profitiert von der zunehmenden Beliebtheit von Cosplay und Co. „Als wichtigster Japan-Standort Deutschlands liegt es im Interesse der Stadt, diese erfolgreiche und aufgrund ihres jugendlichen Publikums zukunftsrelevante Veranstaltung nachhaltig an den Standort zu binden und zu unterstützen“, sagt Stadtsprecherin Kerstin Jäckel-Engstfeld. Dabei war zu Beginn die Skepsis groß, viele konnten mit Cosplay nichts anfangen. Pia-Tomoko Meid, Geschäftsführerin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft am Niederrhein, sieht in dem Phänomen eine Möglichkeit zur Kulturvermittlung. „Es geht darum, in eine Rolle zu schlüpfen, für eine bestimmte Zeit jemand anders zu sein“, erklärt die Japanologin die Begeisterung der Fans. Foto: Andreas Bretz P O P K U L T U R

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