Aufrufe
vor 4 Monaten

Neusser Bürger-Schützenfest -ET 25.08.2017-

  • Text
  • Neusser
  • Neuss
  • August
  • Korps
  • Nickel
  • Christoph
  • Petra
  • Botschafter
  • Burkhard
  • Bunse

14 NEUSSER

14 NEUSSER BÜRGER-SCHÜTZENFEST ngz FREITAG, 25. AUGUST 2017 Nach dem Fackelzug gibt’s erstmal ein Bier Der Letzte schließt die Halle ab: Die Fackeln müssen nach dem Zug wieder zurück auf den „Bauplatz“ geschoben werden. Die Kraft reicht noch, um einen Kasten Bier zu tragen ... Das haben sich die Fackelbauer nach dem Marsch auch redlich verdient. Jede Fackel muss wieder an ihrem angestammten Platz in die Halle zurück. Sonst wird es zu eng. Geschafft! Die Krawatte ist schon gelockert. Gleich wird erst mal auf den erfolgreichen Fackelzug angestoßen. NGZ-FOTO (7): ANDREAS WOITSCHÜTZKE VON JASCHA HUSCHAUER NEUSS Bewegliche Dinosaurier, bunte Kinderfilm-Figuren oder kunstvoll illuminierte Karikaturen ziehen am Schützenfest-Samstag durch Neuss. Mit viel Liebe zum Detail bauen die Schützen ihre Großfackeln. Doch was passiert mit den Fackeln nach dem Zug? Wenn der Fackelzug auf die Krefelder Straße einbiegt, endet er nur wenige Meter entfernt von seinem Vorsichtshalber wird der Generator och ausgebaut. Und dann endlich gibt es das erste Bier für die Schützen. Start. Drei Kilometer weit sind die Schützen gelaufen. Die meisten ziehen dann direkt weiter zum Weißen Haus, in die Kneipe oder auf den Kirmesplatz. Selbst unter den Schützenzügen, die eine Großfackel gebaut haben, ist das kaum anders. Übrig bleiben vier bis sechs „Auserwählte“, die die Großfackel zurück in die Fackelbauhalle schieben. „Meistens sind das die vier Jungs, die schon beim Zug die Fackel geschoben haben“, erklärt Uwe Prepens vom Jägerzug „Doch op zack“. Der 59-Jährige ist im vergangenen Jahr mit von der Partie gewesen, als der Fackelzug nach dem Fackelzug sich in Richtung Barbaraviertel in Bewegung setzte. Doch dafür müssen sich alle erst mal auf der Königstraße versammeln. Denn auf eigene Faust können die Schützen nicht losziehen. Nur gemeinsam. Schließlich muss die Polizei dafür extra die Düsseldorfer Straße sperren. Und spätestens an der Halle müssen die Fackeln in festgelegter Reihenfolge ankommen – damit alle wieder an ihren Stellplatz gelangen. Recht geordnet geht das vonstatten. „Da weiß ja jeder, was er zu tun hat“, erklärt Prepens. Meist bauen die Schützen in der Halle noch schnell die Generatoren,, die den Strom für die Beleuchtung der Fackeln liefern, aus. Schließlich sind solche Motoren relativ wertvoll, und einen Diebstahl will da keiner riskieren. Während einige Schützen gehen, sitzen andere noch zusammen und stoßen mit einem kühlen Bier an. Nicht wenige von ihnen wirken ausgelaugt, aber auch glücklich. „Für mich ist das immer ein Hochgefühl, wenn man gelaufen ist, alles gehalten hat und man Applaus bekommen hat“, sagt Uwe Prepens, „Danach kann ich am Sonntag total entspannt aufstehen und ausgelassen Schützenfest feiern.“ Ganz anders sieht das jedoch aus, wenn etwas nicht funktioniert hat, wenn zum Beispiel einem Reifen unterwegs die Luft ausgegangen ist. „Es passiert selten, aber dann ist es unheimlich anstrengend, und du fährst aus Frust nur noch nach Hause“, sagt der 59-Jährige. An diesem Abend ist das aber keinem passiert. Alles läuft recht gemütlich ab. Wirklich ausgelassen zeigt sich nur eine Gruppe junger Schützen, die zusammen in einen Geburtstag reinfeiert. Berauscht von allem – vom Geburtstag, dem glatt gelaufenen Fackelzug und ein paar Bier und Schnäpsen – steigern sie sich in der Halle fröhlich in Nonsens-Ideen rein. Ein Zugmitglied hat wohl bei Wikipedia gelesen, dass die Wale von einer Art Wolf abstammen. „Dafür hat sich die Evolution über Jahrtausende aus dem Wasser gequält“, sagt einer verdattert. Und sein Kumpel erwidert fröhlich: „Wenn’s mit meiner Statistik-Prüfung nicht klappt, geh ich auch zurück ins Wasser.“ Dann setzen sich die Jungs ins Taxi und auf geht’s zu einer Party. Die Fackelbauhalle bleibt still zurück. Erst in ein Die Stimmung ist locker, aber einer hat immer alles im Griff. paar Wochen kommen die Fackelbauer noch mal dorthin, schieben die Fackeln zusammen und bocken sie auf, damit die Karnevalisten hier Platz haben, ihre Wagen für den Kappessonntag zu bauen. Wenn am Samstag die neuen Großfackeln die Stadt erleuchten, sind viele von ihnen auf der Grundlage derer entstanden, die im vergangenen Jahr dabei waren. Wochenlang haben Schützen an den „Neuen“ gearbeitet. Nun geht’s los – zur nächsten Party oder doch nach Hause.

ngz FREITAG, 25. AUGUST 2017 NEUSSER BÜRGER-SCHÜTZENFEST 15 Der Lauf durch das Obertor Das traumhaft schön angestrahlte Neusser Wahrzeichen durchschreiten die Schützen an den beiden Ehrenabenden. Und dabei rufen viele Züge ihren Spruch oder singen beim Betreten des Obertors das Heimatlied – zumindest den Refrain mit dem „Gloria“. VON CARINA WERNIG Eine Traum-Kulisse bietet sich dem Regiment an den Ehrenabenden: Die Schützen marschieren durch das erleuchtete Obertor. FOTO: ANDREAS WOITSCHÜTZKE NEUSS Als wären Oberst- und Königsehrenabend nicht schon würdevoll und feierlich genug, bietet sich den Schützen direkt nach dem Abmarsch von der Stadthalle ein besonderes Erlebnis: Der Gang durch das Obertor, eins der Neusser Wahrzeichen. Hell und traumhaft schön angestrahlt, schluckt es das Regiment Zug für Zug, um ihm nach ein paar Augenblicken den Einlass in die Innenstadt zu gewähren. Diese kurze Zeitspanne – und den beeindruckenden Hall-Effekt – nutzen viele Schützen aus, um ihre Heimatstadt Novesia mit ihrem Zug- Schlachtruf hochleben zu lassen. Das ist ein ganz besonderer Moment, auch für Oberst Walter Pesch. In den Reihen seines Grenadierzugs Mer donnt möt ut Frack“ hat er sehr gern dieses Ritual vollzogen, indem auf das „Mer donnt möt“ laut von allen „ut Frack“ gerufen wurde. Das ist unser Gruß an Neuss – und die große Schützen-Familie.“ An der Regimentsspitze führt Pesch diesen Brauch weiter, sein Adjutant Ben Dahlmann und er rufen „Ja looogisch – Oha“, das ist ihr Wahlspruch. Ganz schön ohrenbetäubend, was da auf die ganz wenigen Zuschauer, die sich zwischen die mächtigen Türme in den Obertor- Durchgang gewagt haben, an Rufen einwirkt. Auch die Musikgruppen, die mit hörbar mehr als Trommeln und Flöten durch das Tor marschieren, machen ihrem Namen als Klangkörper“ alle Ehre. Schon werden Ohrstöpsel vermisst, aber nicht lange, dann ist das erste Tambourkorps durchgelaufen – und so etwas wie Ruhe senkt sich auf die Zuschauer. Doch nicht für ewig, schmettert doch ein Grenadierzug den Refrain des Neusser Heimatlieds „Dort, wo die Erft den Rhein begrüßt“ – inklusive hallendes „Und singe Dir ein Gloria, weil ich ein Neusser bin“. Die Schützen müssen sich beeilen, den Kehrvers rechtzeitig herauszurufen, denn schon nähern sich Korpskameraden, die ihren – leider undefinierbaren – Zug- Spruch brüllen. Wenn es Gemeinsamkeiten gibt, dann den Hintergrund: Während einige Jäger „Horri-Do“ rufen, und bei der Schützenlust mal ein fröhliches „Hossa, Hossa, Hossa“ erklingt, bestehen die meisten Rufe aus dem Zugnamen, der stimmgewaltig dem Obertor und ganz Neuss kundgetan wird. Ein Schütze – meistens der Oberleutnant – gibt den Ruf vor, dabei widmet er ihn „Unserem Oberst“ oder „Unserem Schützenkönig“ – gern mit einem „dem lieben“ versehen, falls die Zuggemeinschaft ihn näher kennt oder er aus ihrem Korps stammt – oder eben „Unserer Vaterstadt Neuss“. Dann folgt „ein dreifaches...“ – und schon ruft der gesamte Zug aus Leibeskräften. Es gibt natürlich auch Schützenzüge, die nicht mitrufen, sondern „einfach so“ das Obertor durchschreiten. Wenn dort jeder Zug rufen würde, wäre auch nichts mehr zu verstehen... Wer an diesem Hör- Erlebnis teilhaben möchte, kann sich schon mal die Termine für 2018 merken: 4. und 11. August, ab 21 Uhr – eher später, je nach Verlauf der Ehrenabende in der Stadthalle.

Sonderveröffentlichungen