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Neusser Bürger-Schützenfest -ET 25.08.2017-

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ngz FREITAG, 25. AUGUST 2017 NEUSSER BÜRGER-SCHÜTZENFEST 7 Chinas Botschafter folgt dem Ruf der Schützen Shi Mingde ist seit fünf Jahren Geschäftsträger der Volksrepublik in Berlin. Er kennt Neuss gut. Jetzt kommt er als Ehrengast zur Parade. VON LUDGER BATEN So war’s 2013: Der damalige Schützenkönig Jörg Antony (2. v. l.) zeichnet Botschafter Shi Mingde mit einem Orden aus; v. l.: Gastgeber Cornel Hüsch, Bundesminister Hermann Gröhe und Schützenpräsident Thomas Nickel. ARCHIVFOTO: WOI tionen in New York. Sein Auftrag: Deutschland, das sich um einen der auf zwei Jahre befristeten Sitze im Sicherheitsrat (2019/20) bewirbt, in dieser „Weltregierung“ zu führen und dort dann auch später zu vertreten. Die ständige Mitglieder im Sicherheitsrat sind auch dessen Vetomächte: USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich. Wenn mit Botschafter Shi nun ein hoher Repräsentant der Volksrepuser auch begeisterter Schütze. Wer Heusgens Büro im Kanzleramt betrat, konnte sich einem Hinweis auf das Schützenfest in dessen Heimatstadt nicht entziehen: Ein Plakat war unübersehbar. Inzwischen hat Christoph Heusgen, der seit mehr als 40 Jahren im Schützenlustzug „Nur so“ marschiert, eine neue Aufgabe übernommen. Er ist nun Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Na- Botschafter Shi gilt als enger Vertrauter von Xi Jinping. ARCHIVFOTO: END Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßt beim Empfang für das Diplomatische Corps den Botschafter Chinas, Shi Mingde. FOTO:DPA blik zum Neusser Schützenfest kommt, belegt das auch, wie wichtig für China die Rheinschiene ist. Der Großraum Düsseldorf gehört zu den wichtigsten Standorten des erdumspannenden chinesischen Netzwerkes. Am Rhein leben viele Chinesen, am Rhein lassen sich viele Unternehmen aus dem Reich der Mitte nieder. Huawei in Düsseldorf ist das bekannteste Beispiel. Darum ist Botschafter Shi Mingde regelmäßig Seit 2012 in Berlin: Shi Mingde und Ehefrau Xu Jinghua. ARCHIVFOTO: WOI NEUSS Wenn Sonntag zur Königsparade – und auch zu seinen Ehren – mehr als 7700 Schützen und Musiker aufmarschieren, dann wird der Gast aus Fernost nicht wirklich überrascht sein und in eine für ihn fremde Kultur eintauchen. In China sind Aufmärsche und Paraden beliebt, besitzen Tradition. Zudem war Shi Mingde bereits 2013 in Neuss zu Gast. Damals folgte er als Privatmann einer Einladung der Kanzlei Dr. Hüsch & Partner, um sich gemeinsam mit seiner Frau Xu Jinghua die große Königsparade anzusehen. In diesem Jahr kehrt Pekings Botschafter in Berlin als einmaliger Ehrengast zum Schützenfest nach Neuss zurück. Shi Mingde gilt als enger Vertrauter von Staatspräsident Xi Jinping. Die Botschafter der Großmächte haben vor einigen Jahren das Neusser Schützenfest als spannendes Ziel entdeckt. Weltpolitik in der Provinz. Mit Shi Mingde kommt bereits zum fünften Mal der Botschafter eines Staates nach Neuss, der dem Sicherheitsrat der Vereinigten Nationen als ständiges Mitglied angehört. Den Anfang machte 2011 Philip D. Murphy (USA), dessen Amtsnachfolger John B. Emerson im Vorjahr ebenfalls dabei war. Auch die Botschafter Großbritanniens, Sir Simon McDonald (2014), und Frankreichs, Philippe Etienne (2015), waren bereits Ehrengäste bei der Königsparade. Nach den Geschäftsträgern der drei Westmächte erscheint nun mit Shi Mingde gar der Repräsentant der aufstrebenden wirtschaftlichen und politischen Macht China, um sich im Rheinland aktiv unter die Schützen zu mischern. Die Vorliebe der Chefdiplomaten aus der Hauptstadt Berlin für das kleine Neuss hat einen Namen: Christoph Heusgen. Der angesehene deutsche Diplomat war nicht nur von 2005 bis vor wenigen Monaten der Außen- und Sicherheitspolitische Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, sondern ist als Neusam Rhein zu Gast; im September ist er Schirmherr beim Festival Alte Musik in Knechtsteden, das im Dreiklang „China – Europa – Luther“ stehen wird. Chinas Milliarden-Euro-Projekt, die neue „Seidenstraße“, die als Schienenverbindung in Duisburg endet, lockte schon den Staatspräsidenten Xi Jinping an. Sein Botschafter pflegt die Kontakte. Der Besuch beim Schützenfest gehört dazu. Hydro-Geschäftsführer Volker Backs hat es als Neusser Bürger nicht weit NEUSS Wenn Volks Backs sein Wohnzimmerfenster am letzten August-Wochenende öffnet, hört er Marschmusik, denn seit drei Jahren wohnt der Manager mit seiner Frau Renate in der Neusser Innenstadt. So kann er Paradensonntag zu Fuß ins Rathaus gehen, wo der Hydro- Geschäftsführer als einmaliger Ehrengast zum Schützenfest erwartet wird: „Es ist eine wunderbare Gelegenheit, das Brauchtum der Region zu leben und Hydro als Teil dessen zu repräsentieren.“ Kein Neusser Bürger kommt am Schützenwesen vorbei. So auch Volker Backs nicht, der von „zahlreichen Einblicken“ berichtet, die ihm Freunde und Bekannte ermöglicht haben, die im Schützenwesen engagiert sind: „Es gab daher einige Veranstaltungen, an denen ich sehr gern teilgenommen habe, obwohl ich keinem Zug angehöre.“ Besonders gefällt ihm der Fackelzug. Im Schützenwesen mit seinen Werten wie Traditionssinn, Kameradschaft und Engagement erkennt er Parallelen zur Kultur von Hydro Aluminium und den Werten „unserer zirka 5000 Mitarbeiter im Rhein- Kreis an den Standorten in Neuss und in Grevenbroich“ – und das seit mehr als 100 Jahren. Mit Stolz verweist Backs darauf, dass es „durch Zusammenarbeit und Entschlossenheit“ gelungen sei, in den vergangenen Jahren eine Viertelmillion Euro in „unsere lokalen Werke zu investieren und diese weiter auszubauen in Richtung besonders zukunftsfähiger Produkte und Verfahren wie Leichtbau für Autos und Recycling und Kreislaufwirtschaft“. Hydro verfolgt das Ziel, bis 2020 klimaneutral zu werden. Wohnt im Herzen der Stadt Neuss: Ehrengast Volker Backs. FOTO: HYDRO/VIERING Volker Backs stammt aus dem südniedersächsischen Hannoversch Münden, in Göttingen studierte er Betriebswirtschaft. Nach der Ausbildung stand fest, dass er in der Industrie arbeiten wollte. Das führte ihn bereits 1991 in den Kreis Neuss, zunächst nach Grevenbroich. Der Diplom-Kaufmann ist seit mehr als 26 Jahren beim norwegischen Aluminium-Giganten Hydro, der weltweit 13.000 Menschen beschäftigt – bis 2002 firmierte das Unternehmen hierzulande als VAW, Vereinigte Aluminium Werke. Seit Neujahr 2015 ist Volker Backs Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Hydro Aluminium Deutschland und der Hydro Aluminium Rolled Products. Zudem sitzt Backs seit 2009 Mitglied im Aufsichtsrat bei AluNorf GmbH (Neuss) und ist seit 2016 Vorstandsmitglied des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft VIK. Auf sein Schützen-Gastspiel freut sich Volker Backs, insbesondere auf die Kutschfahrt am Nachmittag: „Da werde ich vermutlich viele liebe Menschen aus meiner beruflichen und privaten Umgebung sehen.“ KOLUMNE DIE AUSWAHL DER EHRENGÄSTE Über die hohe Kunst der Netzwerk-Diplomatie In Berlin gab’s ein Treffen, zu dem der frühere US-Botschafter John B. Emerson eingeladen hatte. Bundesminister Hermann Gröhe, ARD-Intendant Tom Buhrow sowie RheinLand-Vorstand Christoph Buchbender waren dabei. Was auffällt: Diese Berliner Viererrunde entsprach eben jenem Quartett, das im Vorjahr beim Umzug am Schützenfest-Sonntag in Neuss in einer Kutsche so viel Freude gehabt hatte. Schon 2010 hatte Heinz Schmidt das Schützenfest-Fieber gepackt. Am liebsten hätte der Unternehmer aus Mönchengladbach, als damaliger IHK-Präsident Ehrengast bei der Königsparade, noch beim Empfang im Rathaus einen „Zug der Ehrengäste“ gegründet. Ein Mitstreiter fand sich spontan: Ewald Woste, damals Thüga-Chef und ebenfalls Ehrengast in Neuss. Auch wenn es nie zu einem „Zug der Ehrengäste“ gekommen ist – und vermutlich auch nicht kommen wird –, so zeigt die kleine Anekdote doch, wie sehr auch prominente Gäste die intensive und dennoch entspannte Atmosphäre des Schützenfestes schätzen. Dort kommt es zu Begegnungen der sogenannten einmaligen Ehrengäste untereinander, aber auch der Ehrengäste mit den Neusser Gastgebern aus dem Komitee des Bürger-Schützen-Vereins und mit Vertretern von Politik und Verwaltung der Stadt Neuss. Die Auswahl der Ehrengäste ist so- mit selten Zufall und immer auch Chefsache. Präsident Thomas Nickel lädt die Gäste ein und bereitet sie auf das vor, was sie in Neuss erwartet – und auf das, was in Neuss von ihnen erwartet wird. Zu den Grundsätzen zählt, dass kein aktiver Neusser Schütze als einmaliger Ehrengast eingeladen wird. Ebenso, dass in Wahljahren Politiker außen vor bleiben. So ist es auch in diesem Jahr, denn am 24. September wird ein neuer Bundestag gewählt. Ehrengäste sind Volker Backs von Hydro und Chinas Botschafter Shi Mingde. Backs freut sich, denn „ein Austausch bezüglich Wirtschaftspolitik oder zum Klimaschutz könnte bestimmt interessant werden“.

FREITAG, 25. AUGUST 2017 NEUSSER BÜRGER-SCHÜTZENFEST Das müssen Sie sehen Die Türmer von Neuss Die Ampeln am Rathaus dienen den Schützen zur Orientierung beim Aufmarsch. Aber wer schaltet sie eigentlich von Rot auf Grün? Und was passiert, wenn eine Birne streikt? Auch von der zweiten Etage des Rathauses hat Udo Kanthak einen guten Blick auf die Schützen. Per Telefon gibt er seinem Kollegen durch, wenn die Ampel auf Grün geschaltet werden kann. Der 55-Jährige hat bereits 27 Jahre Erfahrung. FOTO (3): LOTHAR BERNS Der Zeitpunkt, wann die Ampeln auf Rot geschaltet werden müssen, ist in einem Regieplan des Schützenkomitees genau festgehalten. Unten wartet Heiko Schöpel auf das Signal. Wenn es soweit ist, betätigt er den Schalter mit der Aufschrift „S10“ für das grüne Licht. Hätte Udo Kanthak Höhenangst, dann könnte er seinen Job nicht machen. Was einigen Menschen schon in Gedanken die Schweißperlen auf die Stirn treibt, ist für den 55-Jährigen sogar ein Vergnügen. Er genießt den Blick über die Dächer von Neuss. Den Blick auf die Schützen, die sich vor den Umzügen aufstellen. Den Blick auf die Szenerie, die er mit seinem „Go“, das er per Handy durchgibt, beeinflussen kann. Aber Kanthak klettert die zwei steilen, wackeligen Metall-Leitern am Schützenfest-Wochenende nicht hinauf, um die Aussicht zu genießen. Ihm geht es um die „Schützenampeln“, die an drei Seiten des Rathaustürmchens blinken. Sie dienen den Schützen zur Orientierung beim Aufmarsch. Werden die Ampeln beim Start der Umzüge von Rot auf Grün gestellt, wissen die Schützen auf den weiter entfernten Antreteplätzen, dass es für sie bald losgeht. Seit 27 Jahren ist Kanthak bereits Hausmeister, und somit gleichzeitig „Ampelmann“ im Neusser Rathaus. Auch für seine Kollegen Heiko Schöpel und Ernst Eggert sind die Schützenfest-Tage mit strammem Programm verbunden. Doch Kanthak und Co. haben Glück: Nicht bei allen Umzügen müssen sie das Rathaus-Türmchen, das gerade einmal rund fünf Quadratmeter Platz bietet, erklimmen. Ich muss nur beim Fackelzug hoch, weil ich so auf die Hafenstraße blicken kann, wo sich die Schützen aufstellen“, sagt Kanthak. Bei der Königsparade, wo die Schützen sich auf der Höhe des Löwen positionieren, geht es in die zweite Etage. Auch da ist Teamarbeit gefragt. „Bei den anderen Umzügen reicht einer. Da können wir von unten auf den Markt gucken“, sagt der 55-Jährige. Mit „unten“ meint der Hausmeister einen kleinen Raum nahe des Rathaus-Haupteingangs. In dem großen Schaltkasten gibt es zwei kleine Knöpfe, die in diesem Fall entscheidend sind. „S10“ für Grün und „S11“ für Rot. Gibt einer das Signal per Handy durch, schaltet sein Kollege unten die Ampel auf Grün. Der Zeitpunkt wird aber nicht nach Gefühl der erfahrenen Hausmeister gewählt. Vielmehr müssen auf einen vorgegebenen Regieplan des Schützenkomitees halten. „Da steht genau drin, zu welcher Uhrzeit auf Rot geschaltet wird. Da ist nichts willkürlich. Das Schalten auf Grün ist jedoch abhängig vom Standort Wenn der Umzug vorbei ist, zeigen die Ampeln wieder Rot. Am ßenbeleuchtung der Neusser Innenstadt dort, wo der Fackelzug langgeht“, sagt Kanthak, für den das Lichterspektakel am Samstagabend ein Schützenfestkalenders ist. „Es ist mit Stress verbunden. Wir kriegen nicht wirklich viel mit“, sagt der Denn er und seine Kollegen sind nicht nur als „Ampelmänner“ im Einsatz, sondern zuständig für alles, was anfällt. Also für sämtliche Reparaturen oder Umbaumaßnahmen. Auch die Räume für die Ehrengäste müssen vorbereitet werden. Einlasskontrollen gehören ohnehin zu ihren Aufgaben. Stühle auf den Rathaus-Balkon stellen? Decken auf dem Geländer platzieren? Reinigungen kontrollieren? Checken, dass die Fahnen ordentlich hängen und sich nicht im Wind verheddert haben? Aber was geschieht eigentlich, wenn plötzlich etwas schiefgeht? Wenn eine oder gleich mehrere Birnen defekt sind? So eine Panne hat es laut Kanthak noch nie gegeben. Beginn des Schützenfestes ansteht. Da werden nicht nur die Schützenampeln gecheckt – für den Notfall gibt es mehrere Reserve-Birnen im Schrank –, sondern auch die Innenstadtbeleuchtung. „Wir prüfen, ob auch wirklich alle Laternen ausgeschaltet sind“, sagt Kanthak, der selber kein Schütze ist – was aufgrund seines Jobs wohl auch nicht kombinierbar Ein Worst-Case-Szenario gibt es aber doch: „Es wäre sehr schlecht, wenn eine Birne genau vor einem Umzug defekt ist. Das sollte nicht sich Kanthak, Schöpel und Eggert der Schützen“, sagt Kanthak. Samstagabend wird sogar die Au- ausgeschaltet. „Überall Höhepunkt eines vollgepackten Hausmeister. Ebenfalls. Dies ist wohl der peniblen Vorbereitung geschuldet, die eine Woche vor wäre. passieren“, sagt der Hausmeister schmunzelnd. Simon Janssen

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