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Neues aus dem Zoo Duisburg

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4 / KOALA Bereits in der

4 / KOALA Bereits in der letzten Ausgabe der Zeitschrift KOALA konnte der Zoo Duisburg über seine damals neu in den Zoo eingetroffenen Tasmanischen Beutelteufel berichten. Pünktlich zu den Osterfeien konnte seinerzeit die Neuanlage der Beutelteufel offiziell eröffnet werden. Mittlerweile haben sich die Tiere gut in ihrem neuen Umfeld eingelebt, so dass erste Erfahrungen aus der Haltung der Beutelteufel präsentiert werden können. Genau genommen muss man jedoch einen Blick zurück in die 1970er Jahre werfen, denn bereits zu dieser Zeit wurden Beutelteufel erstmalig im Zoo Duisburg gehalten und sogar erfolgreich gezüchtet. Seine ersten Beutelteufel erhielt der Zoo Duisburg im Jahre 1973 über den Zoo Neuwied, der seinerzeit ganz auf die Haltung australischer Beuteltiere spezialisiert war, zu denen auch der Beutelteufel zählt. Zwei weitere Beutelteufel erhielt der Zoo Duisburg seinerzeit im Jahr 1976 direkt aus Australien und nur ein Jahr später gelang die Erstzucht in Duisburg mit weiteren Zuchterfolgen in 1978 und 1979. Wie alle ursprünglich auf dem australischen Kontinent lebenden Säugetiere ist auch der Beutelteufel, wie der Name schon andeutet, ein Beuteltier. Die weiblichen Beutelteufel haben, ähnlich wie Kängurus und Koalas, einen Beutel, Tasmanische Beutelteufel in dem die Jungtiere aufgezogen werden. Nach einer sehr kurzen Tragzeit von nur etwa 1 Monat bringt ein Beutelteufelweibchen bis zu 40 winzig kleine Jungtiere zur Welt, die bei der Geburt kaum größer als ein Gummibärchen sind, unbehaart und blind sind und eigenständig den Weg in den schützenden Beutel der Mutter finden müssen. Da das Muttertier jedoch nur über insgesamt 4 Zitzen verfügt, an denen sich jeweils ein Jungtier fest ansaugt, nachdem dieses dorthin gelangt ist, bleiben alle übrigen Jungtiere auf der Strecke und sterben. Nicht selten werden diese überzähligen Jungtiere sogar von der eigenen Mutter gefressen. Im schützenden Beutel wachsen die Jungtiere heran, bevor sie diesen im Alter von etwa 3½ Monaten verlassen, nachdem die Jungtiere längst ein dichtes Fell entwickelt haben und wie kleine Beutelteufel aussehen. Bereits im zweiten Jahr erreichen Beutelteufel ihre Geschlechtsreife, was auch nötig ist, da die Tiere keine lange Lebenserwartung haben und kaum einmal 10 Jahre alt werden. Im Freiland liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei ca. 6 Jahren. Der älteste bekannte Beutelteufel wurde stattliche 13 Jahre alt, erreichte dieses Alter aber wohl auch nur aufgrund der guten Pflege und Versorgung im Zoo. Der Name Beutelteufel klingt alles andere als schmeichelhaft, ist aber durchaus passend, wenn man das Erscheinungsbild und das Wesen der Tiere betrachtet. Beutelteufel tragen ein pechschwarzes Fellkleid, das lediglich einige weiße Markierungen an der Brust und am Schwanzansatz aufweist. Auffällig sind die recht großen, fleischfarbigen Ohren, die bei Erregung des Tieres eine rötlichere Färbung annehmen. Im Erregungszustand geben die Tiere zudem einen äußerst unangenehmen Körpergeruch von sich. Trotz ihrer geringen Größe mit einer maximalen Körperlänge von 50 cm und einem Maximalgewicht bis 10 kg sind Beutelteufel absolut furchtlose Jäger, die auch vor größerer Beute keinen Halt machen. Mit ihrem extrem kräftigen Gebiss, das zu dem stärksten im ganzen Tierreich zählt, können sogar mittelgroße Kängurus erbeutet und zerlegt werden, wobei die Beutelteufel beim Kill dann nicht selten laut kreischende Schreie von sich gegeben werden. Ursprünglich waren Beutelteufel sowohl auf dem australischen Festland als auch auf der vorgelagerten Insel Tasmanien heimisch. Auf dem Kontinent wurden Beutelteufel jedoch aufgrund übermäßiger Bejagung und Lebensraumzerstörung durch den Menschen sowie der Konkurrenz mit dem australischen Wildhund, dem Dingo, bereits vor hunderten von Jahren ausgerottet. Lediglich auf Tasmanien überleben Beutelteufel, wobei auch dort deren Existenz gefährdet ist. Zwar ist die früher übliche Jagd auf Beutelteufel längst verboten und die Tiere sind gesetzlich geschützt, jedoch kursiert im Freiland eine äußerst ansteckende Krebserkrankung, die auch auf Tasma- erobern den Zoo Duisburg

KOALA / 5 Zuchterfolg bei den Beutelteufeln in den 1970er Jahren nien gebietsweise bereits zur Ausrottung der Beutelteufel geführt hat. Bei dieser sogenannten Devil Facial Tumor Disease (DFTD) werden ganze Gesichtspartien von dem Tumor überwuchert, was zum Tode der Tiere führt. Auf ganz Tasmanien gibt es lediglich zwei streng isolierte Beutelteufelpopulationen, bei denen dieser Tumor bislang noch nicht aufgetreten ist. In Australien hofft man, mit diesen beiden gesunden Populationen den Beutelteufel für die Nachwelt erhalten zu können. Unterstützung hierbei erfährt der Naturund Artenschutz in Australien durch die Erhaltungszucht in Zoologischen Gärten. Im Rahmen des Save the Tasmanian Devil Program (STDP) bemühen sich Naturschutzverbände auch eine Tumor-freie Population in der Zoowelt aufzubauen, als wertvolle Reservepopulation, falls die Entwicklung der Krebserkrankung im Freiland nicht in den Griff zu bekommen sein sollte. Neben zahlreichen australischen Zoos wurden Beutelteufel in Europa zuletzt nur noch im Zoo Kopenhagen in Dänemark gehalten. Die damalige sehr kleine europäische Zoopopulation der Beutelteufel, die ihren Anfang in den 1970er Jahren nahm, brach bereits Mitte der 1980er Jahre zusammen, da die wenigen fast Bei Erregung färben sich die Ohren des Beutelteufels rot. Das Gebiss ist eines der stärksten im Tierreich. Kein Wunder, dass sich die ersten Europäer auf Tasmanien beim Anblick dieses Raubbeutlers an den Teufel erinnert fühlten. ausschließlich im Zoo Duisburg gegeben Zuchterfolge nicht ausreichten, um eine vitale Population zu erhalten, zumal aufgrund der geringen Lebenserwartung der Beutelteufel die erfolgreichen Zuchttiere früh verstarben. Erst im 21. Jahrhundert sollte ein Neuanfang mit der Haltung von Beutelteufeln in Europa erfolgen. Als Staatsgeschenk anlässlich der Eheschließung des dänischen Kronprinzen Frederik mit der aus Australien stammenden Prinzessin Mary erhielt der Zoo Kopenhagen seine ersten Beutelteufel, die auch bald erfolgreich züchteten. Um diesmal ein langfristiges Bestehen der Beutelteufelpopulation in Europa zu garantieren, wurden weitere Zoos auserwählt, die Beutelteufel in ihren Bestand Beutelteufel sind vor allem eines: neugierig!

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