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Neues aus dem Zoo Duisburg

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12 / KOALA Der graue

12 / KOALA Der graue Jäger kommt zurück NABU informiert über die Rückkehr des Wolfes in Deutschland. Der Wolf hat es schwer in Deutschland. Der graue Jäger wurde lange dämonisiert und seit dem Mittelalter gejagt. Anfangs des 20. Jahrhunderts galt er in Deutschland als ausgestorben. Jetzt kehrt er langsam zurück. Es wird geschätzt, dass aktuell in Deutschland etwa 70 Rudel und Paare mit insgesamt 500 Wölfen leben. In vielen Schutzprojekten geht es Verbänden um das konfl iktarme Miteinander von Wolf und Mensch. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) will durch seine „Tour de Wolf“ über den Wolf aufklären und dessen schlechtes Image korrigieren. Auch im Zoo Duisburg leistete der NABU in einer Ausstellung Aufklärungsarbeit über das Leben und Verhalten der Tiere. Wir sprachen mit der Diplom-Biologin Katharina Stenglein, Projektkoordinatorin beim NABU für das Bildungsprojekt „Die Rückkehr des Wolfes nach NRW“. Wann ist in Nordrhein-Westfalen in jüngster Zeit ein Wolf gesehen worden? Katharina Stenglein: „Im Mai wurde von einer Mutter, die mit ihrem Sohn im Kreis Siegen unterwegs war, ein Wolf gefilmt. Eine zweite Beobachtung machte ein Landwirt, als er auf seinem Mähdrescher saß. Er filmte das Tier ebenfalls. Das Land ließ durch das Institut für Wolfsmonitoring (Lupus) in der Lausitz überprüfen, ob es sich tatsächlich um Wölfe handelte. Experten bestätigten die Vermutung und gaben ihre Erkenntnisse an das NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz“ (LANUV) weiter. Dort sitzen ausgebildete Wolf- und Luchsberater, die die Aufzeichnungen auswerten.“ Könnten die Wölfe demnächst deutschlandweit wieder heimisch werden? Stenglein: „Sicher nicht flächendeckend, dennoch sind wir auf einem guten Weg. Letztes Jahr wurde in Niedersachsen ein Rüde nachgewiesen, der in wenigen Wochen mehrere 100 Kilometer zurückgelegt hat. Der Rüde hatte DNA-Spuren hinterlassen. In Deutschland werden die Vorkommen über ein Monitoring dokumentiert.“ Hat die Öffnung der Grenzen die Rückkehr des Wolfes beschleunigt? Stenglein: „Das kann man sagen. In Polen war der Wolf ja nie ausgestorben, in der Lausitz sind 1999 erstmals in Deutschland wieder Wölfe entdeckt worden. Wölfe sind anpassungsfähig, kommen auch in der heutigen veränderten Kulturlandschaft zurecht. Förster werden sich freuen über den natürlichen Regulator im Ökosystem. Die Hauptnahrung der Wölfe sind Rehe. Wir haben in den meisten Revieren einen Überbesatz an Rehen. Während sich der Wolf eher schwache Tiere als Nahrung aussucht, sind Jäger auf starke und kräftige Tiere fixiert. Mit dem regulierenden Eingreifen durch Wölfe wird die Wild-Population gesunden.“ So manche Züchter von Huftieren schreien auf und stehen der Wiederansiedlung skeptisch gegenüber. Stenglein: „Das kann ich gut nachvollziehen, bedeutet die Rückkehr des Wolfes für Weidetierhalter gleichzeitig eine Veränderung. Es gibt aber einen Wolf-Managementplan, der sich mit der möglichen Dauerbesiedlung des Wolfes befasst und Empfehlungen enthält. So sollten 90 cm hohe Querstreben, die unter Spannung stehen, auf so genannten Euronetzzäunen angebracht werden. Wölfe überspringen ganz selten Hindernisse, sie untergraben sie eher. Abschreckend wirken auf Wölfe auch Lappenzäune, die durch Windeinfluss in ständiger Bewegung sind. In NRW Obwohl ein Raubtier, ist der Wolf Menschen gegenüber sehr scheu und nur äußerst selten zu sehen.

KOALA / 13 werden mögliche Verluste, die der Wolf zu verantworten hat, zu 80 Prozent ausgeglichen. Über Förderrichtlinien ist der Ausgleich für die Züchter geregelt.“ Wen wollen Sie mit Ihrer Kampagne vor allem erreichen? Stenglein: „Wir gehen in Kindergärten und Schulen und halten Vorträge für Erwachsene. Wir wollen darüber aufklären, wie sich die Menschen verhalten sollen, wenn sie einen Wolf sehen. In den 19 Jahren, in denen Wölfe hier und da wieder heimisch geworden sind, ist kein Vorfall bekannt geworden, bei dem sich ein Wolf dem Mensch gegenüber aggressiv genähert hätte. Wölfe sollten nicht gefüttert und angefasst werden. Ein Wildtier muss wild bleiben. Man sollte Wölfe laut ansprechen, in die Hände klatschen und sich langsam zurückziehen, wenn man sich beim Anblick eines Wolfes nicht wohlfühlt.“ Klaus Johann Katharina Stenglein ist Diplom-Biologin und hat sich während ihres Studiums auf Verhaltensbiologie konzentriert. Ihre Diplomarbeit schrieb die 31-Jährige über das Kooperationsverhalten von Wölfen und Hunden. Unter anderem arbeitete sie im Wolfcenter Dörverden und zog Welpen zu Studienzwecken mit der Hand auf. Beim NABU ist sie Wolfbotschafterin geworden und ist seit dem letzten Jahr hauptamtlich dort beschäftigt. Sie ließ sich über das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz LANUV zur Luchs- und Wolfsberaterin ausbilden. Für die Naturschutzverbände ist Katharina Stenglein Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft „Wolf“ und war Sprecherin des Landesfachausschusses. Das Projekt „Rückkehr des Wolfes nach NRW“ wird gefördert von der Stiftung Umwelt und Entwicklung.

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