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Neusser Bürger-Schützenfest -ET 25.08.2017-

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18 NEUSSER

18 NEUSSER BÜRGER-SCHÜTZENFEST ngz FREITAG, 25. AUGUST 2017 Neuss NGZ-AKTION Ein Foto mit dem kompletten Zug Zum Schützenfest reisen etliche Ex- Neusser aus aller Welt an, um gemeinsam in ihrem Schützenzug über den Markt zu marschieren. Mittlerweile ist es für viele bereits Tradition geworden, sich mit der kompletten Zuggemeinschaft ablichten zu lassen. Über die Jahre entsteht so ein schönes Bilddokument, an dem man die Entwicklung ablesen kann. Schon seit einigen Jahren bietet die Neuß-Grevenbroicher Zeitung an, sich in ungewöhnlicher Kulisse fotografieren zu lassen. Nicht weit weg vom Geschehen, aber doch in Ruhe. Am kommenden Sonntag (27.) wird von 9.30 bis 16 Uhr an der Stadtmauer an der Batteriestraße (Höhe Zeughaus) eine Zeitungskulisse aufgebaut, vor der Sie sich zusammen mit Ihrem Zug fotografieren lassen können. Eine Anmeldung ist wegen des zu erwartenden Andrangs erwünscht – am besten per Mail an die Adresse schuetzenfoto@ngz.de. Ihr Foto wird am Dienstag, 29. August, in der NGZ und im Internet auf www.ngzonline. de veröffentlicht. Einer der Züge, der schon 2016 die Chance nutzte. ARCHIVFOTO: LBER KINDERBELUSTIGUNG Gut eingespieltes Team für Kinder Kein Schützenfest ohne Kinderbelustigung: Das gilt seit 125 Jahren, seit das „Hohe Komitee“1891 die Turngemeinde Neuss (TG) darum bat, die Kinder unter den Besuchern an den Festtagen zu bespaßen. Spiele wie die „Sauhatz“ – ein mit Schmierseife eingeriebenes Schwein musste gefangen werden – stehen heute zwar nicht mehr auf dem Plan, aber auch im aktuellen Programm gibt es noch genug, was Kindern schon seit Generationen Spaß macht: Eierlaufen, Sackhüpfen, Grööschkessuche (die Groschen sind heute gegen Kaubonbons getauscht, die aus einer Schale Mehl rausgesucht werden) oder auch das Wööschkesschnappe (Würstchenschnappen). In der KÖNIGSGESCHENK Die Chronik der Könige Zwei Kabel im Boden der Krämerstraße, die sich am Ende als alte Telefonkabel erwiesen, waren das letzte Hindernis, das Karl-Theo Reinhart zu überwinden hatte. Aber die fünf Wochen, die bis zur Klärung der Bedeutung dieses unerwarteten Bodenfundes verstrichen, konnten den Schützenkönig des Jahres 2005/ 06 auch nicht aus der Ruhe bringen – angesichts von zwei Jahren, in denen sein Königsgeschenk nicht zu sehen gewesen war. Ärgerlich allerdings war nur, dass er als Stifter bei der Rückkehr seiner Königsstele nicht dabei sein konnte. So erledigten die Handwerker das alleine und ganz routiniert. Mit der Stele kehrt auch ein kleines Nachschlagewerk Um die 25 Mitglieder hat das Team von Tobias Thiel (2. Reihe. l.), das auf der Festwiese für die Kinder da ist. FOTO: TG NEUSS in die sogenannte Schützenstraße zurück. Denn die Arbeit, die auf einer Edelstahlsäule ein Modell des Königsvogels in einem angedeuteten Kugelfang-Kasten zeigt, listet alle Königsnamen seit Gründung des Neusser Bürger-Schützen-Vereins im Jahr 1823 auf – einschließlich der amtierenden Schützenmajestät Christoph Napp-Saarbourg. Die Stele war zweimal so ramponiert worden, dass ihr Stifter noch einmal zur Reparatur tief in die Tasche greifen musste. Der Schaden, den ein Müllauto vor zwei Jahren anrichtete, war fast irreparabel. Ein Versicherungsfall. Jetzt steht die Stele wieder – innerlich deutlich verstärkt. -nau PARKHÄUSER Einheitlicher Pauschaltarif Während des Schützenfestes gilt in den von der City-Parkhaus GmbH bewirtschafteten Parkhäusern „Rheintor“ (Rheinstraße), „Niedertor“ (Adolf-Flecken-Straße), „Tranktor“ (Europadamm/Hessenstraße) und Rathausgaraget ein einheitlicher Schützenfesttarif von pauschal drei Euro. Genauer heute und morgen ab 16 Uhr, Sonntag und Montag ab 7 Uhr, Dienstag ab 13 Uhr. Bei der Rathausgarage ist zu beachten, dass die Anfahrt nur über die Peter-Wilhelm-Kallen-Straße und die Abfahrt über die Michaelstraße, lagebedingt in Richtung Zollstraße oder über die Klostergasse, erfolgen muss. Regel sind die Spiele für Kinder zwischen vier und 12 Jahre geeignet. Erstmals wird es auch einen kleinen Bereich für die Unter- Dreijährigen geben. Tobias Thiel und sein Team sind sich sicher, dass es ohne dieses Angebot auf der Festwiese nicht so rund laufen würde. „Kirmes und das Schützenfest waren und sind immer Familienfeste“, sagt er, der seit 1990 bei der Kinderbelustigung der Turngemeinde Neuss dabei ist. Schon seit vielen Jahren verknüpft die TG Neuss den Spaß für die Kinder mit einer sozialen Initiative. Dieses Jahr ist eine Aktion geplant, bei der die „Stolpersteine“, die an Juden während des Zweiten Weltkrieges und ihre Deportation in Vernichtungslager erinnern, geputzt werden. GRENADIERKORPS Mitmarschieren bei der Steubenparade Die Grenadiere nehmen schon das nächste Jahr ins Visier. Dann feiert das Korps sein 195-jähriges Bestehen und will das auf besondere Weise kundtun. „Als Botschafter des rheinischen Brauchtums“ und der Stadt Neuss organisiert der Vorsitzende Rainer Halm eine Fahrt zur Steubenparade im September 2018 in New York. Die Parade ist eines der größten Ereignisse im deutschamerikanischen Festkalender, wurde 1957 von deutschstämmigen Amerikanern zum ersten Mal organisiert. Bis September werden noch Anmeldungen entgegengenommen. Rund 60 Plätze sind dabei zu vergeben, für die Reisenden ist schon ein Programm zusammenge- IM FERNSEHEN Center.TV, WDR und NE-WS 89.4 Center.TV, der WDR und NE-WS 89.4 sind dabei, wenn die Schützen heute marschieren. Center.TV filmt das Geschehen im Rathaus und auf dem Markt und zeigt eine Zusammenfassung am Montag, 28. August, ab 17 Uhr in seiner Sendung „Düsseldorf aktuell“. Am Sonntag zwischen 11 und 14 Uhr werden die Moderatoren Thomas Vogel und Herbert Breidenbach (er ist selber Schütze) den Umzug für den WDR kommentieren, der live berichtet. Für den Neusser Radiosender NE- WS 89.4 berichten Michelle Fausten und Maik Kivelip zwischen 12 und 15 Uhr aus dem Rathaus. Zum Abschluss der Berichterstattung sind Mark Pesch und Julia Knuppertz am Dienstag ab 18 Uhr live beim Königsvogelschießen auf der Wiese dabei. stellt, das von der Unterbringung über eine Reisezeitverlängerung für einen Besuch in Philadelphia und Washington bis zur Anmeldung für die Steubenparade-Party reicht. Natürlich steht für die Männer die Teilnahme an der Parade im Mittelpunkt – in Grenadier-Uniform, versteht sich. Auch Bürgermeister Reiner Breuer hat Interesse, aber muss noch klären, ob die Reise machbar ist. Er ist Grenadier und gehört zum Zug „Wisse Röskes“. Als Schütze hat er übrigens schon ordentlich gefeiert – in Allerheiligen. Denn beim Neusser Schützenfest muss er sich eher zurückhalten, schließlich steht er als Bürgermeister auf dem Markt und nimmt die Parade mit ab.

ngz FREITAG, 25. AUGUST 2017 NEUSSER BÜRGER-SCHÜTZENFEST 19 Die Reitersiegerfamilie Der Mann weiß natürlich, wie es geht. Burkhard Witte hat schließlich Reitercorps-Geschichte geschrieben. Als erstes Mitglied in der langen und traditionsreichen Geschichte des Corps hat er sich zum zweiten Mal den Titel des Hohen Reitersiegers gesichert. Schon 2008, als er sich erstmals beim Ringstechen durchsetzte, war sein Pferd Raphaelo dabei. Im vergangenen Jahr zeigte Burkhard Witte im Sattel dann erneut, dass Raphaelo und er ein tolles Duo bilden. Ein Besuch auf dem Dückershof in Kaarst unterstreicht das. Es ist der Reiterhof, auf dem die pferdebegeisterte Familie des Hohen Reitersiegers sozusagen ihr Vier-Hufe-Hauptquartier hat. Burkhard Wittes Ehefrau Gitta steigt dort ebenso regelmäßig in den Sattel wie die beiden Söhne Alexander (16) und Edgar (9) und der Reitersieger selbst. Es ist eine durch und durch pferdebegeisterte Familie, die dem Schützenfest entgegenfiebert und den Beweis antritt: Beim zweiten Mal ist alles mindestens genauso schön wie beim ersten Mal. Als Hoher Reitersieger ist Burkhard Witte mittendrin in der Schützen-Begeisterung. Der Diplom-Ingenieur, der als Prüf-Ingenieur und Schaden-Gutachter bei der Dekra in Neuss tätig ist, lässt keinen Zweifel daran, dass seine Vorfreude mindestens genauso groß ist wie vor beinahe zehn Jahren. Viele Abläufe kennt Burkhard Witte bereits von damals, 2008/2009, er sieht das als Vorteil. „Man ist natürlich entspannter als beim ersten Mal“, Burkhard Witte ist zum zweiten Mal Hoher Reitersieger. Er hat damit Reitercorps-Geschichte geschrieben. Seine Familie ist durch und durch pferdebegeistert – und liebt den Reitsport. Sie freuen sich auf das Schützenfest (v.l.): Alexander, Edgar, Gitta und Burkhard Witte mit den beiden Pferden Vertice (l.) und Raphaelo. Auf Raphaelo siegte Burkhard Witte bereits zweimal beim Siegerstechen des Neusser Reitercorps. 2016 hatte er im neunten Durchgang als erster Teilnehmer drei Ringe gestochen. NGZ-FOTO: ANJA TINTER räumt der 52-Jährige ein. „Dafür kann man das Schützenfest aber umso mehr genießen.“ Burkhard Witte kostet daher jeden Termin aus und freut sich auf die Tage, während derer Neuss so richtig fest in Schützenhand ist. Er weiß um das identitätsstiftende Gemeinschaftsgefühl des Festes, das die Stadt zusammenschweißt. Und was wäre dieses Fest ohne seine Reiter? „Wir sind Kult“, sagte Schützenkönig Christoph Napp-Saarbourg jüngst beim Königsehrenabend über das Brauchtum, und das gilt auch für das stolze Neusser Reitercorps von 1828. Burkhard Witte ist ein erfahrener Reiter. Seit seinem siebten Lebensjahr liebt er den Pferdesport, seit einem Jahrzehnt ist er Mitglied im Reitercorps. Zuvor war er als Turnierreiter erfolgreich in Springprüfungen bis Klasse M und S. Die Begeisterung für den Pferdesport wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt: Wittes Mutter Gerta ritt ebenfalls Turniere. Auf dem Reiterhof ist sie häufig nicht fern, wenn Burkhard, Gitta, Alexander oder Edgar Witte eines der Pferde satteln. Wer sieht, mit welcher Gutmütigkeit und welchem Vertrauen die beiden Pferde Raphaelo und Vertice beim Ortsbesuch mit den Wittes raus aus der Halle aufs Gelände trotten, der spürt die enge Verbindung der Familie zu den stolzen, schönen Tieren. Und er sieht, wie sich die Pferde auf ihre Reiter verlassen und dass da eine besondere Verbindung besteht. Selbst der kleine Hund Freddy, den die Familie einst aus einem Tierheim holte, geht wie selbstverständlich mit. Auch er gehört dazu, wenn’s darum geht, schnell ein Familienbild zu schießen. In den Sommerferien haben die Wittes kurz zuvor noch einmal Kraft getankt. Auf die Kanarischen Inseln sind sie geflogen, nach Fuerteventura. „Das ist seit Jahren unser bevorzugtes Urlaubsziel“, sagt Burkhard Witte. Mal so richtig ausspannen, die Akkus aufladen, um braungebrannt voll in den Schützenfest- Modus zu schalten – Fuerteventura bietet da nun mal alles, was die Wittes sich wünschen. Auf die Frage, worauf sie sich beim Schützenfest am meisten freuen, sprudelt es nur so aus ihnen heraus. Auf die Parade, na klar. Und den Fackelzug. Die Bälle nicht zu vergessen. Und überhaupt die Stimmung, die in Neuss so einzigartig ist. „Ich freue mich natürlich darauf, die Parade vom Balkon aus zu sehen“, sagt Gitta Witte. „Das ist auf jeden Fall ein herausragendes Erlebnis.“ Ihr Mann fiebert unter anderem dem Königsmahl entgegen. Und die Söhne? Bei denen steht natürlich auch ein Gang über die Kirmes hoch im Kurs. Am Ende geht es dann aber doch noch mal um die Erfahrung. Auch wenn er zum zweiten Mal Reitersieger ist, gelte doch: Jedes Kirmes sei einzigartig. Burkhard Witte betont das noch einmal. Ob er noch ein drittes Mal Reitersieger werde möchte? Witte lächelt. „Zweimal Reitersieger – das ist für mich so etwas wie einmal Schützenkönig“, sagt er dann. Andreas Buchbauer

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