Aufrufe
vor 3 Monaten

Leseprobe Hilden / Haan -16.09.2017-

  • Text
  • Hilden
  • September
  • Haan
  • Beecker
  • Hildener
  • Rheinische
  • Olaf
  • Staschik
  • Haaner
  • Unternehmen

RHEINISCHE POST SAMSTAG,

RHEINISCHE POST SAMSTAG, 16. SEPTEMBER 2017 HI-SV04 Leseprobe 4 INTERVIEW MARCUS BÜTTNER „Nur eine Hardware-Lösung bringt Erlösung“ Der Hauptgeschäftsführer des Kfz-Verbandes NRW mit Sitz in Hilden äußert sich zum Diesel-Skandal und seinen Folgen. Sie fahren selbst einen Diesel. Haben Sie dabei ein schlechtes Gewissen? BÜTTNER „Gewissen“ ist eine moralische Kategorie. Das kennzeichnet doch schon die Unsachlichkeit der Diskussion, die wir zur Zeit erleben. Dabei geht es doch darum, was für den Umweltschutz tatsächlich Sinn macht. Dieselfahrzeuge können dazu beitragen, den Kohlendioxid- Anteil als den treibenden Faktor des Klimawandels zu verringern. Die aktuelle Diesel-Debatte ist eine Stickstoffdioxid-Debatte. Ja, der Diesel hat schlechtere Werte als Otto- oder Erdgas-Motoren. Der Grenzwert liegt laut EU-Verordnung bei 40 Mikrogramm Jahresdurchschnitt pro Tag. In der Luft von Arbeitsräumen dürfen laut Verordnung bis zu 950 Mikrogramm Stickstoffdioxid sein. Das zeigt: Wir müssen eine gesundheitspolitische Diskussion führen. Umweltpolitisch ist aber der Diesel insgesamt besser als andere Motoren. INFO Händler sitzen auf rund 300.000 Euro-5-Diesel Nach einer Hochrechnung des Zentralverbandes Deutsches Fahrzeuggewerbe stehen aktuell rund 300.000 Euro-5-Diesel bei Vertragshändler in Deutschland. Bei einem Durchschnittswert von 15.000 Euro entspricht das rund 4,5 Milliarden Euro. 77,2 Prozent der Vertragshändler mussten nach einer Online-Befragung ihre Diesel-Bestände bereits abwerten. An der Umfrage nahmen 718 Vertragshändler aller Marken teil. Marcus Büttner vertritt 8800 Kfz-Betriebe mit rund 81.000 Mitarbeitern in Nordrhein-Westfalen. Der Verband hat gerade erst eine neue Geschäftsstelle an der Bahnhofsallee 11 in Hilden bezogen. RP-FOTO: OLAF STASCHI Sie vertreten 8800 Kfz-Betriebe mit rund 81.000 Mitarbeitern in NRW. Wie nehmen die die aktuelle Diesel- Debatte wahr? BÜTTNER Unsere Betriebe erleben die Debatte als unfair. Dieselfahrzeuge werden regelrecht verteufelt. Tatsache ist: Die Automobilhersteller haben bei den Abgaswerten getrickst. Unsere Betriebe haben den Kontakt zu den Kunden und müssen quasi für die Hersteller die Kastanien aus dem Feuer holen. Die Autohäuser fühlen sich zwischen zwei Mühlsteinen: Die Autoindustrie war nicht aufrichtig. Und die Öffentlichkeit stellt die gesamte Antriebstechnologie in Frage. Was ist mit dem Diesel-Gipfel der Bundesregierung? BÜTTNER Er war eine Enttäuschung. Wir als Verband und der ADAC als Vertreter der Autofahrer waren außen vor. Wir brauchen eine nachhaltige Lösung. Nur eine Hardware-Lösung bringt Erlösung. Wer soll das bezahlen? Die Autofahrer, die Industrie, der Staat? BÜTTNER Die Umrüstung kostet rund 1500 Euro pro Auto. Die Bundesregierung sollte dazu einen Fonds auflegen – und das Geld dafür bei der Automobilindustrie einsammeln. Was halten Sie von der Deutschen Umwelthilfe, die die Diesel-Affäre ins Rollen gebracht hat? BÜTTNER Wir kennen die Deutsche Umwelthilfe gut. Sie ist uns als Abmahnverein aufgefallen. Sie finanziert sich zu einem Großteil aus Abmahnungen. Toyota macht mit der Deutschen Umwelthilfe ein Projekt und engagiert sich in Millionenhöhe. Nahezu zeitgleich verkündete Toyota, keine Dieselmotoren mehr anbieten zu wollen. Und dann wurde auf einmal der Diesel als Umweltverschmutzer ausgemacht. Zwischen beidem gibt es einen Zusammenhang – zumindest zeitlich. Mit nur 245 Mitgliedern ist die Deutsche Umwelthilfe ein kleiner Club. Vertreten sind dort vor allem Unternehmen aus dem Umweltbereich. Für uns ist die Deutsche Umwelthilfe ein Marketing-Instrument für nur einen kleinen Ausschnitt der Umweltindustrie. Wir sehen das äußerst kritisch. Wie viele Diesel welcher Marken haben ihre Mitglieder schon umgerüstet? BÜTTNER Wir haben noch keinen Überblick, weil wir noch keine Zahlen vom Kraftfahrtbundesamt haben. Der VW-Konzern fährt bereits eine Rückrufaktion. Rund eine Million Autos haben schon eine Software-Umrüstung erhalten. Daimler rüstet auf freiwilliger Basis um. Andere Hersteller wie etwa Ford oder Opel überlegen noch. Und bei ausländischen Herstellern etwa aus Frankreich oder Italien ist die Situation völlig unklar. Der ADAC rät Privatkunden zurzeit vom Kauf eines Diesels ab. Was raten sie als Kfz-Fachverband? BÜTTNER Es ist viel zu früh, den Dieselmotor totzuschreiben. Nahezu alle Parteien sprechen sich gegen Fahrverbote aus. Wir gehen davon aus, dass es auch nach der Bundestagswahl dabei bleibt. Die Frage ist doch: Welche Alternativen gibt es zum Diesel? Für Vielfahrer sind Diesel nach wie vor die richtige Wahl und Elektro-Autos noch keine Alternative. Was sollten Autofahrer tun, die aktuell einen Diesel fahren? BÜTTNER Abwarten und Tee trinken. Wird die Diesel-Affäre die Bundestagswahl entscheiden? BÜTTNER Nein, da gibt es andere, wichtigere Themen. CHRISTOPH SCHMIDT STELLTE DIE FRA- GEN. Meike Opitz hält als Geschäftsführerin die Fäden bei „Haus & Grund“-Niederberg zusammen. Hinten: Vorsitzender Jürgen von der Ahe. RP-FOTO: OLAF STASCHIK Fusion: Haus und Grund Niederberg wächst Die Vereine Haan und Wülfrath gehen zusammen. Der Verein betreut nun mehr als 1560 Mitglieder. VON RALF GERAEDTS HAAN/WÜLFRATH Ob es um Mietrechtsfragen geht oder Regelungen für Wohneigentümer. Ob um Problemfälle an der Grundstücksgrenze oder allgemeine Fragen rund um das Immobilien-Eigentum – es gibt viele gesetzliche Regelungen und Fallstricke, die Expertenwissen verlangen. Und das bietet sich den Mitgliedern von „Haus & Grund Niederberg“. Zum Jahreswechsel wächst der Verein auf das Gebiet des Amtsgerichtsbezirks Mettmann. Denn der Wülfrather „Haus & Grund“-Verein fusioniert mit dem Haaner. Nach dem Zusammenschluss werden mehr als 1560 Mitglieder betreut. Fünf Rechtsanwälte aus der Region bieten juristische Beratung, zwei professionelle Hausverwalter beantworten allgemeine Fragen und ein Steuerbevollmächtigter weiß in steuerlichen Fragen Rat. Schon jetzt können die Wülfrather Mitglieder die Niederberg-Geschäftsstellen in Haan und Mettmann besuchen. Die bisher in der Kalkstadt bestehenden Beratungstermine bleiben auch künftig bestehen. 14 Jahre ist es her, seit sich der Verein Haus & Grund Haan mit damals 450 Mitgliedern mit der Mettmanner GbR (damals 900 Mitglieder) zu Haus und Grund Niederberg zusammenschlossen hat. Seither ist der Verein deutlich gewachsen, gehörte im vorigen Jahr sogar zu den deutschlandweit drei Vereinen mit dem größten Mitgliedergewinn. Die Erfolgsgeschichte soll fortgesetzt werden. „Wir hatten schon mehrere Anfragen an Wülfrath gerichtet, um im ganzen Amtsgerichtsbezirk Mettmann eine einheitliche Vertretung bieten zu können“, erklärte Jürgen von der Ahe, seit zehn Jahren Vorsitzender des Haaner Vereins. Die Offerten seien aber jeweils abgelehnt worden. Bis zuletzt. „Die Besetzung wurde schwieriger“, bekannte Jürgen Pohl, bereits seit 23 Jahren Vorsitzender des Wülfrather Vereins. „Jetzt müssen wir was ändern!“ Meike Opitz hält als Geschäftsführerin im Verein Niederberg die Fäden in der Hand. Die Volljuristin weiß, wie schwierig das Metier rund um Eigentum und Mietverhältnisse werden kann. Sie rät Mitgliedern vor Vertragsabschluss zu Beratungsgesprächen, um Fehlerquellen vermeiden zu können. Allein gestern gab es vormittags in Haan acht Beratungen und nachmittags in Mettmann zwölf. Die Beratungen sind für Mitglieder im Jahresbeitrag von 62 Euro enthalten, ebenso das Mitgliedermagazin. „Haus & Grund“ Niederberg ist täglich erreichbar. Mitglieder können in jeder Stadt die Geschäftsstellen aufsuchen und ihre Fragen stellen. Jürgen von der Ahe stellt klar, dass der Verein lediglich mündlich berate. „Das ist unsere Leistung.“ Seien Gerichtsverfahren nicht zu vermeiden, müsse ein Rechtsanwalt selbst eingeschaltet werden. Dazu aber bietet der Verein kostengünstig Rechtsschutzversicherungen an. Der Bundesgerichtshof sei mit seinen Entscheidungen „sehr streng mit Vermietern“, betont Meike Opitz, der daran gelegen ist, Konflikte schon im Vorfeld zu verhindern. „Mit unseren Mietverträgen sind schon 60 Prozent aller Probleme vermieden.“ Auch in Richtung potenzieller Mieter betonte die Expertin, dass kein Vermieter tricksen wolle. „Sowohl Vermieter als auch Mieter haben die gleiche Rechtsprechung.“ Das Jugendamt Hilden hat ein neues Leitungsteam HILDEN (arue) Seit dem 1. August hat das Amt für Jugend, Schule und Sport ein neues Leitungsteam. Mit dem Sozialpädagogen Ulrich Brakemeier und der Verwaltungs-Betriebswirtin Anja Voß führen zwei erfahrene Kollegen die Arbeit von Noosha Aubel fort. Diese ist als Dezernentin nach Potsdam gewechselt. Brakemeier ist künftig Leiter des Amtes, Voß seine Stellvertreterin. Sowohl Voß als auch Brakemeier haben schon ihre ersten beruflichen Schritte bei der Hildener Stadtverwaltung gemacht. Beide kennen die Stadt, ihre Akteure, die Menschen, Politik und Verwaltung. Sie haben über die Jahre wertvolle Netzwerke aufgebaut und bringen Praxiserfahrung mit. „Eine perfekte Kombination“, findet Jugenddezernent Sönke Eichner, der ihr Vorgesetzter ist. Als oberstes Ziel haben sich Brakemeier und Voß Kontinuität gesetzt. „Hilden hat zurecht den Ruf als familienfreundliche Bildungsstadt“, erklärt der neue Amtsleiter. „Aus diesem Grund ziehen zurzeit viele junge Familien hierher“, ergänzt Voß. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Darum braucht es neben neuen Kindertagesstätten ein gutes Konzept für die Schulen. Dabei soll ein neuer Schulentwicklungsplan helfen. Sozialpädagoge Ulrich Brakemeier und Verwaltungbetriebswirtin Anja Voß führen jetzt das Amt für Jugend, Schule und Sport. FOTO: STASCHIK

HI-SV05 5 Leseprobe RHEINISCHE POST SAMSTAG, 16. SEPTEMBER 2017 Ja, wo läuft er denn? SERIE Rekordverdächtig im Kreis Mettmann: Werner Beecker ist 85 Jahre alt und hält neun deutsche Rekorde. VON GÖKÇEN STENZEL HAAN Vorige Woche, als Reporter einer Hamburger Tageszeitung Werner Beecker in Haan besuchten, hatte der seine helle Freude. „Sie betraten mein Wohnzimmer“, erzählt der 85-Jährige lachend, „und einer fragte spontan: ,Haben Sie hier ein Geschäft?’“ Kein Wunder: Mehr als 2000 Erfolge hat Beecker in seiner 65-jährigen Rad- und Laufkarriere gesammelt, unzählige Trophäen zieren sein Zuhause, es sieht tatsächlich aus wie in einem gut sortierten Laden. Verkauft wird aber nichts, es sollen im Gegenteil noch ein paar hinzukommen: 67 deutsche Meistertitel hat der Haaner bisher, die 70 will er vollmachen. „Das wird ihm schon gelingen“, sagt Jörg Reckmeier, beim Deutschen Leichtathletikverband für Senioren zuständig und mit dem Haaner seit 20 jahren bekannt. „Er hatte immer Ziele, und das kommt seiner Ausdauer zugute.“ Noch vor zehn Jahren wäre das Phänomen Beecker nicht denkbar gewesen, sagt Reckmeier: Es gab keine 85-Jährigen, die 5000 Meter und mehr liefen. Und wie Beecker von sich selber sagt: So alt fühle ich mich gar nicht. Inzwischen würden die Alten immer fitter, „und ein paar rücken jetzt nach“, sagt Reckmeier. Dann wäre Beecker nicht mehr einsame Spitze, aber noch ist es nicht so weit. Apropos einsam. Oft genug musste sich der Läufer, der als Radrennfahrer begann, in die Altersgruppe der Werner Beecker in seiner Sammlung, die inzwischen weitergewachsen ist: Unser Bild stammt aus dem Jahr 2015. über 70-Jährigen einreihen, weil er in der Gruppe der 85- bis 90-Jährigen allein gewesen wäre. Erlebt hat er das alles schon. Jeden zweiten Tag absolviert der Rentner sein Lauftraining, hinzu kommen Radeln und Gärtnern. Sein fast 500 Quadratmeter großes Grundstück rund ums Haus hält er alleine in Schuss, wollte und musste die angebotene Hilfe seiner Nachbarinnen bisher nicht in Anspruch nehmen. Motto: Das hält alles fit und dient seinem Sport. Dass er aber nicht nur an sich selber denkt, beweist er in seiner Heimatstadt immer wieder: „Denn er schenkt den HTV-Leichtathleten jedes Jahr für RP-ARCHIVFOTO: OLAF STASCHIK den Haaner Brunnenlauf die Pokale aus seiner riesigen Pokalsammlung“, berichtet Herbert Raddatz, Vorsitzender des Stadtsportbundes. „Vor einigen Jahre war Beecker auch HTV-Mitglied, doch er hatte keine Trainingspartner in seiner Altersgruppe. So wandte er sich dem LC Wuppertal zu und startet seitdem für den Wuppertaler Club.“ Dort fühlt er sich offenbar gut aufgenommen: Ein Sportkollege hat ihn vorige Woche erst zu einem Abendlauf nach Bergisch-Gladbach gebracht und begleitet. Ehrungen werden ihm schon seit Jahren zuteil. Bei der Haaner Sportlerehrung ist er Dauergeehrter und somit der erfolgreichste Haaner Sportler. Bei der Sportlerehrung des Kreises Mettmann 2011 wurde er vom Landrat zum Sportler des Jahres in der Seniorenklasse ausgezeichnet. Raddatz erinnert eine Anekdote, die er über den Langstreckenläufer gern zum besten gibt: „Vor einigen Jahren bekam er von einer Professorin aus Ottawa in Kanada eine Einladung, um sich an an der dortigen Universität testen zu lassen. Die Professorin wollte ihn untersuchen und herausfinden, warum er im Alter von damals mit 80 Jahren Meisterschaften und Rekorde auf den Langstrecken wie am Laufband erzielt. Doch der Langstreckler, der die Strecken von 800 Metern bis zum Marathonlauf wie am Schnürchen läuft, wagte nicht den Flug über die Atlantik. Geschätzt läuft er im Training und im Wettkampf 10.000 Kilometer pro Jahr, doch der Flug über 10.000 Kilometer in zwölf Stunden nach Kanada – das war ihm zu riskant.“ Nicht nur das: „Er hatte immer Ziele, und das kommt seiner Ausdauer zugute“ Jörg Reckmeier Deutscher Leichtathletikverband Er hat Flugangst, verzichtet damit auf Starts weit weg. Seit drei Jahren ist Beecker Witwer, war mehr als 60 Jahre mit seiner Frau Gerlinde verheiratet. Die beiden haben drei Söhne und eine Tochter. Den Start seiner Sportlerkarriere kennen die ebenfalls nur aus Vaters Erzählungen: Nachdem Werner Beecker mit 14 Jahren schwer an Lungentuberkulose erkrankte, riet der Arzt zu leichtem Fahrradtraining, um die Lunge zu stabilisieren. „Wir hatten zu der Zeit, zu Kriegsende, kein Rad“, erinnert sich der Senior noch gut, „aber mein Vater sammelte Teile zusammen und baute daraus eines zusammen.“ Niemand hätte zu diesem Zeitpunkt auch nur ahnen können, was passieren würde: Der junge Mann, dem die Ärzte nur zwei Jahre Überlebenszeit prognostizierten, infizierte sich schwer mit dem Sportvirus, wollte von da an nur noch Radrennen fahren. Der Solinger Verein Schwalbe 03 entdeckte schnell das Potenzial, das in Werner Beecker schlummerte. Ein Sieg folgte dem nächsten, 1955 wurde der damals 23-Jährige Deutscher Meister in der Einerverfolgung über 400 Meter, es folgte der Aufstieg in die Nationalmannschaft. Nach einem Sturz wechselte er ins Lauffach. Nächster Start: die Deutschen Straßenmeisterschaften.

Sonderveröffentlichungen