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Neues aus dem Zoo Duisburg

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18 / KOALA In der Gruppe

18 / KOALA In der Gruppe fühlen sie sich wohl – Mövchen sind sehr gesellig. Altdeutsche Mövchen sind die Schönlinge unter den Tauben Seit den 1950er Jahren sind sie im Zoo Duisburg heimisch. Für Ur-Taubenväter gehörten sie praktisch zur Familie – die Altdeutschen Mövchen waren die Stars unter den gefiederten Freunden der Taubenzüchter. Die Schönlinge unter den zahlreichen Taubenrassen haben auch im Zoo Duisburg bis heute einen festen Platz in der Tierfamilie. Gehalten werden sie wie früher in einem offenen Schlag. Sie genießen ein Tierleben, das ihnen die Freiheit lässt, selber über ihre Ausflüge im Zoo oder in der Nachbarschaft zu entscheiden. Dabei werden die gurrenden Zoobewohner von vielen Besuchern gar nicht bewusst wahrgenommen. Zu unscheinbar erscheint ihr Quartier, das sie im Stallgebäude der Trampeltiere bezogen haben. Dabei könnten sie noch weit vor den mächtigen Wüstenbewohnern auf ihre Platzrechte pochen. Schon Anfang der 50er Jahre flogen sie ihre ersten Zoorunden, noch bevor Kamele 1956 im Kaiserberg-Stall ihr Quartier bezogen. Der Zweite Weltkrieg hatte auch für die Taubenpopulation in Deutschland schwere Folgen. Viele Bestände der Taubenrassen wurden im Krieg stark dezimiert. Erst allmählich erholten sich die Bestände und die Anzahl der Vögel nahm wieder zu. Nach und nach wurden wieder viele Tauben an Züchter abgegeben. Die Tatsache, dass Ziertauben auch im Zoo am Kaiserberg heimisch wurden, hängt mit der Leidenschaft des damaligen Zoodirektors Dr. Thienemann zusammen. Der Zoologe galt als ausgesprochener Geflügel- und insbesondere Taubenfreund, so dass eine kleine Kolonie von Ziertauben im Zoo etabliert wurde. Von dem Engagement des ehemaligen Zoochefs profitieren noch heute die Besucher. Verantwortlich für die Pflege der Tauben ist Mike Kirschner, Revierleiter im Kamelrevier. Der Tierpfleger teilt die Liebe zu den Tauben, hat er doch schon als 13-jähriger Altdeutsche Mövchen im heimischen Garten gezüchtet, während sein Vater sich der Zucht von Brieftauben verschrieben hatte. Mit Freude blickt der 50Jährige Mike Kirschner auf seine Schützlinge, die sich flügelflatternd an der Futterstelle neben dem Kamelgehege niederlassen. „Einige Nachkommen aus meiner Zucht gehören heute zu unserer Zoofamilie“, sagt Mike Kirschner voller Stolz. Mit 17 Jahren hat

KOALA / 19 Kirschner seine Lehre im Zoo Duisburg begonnen. „Damals“, erinnert er sich an die ersten Tage, „konnte ich nicht ahnen, dass ich später wieder zu meinen Tauben stoßen würde.“ Die zierlichen Tauben wirken wie stolze Kreaturen, die mit ihrer Haltung ihre Schönheit noch unterstreichen wollen. Ihre Haube wirkt wie eine besonders modische Perücke. Das Sträußchen am Hals verhilft ihnen als arttypische Zeichnung zu einem weiteren Schönheitsmerkmal. Wie aufgemalt wirken zwei streifenförmige Binden auf den Flügeln. In sieben unterschiedlichen Farbvariationen können diese charakteristischen Merkmale auftreten. „Altdeutsche Mövchen sind zierlicher, sie wurden fürs Auge gezüchtet“, weiß Mike Kirschner. Sie gelten im Gegensatz zu den Brieftauben nicht als Marathonflieger, halten sich meistens in der Nähe ihres Taubenschlages auf. Wie die meisten Tiermännchen, so wollen auch die Täuber ihre Schönheit beim Werben um Täubinnen herausstellen. Sie klatschen mit den Flügeln und plustern sich auf, um auf sich aufmerksam zu machen. „Die Pflege für die Taubenfamilie ist recht unkompliziert“, sagt Kirschner. Die Tiere werden mit frischem Wasser und Futter versorgt, das aus Erbsen, Wicken, Bruchmais, Weizen und Sämereien zusammengestellt wird. Grünzeug, das die Tiere ebenfalls verzehren, holen sie sich von nahe gelegenen Wiesen. Fürs Brutgeschäft wählen die Mövchen Nistnischen im Kamelhaus. Das Gelege kontrollieren die Pfleger nicht, um die Tauben nicht unnötig zu stören. Insgesamt 18 Tage brüten die Elternvögel, die übrigens in Einehe leben. Zumeist werden zwei Eier gelegt. In den ersten acht bis zehn Tagen nach dem Schlupf wird der Nachwuchs mit Milchschleim aus dem Kropf der Eltern ernährt, ehe die Jungvögel beginnen, die ersten Körner aufzupicken. Die ersten Federn sprießen nach 12 Tagen aus dem gelben Flaum. Vier Wochen dauert es, bis die eleganten Flieger zum ersten Mal in die Lüfte aufsteigen können. Da die Vögel, ähnlich wie vor 100 Jahren, dauerhaft draußen gehalten werden, sind sie durch den ständigen Wetterwechsel abgehärtet. Zudem wird dem Futter prophylaktisch ein- bis zweimal jährlich ein Zusatzmittel gegen möglichen Trichonomadenbefall beigemischt. So treten äußerst selten Krankheiten auf. Ihre zierliche Figur und geringe Fettanteile haben in der Nachkriegszeit sicher so manches Mövchen vor dem Kochtopf bewahrt. Denn die zarten Geschöpfe, glaubt Mike Kirschner, hätten auch in Hungersnöten allenfalls für ein Süppchen gereicht. Ein Gedanke, der dem leidenschaftlichen Taubenvater ohnehin niemals kommen würde. Sie sind viel zu schön, um vorzeitig zu sterben. Ein Blick in die Statistik reicht aus, um alle Befürchtungen zu zerstreuen. 18 Jahre und älter können die stolzen Flieger schon werden. Es sei denn, der Habicht hat mal wieder seine Runden über dem Kaiserberg gedreht und sich an einer unaufmerksamen Taube bedient. Klaus Johann Mike Kirschner mit einem Taubennest

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