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Neues aus dem Zoo Duisburg

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10 / KOALA BEGEGNUNG MIT

10 / KOALA BEGEGNUNG MIT EINEM TRUE-SCHNABELWAL Roland Edler filmte die sensationelle Entdeckung vor den Azoren. Plastik und anderer Müll werden mit Hilfe eines Keschers geborgen. Die Augen leuchten, wenn Roland Edler, Revierleiter im Delfinarium, von seinem Erlebnis auf den Azoren erzählt. Er entdeckte und filmte einen True-Schnabelwal, der seit über 20 Jahren in den Weltmeeren nicht mehr gesichtet wurde. Die Beobachtung gilt unter Walforschern als sensationell. Noch nie wurde ein True-Wal auf See identifiziert. Alle Sichtungen stammen von gefangenen oder gestrandeten Tieren. Für den Tierpfleger wurde die seltene Begegnung zu einem überwältigenden Erlebnis. Zu erkennen ist der bis zu 1,5 t schwere gräulich gefärbte Meeressäuger an seinem dunklen Ring um die Augen und der leicht gewölbten Stirn mit flacher Melone. Mit einer Länge bis zu 5,30 Meter zählt der True-Wal zu den größeren Vertretern der Schnabelwale. Roland Edler konnte es beim ersten Anblick noch nicht glauben, was sich da im Wasser bewegte. Denn die Wahrscheinlichkeit, überhaupt einen Schnabelwal zu entdecken, ist alles andere als groß. Das bevorzugte Jagdgebiet der Schnabelwale, um Tintenfische aufzuspüren, liegt in bis zu 1.000 Metern Tiefe. Da ist die Sichtung einer anderen der insgesamt 19 verschiedenen Walarten, die im Gebiet der Azoren leben, um ein Vielfaches wahrscheinlicher. Bei der Walbeobachtungs-Expedition ist der 50-jährige Roland Edler gemeinsam mit einer Gruppe für bis zu drei Stunden mit dem Schlauchboot aufs Meer hinausgefahren. „Wir fuhren praktisch von Walart zu Walart, so viele Wale und Delfine kann man vor den Azoren beobachten“, beschreibt Edler die Expeditionsroute. Organisiert wurde die Expedition vom „Institut für Jugendmanagement“ in Heidelberg. Die Expeditionsteilnehmer, ausnahmslos engagierte und wissbegierige Schüler, haben schon in der Schule Vieles über die Walforschung erfahren. Vor Ort lernen sie dann, einzelne Walarten zu identifizieren und beobachten das Tauchverhalten sowie die Lebensweise. Zudem achten sie auf Verschmutzungen im Meer und fischen Reste von Fischernetzen aus dem Wasser, die den Walen, Delfinen sowie Meeresschildkröten gefährlich werden können. Apropos os Meeresschildkröten, die Schüler waren auch eifrig, Schildkröten von Muscheln zu befreien, die auf ihnen festgewachsen waren. Roland Edler war fasziniert von dem Engagement der jungen Leute, aber auch von der Stille, die mitten auf dem Meer herrschte. Seinen ersten Kontakt mit dem True-Wal hatte Edler, als er hinter sich Ausatmungsgeräusche wahrnahm. „Ich holte meine Unterwasserkamera, hielt sie unter Wasser und sah, wie Schnabelwale gemütlich vorbei schwammen.“ Später an Land studierte er die Aufnahmen und suchte in Büchern nach Beispielen, fand aber keinen Schnabelwal, der zu den Filmaufnahmen passte. „Mir war klar, dass ich etwas ganz Seltenes gefilmt hatte.“ Es war ein tolles Gefühl, gesteht Roland Edler, ein lebendes Tier unter Wasser gefilmt zu haben, das erstmalig vor 100 Jahren vor der nordamerikanischen Küste gesehen wurde. Es war im Jahr 1913 als der Biologe Frederick Ein True- Wal, der an der Wasseroberfl äche Luft holt.

KOALA / 11 Es braucht schon jede Menge Glück, um Schnabelwale zu entdecken oder gar zu filmen. Oft zeigen die Wale nur ihre Finnen, die Rückenfl ossen. Die Kamera immer im Anschlag. Vom Bug aus hält Roland Edler Ausschau nach Meeressäugern. True anhand eines Kadavers die Erstbeschreibung des True-Wals vornahm. Seither wurden weitere gestrandet Individuen entdeckt aber noch nie ein Tier im offenen Meer beobachtet. Die Unterwasseraufnahmen Roland Edlers von lebenden True-Walen sind die ersten Dokumente dieser Art. Er ist überzeugt, dass es viele Schnabelwale gibt, die in der Ozeantiefe leben und wenig bekannt sind. Ohnehin ist er fasziniert von der Vielfalt an Walarten und der Schönheit der Tiere. Auf der diesjähri- gen Tour beeindruckte ihn auch ein 30 Meter langer Blauwal, der von einem ca. 9 Meter langen Jungtier begleitet wurde. Insgesamt zehn Mal war Roland Edler bereits zur Beobachtung auf den Azoren. Im Juni machte er sich wieder zur Walforschungstour auf den Weg zu den Azoren. Diesmal war er 14 Tage unterwegs, um sein Ziel zu erreichen: Gemeinsam mit den Walen im offenen Meer wollte er seinen 50. Geburtstag feiern. Schöner, sagt er, konnte ein Geburtstagsgeschenk nicht sein. Klaus Johann

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