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Neusser Bürger-Schützenfest -ET 25.08.2017-

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20 NEUSSER

20 NEUSSER BÜRGER-SCHÜTZENFEST ngz FREITAG, 25. AUGUST 2017 Sag mir, in welchem Korps du bist... ... und ich sage dir, wer du bist. Jedes Korps zieht seine eigenen Typen an. Eine Betrachtung. Sappeur-Korps Das Sappeur-Korps führt das Regiment an. Es wurde 1830 gegründet und hat rund 20 Mitglieder. Grenadierkorps Edelknaben Jägerkorps Schützenlust Hubertus-Schützen Schützengilde Scheibenschützen Artillerie-Corps Reitercorps Zum Grenadierkorps von 1823 gehören rund 1600 Mann. Sie ziehen in Frack und Zylinder durch die Stadt. Seit 1835 gibt es das Edelknabenkorps. Die etwa 40 Jungs sind die jüngsten Marschierer im Regiment. Das Jägerkorps von 1823 umfasst rund 800 Mann und zählt zu den Schützen der ersten Stunde. Der heilige Hubertus ist der Namensgeber der Schützengesellschaft von 1899 mit mehr 1600 Mann. Die Gesellschaft „Freischütz“ ist die Keimzelle der Schützenlust. Rund 800 Aktive sind dabei. Die Schützengilde geht auf 1850 zurück, seit der Renaissance 1961 hat sie um 600 Mitglieder. 130 Aktive der 600 Jahre alten Scheibenschützen- Gesellschaft marschieren in einer Tracht mit. Hingucker der 30 Mann starken Artillerie von 1854 ist der Kanonenwagen – mit Sitzgelegenheiten. Die 30 Reiter mit ihren Pferden des gleichnamigen Corps von 1828 bilden den Schluss des Regiments. GRAFIK: ZÖRNER VON LUDGER BATEN NEUSS Wie unter Sportlern, so gilt auch unter Schützen das distanzaufhebende „Du“. Die vertraute Anrede drückt verbal aus, was die Uniform sichtbar macht: Wir alle sind gleich, wir alle sind Neusser, ohne Rücksicht auf gesellschaftliche und soziale Unterschiede. In der Tat wird der nicht eingeweihte Zuschauer glauben, Schütze sei Schütze, wenn am letzten August-Wochenende 5748 Schützen in zehn Korps und mehr als 300 Zügen gegliedert an ihm vorbei ziehen. Doch es passt nicht jeder Typ in jedes Korps, geschweige denn in jeden Zug, die alle ihre individuelle Ausprägung, ihre unverwechselbare DNA haben. Darum gilt umgekehrt: Sage mir, in welchem Korps, in welchem Zug, du mitmachst, und ich sage Dir, wer du bist. Selbst wer nur beiläufig erwähnt, dass er aktiver Schütze ist, wird sofort die Frage hören: „Wo machst Du denn mit?“ Outet sich der Befragte als Mitglied der Schützenlust, so liegt die Vermutung nahe, einem Akademiker gegenüberzustehen. Zumindest einem Abiturienten, denn die Mehrzahl der Lust-Züge akquiriert sich aus Jahrgängen, die am Quirinus-Gymnasium ihr Abitur gemacht haben, eine Zuggemeinschaft gründen, gemeinsam alt werden und nach 40, 50 Jahren auch gemeinsam aufhören. Warum gehen diese jungen Züge gern zur Schützenlust? Erstens: Junge Züge ziehen Gleichaltrige an. Zweitens: Der (finanzielle) Aufwand ist bei der Lust relativ gering. Die Züge müssen zum Beispiel kein Blumenhorn mitführen. Drittens: Das liberale Leitmotiv des Korps lockt vor allem junge Menschen an: So viel Freude wie möglich, so viel Disziplin wie nötig. Den alternativen Ansatz liefern Jäger und Grenadiere. Beide Korps standen 1823 Pate als der Bürger- Schützen-Verein sich formierte. Sie sind bis heute die Heimat vor allem von Handwerkern und Angestellten. So wie in Meisterbetrieben die Verantwortung von einer Generation auf die nächste übertragen wurde, so organisierten die Schützen auch ihre Züge: Bei den Jägern marschieren Vater und Sohn, Opa und Enkel oft Seite an Seite. So überrascht es nicht, dass mit dem 1884 gegründeten Zug „Knüver“ auch der älteste im Regiment aktive Zug bei den Grenadieren zu finden ist. Auch bei den Jägern finden sich viele Gemeinschaften, die sich in den 1920er Jahren gefunden haben. Vielleicht erklärt sich so auch, warum in jüngster Vergangenheit die Schützenlust mit mehr als 1600 Mann zum kopfstärksten Korps aufstieg, dort die Jäger ablöste, die inzwischen weniger als 800 Aktive auf den Markt bringt: Die Söhne des Handwerkmeisters bleiben nicht im Familienbetrieb, folgen Vater nicht in den Jägerzug, sondern auch sie besuchen das Gymnasium und gründen nach dem Abitur mit Schulkameraden einen Zug, der sich dann zur Ballotage bei der Schützenlust anmeldet. In welchen Korps die Neusser zu Hause sind, die mit ihren Händen gestalten, belegt ein Blick auf die Liste der fackelbauenden Züge: Spitze sind die Grenadiere mit 38 Großtransparenten, gefolgt von den Jägern, die mit 28 Wagen deutlich mehr Großfackeln auf die Straße bringen als die mehr als doppelt so große, von Akademikern geprägte Schützenlust, die es auf 22 Fackeln bringt – und in den vergangenen Jahren ihren Beitrag zu dieser Neusser Tradition spürbar belebt hat. Das Quintett der in Züge gegliederten Korps komplettieren die Hubertusschützen und die Gilde, die mit 791 beziehungsweise 633 Aktiven zu den „mittelgroßen“ Korps gehören, aber im Vergleich zur Lust und zu den Grenadieren ein viel intensiveres Korpsleben pflegen. Das dokumentiert sich allein schon darin, dass es einen Gilde- und auch einen Hubertuskönig gibt, während sich Grenadiere, Jäger und Schützenlust mit einem Sieger begnügen. Die Soziologie der Neusser Korps und Züge wäre es wert, wissenschaftlich aufgearbeitet zu werden.

FREITAG, 25. AUGUST 2017 NEUSSER BÜRGER-SCHÜTZENFEST Das müssen Sie machen Kirmes der Kuscheltiere Es ist der Traum aller Kinder (und vieler Erwachsener) – einmal im Leben an der Losbude auf der Kirmes den Hauptgewinn ziehen. Der liegende Tiger hat schon Generationen begeistert, ist fast ein Klassiker und immer noch dabei. Das gleiche gilt für den Teddy, aber schon der Hund sieht aus wie Terrier-Mischling Max aus „Pets“ und der Drache Ohnezahn aus „Drachenzähmen leicht gemacht“. Sie sind halt die neuen Kuscheltiere. FOTOS: WOITSCHÜTZKE | GRAFIK: ZÖRNER

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